Aktualisiert: 07.05.2021 - 16:07

Atemstillstand im Schlaf Plötzlicher Kindstod: Diese Tipps senken das Risiko

Babys im Bettchen immer auf dem Rücken schlafen lassen! Die Bauchlage kann das Risiko für plötzlichen Kindstod erhöhen.

Foto: Getty Images/Tuan Tran

Babys im Bettchen immer auf dem Rücken schlafen lassen! Die Bauchlage kann das Risiko für plötzlichen Kindstod erhöhen.

Warum sterben manche Babys einfach so, mitten in der Nacht? Warum setzt einfach der Atemreflex aus? Man weiß noch nicht viel über die Ursachen des plötzlichen Kindstodes, doch es gibt zumindest mittlerweile Empfehlungen, die das Risiko mindern können.

Es ist ein grausames Phänomen. Wenn Säuglinge innerhalb des ersten Lebensjahres ohne erkennbare Ursache sterben, spricht man vom plötzlichen Kindstod, auch SIDS genannt. Das kommt aus dem Englischen und steht für "sudden infant death syndrome".

Plötzlicher Kindstod ist noch immer ein Rätsel

Was genau passiert da, wenn ein Neugeborenes plötzlich einfach aufhört zu atmen? Wirklich eindeutige Erklärungen dafür gibt es noch nicht, das Syndrom stellt Forscher vor Rätsel. Manche machen noch nicht ganz ausgebildete Atemreflexe verantwortlich. Sie vermuten: Das Kind bekommt, ausgelöst durch die Umgebung, durch eine Infektion, einen Gegenstand, schlecht Luft. Da der Atemreflex aber fehle, um jetzt stärker zu atmen, atmet es stattdessen flacher oder seltener – und bekommt dadurch zu wenig Sauerstoff, bis es erstickt.

Man weiß mittlerweile: Auch Schadstoffe in der Raumluft können das Risiko erhöhen, ebenso ein durch solche beeinflusster Schwangerschaftsverlauf. Möglicherweise ist das Risiko aber auch genetisch bedingt. Ist ein Geschwisterkind bereits an SIDS verstorben, ist das Risiko für das Neugeborene um ein Sechsfaches höher, zeigen Studien.

Doch mittlerweile gibt es immerhin Tipps, die zumindest das Risiko für den plötzlichen Kindstod senken.

Bauchlage? Veralteten Tipp bitte nicht anwenden!

Einer dieser Tipps, der leider nach dem Prinzip "Trial and Error" entstanden ist, ist die Schlafposition. Ging man in den 1960er-Jahren noch davon aus, dass die Bauchlage die bessere Wahl für Neugeborene ist, weiß man heute: Dieser Tipp kostet Leben! Vielmehr hat sich leider nach zahlreichen Todesfällen gezeigt, dass ein Baby immer in Rückenlage schlafen sollte. Die Empfehlung allerdings wurde erst Anfang der 1990er-Jahre in ganz Deutschland geändert.

Wichtige Tipps: SIDS-Risiko senken

Das Gute: Heute gibt es wissenschaftlich erhobene Daten, die zumindest nachweislich zeigen, was besser ist – auf diesen bauen die folgenden Empfehlungen auf:

Rückenlage: Beim Schlafen sollte das Baby immer auf dem Rücken liegen – auf keinen Fall auf Bauch oder Seite. Das Kind kann nur in Bauchlage einschlafen? Dann bleiben Sie so lange bei ihm und legen es nach dem Einschlafen vorsichtig auf den Rücken. Wache Babys sollten allerdings regelmäßig auf den Bauch gelegt werden. Das trainiert den Rücken und schützt vor einer Abflachung des noch weichen Kopfes. Sollte das Baby dabei einschlafen, bitte wieder umdrehen.

Schlafstätte: Die Matratze des Kinderbetts sollte nicht zu weich, sondern eher fest sein und mit einem keine Falten werfenden Laken bezogen sein. Auf Kuscheltiere, Kissen – auch Kopfkissen – oder Felle im Bett sollte verzichtet werden. Das Kinderbett sollte im Schlafzimmer stehen. Neugeborene sollten jedoch nicht im Bett der Eltern mitschlafen.

Temperatur: Lieber etwas kühler als zu warm: Achten Sie auf eine Raumtemperatur zwischen 16 und 18 °C und verzichten Sie auf Heizkissen oder Wärmflaschen im Bett – das übrigens nicht an der Heizung oder in der Sonne stehen sollte. Statt Decke lieber einen Schlafsack verwenden. Als Bekleidung reicht die Windel, höchstens ein dünner Schlafanzug. Übrigens: In der Wohnung oder gar beim Schlafen sollten Sie dem Baby keine Mütze aufziehen. Die sind für draußen reserviert. Auch kranke Babys sollten nicht überwärmt werden!

Genussmittel der Eltern: Wird in der Wohnung geraucht, erhöht dies das Risiko für SIDS! Das gilt übrigens auch schon für die Zeit vor der Geburt. Schwangere oder stillende Mütter sollten gänzlich auf Zigaretten verzichten – auch auf E-Zigaretten! Rauchen in der Schwangerschaft kann dem Kind nachhaltig schaden. Und auch auf Alkohol sollten am besten beide Elternteile während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt verzichten oder zumindest nicht im selben Raum schlafen. Studien deuten darauf hin, dass das Risiko für SIDS steigt, wenn alkoholisierte Eltern neben dem Kind schlafen.

Weitere Tipps: Stillen bietet einen gewissen Schutz gegen SIDS. Ebenfalls sterben geimpfte Kinder seltener am plötzlichen Kindstod. Und man mag es nicht glauben, aber auch ein Schnuller beim Schlafen senkt das Risiko.

Dennoch sollten Sie beachten: Selbst wer diese Tipps streng verfolgt, kann das Risiko für SIDS nicht komplett auf Null senken. So können auch Infektionskrankheiten, eine Frühgeburt zusammen mit einer Erkrankung oder Untergewicht oder Komplikationen in der Schwangerschaft ausschlaggebend sein. Dennoch zeigen die Tipps die erhoffte Wirkung: In Deutschland sind die Fälle des plötzlichen Kindstods nach Einführung der Empfehlungen um fast 80 Prozent zurückgegangen.

Sind Sie unsicher, kann ein Gespräch mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt Ängste nehmen. Sowieso sollten Sie regelmäßige Untersuchungen immer wahrnehmen.

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Quellen:

Quarks.de, minimed.at, netdoktor.de, kindergesundheit-info.de, Studie "SIDS and Other Sleep-Related Infant Deaths: Updated 2016 Recommendations for a Safe Infant Sleeping Environment"

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