20.05.2021 - 10:29

Schon in sechs Monaten? Wann muss die Corona-Impfung aufgefrischt werden?

Das dritte Pflaster wird wahrscheinlich kommen: Wann sind Auffrischimpfungen gegen Covid-19 notwendig?

Foto: Getty Images/alvarez

Das dritte Pflaster wird wahrscheinlich kommen: Wann sind Auffrischimpfungen gegen Covid-19 notwendig?

Impfärzte schlagen Alarm: Nach bisherigen Erkenntnissen bedarf es noch mindestens einer weiteren Auffrischimpfung gegen Covid-19 – und die dürfte für manche schon bald anstehen, um vor nachlassendem Impfschutz und vor allem vor Varianten zu schützen. Doch die Mehrheit wartet noch auf die erste Impfdosis, Jugendliche sind ebenfalls bald dran. Wie lässt sich das alles bewältigen?

"Wir brauchen mehr Impfstoff!" – dieser Ruf wird hoffentlich ab Juni verhallen, denn für den kommenden Monat sind weit mehr Impfdosen angekündigt als bisher. Doch es gibt Herausforderungen, darunter auch neue. Denn zu denen, die noch gar nicht geimpft sind und den Piks noch erwarten, mischen sich ab Sommer nicht nur Kinder ab 12 Jahren, sondern auch jene, die bereits zu Beginn der Covid-Impfungen dran waren: Die Corona-Auffrischimpfungen stehen an, möglicherweise schon bald. Ist dann immer noch genügend Vakzin übrig? Eine Übersicht.

Corona-Auffrischimpfungen: notwendig – aber wann?

Über 41,5 Millionen Impfdosen sind bereits in Deutschlands Oberarme geflossen, davon fast 10 Millionen bereits doppelt. Diese 11,9 vollständig Geimpften dürften damit aber nicht für alle Zeit immun gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 und seine Varianten sein, auch wenn nun die sogenannte Grundimmunisierung steht.

Über Auffrischimpfungen wird schon länger diskutiert. Sind sie notwendig? Wahrscheinlich ja. Wann sind sie notwendig? Das steht noch nicht ganz fest. Impfstoff-Experten, so auch der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, erklärte kürzlich der Funke Mediengruppe, dass man von weiteren Impfungen ausgeht, da das Virus uns nicht mehr verlasse. Es werde endemisch, stimmt er unter anderem auch dem zu, was Virologe Christian Drosten in Folge 88 des NDR-Podcasts "Coronavirus Update" sagte.

Das bedeutet: Es wird weiter zirkulieren in der Bevölkerung. Gut ist: Wer grundimmunisiert ist, hat erstmal geringere Chancen, schwer krank zu werden, auch wenn sie oder er sich ansteckt. Doch laut Stiko kann es sein, dass der Impfschutz vor allem in bestimmten Altersgruppen oder bei Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen bereits jetzt langsam nachlässt. So könnte es laut Mertens etwa sein, dass bei diesen Personen schon kurzfristig eine dritte Dosis vonnöten sein könnte. Aber auch für die Gesamtbevölkerung stimmt er dem zu, was auch Drosten schon prophezeit hat: "Grundsätzlich müssen wir uns darauf einstellen, dass möglicherweise im nächsten Jahr alle ihren Impfschutz auffrischen müssen."

Wann lässt der Impfschutz nach?

Wann genau und wie oft wir uns nun aber weiter impfen lassen müssen, um wirklich gut weiterhin geschützt zu sein, steht allerdings noch nicht fest. Während SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gegenüber der "Berliner Morgenpost" vermutet, dass man nach der Grundimmunisierung damit rechnen müsse, den vollständigen Impfschutz bereits nach sechs Monaten zu verlieren und erste Auffrischimpfungen daher schon bald, spätestens im Herbst, nötig sein dürften, geht Christian Drosten eher davon aus, dass zwar eine Auffrischung "zum Winter hin" notwendig sei, für viele jedoch eine einmalige Folgedosis ausreichen könnte. Danach müsse man seiner Erwartung nach nur bestimmte, vulnerable Gruppen regelmäßiger impfen.

Auffrischung für manche jährlich, für Großteil alle paar Jahre

Währenddessen könne man laut Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), genaue Zeitabstände noch nicht benennen. Man müsse hier auf Studienergebnisse warten.

Unter anderem beobachten die Impfstoff-Hersteller selbst, wie lange die Schutzwirkung anhält. Moderna und Biontech/Pfizer sind da zuversichtlich, sie haben die Teilnehmer ihrer Zulassungsstudien weiter verfolgt und kommen zu dem Schluss, dass die Schutzwirkung ihrer Impfstoffe auch sechs Monate nach der zweiten Impfung noch bei über 90 Prozent liege. Dennoch halte man, so etwa Pfizer-Chef Albert Bourla, jährliche Auffrischungen für möglich.

