Aktualisiert: 17.06.2021 - 17:17

Entscheidender Vorteil Nächster Impfstoff-Kandidat: Novavax im Fokus

Novavax: Alle wichtigen Fragen und Antworten zum Impfstoff

Novavax: Alle wichtigen Fragen und Antworten zum Impfstoff

Ein neuer Corona-Impfstoff könnte demnächst aus den USA kommen: „Novavax“. Das Biotech-Unternehmen hat Ergebnisse einer Phase-3-Studie präsentiert.

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Bisher stehen uns in Deutschland vier Impfstoffe gegen das Coronavirus zur Verfügung. Doch dabei wird es zukünftig nicht bleiben. Ein weiteres Vakzin könnte schon bald kommen, und zu dem gibt es nun neue Studienergebnisse zur Wirksamkeit: Wie gut ist der Impfstoff von Novavax und wann dürfen auch wir damit rechnen?

Das US-Unternehmen Novavax hat sich spezialisiert auf die Herstellung von Impfstoffen. Forscht man sonst an Vakzinen gegen Grippearten oder das Ebola-Virus, befindet sich auch ein Impfstoff gegen das Coronavirus im Portfolio. Laut neuester Studiendaten bietet der Impfstoff NVX-CoV2373 von Novavax einen hohen Schutz gegen das Coronavirus Sars-CoV-2. Wie sieht es mit der Sicherheit aus? Und welchen Vorteil hat das Vakzin?

Corona-Impfstoffhersteller Novavax vermeldet hohe Wirksamkeit

Rund 30.000 Teilnehmende hat die Wirksamkeitsstudie des Herstellers in den USA und in Mexiko umfasst. Jetzt sind die Daten da: Der Impfstoff wirkt zu mehr als 93 Prozent gegen die derzeit vorherrschenden Coronavirus-Varianten:

In der Untersuchung hatte es Infektionen mit allen vier "Variants of Concern" gegeben. Die meisten hatten sich mit der Alpha-Variante (B.1.1.7) infiziert, aber es habe laut Unternehmensmitteilung auch Infektionen mit den Varianten Beta (B.1.351), Gamma (P.1) und Delta (B.1.617.2) gegeben.

Geimpfte aus der Studie mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf erkrankten zu 91 Prozent seltener an Covid-19. Gegen mittelschwere und schwere Fälle zeigte das Vakzin eine Wirksamkeit von 100 Prozent. Das heißt, dass ein paar der Proband:innen zwar symptomatisch krank wurden, aber eben nicht schwer.

Es habe aber auch Varianten gegeben, die Novavax nicht habe identifizieren können. Hier sei das Vakzin zu rund 70 Prozent wirksam gewesen, erklärt der Forschungschef des Unternehmens, Gregory Glenn.

Das sind die bisher verzeichneten Nebenwirkungen von Novavax

Das Sicherheitsprofil sieht laut Unternehmen gut aus, generell sei die Impfung gut vertragen worden. Die Nebenwirkungen decken sich demnach mit den gängigen Nebenwirkungen anderer Impfstoffe:

  • Schmerzen an der Einstichstelle
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen

Die Nebenwirkungen seien alle vorübergehend gewesen.

Mit Proteinen: So funktioniert der Impfstoff

Bisher wird in Deutschland mit zwei mRNA-Impfstoffen (Biontech/Pfizer sowie Moderna) sowie mit zwei Vektor-Impfstoffen (AstraZeneca und Johnson & Johnson) geimpft. Novavax wiederum nutzt einen anderen Weg und ist eher vergleichbar mit bisherigen Grippeimpfstoffen. Statt mRNA oder Vektorviren enthält das Vakzin nämlich Proteine – genauer gesagt eine im Labor hergestellte Version des Spike-Proteins. Spike-Proteine sitzen auf der Hülle des Coronavirus Sars-CoV-2 und geben ihm seine charakteristische Stachelform. Sie sind außerdem dafür verantwortlich, das Virus in unsere Zellen einzuschleusen – wie eine Art Schlüssel. Alleine können diese Proteine jedoch nichts ausrichten. Unser Immunsystem erkennt sie allerdings und lernt, auf sie zu reagieren.

Solche virusähnliche Partikel (VLP) werden übrigens auch für Schluckimpfungen gegen Covid-19 genutzt, an denen derzeit geforscht wird.

Auch NVX-CoV2373, so heißt das Vakzin, muss zweimal gespritzt werden, um einen Grundschutz aufzubauen.

Das ist der große Vorteil des Impfstoffes von Novavax

So innovativ die mRNA-Impfstoffe sind und so gut sie wirken, haben sie einen entscheidenden Nachteil, der vor allem für weniger wohlhabende Länder bzw. solche mit schlechter Infrastruktur problematisch ist: Sie müssen bei sehr tiefen Temperaturen gelagert werden. Bei normalen Kühlschranktemperaturen oder gar Raumtemperatur halten sie sich nur eine begrenzte Zeit. Novavax hat hier einen Vorteil: Das Vakzin kann bei 2 bis 8 °C gelagert werden. Zudem wird es bereits gebrauchsfertig als Flüssigkeit ausgeliefert, muss also nicht erst noch verdünnt werden.

Damit ist es leicht zu transportieren und zu lagern. Es soll daher vor allem für Entwicklungsländer interessant werden. Das betont auch Novavax-Chef Stanley Erck im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP: "Viele unserer ersten Dosen werden in Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen gehen, und das war von Anfang an das Ziel." Damit dürfte der Impfstoff im Covax-Programm eine große Rolle spielen. Das Programm soll auch ärmeren Ländern einen Zugang zu Impfstoffen gegen das Coronavirus garantieren. Und das ist nicht nur für die Menschen vor Ort wichtig, sondern für die gesamte Weltbevölkerung. Denn bevor nicht überall geimpft werden kann, hat es das Coronavirus leichter, immer wieder zu mutieren.

Wann können wir in Deutschland mit Novavax rechnen?

Vordergründig will das Unternehmen also vor allem Entwicklungsländer beliefern. Doch auch für die USA und Europa sind Lieferungen geplant. Läuft die Studie so positiv weiter, plant man bis Ende September Zulassungsanträge zu stellen.

Die Produktion soll bis dahin schon laufen, so dass das Unternehmen gleich zum Start 100 Millionen Dosen pro Monat liefern könne. Bis Jahresende soll die Zahl dann auf 150 Dosen pro Monat wachsen.

Novavax könnte dann eine zusätzliche wichtige Säule werden, nachdem klar wurde, dass der eigentlich fest eingeplante Impfstoff von Curevac bisher nicht die erhoffte Wirksamkeit zeigt.

Kombinationsimpfstoff: Daran forscht Novavax noch

Das US-Unternehmen ist nicht nur mit der Entwicklung von NVX-CoV2373 beschäftigt. Geforscht wird zusätzlich an einer Kombination aus Grippe- und Corona-Impfstoffen. Solche Vakzine könnten zukünftig interessant werden, wenn das Coronavirus endemisch wird. Denn dann könnte es, ähnlich wie die saisonale Grippe jährliche Covid-Saisons geben. Mehr dazu erklärt Prof. Drosten: Wer sich nicht impfen lässt, wird früher oder später krank. Ein doppelter Impfstoff würde zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Da Novavax mit proteinbasierten Impfstoffen arbeitet, wie es bei Grippeimpfstoffen schon der Fall ist, rechnet man hier mit einer erfolgreichen Kombination.

Quellen: dpa, AP, AFP, Reuters, tagesschau.de, Pharmazeutische Zeitung, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

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