Aktualisiert: 08.07.2021 - 16:15

Kombinationsimpfstoff geplant Moderna startet Studie: mRNA-Impfstoff gegen Grippe verimpft

Das Biotechnologie-Unternehmen Moderna arbeitet derzeit nebst Corona-Impfstoffen auch an Grippe-Impfstoffen. Der erste davon wird nun klinisch getestet. Zukünftig soll es sogar Kominationsimpfstoffe gegen mehrere Atemwegserkrankungen geben.

Foto: IMAGO / photothek

Das Biotechnologie-Unternehmen Moderna arbeitet derzeit nebst Corona-Impfstoffen auch an Grippe-Impfstoffen. Der erste davon wird nun klinisch getestet. Zukünftig soll es sogar Kominationsimpfstoffe gegen mehrere Atemwegserkrankungen geben.

Die mRNA-Technologie eignet sich nicht nur für Impfungen gegen das Coronavirus. Auch den Grippeschutz könnte sie revolutionieren. Das US-Unternehmen Moderna hat nun mit einer Studie für einen Vierfachimpfstoff gegen Influenza begonnen – und erste Studienteilnehmer damit geimpft. Zukünftig ist aber noch mehr geplant – und da kommt auch Corona wieder ins Spiel.

Mit der Grippe ist das so eine Sache: Die Impfung wird jährlich empfohlen, jedoch sind nicht allzu viele Menschen davon überzeugt. Oft heißt es: "Ich war geimpft und bin trotzdem krank geworden." Bisher verfügbare Grippeimpfstoffe haben nur eine Wirksamkeit von rund 40-60 Prozent – je nach Alter der Geimpften. Das liegt unter anderem daran, dass sich das Grippevirus so schnell wandelt, dass Impfstoffe nicht immer die vorherrschenden Varianten treffen. Das könnte sich mit der mRNA-Technologie zumindest ein bisschen ändern, denn mRNA-Impfstoffe lassen sich viel leichter modifizieren. Einen ersten solchen mRNA-Impfstoff gegen Grippe testet Moderna nun an Menschen. Zukünftig will das Unternehmen noch einen Schritt weitergehen und ein Kombinationspräparat gegen Grippe und das Coronavirus Sars-CoV-2 auf den Markt bringen. Damit könnten insbesondere Ältere gleich doppelt geschützt werden.

Moderna beginnt mit Tests: Was kann ein mRNA-Impfstoff gegen Grippe?

Mit mRNA-1010 testet Moderna den ersten eigenen saisonalen Grippeimpfstoff in einer klinischen Studie der Phase I/II – an weiteren wird derzeit noch geforscht. Entsprechend der WHO-Empfehlung deckt das Vakzin die Linien Influenza-A(H1N1), Influenza-A(H3N2), Influenza-B Yamagata und Influenza-B-Viren der Victoria-Linie ab. Meist sind Varianten dieser Linien die vorherrschenden Influenza-Viren in einer Grippesaison.

In der Phase-I/II-Studie sollen Reaktogenität, Sicherheit und Immunogenität des Impfstoffes untersucht werden. Nun sind die ersten von rund 180 Proband:innen geimpft. Das teilt das Unternehmen in einer Mitteilung und auf Twitter mit:

Der Vorteil von mRNA-Impfstoffen ist, dass sie sich recht schnell anpassen und auch herstellen lassen. Gerade beim sich schnell wandelnden Influenza-Virus kann das einen enormen Vorteil bedeuten. Denn bisher muss die Zusammensetzung eines Grippeimpfstoffes etwa sechs bis neun Monate vor dem Impfstart feststehen. So lange dauert es, bis er produziert ist. Die meisten Grippeimpfstoffe entstehen nämlich mithilfe von Hühnereiern – und diese Produktionsmethode benötigt viel Zeit und vor allem einen langen Vorlauf.

Zudem kann sich die Wirksamkeit der Impfantigene verschlechtern. Denn die benötigten Anzuchtviren müssen sich im Hühnerei an die Embryozellen anpassen. Dadurch können sich die eigentlich gut auf die Influenzaviren angepassten Antigene noch etwas verändern.

Bei mRNA-Impfstoffen gibt es dieses Problem nicht. Denn, das kennen wir schon von den Covid-Impfstoffen, hier werden keine Antigene gespritzt. Stattdessen schleust ein solcher Impfstoff mit einer modifizierten mRNA nur den Bauplan für bestimmte Antigene in einige unserer Zellen ein, die daraufhin das gewünschte Antigen, ein Protein, das auch am Virus vorkommt, selbst produzieren.

So funktionieren mRNA-Impfstoffe
So funktionieren mRNA-Impfstoffe

Dass auf Hühnereier verzichtet werden kann, bedeutet gleichzeitig auch, dass Allergiker und Veganer von einem Einsatz von mRNA-Impfstoffen profitieren können. Denn derzeit gibt es nur zwei Impfstoffe (Flucelvax Tetra von Seqirus und Supemtek von Sanofi), die nicht mithilfe von Hühnerembryozellen produziert werden.

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Moderna plant Kombinationsimpfstoff gegen Atemwegserkrankungen

Ein weiterer Vorteil von mRNA-Impfstoffen ist, dass sie möglicherweise gut miteinander kombiniert werden können. Aus diesem Grund will Moderna zukünftig nicht nur einen Covid- und einen Influenza-Impfstoff entwickeln, sondern beides kombinieren. "Modernas Vision ist es, zukünftig einen Atemwegsimpfstoff für die erwachsene und ältere Bevölkerung zu entwickeln, der die saisonale Grippe, einen Booster gegen SARS-CoV-2-Varianten und das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) kombiniert", schreibt das Unternehmen in der Veröffentlichung zum Studienstart.

Man erwarte, dass die saisonalen Grippeimpfstoff-Kandidaten einen wichtigen Bestandteil dieser Kombinationsimpfstoffe bilden, ergänzt Moderna-Chef Stéphane Bancel.

Ein Impfstoff, der gleich mehrere Erkrankungen verhindern soll, schnell angepasst werden kann und zudem verträglich ist: von der mRNA-Impftechnologie werden wir zukünftig wahrscheinlich noch viel hören.

Auch der deutsche Entwickler des zweiten hier genutzten mRNA-Impfstoffes gegen das Coronavirus arbeitet daran, die Technologie auch in anderen Bereichen zu nutzen: Biontech arbeitet derzeit unter anderem an einem Mittel gegen Multiple Sklerose.

Die Entwicklung rund um Impfungen steht nicht still. Auch andere Technologien werden weiterentwickelt. So arbeiten andere Forscher etwa auch an sogenannten"Super-Impfstoffen", die über Jahre hinweg wirksam sein sollen, da sie eine etwas andere Immunantwort ansprechen.

Was Impfungen alles können? Blick einmal umgekehrt: So erfolgreich und nützlich sind Impfungen.

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