Aktualisiert: 04.06.2021 - 17:21

Experten warnen vor vierter Welle im Herbst Darum ist die Pandemie noch nicht vorbei

Mit dem Herbst kommt nicht nur kalter Regen, sondern wahrscheinlich auch eine vierte Corona-Welle, mahnen Experten an.

Foto: IMAGO/Michael Gstettenbauer

Mit dem Herbst kommt nicht nur kalter Regen, sondern wahrscheinlich auch eine vierte Corona-Welle, mahnen Experten an.

Es erinnert ein wenig ans vergangene Jahr: Der Sommer bringt erneut Entspannung in Sachen Coronavirus-Pandemie. Grund sind diesmal sicherlich auch die Impfungen. Dennoch warnen Experten vor einer vierten Welle im Herbst. Denn die Pandemie ist ein weltweites Phänomen, das neue Mutanten fördert. Auch wenn die Zahlen gerade fallen: Mit dem Impfen dürfen wir nicht nachlässig werden.

Der Sommer kommt, und mit ihm fallen die Inzidenzen. Am Wetter liege es nicht, zumindest sei es nicht ausschlaggebend, sagen Experten. Vielmehr hätten die Anstrengungen der vergangenen Monate mit ihren einschränkenden Corona-Maßnahmen endlich Früchte getragen und die Impfungen zeigten langsam Erfolge. Doch heißt das, dass die Pandemie dem Ende zugeht? Virologen und andere Mediziner mahnen zur Vorsicht: Man müsse im Herbst eine vierte Corona-Welle erwarten. Die Ausgangsposition sei gut, aber man dürfe diesen Vorsprung jetzt nicht wieder verspielen.

Vierte Corona-Welle im Herbst: Experten mahnen zur Vorsicht

So langsam schnuppert man hinein in das, was sich wie das Ende der Pandemie anfühlt. Die Zahlen fallen. Zwar wird täglich noch immer bei Menschen im vierstelligen Bereich das Coronavirus neu nachgewiesen, noch immer sterben täglich Erkrankten an den Folgen ihrer Covid-19-Erkrankung, noch immer leiden eigentlich "Genesene" an den Folgen ihrer Krankheit, dem "Long Covid". Doch alles wirkt so viel entspannter als noch vor wenigen Wochen.

Ein Hoffnungsschimmer, der genossen, aber auch genutzt werden sollte, da sind sich die Virologen einig. Die Chance und Ruhe nutzen und nicht wieder verspielen, lautet die Devise. Zur Vorsicht mahnt etwa Alexander Kekulé, Virologe aus Halle. Er rechnet dem MDR zufolge fest mit einer vierten Corona-Welle im Herbst. Es liege allerdings an uns allen, wie stark sie ausfalle. Es gebe noch einige Baustellen bis Herbst, erklärt er laut Sender: "Das Allerwichtigste ist, dass wir diejenigen erreichen, die ein hohes Ansteckungsrisiko haben und sich möglicherweise nicht immer ganz vernünftig verhalten."

Man müsse es außerdem schaffen, Infektionen am Arbeitsplatz unter Kontrolle zu bringen. "Dann müssen wir uns Gedanken machen über die Einschleppung aus dem Ausland." Zwar geht Kekulé davon aus, dass die Corona-Infektionszahlen in den kommenden Wochen stagnieren. Doch während hierzulande noch die Coronavirus-Variante Alpha (B.1.1.7) dominiert, geht etwa in Großbritannien die Variante Delta (B.1.617) um, die die durchs Impfen eigentlich erreichte "Herdenimmunität" ins Wanken bringt.

Booster-Impfungen im Herbst

"Es kann sein, dass wir im Herbst noch Schwierigkeiten bekommen", sagt auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Auch wenn der Impffortschritt mittlerweile gut sichtbar ist, sind nämlich noch immer viele nicht geimpft. Dazu kommen Mutanten, möglicherweise auch bisher unbekannte, die den Impfstoffen ausweichen könnten. "Wir müssen uns auf Booster-Impfungen im Herbst vorbereiten", erklärt Lauterbach.

