17.05.2021 - 10:00

BfR ändert Bewertung, Experten aber warnen Vitamin D gegen Covid-19: Manchmal sinnvoll, aber...

Kapseln gegen schweres Covid? So einfach ist das nicht: Auch wenn das BfR seine Bewertung etwas ändert, wird zusätzliches Vitamin D nur gewissen Risikogruppen empfohlen – unter ärztlicher Aufsicht.

Foto: Getty Images/Grace Cary

Kapseln gegen schweres Covid? So einfach ist das nicht: Auch wenn das BfR seine Bewertung etwas ändert, wird zusätzliches Vitamin D nur gewissen Risikogruppen empfohlen – unter ärztlicher Aufsicht.

Bisher war die Aussage des Bundesinstituts für Risikobewertung klar: Vitamin D hat keine signifikante Wirkung im Kampf gegen Covid-19. Jetzt ändert die Behörde ihre Bewertung allerdings vorsichtig. Andere Länder stoßen weiter vor. Geht ein Mangel am Sonnenvitamin nun mit einem schwereren Covid-Verlauf einher oder nicht? Klarstellen die Experten aber: Eine Überdosierung sollte dringend vermieden werden!

Vitamine gegen schweres Covid – können wir der durch das Coronavirus ausgelösten Krankheit etwa doch mit gesunder Lebensweise ein Schnippchen schlagen? Sicherlich zu einem gewissen Teil. Vitaminpillen schlucken ist da aber nicht der richtige Weg. Der Eindruck könnte allerdings entstehen, wenn man derzeit lediglich ein paar Überschriften liest. Denn das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat seine Bewertung für Vitamin D gegen Covid-19 ein wenig angepasst – und steht dem Sonnenvitamin jetzt nicht mehr gänzlich ablehnend gegenüber. Dass wir jetzt alle, insbesondere zum nahenden Sommer hin, unsere Nahrung damit ergänzen sollten, heißt das allerdings längst nicht!

Vitamin D gegen schweren Covid-Verlauf?
Vitamin D gegen schweren Covid-Verlauf?

Vitamin D gegen Covid-19: Für manche sicherlich sinnvoll

Dass ein Nährstoffmangel nie gut ist, dürfte weithin bekannt sein. Den Menschen in der relativ dunklen Mitte von Europa sowie den Nordeuropäern fehlt insbesondere im Winter aber ein Vitamin, das sich durch die Nahrung nicht genügend aufnehmen lässt. Vielmehr nutzt unser Körper in den Sommermonaten die Sonne, um es im Körper selbst zu produzieren: Vitamin D. Über den Winter zehrt der Körper von diesen Reserven. Doch irgendwann sind sie aufgebraucht, insbesondere, wenn gar nicht erst viel Speicher angelegt werden konnte. Und dann?

Dass ein zu niedriger Vitamin-D-Spiegel mit einer erhöhten Anfälligkeit für respiratorische Erkrankungen, also Krankheiten der Atemwege, einhergeht, da herrscht soweit Konsens. Denn wissenschaftlich unstrittig ist, dass eine ausreichende Versorgung mit dem Vitamin das Immunsystem stark hält. Insbesondere bei Covid-19, das ja keine reine Atemwegserkrankung ist, ist man da aber vorsichtig. Zuständig für die Einordnung ist hierzulande das BfR, und das war bislang äußerst vorsichtig. Jetzt ändern die Experten ihre Einschätzung zumindest ein bisschen:

"Es gibt Hinweise darauf, dass ein unzureichender Vitamin-D-Serumspiegel mit einem erhöhten Risiko für akute Atemwegsinfekte einhergeht. Dazu gehört auch die Covid-19-Erkrankung", schreiben sie in Mitteilung 15/2021 vom 14. Mai. Doch nicht, ohne zu ergänzen, dass die Datenlage aktuell noch unsicher sei.

Die Quellen für die angepasste Bewertung: "Einige Beobachtungsstudien und Interventionsstudien weisen darauf hin, dass sich die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten positiv auf den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung auswirken kann." Insbesondere eben, wenn tatsächlich ein Mangel besteht. Daher wird weiter ergänzt: "Die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln kann vor allem für Menschen sinnvoll sein, die einer Risikogruppe für eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung angehören." Dieser Mangel aber müsste im besten Fall erst einmal individuell geprüft werden. Denn zu viel Vitamin D kann seinerseits gefährlich werden. Aber der Reihe nach.

Supplementierung nur für diese Risikogruppen empfohlen

Wer ist von einem Mangel an Vitamin D gefährdet? Das sind vor allem Menschen, die sich nicht oder nur ganz selten im Freien aufhalten (können), aber auch ältere Menschen. Denn im Alter nehme die körpereigene Bildung des Sonnenvitamins deutlich ab, merkt das BfR an. "Insbesondere bei Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimeinrichtungen kann daher ein Vitamin-D-Mangel verbreitet sein. Für diese Risikogruppe sollte daher eine generelle Supplementierung mit Vitamin D bis zu 20 Mikrogramm pro Tag erwogen werden." Eine klare Aussage, die aber individueller ärztlicher Begutachtung bedarf.

