Aktualisiert: 05.07.2021 - 18:21

Besserer Schutz vor Delta-Variante Mit Johnson & Johnson geimpft? So können Sie Ihren Impfschutz verbessern

Der Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson hat einen Vorteil: Man benötigt nur eine Impfdosis – zumindest war das der Plan. Gegen die Delta-Variante des Coronavirus könnten dennoch Auffrischimpfungen nötig werden.

Foto: BSR Agency / Kontributor via canva.com [M]

Der Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson hat einen Vorteil: Man benötigt nur eine Impfdosis – zumindest war das der Plan. Gegen die Delta-Variante des Coronavirus könnten dennoch Auffrischimpfungen nötig werden.

Einmal geimpft und fertig – das ist der große Vorteil des Covid-Impfstoffes Janssen von Johnson & Johnson. Doch das Vakzin hat gegenüber der Delta-Variante des Coronavirus und möglicher noch kommender Varianten wahrscheinlich Nachteile in Sachen Impfschutz. Denn unser Immunsystem benötigt im besten Fall mehrere Konfrontationen mit Erregern oder Erregerbestandteilen. Was können Geimpfte jetzt tun?

Derzeit sind die Fallzahlen in Deutschland niedrig. Die 7-Tage-Inzidenz pendelt sich bundesweit bei etwa 5 ein. Doch ein Blick nach Großbritannien, Indien, auch Israel lässt erahnen, was uns im Herbst erwarten könnte, wenn wir jetzt unvorsichtig werden: die Delta-Variante des Coronavirus ist weitaus ansteckender als die bisherigen Varianten. Einen großen Teil des Schutzes sollen die Impfstoffe für uns übernehmen – und das tun sie auch. Auch dem Vakzin von Johnson & Johnson wird eine Wirksamkeit gegen die Delta-Variante bescheinigt. Doch die Studie führt bei Virologen zu Stirnrunzeln. Es gibt aber eine Idee: Wer mit Johnson & Johnson geimpft ist, könnte später durch Auffrischimpfungen einen höheren Impfschutz erhalten.

Auffrischimpfung nach Johnson & Johnson: Versagt das Einmal-Vakzin?

Praktisch ist diese einmalige Impfdosis ja: Insbesondere in Brennpunktgegenden bzw. da, wo ein zweiter Impftermin schwer durchzuführen ist, etwa unter Obdachlosen, lässt sich so ein Grundschutz gegen das Coronavirus aufbauen. Schon von Beginn an war klar: Der Impfschutz des Vakzins von Johnson & Johnson ist etwas geringer als der der anderen drei hier zugelassenen Impfstoffe (Biontech/Pfizer, Moderna, aber auch AstraZeneca): er beträgt rund 65 Prozent.

Vor schweren Verläufen mit Hospitalisierung schützt aber auch Johnson & Johnson zu 100 Prozent. Dennoch laufen von den mit diesem Impfstoff Geimpften etwa 35 Prozent Gefahr, an Covid-19 zu erkranken. Zwar erkranken sie dann nicht schwer. Aber sie werden krank. Und genau das könnte ein Problem werden, wenn es um das Erreichen einer Herdenimmunität geht.

Zudem stellt uns die ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus vor neue Herausforderungen. Angepasst ist der Impfstoff nämlich an vorherige Varianten. Gegen die Delta-Variante soll das Vakzin nach Unternehmensangaben zwar gut schützen – ein schwerer Verlauf mit der Delta-Variante sei zu 85 Prozent verringert. Doch die der Meldung zugrunde liegenden Studien beziehen sich auf sehr geringe Teilnehmerzahlen. Und 15 Prozent Restrisiko für schwere Verläufe bleiben zudem bestehen. Zudem zweifeln Experten an, dass der Schutz durch diese Einmalimpfung lange genug vorhält.

