Aktualisiert: 06.05.2021 - 15:51

Chronisch-entzündliche Atemwegserkrankung Kein Sport und jede Menge Kortison? Asthma-Mythen aufgedeckt!

Ständige Kortison-Zufuhr bei Asthma bronchiale? Das ist nur eine der Mythen rund um die meist chronische Atemwegserkrankung.

Foto: Getty Images/hsyncoban

Ständige Kortison-Zufuhr bei Asthma bronchiale? Das ist nur eine der Mythen rund um die meist chronische Atemwegserkrankung.

Wer Asthma hat, muss ständig kortisonhaltige Arzneimittel nehmen, um die kleinen Entzündungen in der Lunge zu behandeln – oder? Um die Atemwegserkrankung kursieren einige Mythen. Wir stellen einige vor und lösen auf.

Wussten Sie, dass weltweit über 300 Millionen Menschen an Asthma bronchiale leiden – und zwar längst nicht nur Kinder? Und wussten Sie, dass Sport sogar gegen die Beschwerden helfen kann? Trotz der hohen Zahl an Betroffenen kursieren jede Menge Mythen rund um Asthma. Problematisch ist das, weil dadurch durchaus Patienten nicht richtig versorgt werden. Das Folgende ist für Betroffene und Angehörige von Betroffenen daher gut und wichtig zu wissen.

Atemwegserkrankungen
Atemwegserkrankungen

Asthma-Mythos 1: Mit Asthma keinen Sport treiben

Wer unter Asthma leidet, kann mit sportlicher Aktivität kaum umgehen, oder? So der Irrglaube. Tatsächlich aber ist moderater Sport bei chronischem Asthma durchaus hilfreich, denn das Training stärkt Herz-Kreislauf-System und Lunge. Das wiederum hilft Betroffenen, im Alltag belastbarer zu sein. Aber welcher Sport ist geeignet für Asthmatiker:innen? Vor allem Ausdauersportarten wie Radfahren und Wandern – in moderater Intensität.

Wer gerade erst beginnt, sollte das Training unbedingt ärztlich absprechen und kann sich dann je nach körperlicher Verfassung langsam steigern. Dabei gilt aber zwingend: Immer unter ärztlicher Kontrolle bleiben – und niemals eigenständig die Intensität erhöhen!

Asthma Mythos 2: Reine Kinderkrankheit

Erste Asthmafälle treten auf jeden Fall immer im Kindesalter auf? Falsch! Zwar ist Asthma bronchiale die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Doch während sie bei 30 bis 50 Prozent der erkrankten Kinder später, meist in der Pubertät, wieder verschwindet, können auch Erwachsene erkranken. Meist ist das der Fall, wenn sie bereits als Kind unter Asthma bronchiale gelitten haben. Je stärker die Erkrankung im Kindesalter war, desto höher ist das Risiko, dass sie später zurückkehrt, auch wenn sie zwischendurch nicht mehr zu Anfällen geführt hat.

Es gibt aber auch das sogenannte Late-Onset-Asthma – also spät einsetzendes Asthma. Dann sind die Symptome oft besonders schwer. Ausgelöst werden können sie beispielsweise durch Allergien oder auch durch hartnäckige Atemwegserkrankungen.

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Asthma-Mythos 3: Asthma ist ansteckend

Wer hat – vor allem in Pandemiezeiten – keine Angst, wenn plötzlich jemand neben ihm einen Hustenanfall hat? Oft steckt jedoch einfach ein Asthmaanfall dahinter, bei dem im Ernstfall vielleicht sogar geholfen werden muss. Gut zu wissen: Asthma ist nicht ansteckend!

Woher kommt dieser Irrglaube? Es gibt nicht nur chronisches Asthma. Auch diverse Atemwegserkrankungen oder Allergien können Asthmaanfälle auslösen, bei Menschen, die sonst gesund sind. So kann es natürlich sein, dass eine tatsächlich ansteckende Erkrankung dahintersteckt. Da Betroffene aber oft normalerweise kein Asthma haben, wissen sie gar nicht, wie ihnen geschieht, wodurch Hilfe manchmal notwendig ist. Gut, dass wir derzeit sowieso alle Maske tragen.

Kritisch werden können Viruserkrankungen aber auch für Asthmapatient:innen selbst, deren chronisches Asthma sich dadurch noch verstärken kann.

Asthma-Mythos 4: Nur viel Kortison hilft

Hustenanfall – und schon muss der Inhalator her. Das ist korrekt. Falsch ist jedoch die Annahme, dass kortisonhaltige Mittel regelmäßig eingenommen werden müssen, und zwar in hohen Dosen. Der Mythos kommt allerdings nicht von ungefähr. Früher war es durchaus gängig, Tabletten mit Kortikoiden zu verschreiben. Dank neuer Therapiemöglichkeiten werden diese allerdings laut medizinischer Asthma-Leitlinie nur noch "in begründeten Fällen" gegeben. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn das Asthma so schlimm ist, dass andere Medikamente nicht mehr wirken, oder wenn andere Therapien nicht vertragen werden.

In den meisten Fällen hilft heutzutage der Einsatz niedrig dosierter Kortikoid-Inhalatoren, die zum Einsatz kommen, wenn sich ein Anfall anbahnt. Damit werden bei richtiger Anwendung auch mögliche Nebenwirkungen von Kortison sehr gut im Rahmen gehalten. Bei schwerem Asthma werden heutzutage sogenannte Biologika gegeben. Das sind Antikörper-Therapien, bei denen die Antikörper sich gezielt gegen einzelne Teile der Entzündungsreaktion richten. Sie werden heute statt Dauerbehandlung mit Kortisontabletten genutzt, wenn sonst keine Therapien mehr anschlagen.

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Asthma während der Pandemie: Ist Covid-19 eine Gefahr?

Dass die Kortisonmenge in den Inhalatoren so gering ist, ist offenbar auch ein Vorteil für Asthmapatient:innen während der Coronavirus-Pandemie. Denn Zahlen zufolge sind Asthmatiker:innen entgegen der Erwartungen nicht unbedingt Teil der Risikogruppen. Schweres Covid-19 ist bei diesen Patient:innen nicht häufiger als bei gesunden Menschen. Das könnte möglicherweise an den geringen Kortikoid-Mengen liegen, die über den Inhalator in die Lunge gehalten. Denn die sorgen dafür, dass sich kleine Entzündungen nicht ausbreiten können. Und genau die sind eines der Probleme sowohl bei Asthma als auch bei Covid-19.

Aufgrund dieser Erkenntnisse nutzten einige Hausärzt:innen das Asthmaspray Budesonid offenbar erfolgreich zur Behandlung ihrer Covid-Patient:innen. Im Frühstadium der Krankheit gegeben, scheint es gegen schwere Verläufe zu schützen. Die Budesonid-Studie wird allerdings kritisiert – zu ungenau, da keine Blindstudie. Zudem ist das Mittel nicht unendlich vorrätig und sollte, so Experten, bevorzugt den Asthmapatient:innen gelassen werden, solange es nicht breiter verfügbar ist. Insbesondere von einer Selbstmedikation wird außerdem abgeraten – aufgrund der Nebenwirkungen, die kortisonhaltige Mittel durchaus mitbringen können, wenn falsch eingesetzt.

Quellen: A&O Gesundheit, lungeninformationsdienst.de, Nationale Versorgungsleitlinie Asthma der Bundesärztekammer, Kassenärztlichen Vereinigung und Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

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