Aktualisiert: 16.05.2021 - 19:30

Langjährige Immunität durch T-Zellen Corona-Impfstoffe: Kommt bald das Super-Vakzin?

Weiterhin wird geforscht an Impfstoffen gegen das Coronavirus. Ein Vorstoß: Ein "Super-Vakzin", das sich nicht auf die Bildung von Antikörpern, sondern auf die von T-Zellen spezialisiert. Aber ist das so sinnvoll?

Foto: Getty Images/Andrew Brookes

Weiterhin wird geforscht an Impfstoffen gegen das Coronavirus. Ein Vorstoß: Ein "Super-Vakzin", das sich nicht auf die Bildung von Antikörpern, sondern auf die von T-Zellen spezialisiert. Aber ist das so sinnvoll?

Aktuell sieht's so aus: Wir werden unsere Impfung gegen Covid-19 wohl regelmäßig auffrischen lassen müssen. Forschende arbeiten allerdings an einer anderen Art Impfstoff, die Schutz über Jahre verspricht. Experten sehen den Vorstoß jedoch durchaus kritisch.

Einmal pieksen und über Jahre immun: Was bei manchen Krankheiten funktioniert, sieht bei anderen wiederum ernüchternd aus. Zu Letzteren zählt wohl Covid-19: Aktuell deutet alles darauf hin, dass sich zumindest ein Teil von uns nach der Grundimmunisierung nachimpfen lassen muss. Das liegt unter anderem an der Art der Impfstoffe, die sich direkt gegen die Viren im Körper richten. Doch es gibt andere Vorstöße, bei denen der Impfstoff stattdessen die infizierten Zellen zerstören soll. Die Immunität bliebe dadurch länger. Doch ist so ein jahrelang schützender Super-Impfstoff wirklich sinnvoll? Experten geben zu bedenken: Das Ganze könnte auch gewaltig nach hinten losgehen.

Super-Impfstoff eliminiert infizierte Zellen statt Viren

Noch weiß keiner, wie lange die Covid-Impfstoffe überhaupt wirken. Reicht eine Booster-Impfung, gibt es mehrere Auffrischungen für Risikopatient:innen oder müssen wir uns gar jährlich neu impfen lassen, wie es bei der Grippe empfohlen wird? Das wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Das Problem dabei ist nämlich, dass der Impfschutz nach und nach abnehmen könnte, wie es bei der natürlichen Immunität durch die Erkrankung Covid-19 der Fall ist. Hinzu kommen neue Varianten, die die Impfstoffwirkung mitunter schmälern.

Aber was, wenn man gar nicht gegen das Virus selbst impft, sondern gegen infizierte Zellen? Genau daran forschen mehrere Impfstoff-Startups. Das Ziel: Ein Impfstoff, der über Jahre schützt und dem auch die Mutanten nichts anhaben können. Wie geht das? Indem man nicht die Antikörper gegen das Virus anregt, sondern stattdessen unsere T-Zellen stimuliert. Die wiederum sind dafür da, bereits infizierte Zellen zu finden und diesen einfach den Garaus zu machen. Denn: Diese Zellen sind vom Virus so umgebaut, dass sie als kleine Virenfabriken immer neue Viren produzieren.

T-Zellen sind Teil der Immunantwort

Unser Immunsystem ist bereits so angelegt, dass verschiedene Stoffe losgeschickt werden, um sich um das Entfernen des Eindringlings aus dem Körper zu kümmern und den Schaden zu begrenzen. Die T-Zellen sind ein wichtiger Teil davon. Sind Zellen etwa mit einem Virus infiziert, kümmern sie sich letztendlich darum, dass sie eliminiert werden, um nicht noch mehr Virus zu produzieren. Das Ziel der Forschenden ist es, genau diesen Teil der Immunantwort zu stimulieren.

