Aktualisiert: 03.06.2021 - 17:25

Kann man sich trotzdem infizieren? Covid-19: Wie lange hält die Immunität nach der Impfung?

Stolz auf die Impfung – aber wie lange? Ist man nach dem Piks wirklich immun gegen das Coronavirus und wie viele Monate hält der Impfschutz an? Und wie ist das mit der Ansteckung, falls man sich doch infiziert? Muss man noch Maske tragen? Was wir bisher wissen:

Foto: Getty Images/Giuseppe Lombardo

Stolz auf die Impfung – aber wie lange? Ist man nach dem Piks wirklich immun gegen das Coronavirus und wie viele Monate hält der Impfschutz an? Und wie ist das mit der Ansteckung, falls man sich doch infiziert? Muss man noch Maske tragen? Was wir bisher wissen:

Rund um die Immunität gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 gibt es noch jede Menge offener Fragen. Zwar weiß man, wie lange Genesene im Schnitt mindestens immun sind, bei der Immunität nach der Impfung herrscht aber noch Unklarheit. Was wissen wir, was muss sich erst noch zeigen?

Der Impfschutz ist offenbar stärker als die natürliche Immunität nach einer Infektion mit dem Coronavirus – aber hält er auch so lange vor? Warum sollten auch Geimpfte weiterhin Maske tragen? Viele Fragen stellen sich derzeit rund um die Immunität nach der Impfung und auch nach der Genese von Covid-19. Da fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Was wissen wir bisher?

Immunität nach der Impfung: Wie lange ist man geschützt?

Vielerorts hört man derzeit die Missinformation, dass der Schutz durch die Covid-Imfpstoffe nur sechs Monate anhält. Es muss richtigerweise heißen: Der Schutz hält mindestens sechs Monate an. Warum man noch nicht fest von längerer Zeit sprechen kann, liegt an der Dauer der Studien. Die laufen noch, die Ergebnisse lassen sich aber bisher nur für sechs Monate bestätigen. Sprich: Der Impfschutz kann durchaus länger anhalten, möglicherweise sogar viel länger.

Dennoch gehen Forschende davon aus, dass zumindest für vulnerable Gruppen eine regelmäßige Auffrischimpfung nötig sein dürfte, etwa so, wie es bei der Grippeimpfung der Fall ist.

Eine Studie aus dem Fachmagazin Nature, die die Abnahme der Schutzwirkung von Impfstoffen im Fokus hat, zeigt, wie der Impfschutz nach 250 Tagen abnehmen könnte. Den Berechnungen zufolge könnte die Wirksamkeit eines Impfstoffes, der anfangs 95 Prozent Schutz zeigte, nach diesem Zeitraum etwa auf 77 Prozent absinken.

Ob und wie oft sowie für wen Auffrischungen nötig sein werden, hängt allerdings auch davon ab, wie sehr das Coronavirus Sars-CoV-2 weiter mutiert und welcher Impfstoff für die Grundimmunisierung genutzt wurde. Möglicherweise wird es Mutanten geben, die nicht von allen Impfstoffen problemlos erkannt werden. Daher werden die Impfstoffe voraussichtlich weiter angepasst, wie etwa bereits bei Moderna.

Klar sollte aber auch sein: Je mehr Menschen geimpft sind und je weniger sich das Coronavirus weltweit ausbreiten kann, desto seltener kann das Virus mutieren. Das bedeutet aber auch, dass der Impfschutz weltweit hoch sein muss – und das wird noch dauern.

Wie lange hält denn dann die natürliche Immunität nach Covid-19 an?

Studien zeigen mittlerweile, dass der Impfschutz stärker ist als der, den von Covid-19 Genesene im Schnitt aufweisen. Hier gibt es nämlich starke Schwankungen: Während manche eine hohe Immunität aufweisen, sind andere eher dem Risiko ausgesetzt, sich erneut anzustecken, insbesondere an Mutanten.

Bisher zeigt sich unter anderem in Studien, dass Genesene im Schnitt mindestens acht Monate lang immun sind. Britische Forscher wiederum schätzen das Reinfektionsrisiko auf unter ein Prozent – allerdings nur, wenn es sich um die Virusvariante handelt, mit der man zuvor infiziert war. Reinfektionen mit anderen Varianten könnten dagegen häufiger vorkommen.

Dennoch ist die natürliche Immunität vorhanden und schützt zumindest eine Zeit lang vor Wiederansteckung oder zumindest vor schweren Verläufen. Das ist auch der Grund dafür, dass das Robert-Koch-Institut Genesenen rät, sich erst sechs Monate nach der Infektion gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Die Impfung scheint nach Covid-19 aber gut auch vor den Varianten zu schützen.

Impfung nach Covid-19?
Impfung nach Covid-19?

Wie gut wirken die Impfstoffe wirklich?

Aber wie ist das mit den Impfstoffen überhaupt: Schützen die wirklich immer vor einer Infektion? Schließlich wurden bereits Fälle etwa in Seniorenheimen bekannt, in denen schon großflächig geimpft worden war.

