Aktualisiert: 13.07.2021 - 17:31

Herzmuskelentzündung als Nebenwirkung gelistet Myokarditis nach der Corona-Impfung: So lässt sie sich verhindern

Die Herzmuskelentzündung sowie die Herzbeutelentzündung sind als mögliche, aber äußerst seltene Nebenwirkung der mRNA-Impfstoffe gegen das Coronavirus gelistet. Warum der Nutzen trotzdem überwiegt, wie man Myokarditis und Perikarditis erkennt und wie man das Risiko senken kann.

Foto: Getty Images/tata99may; Canva.com [M]

Die Herzmuskelentzündung sowie die Herzbeutelentzündung sind als mögliche, aber äußerst seltene Nebenwirkung der mRNA-Impfstoffe gegen das Coronavirus gelistet. Warum der Nutzen trotzdem überwiegt, wie man Myokarditis und Perikarditis erkennt und wie man das Risiko senken kann.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Europäische Arzneimittelagentur EMA listen Myokarditis und Perikarditis nun offiziell als seltene Komplikation nach der Impfung mit mRNA-Impfstoffen. Warum dennoch der Nutzen der Impfung überwiegt und vor allem: Wie Sie eine Herzmuskelentzündung nach der Impfung im Ernstfall schnell erkennen und handeln können.

Nach der Impfung mit mRNA-Impfstoffen gab es weltweit vereinzelte Meldungen über Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) oder Herzbeutelentzündungen (Perikarditis). Nun bestätigen auch WHO und EMA offiziell einen möglichen Zusammenhang. Wie schützt man sich vor einer Myokarditis nach der Corona-Impfung?

Myokarditis nach der Corona-Impfung: So viele Fälle sind bekannt

In den vergangenen Monaten gab es unter anderem aus Israel, aber auch den USA und anderen Ländern Meldungen über Herzmuskelentzündungen, die meist im Rahmen von zwei Wochen nach einer Impfung mit einem der mRNA-Impfstoffe aufgetreten waren. Meist waren jüngere, männliche Personen betroffen und nach der zweiten Impfung gab es mehr Fälle.

Der Pharmakovigilanzausschuss PRAC der EMA ist zusammen mit der WHO nun der US-Impfkommission gefolgt und hat die Komplikation ins offizielle Register der möglichen Nebenwirkungen der mRNA-Vakzine Comirnaty (Biontech und Pfizer) sowie Spikevax (Moderna) aufgenommen.

Dafür hatte das PRAC eine Analyse von 145 Myokarditis-Fällen nach der Impfung mit Comirnaty aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) zu Rate gezogen. Nach der Impfung mit Spikevax von Moderna waren 19 Fälle bekannt geworden. Fünf Fälle seien tödlich verlaufen, heißt es dort, alle im fortgeschrittenen Alter oder vorerkrankt. Zur Einschätzung: Bis zum Zeitpunkt der Erhebung Ende Mai waren im EWR rund 177 Millionen Impfdosen Comirnaty und etwa 20 Millionen Dosen Spikevax verimpft worden.

In den USA waren unter 296 Millionen Impfdosen insgesamt 1.226 Verdachtsfälle gemeldet worden. 484 konnten bisher von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) überpfüft werden, 323 konnten zugeordnet werden. Davon seien 95 Prozent milde verlaufen und mittlerweile wieder genesen. Todesfälle habe es in den USA keine im Zusammenhang mit Myokarditis oder Perikarditis nach Impfungen gegeben.

Das war bisher bekannt: Myokarditis nach der Impfung: Bericht aus Israel meldet Zusammenhang.

So erkennt man eine Myokarditis nach der Impfung

Dass ein Zusammenhang besteht, stellen die genannten Stellen nicht infrage, weisen aber darauf hin, dass die Erkrankungen milde verlaufen und es in den meisten Fällen mit einer ganz normalen Behandlung, wie sie bei Myokarditis vorgesehen ist, schnell zu einer vollständigen Genese kommt. Dazu gehört vor allem Ruhe sowie je nach Schwere die Gabe nichtsteroidaler Antiphlogistika (NSAID), schreibt die WHO in einer Pressemeldung.

Dennoch betont der PRAC, wie wichtig Aufklärung ist, um eine Myokarditis schnellstmöglich zu erkennen oder möglicherweise sogar zu vermeiden. Geimpfte sollten bei der Impfung auf die sehr geringe Möglichkeit der Komplikation aufmerksam gemacht werden und insbesondere auf folgende Symptome achten:

  • Atemnot
  • Palpitationen (zu schneller oder unregelmäßiger Herzschlag, subjektives Gefühl)
  • Brustschmerzen

Herzmuskelentzündung: Diese elf Symptome ernst nehmen!

Dr. Wimmer: Herzmuskelentzündung
Dr. Wimmer: Herzmuskelentzündung

Kann man sich vor einer Myokartidis schützen?

Ganz klar ist nicht, was die Myokarditis nach der Impfung auslöst, aber eines ist nach einer Impfung nie falsch: Ruhe halten. Das kann zumindest das Risiko etwas senken. Denn eine Impfung, insbesondere eine hochpotente wie die mit mRNA-Impfstoffen, bringt unser Immunsystem in Schwung. Es wird ein Eindringling, in diesem Fall das Spike-Protein vom Körper selbst gebaut, unschädlich gemacht, worauf der Körper oft mit typischen Kranheitssymptomen wie Kopfschmerzen, Unwohlsein oder Fieber reagiert.

Auch, wenn diese Symptome nicht auftreten, so bringt eine Impfung doch eine gewisse Anstrengung für den Körper mit. Es kann daher nicht schaden, sich in den ersten Tagen nach der Impfung nicht vollständig zu verausgaben. Insbesondere, wenn Sie körperlich vorbelastet sind, sollten Sie es nach einer Impfung etwas ruhiger angehen und ein paar Tage keinen heftigen Sport treiben. Selbstverständlich sind sanfte Betätigungen wie Spazierengehen durchaus gesund. Aber geben Sie Ihrem Körper ein wenig Ruhe und die Möglichkeit, die durch den Impfstoff hergestellten Proteine mit voller Kraft bekämpfen und damit lernen zu können.

Ein typischer Auslöser einer Myokarditis ist nämlich zu große Anstrengung, wenn der Körper sowieso schon geschwächt ist. Daher kommen Herzmuskelentzündungen auch ohne Impfung häufig vor, insbesondere wenn eine eigentlich harmlose Erkrankung wie eine Erkältung nicht richtig auskuriert worden ist. Unser Herz-Kreislauf-System kann sonst durchaus einmal aus dem Ruder laufen. Auch bei Covid-19-Patient:innen zeigen sich im MRT häufig Anzeichen einer Myokarditis, haben laut eines Berichts von Kardiologie.org Experten festgestellt. Das Herz könne aufgrund des Coronavirus längerfristig Schaden nehmen. Ein Grund mehr, auf die Impfung gegen Sars-CoV-2 zu vertrauen: Es wird aufgeklärt, und der Nutzen übersteigt die Risiken um ein Vielfaches.

Quellen: CDC: Morbidity and Mortality Weekly Report, aerzteblatt.de, pharmazeutische-zeitung.de, kardiologie.org

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