Aktualisiert: 12.05.2021 - 16:09

Corona-Impfung trägt Früchte Drosten: Wer sich nicht impfen lässt, wird früher oder später krank

Wer sich nicht impfen lässt, erkrankt früher oder später an Covid-19: So drückt es Virologe Christian Drosten unverblümt aus. Das sei eine ganz einfache, rationale Rechnung.

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Wer sich nicht impfen lässt, erkrankt früher oder später an Covid-19: So drückt es Virologe Christian Drosten unverblümt aus. Das sei eine ganz einfache, rationale Rechnung.

"Wir sind nicht mehr so wehrlos" – mit diesen Worten knüpft Virologe Christian Drosten im NDR Info-Podcast nahtlos an seinen hoffnungsvollen Satz kürzlich im ZDF an: "Der Sommer kann ganz gut werden in Deutschland." Trotzdem stellt er klar: Wer sich nicht impfen lässt, nimmt in Kauf, sich früher oder später mit dem Coronavirus zu infizieren.

Die Zahlen gehen zurück – doch Christian Drosten schiebt das noch nicht auf die Impfungen. Im Podcast "Coronavirus-Update" des NDR stellt er aber klar, dass die sich bald bemerkbar machen werden. Eine positive Entwicklung nennt er das. In die Silberstreif-Stimmung mischt sich allerdings auch Vorsicht: "Wir werden nicht zu einem bestimmten Stichpunkt sagen: Ab jetzt alle die Masken abnehmen und ab jetzt so tun, als wäre es Sommer 2019", stellt er klar. Alles komme nach und nach – und hänge auch stark von der Impfbereitschaft ab. Drosten erklärt: Wer sich nicht impfen lässt, steckt sich irgendwann an. Und kann dann auch immer noch schwer erkranken. Denn das Coronavirus bleibt vermutlich.

Hohe Impfbereitschaft, die aber wackelt: Drosten rät zur Impfung

Derzeit wollen sich in Deutschland recht viele Menschen auf jeden Fall oder wahrscheinlich gegen das Coronavirus impfen lassen – ein Drittel (Stand 11. Mai 2021) hat die erste Impfdosis sogar schon erhalten, fast zehn Prozent sind vollständig geimpft. Laut RKI-Monitoring zur Impfbereitschaft waren im April 72,6 Prozent der Befragten der Meinung, sich auf jeden Fall impfen lassen zu wollen, weitere 8,6 Prozent tendieren zur Impfung. 10,7 Prozent zeigten sich noch unentschlossen, während 3,6 Prozent sich eher nicht und 4,4 Prozent sich auf keinen Fall impfen lassen wollten.

Damit ist die Impfbereitschaft im Vergleich zum Jahresanfang deutlich gestiegen, doch Experten mahnen, dass die Zahlen sich im Sommer wieder ändern könnten, wenn die Inzidenzen weiter fallen und das Virus seine unmittelbare Bedrohung in den Köpfen der Bevölkerung verliert.

Drosten stellt klar: Jeder könne sich frei entscheiden, ob er die Impfung annehmen wolle oder nicht. Doch dann müsse man auch die Folgen langfristig betrachten: "Diejenigen, die sich aktiv gegen die Impfung entscheiden, die müssen wissen, dass sie sich damit auch aktiv für die natürliche Infektion entscheiden." Das sage er ohne jede Wertung.

Immunisierung über die kommenden eineinhalb Jahre: Virus wird endemisch

Über den Sommer dürfte das kein großes Problem sein. Doch wenn es dann wieder auf Herbst und Winter zugeht, könne sich das bemerkbar machen, auch weil die Maßnahmen mit der Zeit immer weiter zurückgefahren würden. Das Virus bleibe aber, es werde endemisch, sagt er. "Wir werden auch im nächsten Winter noch Leute mit schwerem Covid-19-Verlauf auf der Intensivstation haben." Denn Sars-CoV-2 könne auch im Rachen Geimpfter und eben in den Ungeimpften weiter zirkulieren.

Auch müsse man beobachten, wie nicht geimpfte Kinder in die Entwicklung mit hineinfallen. Denn die können jetzt noch gar nicht geimpft werden. Zwar soll der erste Impfstoff, der von Biontech und Pfizer, im Sommer möglicherweise schon für Kinder ab zwölf Jahren freigegeben werden und auch für jüngere Kinder laufen Studien. Doch die Ständige Impfkommission (Stiko) mahnt hier zur Vorsicht: Kinder seien eben keine kleinen Erwachsenen, sondern würden physiologisch ganz anders reagieren. Daher müsse man hier noch genauer zwischen Nutzen und Risiko abwägen.

Drosten bekräftigt aber, dass mittelfristig jeder "den Prozess einer Immunisierung durchlaufen" werde. Das werde eben entweder durch die Impfung passieren oder durch die natürliche Infektion. Er schätzt den Zeitraum, in dem das passiert, auf rund 1,5 Jahre. Man solle aber beachten, dass die Immunantwort nach vollständiger Impfung nach bisherigen Erkenntnissen weitaus stabiler sei als nach der Infektion. Möglicherweise schwinden die durch eine Infektion aufgebauten Antikörper innerhalb weniger Monate. Eine Booster-Impfung nach der Corona-Infektion scheint den Schutz allerdings stark zu erhöhen.

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"Nicht mehr so wehrlos"

Klar müsse sein, so Drosten, dass auch Auffrischimpfungen nötig sein werden, wahrscheinlich schon zum Winter hin – ob nun mit weiterentwickelten und an die Mutanten angepassten Impfstoffen oder mit den bisherigen. Auch gegen die neu aufgetauchte indische Variante B.1.617 könne man animpfen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte die Mutante kürzlich als "besorgniserregend" eingestuft, jedoch hält Christian Drosten die indische Variante für Deutschland noch immer nicht für allzu gefährlich. Zum Herbst hin könne sie sich möglicherweise hier ausbreiten, aber dann sei der Impfschutz gegen das Coronavirus hoch. "Wir sind nicht mehr so wehrlos wie letztes Jahr um diese Zeit."

Grippeimpfung wird wichtig

Und auch zur Grippe-Impfung hat er ein klares Bild vor Augen: "Wir müssen uns sicher darauf vorbereiten, dass die nächste Influenza-Saison schwer wird, wenn wir nicht mit einer Impfung gegensteuern." Denn aufgrund der ausgefallenen Grippe-Welle 2020/21 habe niemand natürliche Abwehr gegen den Influenza-Wildtyp aufbauen können. "Jemand, der ein Risiko für Influenza hat, der hat auch dieses Risiko für Covid, und der wird sich im Herbst impfen lassen wollen, sollen, müssen. Das ist meine Empfehlung."

Quellen:

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