Aktualisiert: 12.07.2021 - 16:02

Weitere Varianten unter Beobachtung Lambda-Variante: Das wissen wir über die Coronavirus-Mutante

Mithilfe von Sequenzierungen können Forschende mehr über die Verbreitung der verschiedenen Coronavirus-Varianten herausfinden. Aktuell unter Beobachtung: die Lambda-Variante.

Foto: Getty Images/Longhua Liao

Mithilfe von Sequenzierungen können Forschende mehr über die Verbreitung der verschiedenen Coronavirus-Varianten herausfinden. Aktuell unter Beobachtung: die Lambda-Variante.

Die eine Bedrohung ist noch gar nicht richtig da und schon kommt die nächste um die Ecke: Während sich in Europa derzeit die ansteckende Delta-Variante des Coronavirus ausbreitet, macht bereits die Lambda-Variante Schlagzeilen. Und sie ist nicht die einzige unter Beobachtung der Weltgesundheitsorganisation WHO stehende neue Mutante von Sars-CoV-2. Was wissen wir und worauf müssen wir uns einstellen?

So neu ist sie eigentlich gar nicht: Die Lambda-Variante des Coronavirus ist bereits seit August 2020 bekannt. Seit Monaten kursiert sie in den Ländern Lateinamerikas – und mittlerweile ist sie auch in Europa und mit bisher wenigen Fällen auch in Deutschland angekommen. Kann sie die sich hier derzeit durchsetzende Delta-Variante verdrängen? Bisher steht sie – übrigens zusammen mit zwei anderen Varianten – nur unter Beobachtung der WHO. Aber warum eigentlich?

Lambda-Variante: Coronavirus unter Beobachtung

Spanien, Großbritannien, jetzt auch Deutschland: Wo gerade erst die bisher ansteckendste Coronavirus-Variante die Vorherrschaft übernommen hat, ist nun mit Lambda eine weitere Variante von Sars-CoV-2 hinzugekommen. Bisher steht sie unter Beobachtung der WHO. Die Vermutung: Aufgrund ihrer charakteristischen Mutationen könnte sie noch ansteckender sein als die bisherigen Virusvarianten. Allerdings sind noch lange nicht alle Daten ausgewertet.

Woher kommt die Lambda-Variante – und wo kursiert sie derzeit?

Lambda ist auch bekannt unter den Bezeichnungen C.37, GR/452Q.V1 und 20D. Erstmals wurde sie im November 2020 in Argentinien beschrieben, im Dezember 2020 folgte eine Meldung aus Lima, der peruanischen Hauptstadt. Von da aus breitete sie sich aus und machte im April 2021 in Peru 97 Prozent aller Coronavirus-Fälle aus. Ab Mai sanken die Zahlen hier jedoch wieder ab.

29 Länder haben bislang Ausbrüche mit der Lambda-Variante vermeldet. Derzeit am stärksten verbreitet ist sie in Chile mit 994 nachgewiesenen Fällen und den USA, aber auch in Argentinien, Kolumbien, Ecuador, Mexiko und auch in Israel gab es nachgewiesene Infektionen. Hinzugekommen sind wie gesagt nun auch Infektionen in diversen europäischen Ländern, darunter Deutschland.

In Spanien sind nachweislich bislang 56 Menschen infiziert, berichtet die Initiative GISAID in ihrer Datenbank, doch man geht von mehr Fällen aus. Möglicherweise kommen mindestens 80 Infektionen an der Nordküste des Landes, in Kantabrien hinzu. In Deutschland sind bislang 100 Infektionsfälle mit der Lambda-Variante bekannt.

Die Zahlen pro Land scheinen sehr niedrig. Allerdings wird nicht jede Virusprobe sequenziert, weshalb die Dunkelziffer vermutlich jeweils höher liegt. Zum Vergleich: In Großbritannien ist Lambda bisher für 7 bekannte Fälle verantwortlich, während Delta nachweislich 111.967 Infektionen zu verantworten hat. Man hat jedoch in der Vergangenheit gesehen, wie schnell sich ansteckendere Varianten ausbreiten können, und daher wird Lambda derzeit beobachtet.

Was ist anders an Lambda?

Bisher wissen Forschende, dass sich im Spike-Protein bei der Lambda-Variante sechs neue Mutationen gebildet haben, die das Protein etwas verändert haben. Besonderes Augenmerk werfen die Wissenschaftler:innen dabei auf zwei Mutationen direkt an der Bindungsstelle, mit der sich das Coronavirus Zutritt zu unseren Zellen verschafft.

Interessant ist, dass am Ende des Spike-Proteins ein Abschnitt fehlt, so berichten Forschende in einem wissenschaftlichen Papier vom 3. Juli, das bisher aber noch nicht von unabhängigen Stellen geprüft wurde und sich damit im sogenannten "Preprint" befindet.

In einem Bereich ähnelt die Lambda-Variante den Varianten Alpha, Beta und Gamma.

Was bedeuten diese Veränderungen für uns?

