Aktualisiert: 10.06.2021 - 16:56

Coronavirus infiziert Bauchspeicheldrüse Covid-19 kann Diabetes auslösen – jetzt wissen Forscher auch, wie

Plötzlich muss der Blutzucker regelmäßig gemessen werden: Diabetes kann durch Covid-19 ausgelöst werden.

Foto: Getty Images/sanjeri

Plötzlich muss der Blutzucker regelmäßig gemessen werden: Diabetes kann durch Covid-19 ausgelöst werden.

Jeder siebte Krankenhauspatient mit Covid-19 zeigt Anzeichen von Diabetes – obwohl die Stoffwechselerkranung vorher nicht aufgetreten war. Forschende wissen jetzt, warum das passiert und wie man die betroffenen Zellen sogar schützen kann. Eines ist allerdings noch unklar: Ob Betroffene sich wieder vollständig erholen.

Schon länger wird Covid-19 mit Diabetes in Zusammenhang gebracht. Nicht nur sind Diabetes-Patient:innen häufiger von schweren Verläufen der Viruserkrankung betroffen. Auch war auffällig, dass vor allem hospitalisierte Patient:innen, obwohl zuvor keinerlei Zuckerprobleme, plötzlich einen Diabetes entwickelten. Jetzt konnten Forschende den Verdacht bestätigen: Covid-19 kann Diabetes verursachen. Das passiert, indem Sars-CoV-2 direkt die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift.

Bauchspeicheldrüse infiziert: So löst das Coronavirus Diabetes aus

Covid-19 ist nicht nur eine Atemwegserkrankung: Das Coronavirus Sars-CoV-2 befällt längst nicht nur die Atemwege, sondern eine Vielzahl von Organen, und es kann sich im Gewebe in großen Teilen des Körpers breitmachen. Betroffen sind neben der Lunge vor allem Darm, Nieren, Blutgefäße, aber auch das Hirn und die Nerven.

In der Lunge und anderen Bereichen, etwa am Herzen, nutzt es dabei vor allem die ACE2-Rezeptoren. Die Proteine gelten als Haupteintrittspforte für das Virus. In der Bauchspeicheldrüse aber, die für die Insulinproduktion im Körper zuständig ist, findet sich kaum ACE2. Bisher war daher unklar, warum Patient:innen mit Covid-19 gehäuft Anzeichen von Diabetes Typ 1 zeigen – einem Diabetestyp, der normalerweise schon in jungen Jahren auftritt und durch eine Autoimmunreaktion des Körpers ausgelöst wird.

Coronavirus befällt Beta-Zellen auf anderem Wege

In einer internationalen Studie, unter anderem mit Beteiligung der Universitäten Stanford und Basel, konnten Forschende nun zeigen, dass Sars-CoV-2 in der Bauchspeicheldrüse einen anderen Weg gehen kann, um Zellen zu infizieren – und zwar direkt die Insulin-produzierenden Beta-Zellen.

Statt ACE2 enthalten sie ein anderes Protein: Neuropilin 1 (NRP1). Und genau dieses dient dem Virus hier als Eintrittspforte. Sprich: Das Coronavirus befällt direkt die Beta-Zellen, die daraufhin geschädigt werden und aufhören, Insulin zu produzieren oder zumindest weniger davon produzieren – so, wie es bei Diabetes Typ 1 der Fall ist. Insulin aber ist wichtig, um Zucker aus unserem Blut aufzunehmen und umzuwandeln. Passiert das nicht, überzuckert unser Blut, stark vereinfacht gesagt.

Wie entsteht eigentlich Diabetes? Mehr über Diabetes mellitus sowie seine Arten, Symptome, Ursachen und Therapie lesen Sie bei uns.

Diabetes - Was versteckt sich hinter der Zuckerkrankheit?
Diabetes - Was versteckt sich hinter der Zuckerkrankheit?

Diabetes ist eine direkte Folge von Covid-19 – die sich zukünftig vermeiden lassen könnte

Anhand von im Labor kultivierten Beta-Zellen konnten die Wissenschaftler:innen herausfinden, dass Sars-CoV-2 vor allem diese Zellen infizieren, sie als Virusfabriken nutzen und dann absterben lassen konnte. Entsprechend stoppten diesen Zellen dann auch die Produktion von Insulin. Anhand dieser Ergebnisse konnten die Forschenden an Labor-Beta-Zellen aber testen, ob ein NRP1-Hemmer das Eindringen des Coronavirus in die Zellen verhindern kann – mit Erfolg.

Bisher gelang dies nur im Labor, doch möglicherweise ist so zukünftig ein gewisser Schutz von Patient:innen mit schwerem Covid-19 möglich. Ein Hoffnungsschimmer. Denn jeder siebte hospitalisierte Covid-19-Patient zeigt Anzeichen von Diabetes. Und noch ist nicht klar, ob sich durch die Erkrankung wirklich die Autoimmunkrankheit entwickelt oder ob es sich nur um ein zeitlich befristetes Phänomen handelt. In einer Mitteilung der Universität Basel schreibt der Pathologe Dr. Matthias Matter: "Ob sich der Zuckerstoffwechsel nach einer überstandenen Infektion bei allen Covid-19-Patienten wieder normalisiert und ob und wie häufig ein bleibender Diabetes entstehen kann, lässt sich nach derzeitiger Studienlage nicht mit Sicherheit sagen."

Bei Long-Covid-Patient:innen etwa gebe es Hinweise auf Diabetes noch Wochen bis Monate nach der Infektion. Daher sei es sinnvoll, eine Möglichkeit zu entwickeln, bleibende Schäden an der Bauchspeicheldrüse zu verhindern. Und genau dafür dürften die Erkenntnisse wichtig sein.

Quellen:

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe