Aktualisiert: 10.05.2021 - 07:48

Zweite Impfdosis für Gesunde wichtig! Covid-19 überstanden? Einmalige Impfung schützt vor Varianten

Eine Impfdosis schützt bereits von Covid-19 Genesene auch gegen die kursierenden Varianten sehr gut. Zuvor Gesunde dagegen sollten die zweite Impfung auf jeden Fall mitnehmen.

Foto: Getty Images/Andriy Onufriyenko, Canva.com [M]

Eine Impfdosis schützt bereits von Covid-19 Genesene auch gegen die kursierenden Varianten sehr gut. Zuvor Gesunde dagegen sollten die zweite Impfung auf jeden Fall mitnehmen.

Mittlerweile ist klar: Auch von Covid-19 Genesene sollen nach einigen Monaten zumindest eine Impfdosis gegen das Coronavirus erhalten. Jetzt zeigt sich: Damit lässt sich sogar ein guter Schutz gegen die neuen Varianten aufbauen. Gleichzeitig bedeutet das: Bitte nicht auf die zweite Dosis verzichten! Das zeigen nun auch neue Daten aus Katar.

Dass eine einmalige Impfung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 die Immunität erhöhen kann, ist mittlerweile klar. Jetzt zeigt eine neue Studie: Von Covid-19 Genesene sind mit einer Impfdosis auch gegen die Corona-Varianten geschützt – und zwar besser als die, die zuvor nicht krank waren, bisher aber nur eine Impfdosis erhalten haben. Für zuvor Gesunde gilt aber: Nur der volle Impfschutz hilft gegen Mutanten.

Schutz vor Varianten: Genesene sollten eine Impfdosis erhalten

Wir impfen aktuell mit Impfstoffen, die gegen den Wildtyp des Coronavirus Sars-CoV-2 entwickelt worden sind. Mittlerweile kursieren jedoch auch neue Varianten – denn das Virus ist an verschiedenen Orten der Welt mutiert. In Deutschland herrscht mittlerweile die Variante B.1.1.7 vor, die als weitaus ansteckender gilt. Ebenfalls in vielen Teilen der Erde auf dem Vormarsch: die Variante B.1.351.

Mittlerweile zeigt sich zwar, dass der Impfschutz zumindest gegen B.1.1.7 recht hoch bleibt. Abstriche gibt es bei B.1.351. Aber reicht der Impfschutz der ersten Impfdosis? Dieser Frage ist ein Team von Forschenden am Imperial College London nachgegangen – und hat dabei festgestellt, dass Genesene nach einer Impfdosis auch gegen die Varianten gut geschützt sind. Bei bisher nicht Erkrankten sieht das Ganze allerdings etwas anders aus.

Impfen nach Krankheit? Besser geschützt auch vor Varianten

Die Forschenden um Rosemary Boyton haben sich zuerst angesehen, ob eine frühere Erkrankung mit Covid-19 genügend Immunität gibt, wenn sie durch eine einmalige Impfdosis mit dem Impfstoff Comirnaty von Biontech und Pfizer "geboostet" wird – also noch einmal verstärkt. Denn klar ist: Zwar sind viele Genesene für eine gewisse Zeit immun, jedoch nicht zwingend gegen neue Varianten und der Impfschutz lässt schneller nach als bei Geimpften.

Dazu untersuchten die Forschenden 23 Personen aus dem Gesundheitssektor, deren Covid-19-Erkrankung im Mittel 39 Wochen zurücklag, sowie 23 Menschen aus dem Gesundheitsbereich, die sich bisher nicht infiziert hatten, aber geimpft waren.

Bei 22 der Genesenen zeigte sich eine sehr gute Reaktion: Die T-Zell-Antwort war nachweisbar und siebenfach stärker als bei denen, die bisher nicht infiziert waren. Hier war nur bei 16 von 23 eine T-Zell-Reaktion zu messen.

Bei einer weiteren Untersuchung wurde genauer geschaut, wie der Schutz gegen die Varianten B.1.1.7 (Großbritannien) und B.1.351 (Südafrika) aussieht: Bei den Genesenen kam es nach einer Impfdosis zu einer starken Antikörperantwort. Hier zeigten 23 von 24 untersuchten Genesenen sogar eine Neutralisation der als Escape-Mutation geltenden Variante B.1.351, die weniger gut auf Impfstoffe anspringt. Genauer:

  • Genesene Geimpfte hatten gegen B.1.1.7 eine 46-fach stärkere Immunantwort als nichtinfizierte Geimpfte nach der ersten Dosis.
  • Gegen B.1.351 zeigten genesene Geimpfte sogar eine 63-fach stärkere Immunantwort.
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Gesunde Geimpfte: Zweite Impfdosis bitte mitnehmen!