Diese Booster-Impfungen stellte auch der Virologe Chistian Drosten von der Charité in Berlin schon im Mai im Podcast "Coronavirus Update" in Aussicht. Während der Sommer noch "ganz gut" werden könne, müsse man im Herbst sicherlich wieder aufpassen. Entsprechend dürfte das Coronavirus mit Auffrischimpfungen begleitet werden, während es weltweit endemisch wird. Das würde allerdings auch bedeuten, so Drosten, dass sich jeder, der sich aktiv gegen die Impfung entscheidet, früher oder später für eine Infektion entscheidet.

Er wies in der Podcast-Folge auch auf eine weitere Gefahr hin: die Influenza. Nachdem die letzte Grippewelle, wahrscheinlich aufgrund der Corona-Maßnahmen, quasi ausgefallen war, müsse man auch aufgrund nun schwächerer Immunitäten mit einer schwereren nächsten Influenza-Saison rechnen, gegen die man ebenfalls animpfen müsse. "Jemand, der ein Risiko für Influenza hat, der hat auch dieses Risiko für Covid, und der wird sich im Herbst impfen lassen wollen, sollen, müssen. Das ist meine Empfehlung."

Bundesregierung will frühzeitig reagieren: "Man sei nun sensibler"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will in diesem Jahr früher handeln und Risiken besprechen, damit eine vierte Welle im besten Fall vermieden werden könne. Er sei bereits in Kontakt mit Experten und dem Robert Koch-Institut, sagte Spahn am Mittwoch im "ZDF-Morgenmagazin". Man sei nun sensibler, nachdem sich die Lage im vergangenen Jahr nach einem entspannten Sommer mit niedrigen Inzidenzen im September und Oktober schlagartig verschlechtert habe.

Er sei zwar zufrieden mit der derzeitigen Situation rund um die niedrigen Inzidenzen und die Impfzahlen sowie mit der aktuell herrschenden Stimmung, "aber wir sehen in Ländern wie dem Vereinigten Königreich: Es kann auch schnell wieder schiefgehen."

Außerdem wirft man im Gesundheitsministerium offenbar bereits ein Auge auf mögliche kommende Pandemien – und reserviert sich Kapazitäten für die Impfstoffproduktion. Eine Kapazität von 600 bis 700 Millionen Impfdosen soll demnach zukünftig bereitstehen. Diese soll für Deutschland, aber auch für andere Teile der Welt genutzt werden können.

So ist der Impfstand in Deutschland

Währenddessen soll am kommenden Montag, 7. Juni, die Impfpriorisierung in Deutschland aufgehoben werden, die Impfverordnung wird dafür geändert. Und auch Betriebsärzte steigen dann in die Impfungen mit ein. Sie sollen dafür in der ersten Woche mehr als 700.000 Impfdosen bekommen. Auch Privatärzte erhalten nun Kontingente.

Insgesamt sind in Deutschland bis einschließlich 3. Juni 2021 über 53,4 Millionen Impfdosen verabreicht worden, 44,1 Prozent der Bevölkerung sind mindestens einmal geimpft. Über 16,7 Millionen Menschen sind vollständig geimpft. Das entspricht 20,1 Prozent der Bevölkerung. Täglich erhalten derzeit mehrere 100.000 Menschen eine Impfdosis, am 3. Juni waren es 614.111 vergebene Impfdosen.

Mehr News rund um das Coronavirus sowie die Impfungen, etwa ob die Impfung nach Covid-19 sinnvoll ist, lesen Sie auf unseren Themenseiten.

Quellen: rnd.de, Impfquotenmonitoring des RKI, MDR, NDR Info Podcast "Coronavirus Update": Folge 88: "Impfmission possible", dpa

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