Zumindest für bestimmte Gruppen – möglicherweise aber nicht für den Großteil der Bevölkerung: Ähnlich wie Christian Drosten sieht das der Immunologe Carsten Watzl, der gegenüber dem "Deutschlandfunk" davon ausgeht, dass jene Menschen eine Dosis pro Saison ähnlich der Grippeschutzimpfung voraussichtlich jene bräuchten, "deren Immunsystem nicht mehr so gut auf eine Impfung anspricht." Das sei etwa bei älteren Menschen oder bei durch Vorerkrankungen Immungeschwächten der Fall.

Die aber müssten auch durch ein geimpftes Umfeld mitgeschützt werden. Ganz um Auffrischungen herum würden wir dann laut Watzl nicht kommen, doch dürften seiner Meinung nach Auffrischungen im Abstand mehrerer Jahre reichen.

Dazu wichtig: Wer sich nicht impfen lässt, wird früher oder später krank, sagt Christian Drosten.

Booster mit angepasstem oder Standardimpfstoff

Für die Booster kommen derzeit zwei Varianten infrage. Einerseits arbeiten Unternehmen, allen voran Moderna, bereits an angepassten Covid-Vakzinen gegen die Virusvarianten. Im Falle dieses mRNA-Impfstoffes würden dann einmalige Spritzen mit voraussichtlich der Hälfte der Konzentration der Erst- und Zweitimpfung ausreichend sein.

Studien deuten aber auch darauf hin, dass möglicherweise die gegen die Standardvariante des Coronavirus entwickelten Impfstoffe als Booster überraschend gut gegen die Varianten schützen können.

Aber: Reicht der Impfstoff?

Aber wenn solche Auffrisch-Impfungen tatsächlich schon im Herbst, für manche vielleicht sogar schon im Sommer, notwendig sein dürften: Reicht der für dieses Jahr angekündigte Impfstoff dann wirklich? Derzeit liefern alle Hersteller wöchentlich rund 2,5 Millionen Impfdosen an die Impfzentren der Bundesländer. Dazu kommen wöchentlich im Mai fast 3 Millionen Impfdosen an Arztpraxen und Betriebsärzte sowie 3,4 bis 3,7 Millionen wöchentliche Impfdosen an Praxen von Biontech im Juni, plus noch unklare Mengen an Impfdosen von AstraZeneca, Johnson & Johnson und vorausslichtlich auch Curevac. Im Juni wird also noch einmal schneller geimpft werden können. Doch bis alle, die wollen, einen Termin haben, wird's wohl trotzdem dauern.

Bis 2023 hat die Europäische Union bereits weitere 900 Millionen Impfdosen von Biontech/Pfizer bestellt. Die sollen laut EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen zum einen als Auffrischimpfung für Erwachsene gedacht sein und zum anderen, um Kinder zu impfen. Für Kinder ab 12 Jahren wird der Impfstoff Comirnaty von Biontech und Pfizer voraussichtlich schon bald zugelassen.

Zusätzlich stehen weitere Impfstoffe in der Pipeline, etwa der bereits genannte mRNA-Impfstoff des Tübinger Unternehmens Curevac. Außerdem bald angekündigt: Das Vakzin von Novavax, das noch einmal anders arbeitet als die mRNA- und Vektor-Impfstoffe und eher klassischen Protein-Impfstoffen entspricht. Christian Drosten vermutet, dass diese vor allem für Kinder interessant sein könnten – auch, weil klassische Impfstoffe von Eltern eher akzeptiert werden könnten, da das Impfstoff-Konzept bereits seit vielen Jahren bekannt ist.

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Bundesverband der Amtsärzte fordert Plan von der Politik

Dennoch dürfe man laut Bundesverband der Amtsärzte nun nicht planlos in diese Zeit ab Sommer hineinrennen. Der Verband erwartet daher bereits jetzt ein Konzept zu den Auffrischimpfungen. "Vonseiten der Politik höre ich diesbezüglich [...] keinerlei Vorschläge, wie das organisiert werden solle", so Verbandsvorsitzende Ute Teichert zur Rheinischen Post.

Auch angesichts kommender Impfungen von Kindern fordert sie daher, dass die Corona-Impfzentren auch über den September hinaus offen bleiben sollen.

Herausfordernd wird voraussichtlich aber trotz vieler kommender Impfdosen die unmittelbar nächste Zeit. Denn ab Juni sollen die Priorisierungen wegfallen. Einzelne Bundesländer wagen bei den Hausärzten bereits jetzt einen Vorstoß. Und während neue Impfstoffe hinzukommen und die Bestellungen mit Biontech/Pfizer ausgeweitet wurden, fällt der Impfstoff Vaxzevria nach und nach weg: Die EU hat den Vertrag mit AstraZeneca aufgrund der vorhergegangenen Lieferprobleme nicht verlängert.

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Quellen:

Impfquotenmonitoring des RKI, Stand 19. Mai 2021, Liefermengen Impfstoffdosen (Bundesministerium für Gesundheit, Stand 16. Mai 2021), Deutschlandfunk, NDR-Podcast "Coronavirus Update" mit Christian Drosten, Berliner Morgenpost, Rheinische Post, Merkur,

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