Die schlechte Nachricht gilt zuvor nichtinfizierten Geimpften: Nach der ersten Dosis des Impfstoffes zeigten 18 von 20 untersuchten Personen keine neutralisierenden Antikörper gegen B.1.1.7, obwohl der Schutz gegen das Originalvirus sehr gut war.

Die Forschenden schränken aber ein, dass man von Laboruntersuchungen nur bedingt auf die klinische Wirkung schließen kann. Reale Werte aus Großbritannien etwa zeigen, dass schon die erste Impfdosis zu einem starken Rückgang der Infektionszahlen geführt hatte. Auch hier war B.1.1.7 die vorherrschende Variante. Zudem war man in der Impfkampagne so vorgegangen, dass möglichst schnell möglichst viele die erste Impfdosis erhalten sollten.

Dennoch: Die im Laborversuch deutlich abgeschwächte Immunantwort von B-Zellen und T-Zellen deutet darauf hin, dass mit der Zweitimpfung nicht zu lange gewartet werden sollte. Vor allem aber sollte die zweite Corona-Impfung nicht ausfallen.

Daten aus Katar untermalen Bedeutung zweiter Dosis

Auch vor der südafrikanischen Variante kann die zweite Impfdosis wirksam schützen, hat man nun in Katar herausgefunden. Die Studie aus dem Land wurde nun im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Demnach schützt die erste Dosis von Comirnaty zu rund 54 Prozent vor schwerem Covid-19. Zwei Wochen nach der zweiten Dosis nimmt der Schutz dann auf über 90 Prozent zu. In Katar lag der Impfabstand zwischen den Dosen bei 21 Tagen.

Zu 75 Prozent schützte der Impfstoff bei vollem Impfschutz – also zwei Wochen nach der zweiten Impfdosis – vor Infektionen mit B.1.351, der südafrikanischen Variante. Demgegenüber schützte die erste Dosis nur vor 16,9 Prozent der Infektionen mit der Variante. Hochwirksam zeigte sich das Vakzin auch hier gegen die bei uns vorherrschende Variante B.1.1.7.

Innerhalb der Studie hatten sich von 385.000 Probanden, die nur eine Dosis erhielten, 6.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, fünf davon starben an Covid-19. Dagegen hatten 265.000 Menschen zwei Impfdosen bekommen. Von ihnen infizierten sich etwas mehr als 1.000 Menschen, von denen zwei an Covid-19 starben.

Zweite Impfdosis – wann eigentlich?

Derzeit wird in Deutschland mit der zweiten Impfdosis der mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna rund sechs Wochen gewartet. Mit der zweiten Dosis von Vaxzevria (AstraZeneca) wartet man dagegen bis zu zwölf Wochen – hier zeigte sich nach bisherigen Erkenntnissen ein besserer Impfschutz nach längerer Wartezeit. Laut Regierung kann man sich allerdings auch bereits nach vier Wochen die zweite Dosis geben lassen – allerdings sollte man hier beachten, dass eine frühe zweite Dosis das Risiko einer Covid-19-Erkrankung um 55 Prozent reduziert, während der Schutz bei längerem Abstand (zwölf Wochen) bei rund 80 Prozent liegt.

Klar, ein Schutz von über 50 Prozent ist immer noch super und erfüllt alle Kriterien. Doch wer ein paar Wochen länger warten kann, tut gut daran, den Zeitraum auszureizen.

Schon länger wird darüber diskutiert, ob Genesene ebenfalls gegen das Coronavirus geimpft werden sollten. Mittlerweile zeigt sich: Ja – aber sofern die Erkrankung bekannt war, soll die Impfung erst nach sechs Monaten erfolgen. Nach bisherigen Erkenntnissen reicht erst einmal eine "Boosterimpfung", die die vorhandene Immunantwort verstärkt. Ob dann später eine weitere oder gar jährliche Impfung notwendig ist, wird sich dann zeigen. Mehr rund um das Coronavirus sowie zu Impfungen im Allgemeinen lesen Sie auf unseren Themenseiten.

Studien:

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