Wer wenig Vitamin D im Körper habe, könne möglicherweise von der Gabe von Vitamin-D-Präparaten profitieren, schreiben die Experten vom Institut. Eine generelle Empfehlung, wie es sie etwa in Irland gab, ist das allerdings nicht.

Denn zu viel Vitamin D kann im Körper gewaltigen Schaden anrichten. Das Fatale: Eine Überdosierung ist anfangs nicht spürbar. Unser Körper kann überschüssiges Vitamin D aus Präparaten aber nicht wieder ausscheiden. Natürlich gebildetes Vitamin D hingegen lässt sich nicht überdosieren, ist genügend da, hört unser Körper einfach auf, es zu produzieren.

So gefährlich kann zu viel Vitamin D werden

Die tolerierbare Gesamtzufuhrmenge an Vitamin D setzt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) auf 100 Mikrogramm (4000 Internationale Einheiten (IE) pro Tag für Erwachsene und Kinder ab elf Jahren fest. Bei Kindern zwischen einem und zehn Jahren leitet die Behörde eine Gabe von maximal 50 Mikrogramm (2000 IE) pro Tag ab. Wichtig dabei: Die Gesamtzufuhr berechnet sich aus allen oralen Quellen, also neben Präparaten auch auf die Zufuhr durch die Nahrung. Eine Zufuhrempfehlung ist die tolerierbare Gesamtzufuhrmenge nicht! Generell sollte jeder, der keinen nachgewiesenen Mangel zeigt, unter diesen Werten bleiben.

Unter gewissen Umständen, etwa wenn bereits ein Mangel vorherrscht, kann unter ärztlicher Begleitung eine kurzzeitig höhere Zufuhr nötig sein. Die sollte aber IMMER abgesprochen sein.

Denn zu hohe Dosen an Vitamin D, insbesondere wenn es in Eigenregie eingenommen wird, können schwere gesundheitliche Folgen haben, etwa Nierenverkalkung und Bildung von Nierensteinen bis hin zu akutem Nierenversagen. Denn zu viel Vitamin D bewirkt, dass der Körper zu viel Calcium aus der Nahrung aufnimmt und es außerdem aus unseren Knochen herauslöst. Die Symptome:

  • Übelkeit und Erbrechen, dazu Appetitlosigkeit
  • extremer Durst und vermehrtes Wasserlassen
  • Kopfschmerzen
  • Schwäche
  • Nervosität
  • die oben genannten Nierenprobleme
Nahrungsergänzungsmittel: Es kommt auf die Dosierung an!
Nahrungsergänzungsmittel: Es kommt auf die Dosierung an!

Vitamin-D-Spiegel gesund steigern: So geht's

Um den Vitamin-D-Spiegel gesünder zu steigern, empfiehlt das BfR daher:

  • Regelmäßige körperliche Bewegung im Freien – insbesondere jetzt, wo die Sonne wieder kräftiger scheint
  • Mehrmals in der Woche Mahlzeiten mit fettreichem Fisch (Lachs oder Hering) oder anderen Vitamin-D-haltigen Lebensmitteln.

Mehr Tipps: Vitamin D: So gleichen Sie einen Mangel aus

Wer sich unsicher ist, ob der eigene Vitamin-D-Spiegel hoch genug ist, kann sich bei der Hausärztin oder dem Hausarzt testen lassen. Diese können dann eine Empfehlung dazu geben, ob eine Supplementierung mit Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll ist und wenn ja, in welchem Rahmen. Greifen Sie bitte nie einfach so zu Vitamin-D-Präparaten, insbesondere nicht zu hochdosierten. Die Ergänzung sollte immer ärztlich überwacht werden, auch wenn Sie Vitamin D zum Schutz vor schweren Covid-19-Verläufen einnehmen wollen. Sprechen Sie das immer ärztlich ab! Wichtig zu wissen: Laut Öko-Test sind Vitamin-D-Tabletten oft überdosiert.

Das BfR schließt sein Schreiben mit wichtigen Worten: "Nahrungsergänzungsmittel sind nicht dazu bestimmt, eine Erkrankung zu heilen oder zu lindern. Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel, sondern Lebensmittel, die die normale Ernährung ergänzen können. Sie müssen sicher sein und dürfen keine gesundheitlich unerwünschten Wirkungen haben."

Vitamine gegen Corona? Was wirklich hilft – und was nicht! Mehr Infos rund um das Coronavirus gibt's auf unserer Themenseite.

Quelle:

BfR-Mitteilung Nr. 015/2021: "Vitamin D, das Immunsystem und COVID-19"

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe