Aktualisiert: 29.04.2021 - 17:59

Folgen für Impfpriorisierung Covid-Risikofaktoren: RKI definiert neu

Von der Redaktion

Welche sind die größten Risikofaktoren für schweres Covid-19? Anhand neuer Daten konnte das RKI die Liste überarbeiten. Das kommt impfenden Ärzten als Stütze recht.

Foto: Getty Images/Luis Alvarez

Welche sind die größten Risikofaktoren für schweres Covid-19? Anhand neuer Daten konnte das RKI die Liste überarbeiten. Das kommt impfenden Ärzten als Stütze recht.

Die Impfungen laufen immer besser, die Impfpriorisierung soll zum Juni voraussichtlich aufgehoben werden. Das heißt aber nicht, dass sie nie wieder greift. Mithilfe von Datenanalysen konnte das Robert-Koch-Institut (RKI) nun die größten Risikofaktoren für schweres Covid-19 bei Menschen unter 80 genauer definieren. Die Liste soll nun den Ärzten dabei helfen, Entscheidungen über die Impfreihenfolge besser zu treffen. Das könnte auch für Nachimpfungen interessant werden.

Alles weiß man immer noch nicht über die Prädispositionen, die entscheiden, ob jemand schwer an Covid-19 erkrankt oder mit leichten Symptomen davonkommt. Doch mit jeder und jedem Erkrankten kommen neue Daten hinzu und zumindest das Bild der größten Risikofaktoren klärt sich mehr und mehr. So konnte das Robert-Koch-Institut (RKI) diese Risikofaktoren für schweres Covid-19 jetzt genauer definieren.

Risikofaktoren für schwere Covid-19-Verläufe: RKI passt die Liste an

Wer an Vorerkrankungen wie Krebs, Demenz oder Herzinsuffizienz leidet, aber noch nicht geimpft ist, dürfte zukünftig auch bei impfenden Ärzten Vorrang haben. Aufgrund neuer Daten zur Infektionslage haben das RKI und mehrere Krankenkassen die Liste der Risikofaktoren überarbeitet. Das ist besonders wichtig für die Impfungen, denn vor allem damit können besonders vulnerable Personen besser gegen schwere Verläufe und den Tod durch Covid-19 geschützt werden.

Bisher hatte man sich für die Prioritäts-Empfehlung von der Ständigen Impfkommission (Stiko) auf internationale Studien verlassen. Jetzt aber liegen endlich Daten aus Deutschland vor, die auf Routinedaten von etwa 30 Millionen Versicherten aufbauen, so die Pharmazeutische Zeitung.

Nicht nur am Alter orientieren

Die Haupterkenntnis dabei: Eine rein am Alter orientierte Rangfolge sei "nicht optimal" – so steht es im Bericht im "Epidemischen Bulletin" Ausgabe 19/2021. Ein hohes Risiko für schweres Covid-19 hätten den Studienergebnissen zufolge demnach vor allem Patienten mit hämato-onkologischen Erkrankungen (Blutbildungsstörungen, leukämische Erkrankungen, Lymphknoten-/Lymphsystem-Erkrankungen, bösartige solide Tumore), metastasierendem Krebs, Demenz und Herzinsuffizienz.

Die Liste ist aber noch länger. "Dieses Risiko überstieg in vielen Fällen das allgemeine Risiko von Angehörigen bestimmter Altersgruppen." Lediglich bei Patient:innen über 80 sei das Alter der größte Faktor gewesen.

Dass Krebs so weit oben in der Liste steht, liegt nicht nur an der Erkrankung selbst, sondern auch mit an den Therapieformen. Denn Krebspatient:innen erhalten mitunter Immunsuppressiva. Ihnen gilt daher ein besonderer Schutz – auch während der Behandlung im Krankenhaus. So können Sie Krebspatient:innen während der Pandemie unterstützen.

Das sind die aktualisierten Risikofaktoren nach Schwere

Und so ist die Rangfolge nun aufgebaut:

  1. hämato-onkologische Erkrankungen mit Therapie
  2. metastasierte solide Tumorerkrankungen mit Therapie
  3. Demenz
  4. metastasierte solide Tumorerkrankungen ohne Therapie
  5. Herzinsuffizienz
  6. Alter 75 bis 79 Jahre
  7. Dialyse
  8. solide Krebserkrankung mit Therapie
  9. zirrhotische und schwere Leberkrankheiten
  10. Down-Syndrom
  11. chronische Niereninsuffizienz
  12. Zustand nach Organtransplantation
  13. Alter 70 bis 74 Jahre
  14. Vorhofflimmern und Vorhofflattern
  15. interstitielle Lungenerkrankung
  16. Alter 65 bis 69 Jahre
  17. koronare Herzkrankheit
  18. schwere psychische Erkrankungen
  19. Diabetes mellitus Typ I und II
  20. COPD und sonstige schwere Lungenerkrankungen
  21. zerebrovaskuläre Erkrankungen
  22. Adipositas
  23. neurologische Erkrankungen
  24. Alter 60 bis 64 Jahre

Coronavirus: Diese Rolle spielt das Gewicht

Prioritätenliste vor allem für Hausärzt:innen hilfreich

Mit der Liste will man impfenden Ärzten nun eine "evidenzbasierte und praxistaugliche Orientierungsmöglichkeit" an die Hand geben. So könne die Impfrangfolge möglicherweise schon jetzt aktualisiert werden. Die Liste richtet sich vorrangig an niedergelassene Hausärztinnen und Hausärzte, die damit ihre besonders gefährdeten Patientengruppen nun gezielter identifizieren und so früh wie möglich durch eine Impfung schützen können.

Interessant werden dürften die Ergebnisse auch in Hinblick auf eventuelle Nachimpfungen. Denn es muss davon ausgegangen werden, dass die eine (Doppel-)Impfung gegen das Coronavirus nicht die einzige bleibt – mit Blick auf mögliche Mutanten und eventuell sinkenden Impfschutz. Das aber wird die Zukunft zeigen. Nun bleibt erst einmal die Grundimmunisierung wichtig – und die muss schnellstmöglich vor allem die vulnerablen Gruppen schützen und im Anschluss so schnell wie möglich alle anderen.

Übrigens ganz wichtig: Trotz Corona-Angst bei Herzinfarkt und Co ins Krankenhaus!

Hier finden Sie die Ausgabe 19/2021 des Epidemiologischen Bulletins zur Hierarchisierung der Risikofaktoren bei Covid-19

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