Aktualisiert: 10.07.2021 - 19:45

Schwer heilende Geschwüre Diabetisches Fußsyndrom: Mit chronischen Wunden leben lernen

Regelmäßige Untersuchung der Haut und eine abgestimmte Pflege sind das A und O bei diabetischem Fußsyndrom

Foto: Getty Images/VladimirFLoyd

Regelmäßige Untersuchung der Haut und eine abgestimmte Pflege sind das A und O bei diabetischem Fußsyndrom

Diabetes bedeutet nicht nur, auf die Ernährung zu achten oder den Zuckerspiegel zu kontrollieren. Mit der Stoffwechselerkrankung kommen diverse weitere, mitunter unangenehme Folgebeschwerden. Eine davon ist der diabetische Fuß. Dabei können sich schmerzhafte Geschwüre und schlecht heilende Wunden bilden. Warum das passiert, was hilft und wie Diabetes-Patient:innen vorsorgen können.

Trockene, vermehrt schuppige Haut am Fuß und am unteren Bein, merkwürdige Hautveränderungen und mit der Zeit rätselhafte Wunden, die irgendwann einfach nicht mehr abheilen wollen: Dahinter kann ein diabetisches Fußsyndrom stecken – eine Folgeerkrankung von Diabetes mellitus. Was steckt dahinter, wie erkennt man es und was lässt sich dagegen ausrichten?

Diabetisches Fußsyndrom: Das sind die Symptome

Das diabetische Fußsyndrom kann als Folgeerkrankung von Diabetes mellitus auftreten, insbesondere wenn der Diabetes schlecht eingestellt ist oder Probleme zu spät auffallen. So ist es auch mit dem diabetischen Fußsyndrom selbst. Oft macht er sich erst dann bemerkbar, wenn bereits eine schwer heilende Wunde oder ein Geschwür vorhanden sind. Betroffen kann theoretisch jeder sein, der an Diabetes leidet. Aktuell sind das Erhebungen zufolge rund 250.000 Menschen unter den mindestens acht Millionen Diabetes-Patient:innen.

Wichtig zu wissen: Auch wenn vom Fußsyndrom die Rede ist, ist jede Verletzung unterhalb des Kniegelenks gemeint. Frühe Symptome des diabetischen Fußsyndromes sind trockene oder rissige Haut. Auch sogenannte Hyperkeratosen können auftreten.

Mit der Zeit entstehen durch Druck, etwa durch Schuhe, Geschwüre, oft an Fußballen oder an den Zehen, die nicht mehr richtig weggehen wollen. Meist tun die gebildeten Geschwüre nicht einmal weh – erst wenn eine Wunde offen ist, kommt es mitunter zu Entzündungen, die wiederum Schmerzen verursachen. Auf entzündeten Wunden kann sich manchmal eine Art gelber Belag bilden. Bei anderen wiederum nässen die Wunden stark.

Das Gefähliche daran: Die entstehenden Wunden können sich sehr tief in den Fuß eingraben und dann sogar auf Sehnen oder Knochen treffen. Dann ist die Infektionsgefahr äußerst hoch. Es ist also enorm wichtig, Geschwüre und Wunden, die durch diabetisches Fußsyndrom entstehen, gut zu versorgen.

Ursachen: Woher kommt der diabetische Fuß?

Aber wie entstehen diese Symptome überhaupt? Diabetes kann einerseits die Nerven schädigen (neuropathischer diabetischer Fuß) und andererseits unsere Blutversorgung beeinflussen (ischämischer diabetischer Fuß). Durch schlechte Durchblutung etwa wird die Haut an den Beinen und insbesondere an den Füßen immer schlechter mit Nährstoffen versorgt – und wird trocken und schnell auch rissig. So ist sie anfälliger für Verletzungen, die wiederum aufgrund fehlender Blutversorgung kaum abheilen können.

Gerade wenn Druck auf einer Stelle lastet, kann das das Gewebe immer mehr schädigen. Problematisch daran: Durch die geschädigten Nerven werden diese Druckgeschwüre und entstehenden Wunden nur schlecht wahrgenommen. So wird der Fuß trotz Wunde weiter belastet und auch die Wundversorgung oft erst zu spät gestartet. Die Wunde wird unbemerkt immer größer und Tiefer.