Die WHO beobachtet die Variante derzeit hinsichtlich Übertragbarkeit, Krankheitsverlauf und Impfstoff-Wirksamkeit. Zudem wird geprüft, wie Infizierte auf medikamentöse Behandlung ansprechen und wie sich eine Variante diagnostizieren lässt. Die Delta-Variante beispielsweise zeigt andere Symptome als die bis zu ihrem Auftauchen typischen Covid-19-Anzeichen. Mit der Zeit haben sich die typischen Symptome von Covid-19 geändert. Bei Delta ähneln sie anfänglich eher denen einer Erkältung.

Immer, wenn Mutationen am Spike-Protein auftauchen, besteht die Gefahr, dass das Coronavirus dadurch ansteckender wird. Außerdem wird eine stärkere Resistenz gegenüber den derzeit genutzten Impfstoffen befürchtet. Auch hierzu gibt es eine bislang noch nicht unabhängig geprüfte Studie im Preprint.

Werden die Impfungen irgendwann nutzlos?

Gerade die Frage, ob unsere Impfstoffe noch sicher genug vor schweren Erkrankungen mit einer neuen Variante schützen, treibt viele um. Zwar deutet die oben genannte Studie darauf hin, dass Lambda einen gewissen Immunschutz zu umgehen scheint. Jedoch gibt es auch erfreuliche Meldungen aus Peru, wo Lambda dominiert. Laut Nachrichtenagentur Andina scheinen der auch bei uns verwendete Coronavirus-Impfstoff Comirnaty von Biontech und Pfizer sowie mit Abstrichen auch der in Peru zusätzlich genutzte Vektor-Impfstoff von Sinopharm zuverlässig vor einem schweren Verlauf von Covid-19 zu schützen. Das deutet zumindest darauf hin, dass auch die anderen mRNA- und Vektor-Impfstoffe gut wirken dürften. Probleme gab es derweil mit Coronavac des chinesischen Herstellers Sinovac in Chile. Hier hatte es einige Impfdurchbrüche gegeben. Der Impfstoff steht schon länger in der Kritik, schützt aber zumindest vor sehr schweren Krankheitsverläufen.

Dennoch bleibt die Gefahr, dass jede neue Variante auch den Impfschutz schmälern könnte. Insbesondere solange ein Großteil der Erdbevölkerung noch nicht geimpft oder immun durch Erkrankung ist, können sich neue Varianten besonders schnell entwickeln. Je mehr Menschen immunisiert sind, desto weniger kann sich das Coronavirus allerdings ausbreiten und desto seltener kommt es auch zu Mutationen. Die allerdings können natürlich trotzdem auftreten. Aus diesem Grund arbeiten die Impfstoffhersteller bereits an modifizierten Impfstoffen. Wer grundimmunisiert ist, kann seinen Impfschutz dann später, wenn nötig, mit geringerer Impfdosis mithilfe einer solchen "Booster-Impfung" auffrischen lassen. Auch für Delta steht dies im Raum. Jedoch gibt es hier noch keine abschließenden Erkenntnisse ob der Notwendigkeit.

Nicht nur Lambda: Diese Varianten werden beobachtet

Bisher gehört die Lambda-Variante zu den von der WHO beobachteten "Varianten von Interesse" (VOI, variants of interest). Bestätigen sich die Vermutungen, könnte Lambda einen Schritt weiter rücken in der Klassifizierung der WHO. Auch die bisherigen Varianten, die sich stark verbreitet haben, starteten als VOI, bis die WHO sie als "Besorgnis erregende Varianten" (VOC, variants of concern) eingestuft hat: zuletzt Alpha, Beta, Gamma und die sich aktuell durchsetzende ansteckendere Variante Delta.

Verwirrt von all den griechischen Buchstaben? So sind die Coronavirus-Varianten mittlerweile benannt.

Noch sind die Zahlen der Infizierten mit der Lambda-Variante gering. Wollen wir hoffen, dass das so bleibt. Dafür ist wie bisher auch unsere Mitarbeit gefragt: Auch, wenn derzeit überall Lockerungen kommuniziert werden und man auch in Deutschland darüber diskutiert, helfen doch Abstand, Maske und Hygiene nebst Impfungen nachweislich am besten gegen die Ausbreitung des Coronavirus und seiner Varianten.

Aktuell dominiert die Delta-Variante in Deutschland. Im Video haben wir sechs Fakten zur Mutante zusammengestellt:

Sechs Fakten zur Delta-Mutation
Sechs Fakten zur Delta-Mutation

Quellen/Studien:

GISAID zu Varianten, dpa, spektrum.de, mdr.de

Romero, Tsukayama et al. (medRxiv, 3. Juli 2021): "The Emergence of SARS-CoV-2 Variant Lambda (C.37) in South America"

Acevedo, Soto-Rifo et al. (medRxiv, 1. Juli 2021): "Infectivity and immune escape of the new SARS-CoV-2 variant of interest Lambda"

Tada, Landau et al. (medRxiv, 3. Juli 2021): "SARS-CoV-2 Lambda Variant Remains Susceptible to Neutralization by mRNA Vaccine-elicited Antibodies and Convalescent Serum"

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