19.07.2021 - 10:12

Krankheitserreger im Wasser Vorsicht bei Hochwasser: Diese Infektionskrankheiten drohen

Gummistiefel sind der Mindestschutz bei Aufräumarbeiten im Hochwassergebiet. Wie Sie sich sonst noch vor Infektionsgefahr schützen.

Foto: Getty Images/U.Ozel.Images

Gummistiefel sind der Mindestschutz bei Aufräumarbeiten im Hochwassergebiet. Wie Sie sich sonst noch vor Infektionsgefahr schützen.

Starkes Hochwasser birgt viele Gefahren: Es weicht das Erdreich auf, zerstört Häuser, bedroht sogar Menschenleben – aber nicht nur durch reißende Strömungen oder durch den Wasserdruck einstürzende Gebäude oder Böden. Es bringt auch verschiedenste Keime zusammen – aus Natur, Kanalisation und mehr. Wie kann man sich schützen?

Hochwasser ist grausam. Die direkten Schäden zeigen sich sehr schnell: vom vollgelaufenen Keller bis hin zur dramatischen Überschwemmung mit aufgebrochenen Straßen, zerstörten Häusern und eingestürzten Böden. Doch das braune Wasser, das sich unbarmherzig seine Wege durch das Leben Betroffener bahnt, birgt noch eine andere Gefahr: Hochwasser kann Infektionskrankheiten verursachen – genauer gesagt Keime und Giftstoffe, die aus verschiedensten Gründen ins Wasser gelangen.

Während Badeseen schon bei kurzzeitigem Starkregen verunreinigt werden können, kann starkes Hochwasser auch das Grundwasser verunreinigen und in schweren Fällen sogar die Wasserversorgung beeinflussen. Wie sehr aber auch Helfende und Betroffene bei Hochwasserkatastrophen aufpassen müssen, zeigt die aktuelle, katastrophale Situation im Westen Deutschlands. Wie aber können sich Menschen vor diesen Keimen schützen?

Hochwasser birgt Infektionsgefahren: Daran liegt's

Je höher der Wasserpegel durch starken Regen, über die Ufer tretende Flüsse oder überlaufende Kanalisationen steigt, desto größer ist das Risiko, in Hochwassergebieten auf Infektionskrankheiten zu treffen. Im Ausnahmezustand ist das natürlich für Betroffene erst einmal nebensächlich: Es gilt, unmittelbar bedrohte Leben zu retten. Doch geht es dann an die Aufräumarbeiten, ist ein gewisser Schutz ratsam – besonders, wenn das Wasser noch nicht ganz abfließen konnte. Denn je länger verunreinigtes Wasser steht, desto gefährlicher wird es.

Durch überlaufende Klärwerke und Kanalisationen, mitgeschwemmte Düngemittel oder Tierfäkalien von Feldern und Weiden und leider auch durch noch nicht gefundene Opfer einer Flutkatastrophe – Mensch oder Tier – machen sich Magen-Darm-Erkrankungen auslösende Keime breit. Außerdem steigt das Risiko für Hepatitis A sowie für den "Wundstarrkrampf" Tetanus, etwa wenn Keime durch Verletzungen in den Körper eintreten.

Hinzu kommen Mücken, für die Hochwassergebiete eine optimale Brutstätte bilden – und die ihrerseits mitunter schwere Krankheiten übertragen können.

Außerdem kann es sein, dass Giftstoffe aus Fabriken ins Wasser geraten.

So schützen Sie sich gegen Infektionen im Hochwassergebiet

Geholfen werden muss selbstverständlich trotzdem. Aus aktuellem Anlass möchten wir an dieser Stelle all denen unseren Dank aussprechen, die beherzt mit anpacken und mithelfen, Menschen zu retten, die Wassermassen abzupumpen und die Aufräumarbeiten zu unterstützen. Die folgende kleine Checkliste hilft Ihnen, sich dabei selbst gegen Hochwasser-Infektionskrankheiten zu schützen:

