Aktualisiert: 08.07.2021 - 17:22

Schwer, wieder ins Berufsleben zu starten Brustkrebs überstanden – und doch kehrt die Normalität nicht zurück

Nach überstandenem Brustkrebs zurück ins Berufsleben: Was Normalität wiederherstellen könnte, ist für viele Betroffene gar nicht so einfach.

Foto: Getty Images/Panuwat Dangsungnoen

Nach überstandenem Brustkrebs zurück ins Berufsleben: Was Normalität wiederherstellen könnte, ist für viele Betroffene gar nicht so einfach.

Der Brustkrebs ist besiegt – eigentlich eine erlösende Botschaft. Doch trotzdem fällt es Betroffenen auch lange nach offizieller Genese schwer, wieder wie zuvor gewohnt ins Berufsleben zurückzukehren. Ein Teufelskreis kann entstehen, erklären Forschende.

Brustkrebs lässt sich heute immer besser therapieren: 88 Prozent der Frauen überleben eine Brustkrebsdiagnose. Doch kann das Leben danach ganz normal weitergehen? Nicht jede Patientin kann nach der Therapie erfolgreich ins Berufsleben zurückkehren, berichten Forschende. Denn sowohl Folgen der Therapie als auch Ängste machen es Betroffenen schwer, wieder ganz normal zu leben. Wie können ehemalige Brustkrebs-Betroffene wieder ins Berufsleben zurückkehren?

Nach der Brustkrebs-Therapie zurück in den Beruf? Warum das oft schwerfällt

In einer wissenschaftlichen Betrachtung haben sich Forschende der Universität Bonn und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) genauer angesehen, warum Menschen mit Brustkrebs trotz erfolgreicher Therapie nur schwer wieder in ihr gewohntes berufliches Umfeld zurückkehren können.

Eigentlich wäre diese Rückkehr zur Normalität genau das, was Betroffene nach der schweren Therapiezeit brauchen, sagt Kati Hiltrop von der Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Bonn (UKB): "Die Rückkehr an den Arbeitsplatz ist wichtig – als ein Stück Normalität und Sinnstif­tung nach krebsbedingter Krise." Aber dieser Schritt fällt schwer, und zwar aus verschiedenen, sowohl körperlichen als auch psychischen Gründen.

Wer eine Chemotherapie hinter sich hat, leidet nicht selten an Folgeerscheinungen. Besonders häufig ist das Fatigue-Syndrom, das chronische Erschöpfungssyndrom. Doch auch die Angst, einen Rückschlag zu erhalten und wieder an Krebs zu erkranken, lähmt und schränkt damit die Leistungsfähigkeit ein. Betroffene fühlen sich dann schnell nicht arbeitsfähig genug und sehen sich oft selbst eher als Ballast, was wiederum zu weiteren Problemen führt.

Studie zeigt Schwierigkeiten beim langfristigen Ausführen des Berufs

In einer Folgestudie des Projekts "Strengthening patient competence: Breast cancer patients' information and training needs" (PIAT, zu deutsch etwa: "Patientenkompetenz stärken: Informationen und Weiterbildungsbedürfnisse für Brustkrebs-Patientinnen) haben die Forschenden nun mit 184 Patientinnen gesprochen, die nach der Therapie an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt sind. Seit der PIAT-Studie, an der 1000 Pbrobandinnen teilgenommen hatten, sind nun fünf bis sechs Jahre vergangen.

Befragt wurden die Teilnehmerinnen in vier Terminen via Umfrage und Interview, wie sich ihr Gesundheitszustand aktuell auswirkt, ob und wie häufig berufliche Veränderungen aufgetreten waren und als wie erfüllend sie ihren Job zum Zeitpunkt der Befragung wahrnahmen. Die Zufriedenheit der beruflichen Entwicklung nach der Diagnose bzw. der Rückkehr in den Job stand dabei im Mittelpunkt der Studie.

Etwa die Hälfte der Befragten gab an, seitdem mindestens eine berufliche Veränderung erlebt. Davon seien 16 Prozent nicht aus freien Stücken geschehen. Besonders genannt wurden höhere Arbeitsbelastung, höherer Arbeitsumfang sowie der Renteneintritt. "Die Ergebnisse legen nahe, dass die ehemaligen Brustkrebspatientinnen nach der Rückkehr Schwierig­keiten haben, die beruflichen Anforderungen langfristig zu erfüllen und es folglich zu beruflichen Veränderungen kommt", erklären die Mitglieder der Arbeitsgruppe in ihrer Arbeit, die im Journal of Cancer Survivorship erschienen ist.

Die wichtigsten Fakten über Krebs in Deutschland
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Wie kann das Berufsleben nach der Brustkrebsdiagnose erfolgreich weitergehen?

Was aber tun, damit der Wiedereinstieg in den Beruf nach erfolgreicher Therapie gut funktioniert und Patientinnen wieder zur Normalität zurückkehren können? Wichtig dafür seien laut Hiltrup ein vertrauensvolles Arbeitsumfeld sowie Verständnis und Unterstützung gegenüber den Patientinnen – und zwar langfristig. Hier sind also sowohl Arbeitgeber als auch Kolleg:innen gefragt.

Was aber können Betroffene tun? Wichtig ist transparente Kommunikation. Setzen Sie zusammen mit Ihren Vorgesetzten kleine, aber klare und vor allem erreichbare Ziele und sprechen Sie regelmäßig miteinander. Zögern Sie auch nicht, bei auftauchenden Problemen nachzufragen.

Arbeitgebende wiederum tun gut daran, ihren Mitarbeitenden zuzuhören und sie auf dem Weg zu unterstützen. So lässt sich die Arbeitskraft zwar sukzessive, dafür aber mittel- und langfristig wieder herstellen.

Damit der Krebs gut bekämpft werden kann, ist es wichtig, ihn früh genug zu erkennen. Diese ersten Symptome deuten auf Brustkrebs hin. Hilfreich bei der Krebsvorsorge ist das richtige Brustabtasten. Blinde Frauen können dies lehren.

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