Klar ist: Keine Impfung schützt zu 100 Prozent vor Infektionen. Infizieren kann man sich durchaus noch. Das geimpfte (oder genesene) Immunsystem kann allerdings bei Kontakt mit dem Virus schneller reagieren, da es die Viren bereits kennt, und damit verhindern, dass sich das Virus (stark) vervielfältigt. So kann ein schwerer Verlauf in den allermeisten Fällen verhindert werden, der Tod durch Covid-19 sogar in fast allen. Eine Übersicht über die bisher zugelassenen Impfstoffe:

  • Biontech & Pfizer: Dem Impfstoff Comirnaty wird eine Wirksamkeit von 95 Prozent bescheinigt.
  • Moderna: Der mRNA-Impfstoff schützt laut Studien zu 90 Prozent vor der Erkrankung und verhindert zu 95 Prozent schwere Verläufe.
  • AstraZeneca: Für Vaxzevria bescheinigt das Unternehmen nach eigenen Studien einen Schutz vor Infektion mit Symptomen von 76 Prozent, vor schweren Verläufen soll das Vakzin zu 100 Prozent schützen.
  • Johnson & Johnson: Der Impfstoff Janssen, der mit einer Spritze für die Grundimmunisierung auskommt, wirkt laut Europäischer Arzneimittelbehörde EMA zu 67 Prozent gegen eine Infektion mit Symptomen. Vor schweren Verläufen schützt das Vakzin demnach zu 85 Prozent in allen Altersgruppen.

Die Angaben könnten sich aber zukünftig noch ändern, je mehr Daten in die noch laufenden Studien einfließen – sprich: je mehr Leute geimpft werden. Denn die Wirksamkeit der Impfstoffe ist immer nur ein Querschnitt, sie kann durchaus individuell variieren. Wie gut ein Impfstoff tatsächlich wirkt, kommt immer auf das Immunsystem an, auf den Abstand zwischen den Impfungen und eben auch auf die Virusvariante, mit der der Geimpfte in Kontakt kommt.

Kann man sich nach der Impfung also noch infizieren?

Ja, eine Infektion mit Sars-CoV-2 ist wie erwähnt auch unter Geimpften nicht ausgeschlossen. Doch es gilt eben: Auch hier muss individuell geschaut werden. Was steht fest laut RKI?

Die Impfstoffe schützen nie zu 100 Prozent vor einer Infektion. Das liegt auch daran, dass aufgrund von Immunsystem-Unterschieden nicht jeder Geimpfte einen hohen Schutz ausbilden kann. Hinzu kommen Einflüsse der Varianten, auf die die Impfstoffe (noch) nicht zugeschnitten sind.

Dennoch zeigen auch die Fälle, in denen sich Personen erneut mit dem Coronavirus angesteckt haben, wie gut die Impfstoffe wirken. Denn die meisten Reinfektionen verlaufen offenbar symptomlos und lassen sich nur durch die hochsensiblen PCR-Tests nachweisen. Wer Symptome bekommt, bleibt dennoch meist vor einem schweren Verlauf verschont. Wie gesagt: Ausnahmen gibt es, aber sie sind bisher selten.

Kann man nach der Impfung auf Maske und Abstand verzichten?

Da Infektionen nicht ganz ausgeschlossen werden können, werden auch Geimpfte noch auf Schutzmaßnahmen wie Maske und Abstand zurückgreifen müssen, solange die Pandemie nicht unter Kontrolle ist bzw. für beendet erklärt wurde. Eine sogenannte sterile Immunität konnte bislang nicht bestätigt werden. Auch, wenn es mittlerweile gewisse zurückerlangte Freiheiten für Geimpfte und Genesene gibt, betont das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständig ist, gegenüber "MDR aktuell": "Es muss davon ausgegangen werden, dass Menschen nach Kontakt mit dem Virus trotz Impfung symptomatisch oder asymptomatisch infiziert werden können und dabei das Virus Sars-CoV-2 ausscheiden".

Sprich: Auch Geimpfte können sich infizieren und dabei das Virus im Nasenbereich oder im oberen Rachenbereich tragen – und damit eben auch ausscheiden. Das bedeutet, dass Geimpfte durchaus auch ansteckend sein können, sollten sie sich infizieren. Sind sie mit Nichtgeimpften zusammen, sind Maske und Abstand daher Pflicht. Lediglich bei Zusammenkünften mit ebenfalls Geimpften muss die Vorsicht nicht mehr ganz so hoch sein. Auf Nummer sicher gehen, ist aber auch hier immer noch die beste Wahl.

Mehr dazu: Wie ansteckend sind Geimpfte, Genesene und Getestete?

Laut RKI ist das Übertragungsrisiko bei vollständig Geimpften aber geringer. Dabei bezieht sich das Institut etwa aus Daten aus Israel und den USA, die zeigen, dass sich die Virusausbreitung in den Gegenden verlangsamt, in denen bereits viele Menschen geimpft worden sind. In einer israelischen Studie zeigt sich zudem, dass die von geimpften Infizierten ausgeschiedene Virusmenge sehr gering ist im Vergleich zu der bei nichtgeimpften Infizierten.

Möglicherweise reicht die ausgeschiedene Virusmenge gar nicht, um andere anzustecken – davon geht unter anderem der Virologe Christian Drosten aus. Bis dies aber bestätigt ist, werden uns Masken und Co noch begleiten. Und auch viele Menschen in geschlossenen, nicht gut belüfteten Räumen dürfte noch länger ein Bild aus Erinnerungen bleiben.

Mehr Neuigkeiten rund um das Coronavirus und Impfungen gesucht? Schauen Sie auf unseren Themenseiten vorbei.

Quellen: RKI: Covid-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen, PEI, t-online.de, pharmazeutische-zeitung.de, mdr aktuell, dpa, eigene Recherche durch Studien, siehe verlinkte Artikel

Studie: Khoury, Davenport et al. (Nature, Mai 2021): "Neutralizing antibody levels are highly predictive of immune protection from symptomatic SARS-CoV-2 infection"

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