Gleichzeitig beeinflussen die gestörten Nerven den Blutfluss, womit das Gewebe noch schlechter mit Nährstoffen versorgt wird bzw. Wunden nicht mehr richtig abheilen können. Ein Teufelskreis entsteht, der dafür sorgt, dass Keime ein Leichtes haben, in die offenen Stellen einzudringen und sie zu entzünden.

Mitunter kommt es aufgrund der schlechten Nervenleitfähigkeit durch die Nervenschäden, die sogenannte Polyneuropathie, auch zu einem Funktionsausfall der Schweißdrüsen, was die Fußhaut weiter austrocknen lässt. So entstehen Mikroverletzungen, die wiederum mit der Zeit größer werden können.

Ganz wichtig: Sollten Sie schlecht heilende Wunden an Ihren Beinen und Füßen bemerken, ist der Gang zum Arzt dringend anzuraten! Werden diese Wunden nicht behandelt, kann sich das Syndrom verschlimmern. Das kann bis zu Nekrosen führen: Das Gewebe stirbt dann einfach ab, im schlimmsten Fall müssen Teile des Fußes oder gar der gesamte Fuß abgenommen werden.

Was hinter Diabetes mellitus steckt und was die Diagnose bedeutet, erklärt Dr. Johannes Wimmer für BILD der FRAU:

Diabetes Dr. Wimmer
Diabetes Dr. Wimmer

Diabetespatient:in? Mit dieser Pflege lässt sich vorbeugen

Eine gute, auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Pflege ist daher enorm wichtig, damit Wunden gar nicht erst entstehen. Dabei reicht es nicht, die Haut nur mit einer Lotion mit Feuchtigkeit zu versorgen. Insbesondere, wenn bereits Verletzungen entstanden sind, und seien sie noch so klein, muss der Fuß möglichst sauber gehalten und gepflegt werden.

Wer weiß, dass sie oder er am diabetischen Fußsyndrom leidet, kann aber neben der eigentlichen Diabetes-Therapie viel für die eigene Fußgesundheit machen und Entzündungen und tiefen Wunden vorbeugen.

  1. Ganz wichtig ist die regelmäßige Kontrolle. Tipp: Nutzen Sie einen Spiegel, um wirklich jeden Teil der Füße betrachten zu können. Sind Verletzungen oder Geschwüre am Fuß erkennbar? Dann bedürfen diese Stellen besonderer Aufmerksamkeit. Solche Wunden sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Ansonsten hilft eine Pflegeroutine dabei, die Füße intakt zu halten.
  2. Reinigen Sie Ihre Füße gründlich, am besten mit seifenfreien Reinigungslotionen bzw. Syndets. Tipp: In der Apotheke gibt es spezielle Syndets für die sensible Haut bei diabetischem Fußsyndrom.
  3. Wichtig ist es, die Haut nach dem Waschen immer gut abzutrocknen und auch die Zehenzwischenräume dabei nicht zu vergessen. Sonst hat Fußpilz ein Leichtes – und den möchte man nicht noch als zusätzliche Belastung haben.
  4. Nach dem Abtrocknen sollten Sie Ihre Füße mit einer intensiven Pflegecreme eincremen, die die Haut mit viel Feuchtigkeit versorgt. Auch hier gibt es speziell auf die Bedürfnisse diabetischer Füße abgestimmte Produkte.
  5. Empfehlenswert ist auch der regelmäßige Gang zur medizinischen Fußpflege.

Leiden Sie bereits unter Mikroverletzungen oder Wunden, sollten diese regelmäßig gut versorgt werden. Achten Sie bei Verbänden darauf, sie regelmäßig zu wechseln und melden Sie sich umgehend bei Ihren behandelnden Ärzt:innen, sollte sich die Wunde verändern, zu eitern beginnen oder unangenehm riechen!

Diabetes ist eine echte Volkskrankheit geworden, doch die wenigsten wissen mehr zu Ursachen und Symptomen. Hier lesen Sie weiter:

Quellen: Eckardt, Lobmann & Lobmann (Springer Medizin, 2005): "Der diabetische Fuß.", diabetes-deutschland.de, www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de, helios-gesundheit.de, www.patienten-information.de, eigene Recherche

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