Aktualisiert: 17.06.2021 - 09:44

Zwischendaten ernüchtern Corona-Impfstoff Curevac: Wirksamkeit geringer als erhofft

Unter anderem in Spanien läuft eine klinische Studie zum Impfstoff von Curevac. Jetzt zeigt sich: Die Wirksamkeit des Impfstoffes ist geringer als gedacht.

Foto: Getty Images/Europa Press News / Kontributor

Unter anderem in Spanien läuft eine klinische Studie zum Impfstoff von Curevac. Jetzt zeigt sich: Die Wirksamkeit des Impfstoffes ist geringer als gedacht.

Eigentlich war er einer der Hoffnungsträger unter den Impfstoffen. Dann die erste Ernüchterung aufgrund der immer wieder verschobenen Zulassung. Jetzt zeigt die zweite Zwischenanalyse eine viel geringere Wirksamkeit als erhofft. Die Studie wollen die Tübinger trotzdem fortsetzen. Die Daten könnten sich noch nach oben korrigieren. Und möglicherweise sind die Ergebnisse jetzt auch eine Chance.

Wieder gibt es schlechte Neuigkeiten rund um Curevacs Corona-Impfstoff CVnCoV, und die ernüchtern auf den ersten Blick der zweiten Zwischenanalyse der Phase 2b/3-Studie. Demnach ist das Vakzin von Curevac weniger wirksam als gedacht gegen eine Covid-19-Erkrankung "jeglichen Schweregrades". Doch die Daten sind vorläufig – und hängen stark mit den Virusstämmen in den Studienländern zusammen. Möglicherweise sind sie daher eine Chance, den Impfstoff frühzeitig anzupassen.

Curevac-Impfstoff weniger wirksam: Nur 47 Prozent Wirksamkeit

Das Tübinger Unternehmen war zuletzt vor allem aufgrund der erneut verschobenen Zulassung in den Medien. Jetzt heißt es in einer offiziellen Unternehmensmitteilung, dass die statistischen Ziele bis zur zweiten Zwischenanalyse verfehlt worden seien. Man habe lediglich eine 47-prozentige Wirksamkeit festgestellt, die sich auf alle Schweregrade der Erkrankung Covid-19 bezieht. Sprich: Das Vakzin schützt zu 47 Prozent vor der Erkrankung, aber eben auch nur in diesem Maße vor einem schweren Verlauf.

Doch man nennt auch gleich einen Grund für die unerwartet niedrigen Ergebnisse: In den Testländern hatte es innerhalb der Studienphase immer wieder Mutationen am Virus gegeben. In zehn Ländern habe man mindestens 29 Virusstämme festgestellt – der ursprüngliche Virusstamm jedoch, auf den das Vakzin ursprünglich entwickelt worden war, sei kaum noch vorhanden gewesen. Unter den Studienteilnehmern seien 13 Varianten kursiert. Insgesamt habe es unter den ProbandInnen der Zwischenanalyse 134 Covid-19-Fälle gegeben, 124 seien sequenziert worden, um Varianten zu identifizieren. Lediglich in einem Fall habe es sich um das ursprüngliche Sars-CoV-2-Virus gehandelt.

"In einer bislang beispiellosen Umgebung mit mindestens 13 Varianten innerhalb der untersuchten Teilmenge der Studienteilnehmer in dieser Zwischenanalyse erzielte CVnCoV eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine COVID-19-Erkrankung jeglichen Schweregrades und erreichte damit nicht die vorgegebenen statistischen Erfolgskriterien", schreibt das Unternehmen in der Pflichtmeldung.

Woran genau liegt's also?

Die Wirksamkeit hänge von der untersuchten Altersgruppe und den Virusstämmen ab, erklärt das Unternehmen die ersten Analysen. Und genau das ist ein großes Problem unserer Zeit: Das Coronavirus ist in der ganzen Welt angekommen, die wenigsten Länder jedoch haben mittlerweile Zugang zu Impfstoffe, in vielen Regionen leben die Menschen außerdem in beengten Verhältnissen, oft mangelt es an Hygienemöglichkeiten.

Während bei uns derzeit die Infektionszahlen fallen, sind sie in vielen anderen Ländern noch immer sehr hoch. Das Virus, das hat es bereits eindrücklich unter Beweis gestellt, hat also beste Voraussetzungen, sich weiterzuentwickeln und sich dann über globale Reisebewegung und Co zu verbreiten. Je mehr Mutationen und sich durchsetzende Varianten es aber gibt, desto schwieriger wird die Entwicklung von Impfstoffen. Das zeigt sich nun unter anderem bei Curevac.

Was bedeutet das jetzt?

Eigentlich befindet sich das Vakzin bereits im letzten Stadium der klinischen Entwicklung. Nun könnte der Zeitplan weiter zurückgeworfen werden. Auch Vorstandschef Franz-Werner Haas zeigte sich ernüchtert, blickt aber in die Zukunft: Man habe zwar auf stärkere Ergebnisse der Zwischenanalyse gehofft, setze die laufende Studie aber bis zur finalen Analyse fort.

Eigentlich sollte die Zulassung im Juni erfolgen, zuletzt wurden die Erwartungen auf August gesetzt. Jetzt müssen die finalen Studienergebnisse abgewartet werden. Aus der aktuellen Impfkampagne wurde Curevac bereits gestrichen.

Immerhin: Das Sicherheitsprofil des Impfstoffes sei vom Data Safety Monitoring Board als gut bestätigt worden. Zudem arbeitet das Unternehmen nicht nur am Vakzinkandidat CVnCoV, einem Impfstoff der ersten Generation, der auf das Ursprungsvirus hin entwickelt wird, sondern auch an weiteren Covid-19-Impfstoffkandidaten. Mit dem Unternehmen GSK zusammen arbeitet man derzeit bereits an Impfstoffen der zweiten Generation. Diese sollen auch bisherige sowie potentielle Varianten abdecken können. Im dritten Quartal 2021 soll für CV2CoV eine klinische Studie beginnen. Hier könnten die Ergebnisse zum Kandidat CVnCov sicherlich mit einfließen.

Die Impfungen werden kontinuierlich weiterentwickelt, auch in anderen Unternehmen. Einerseits möchte man sie an Varianten anpassen, andererseits sichere Vakzine herstellen, die später auch genutzt werden können, wenn das Coronavirus nicht mehr pandemisch ist, sondern in die endemische Phase übergeht.

Diverse Unternehmen arbeiten außerdem an "Super-Vakzinen", die jahrelange Immunität gegen das Coronavirus bieten sollen. Jedoch gibt es dazu gewisse Kritik. Bis dahin fahren wir erstmal möglicherweise auch ganz gut mit Kreuzimpfungen mit Vektor- und mRNA-Impfstoffen, denn die sprechen jeweils eine etwas unterschiedliche Immunantwort an.

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Quellen: Unternehmensmitteilung von Curevac, tagesschau.de, afp und dpa

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