  • Wenn Sie sich ins Wasser begeben müssen, tragen Sie am besten entsprechende Kleidung: mindestens Gummistiefel, noch besser wasserabweisende Kleidung, unbedingt auch wasserdichte Handschuhe – so, dass das Wasser gar keine Chance hat, Ihren Körper zu berühren.
  • Waschen Sie regelmäßig Ihre Hände mit Wasser und Seife und desinfizieren Sie sie. Insbesondere vor dem Essen oder Rauchen sollten Sie dies tun. In verschmutzten Bereichen am besten gar nicht essen oder rauchen.
  • Nach getaner Arbeit Arbeitskleidung am besten mit möglichst sauberem Wasser abspülen, ausziehen und den Körper säubern.
  • Schützen Sie unbedeckte Körperstellen mit Insektenschutz.
  • Ist Ihr Tetanus-Impfschutz noch aktuell? Wenn nicht, lohnt ein kurzer Anruf in der Hausarztpraxis für einen Impftermin. Generell sollte die Tetanus-Impfung alle zehn Jahre aufgefrischt werden.

Fall für Gesundheitsamt und Feuerwehr: Wann Experten übernehmen sollten

Mit anzupacken ist wichtig. Jedoch gibt es Momente, in denen Sie unbedingt das Gesundheitsamt, die Experten von der Feuerwehr oder des Katastrophenschutzes alarmieren sollten:

  • Wenn Sie einen Tierkadaver finden.
  • Wenn Sie einen ungewöhnlich starken, beißenden Geruch wahrnehmen.
  • Wenn Sie merken, dass Giftstoffe ausgetreten sind.

Entfernen Sie sich in diesen Fällen schnellstmöglich vom Ort und melden Sie Ihren Fund umgehend.

Vorsichtsmaßnahmen bei leichtem Hochwasser

Mit leichtem Hochwasser haben verschiedene Regionen immer mal wieder zu kämpfen. Auch wenn der Schaden dabei oft glücklicherweise geringer bleibt, gibt es ein paar Tricks, sich selbst zu schützen:

Nach Starkregen sollten Sie sich vor dem Besuch am Badesee immer informieren, ob die Wasserqualität zum Baden ausreicht. Denn durch starken Regen oder Hochwasser können Seen "kippen". Die Keimbelastung steigt, etwa durch Abwässer aus übergelaufenen Kanalisationen oder aufgeschwemmte Tierexkremente. Ähnliches gilt übrigens auch in langen Trockenzeiten, wenn viel Wasser verdunstet und die Wassertemperatur steigt. Auch hier sollten Sie immer erst nachfragen, bevor Sie baden gehen. Das Gesundheitsamt oder das Umweltamt für die Region können meist Aussagen zur Wasserqualität geben.

Achten Sie bei Hochwasser auf Meldungen bezüglich der Trinkwasserqualität. Werden Warnungen herausgegeben, sollten Sie Ihr Leitungswasser vor dem Gebrauch immer gut abkochen – auch vor dem Duschen oder Baden. Verunreinigungen können beispielsweise Legionellen sein, die unter anderem eine Lungenentzündung auslösen können.

Sollten Lebensmittel oder Gebrauchsgegenstände mit Hochwasser in Kontakt gekommen sein: Kontaminierte Lebensmittel sollten Sie auf keinen Fall mehr verzehren. Kleidung und Gebrauchsgegenstände sollten Sie gründlich bei hoher Temperatur waschen oder abwaschen.

Fazit: Infektionsgefahr bei Hochwasser ernst nehmen

Immer gilt: Sollte akute Gefahr durch Hochwasser oder andere Katastrophen bestehen, gilt es zuerst einmal, Leib und Leben vor der unmittelbaren Gefahr zu retten und dabei auch nach eigenen Möglichkeiten seine Mitmenschen außer Gefahr zu bringen. Dennoch sollte die Infektionsgefahr bei Hochwasser nicht unterschätzt werden. Insbesondere dann, wenn die akute Gefahr überstanden ist, gilt es, sich vor mittel- und langfristigen Schäden durch Infektionen zu schützen.

Auch gut zu wissen: Was sollte ich für Notsituationen wirklich im Haus haben?

Wie ist das eigentlich bei Wasserschäden in der Wohnung oder im Haus? Welche Versicherung zahlt, sehen Sie im Video:

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Quellen: Robert Koch-Institut über Infektionsrisiken in Übeschwemmungsgebieten, TÜV Rheinland via Presseportal zu Infektionsrisiken bei Überschwemmungen, Landkreis Lüneburg: Infektionsschutz bei Hochwasser

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