Dr. Stephan Borte ist Immunologe am St. Georg Klinikum in Leipzig und erklärt "t-online.de" gegenüber: "Das Immunsystem reagiert auf Eindringlinge entweder mit einer Tolerierung oder mit einer spezifischen Immunantwort, um gefährliche Eindringlinge unschädlich zu machen. Dafür braucht es Wiederholung, also mehrmalige Konfrontation mit dem Gegner. Ohne eine Erinnerung an den Eindringling entwickelt das Immunsystem keine oder nur wenige schützende Antikörper, da es eine erneute Konfrontation ausschließt."

Diese Erinnerung könnte man allerdings recht leicht verstärken – mit einer Booster-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff.

Booster-Impfung mit mRNA-Impfstoff?

Neu ist diese Idee nicht, wir kennen sie bereits von AstraZeneca. Deren Impfstoff Vaxzevria ist wie Janssen von Johnson & Johnson ein Vektor-Impfstoff. Und hier zeigte sich, dass eine Kreuzimpfung – erst Vaxzevria und dann einer der beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder Moderna als Zweitimpfung – einen noch höheren Impfschutz auch gegen die Erkrankung selbst zeigt.

Interessant würde das für all die, die den Impfstoff von Johnson & Johnson in einer Arztpraxis erhalten haben. Dort wird die eigentlich einmalige Dosis nämlich seit Mai vergeben – noch immer. Kritisch sieht das unter anderem Dr. Ulf Dittmer. Der Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Essen stellt seine Ansicht im Gespräch mit "t-online.de" klar: "Bezüglich der Impfstoffe bleiben die mRNA-Vakzine die Messlatte. Ich halte es zum Beispiel für unverantwortlich, den Johnson & Johnson-Impfstoff auch in die Betriebs- und Hausarztpraxen zu geben. Hier ist nur eine Impfung nötig, aber die Schutzwirkung vor einer Infektion ist dementsprechend vermindert."

So können sich mit Johnson & Johnson Geimpfte zukünftig möglicherweise besser schützen

Zwei Möglichkeiten könnte es später geben:

  • Eine Booster-Impfung in Form einer Kreuzimpfung: Nach der Impfung mit Johnson & Johnson könnte später ein mRNA-Impfstoff in einmaliger Dosis gegeben werden. In diesem heterologen Impfschema wird das Immunsystem nicht nur zweifach, sondern auch auf etwas unterschiedliche Art angesprochen, so dass der Impfschutz sogar umfassender sein und länger halten könnte.
  • Eine Auffrischimpfung mit Johnson & Johnson: Auch eine zweite Dosis mit dem Vakzin wäre möglich. Wann genau und in welcher Dosis, müsste aber noch herausgefunden werden.
Kreuzimpfung gegen Covid-19: Besserer Schutz, stärkere Reaktion?
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Was ist jetzt zu tun?

Wer bereits mit Johnson & Johnson geimpft worden ist, muss nun aber keine Angst haben: Ein Impfschutz ist da, und er ist Stand jetzt auch ausreichend. Gen Herbst hin, sollten die Infektionszahlen wieder ansteigen, könnte ebendieser Impfschutz aber schwächer werden. Bis dahin ist es nun erst einmal wichtig, weiter dafür zu sorgen, dass eine vierte Corona-Welle verhindert wird. In einigen Monaten dann dürften auch weitere Informationen seitens Experten vorhanden sein, ob und inwiefern die Einmalimpfung aufgefrischt oder durch einen der mRNA-Impfstoffe geboostet werden kann oder gar muss. Der Vorteil: Bis dahin dürfte genügend mRNA-Impfstoff für alle da sein.

Bei AstraZeneca wird das heterologe Impfschema mittlerweile von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlen. Wer bislang nur die erste Impfdosis mit Vaxzevria erhalten hat, soll als zweite Dosis nun Comirnaty von Biontech/Pfizer oder den Impfstoff von Moderna erhalten. Das gilt nach Stiko-Empfehlung für alle Altersgruppen. Der Abstand zwischen den beiden Impfdosen soll mindestens vier Wochen betragen.

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Quellen: RKI, dpa, t-online.de mit Interviews

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