Die bisher verfügbaren Impfstoffe können das auch bereits, jedoch ist das nicht ihr Hauptziel. Vielmehr richten sie sich gegen die Viren selbst, indem Antikörper gegen genau diese Viren hergestellt und im Ernstfall direkt losgeschickt werden können. Eine T-Zell-Antwort geht in gewissem Maße damit einher, bei manchen Impfstoffen wie dem Vektorimpfstoff Vaxzevria von Astrazeneca etwas mehr als bei den mRNA-Impfstoffen. Deshalb könnte beispielsweise eine Kreuzimpfung beider Impfstoffarten ganz sinnvoll sein – aber das ist ein anderes Thema.

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Skepsis aus Expertenkreisen: Risiko Selektionsdruck

Zurück zu den T-Zellen. Die haben ein paar Vorteile gegenüber Antikörpern: Sie bleiben länger und sie reagieren auf Virusbestandteile, die seltener mutieren. Das ist nämlich ein "Problem" an den bisherigen Corona-Impfstoffen: Sie regen unseren Körper an, Antikörper gegen das Spike-Protein auf der Coronavirus-Oberfläche zu produzieren. Genau an diesem Spike-Protein aber, mit dem das Virus in unsere Zellen eindringt, passieren die meisten Mutationen.

Da ist die Entwicklung eines Impfstoffes, der dieses Risiko umgeht, doch eine tolle Sache, oder? Diverse Projekte dazu schreiten gerade voran. Doch Wissenschaftler sind durchaus skeptisch bei dem Ansatz. Sie befürchten einen erhöhten evolutionären Selektionsdruck, der das VIrus dazu bringt, "sich so zu entwickeln, dass es jedem Impfschutz entgeht", erklärt etwa der britische Virologe Julian Tang gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Zwar bieten solche Impfstoffe, die auf eine sehr weite Verbreitung ausgelegt sind, die genannten Vorteile, seien jedoch ein "zweischneidiges Schwert".

Besser: T-Zell-Impfstoff als Ergänzung zu Antikörper-Impfstoff

Und noch eine Frage bleibe offen, zitiert die AFP den französischen Virologen Yves Gaudin, der an der Wirksamkeit eines T-Zell-Impfstoffes durchaus zweifelt. Er befürchtet, ein Impfstoff, der sich ausschließlich auf die T-Zellen konzentriert, könne möglicherweise nicht in der Lage sein, die vorhandenen Viren im Körper zu bekämpfen. Dazu brauche es ebenso starke Antikörper. Denn T-Zellen allein würden nicht viel nützen, würden die Antikörper versagen. Es brauche daher wenn, dann einen Impfstoff, der beides vereine.

Sinnvoll sei daher eher eine Art Booster mit T-Zell-Impfstoffen. So könnten solche Impfstoffe denen gegeben werden, die bereits eine Grundimmunisierung mit den vorhandenen Antikörper-Impfstoffen erhalten haben.

Vorteilhaft könnten sie allerdings vor allem für die sein, deren Körper nicht richtig dazu in der Lage sind, Antikörper zu bilden. Das ist etwa der Fall, wenn Krankheiten wie Krebs oder Diabetes vorliegen, bei denen durch die Therapie das Immunsystem geschwächt ist.

Noch sind die Super-Impfstoffe allerdings Zukunftsmusik. Und da sie eben wieder nur einen Teil der Immunantwort aktivieren, sind sie für sich gar nicht so super – ihren Vorteil könnten T-Zell-Impfstoffe eben nur in Kombination mit Antikörper-Impfstoffen zeigen. Damit könnte die Zukunft allerdings so aussehen, dass eben keine jährliche Covid-Impfung nötig sein wird. Was genau nun eintritt, wird man sehen.

Wie ist das eigentlich? Ist eine Impfung nach Covid-19 sinnvoll oder nicht? Das und mehr lesen Sie auf unseren Themenseiten übers Coronavirus und übers Impfen.

Quellen: AFP, eigene Recherche

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