Aktualisiert: 28.04.2021 - 16:49

Spezielle Ambulanz eröffnet Covid-Antikörper: So behandelt die Charité jetzt Risikopatienten

Wenn Antikörper an das Coronavirus andocken, kann es sich im besten Fall keinen Zugang mehr zu Zellen verschaffen. Das Prinzip nutzen Covid-Antikörper-Medikamente, mit denen nun in einer neuen Ambulanz an der Charité bestimmte Risikopatienten behandelt werden können.

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Wenn Antikörper an das Coronavirus andocken, kann es sich im besten Fall keinen Zugang mehr zu Zellen verschaffen. Das Prinzip nutzen Covid-Antikörper-Medikamente, mit denen nun in einer neuen Ambulanz an der Charité bestimmte Risikopatienten behandelt werden können.

Manchen Menschen mit bestimmten Risikofaktoren kann die Corona-Infektion zum Verhängnis werden. Im frühen Stadium setzte man zuletzt Hoffnung in Antikörper-Medikamente – die sind seit Januar vorhanden, werden aber nicht genutzt. Das ändert sich jetzt zumindest in Berlin.

Erinnern Sie sich an die Antikörper-Medikamente Casirivimbab/Imdevimab von Regeneron und Bamlanivimab von Eli Lilly? Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte im Januar Geld in die Hand genommen und 200.000 Dosen dieser beiden Medikamente bestellt. Bisher werden die Präparate nur in Einzelfällen eingesetzt. In der Berliner Charité hat nun allerdings die erste Covid-Antikörper-Ambulanz eröffnet. Hier können sich bestimmte Risikopatient:innen in den ersten Tagen einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 eine Infusion geben lassen. Die Therapie ist aber nicht für jeden geeignet.

Antikörper-Medikamente: So funktionieren sie
Antikörper-Medikamente: So funktionieren sie

Antikörper-Therapie: Charité eröffnet Ambulanz für frisch erkrankte Covid-Risikopatienten

Wer unter gewissen Vorerkrankungen leidet und dann an Covid-19 erkrankt, hat ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf. Um den abzuwenden, gibt es unter anderem die Möglichkeit, mit sogenannten monoklonalen Antikörpern zu therapieren. Entsprechende Medikamente gibt es auch in Deutschland: Die Bundesregierung hatte im Januar 400 Millionen Euro in diese investiert. Jetzt kommen sie endlich etwas breiter zum Einsatz. Gänzlich zugelassen sind sie nämlich noch nicht.

Die Möglichkeit einer solchen Behandlung gibt es nun in der ersten Covid-Antikörper-Ambulanz in der Berliner Charité. Der Testbetrieb hat am 19. April auf dem Campus Mitte begonnen. "Versorgt werden in der Ambulanz Menschen im frühen Stadium der Infektion, die die Therapie wegen Risikofaktoren am dringendsten brauchen", erklärt Dr. Joachim Seybold, Privatdozent und stellvertretender Ärztlicher Direktor der Charité gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Monoklonale Antikörper: Diese kommen infrage

Monoklonale Antikörper sind Antikörper, die am Spike-Protein des Coronavirus andocken können und somit verhindern können, dass es in die Zellen des Körpers eindringt. Im besten Fall verhindern sie so die weitere Ausbreitung des Virus und senken die Viruslast. Genutzt wird unter anderem die Antikörper-Kombination Casirivimab/Imdevimab, auch genannt REGN-COV2, von Roche und Regeneron. Die Antikörper-Therapien haben in Europa eigentlich noch keine Zulassung, werden aber bereits seit Anfang des Jahres von der Europäischen Arzneimittel-Behörde EMA geprüft. Im sogenannten Rolling-Review-Verfahren, bei dem die Behörde während der Testphasen bereits Ergebnisse zur Prüfung bekommt, befinden sich neben REGN-COV2 noch die monoklonalen Antikörper Bamlanivimab und Etsevimab von Eli Lilly sowie Regdanvimab von Celltrion. Bisher hat die EMA für diese Medikamente sowie für eine Therapie von Glaxo-Smith-Kline nur eine wissenschaftliche Empfehlung ausgesprochen. Sie dürfen daher nur in Ausnahmefällen angewandt werden – etwa nun in der Ambulanz der Charité.

"Gemäß den Ergebnissen einer klinischen Prüfung wurden Patientinnen und Patienten nach einer Behandlung weniger häufig ins Krankenhaus eingeliefert oder haben eine Notaufnahme aufgesucht", heißt es auf der Website des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zur Ausnahme-Regelung. Man könne daher ein "positives Nutzen-Risiko-Verhältnis zur Vorbeugung oder Behandlung von Covid-19" erwarten.

Für diese Patient:innen eignet sich die Therapie

Ganz wichtig dabei: Es müssen bestimmte Gegebenheiten zutreffen: So dürfen die Patient:innen seit höchstens fünf Tagen leichte Symptome verspüren. "Auch wenn ein Patient schon Luftnot hat, ist es für die Antikörperinfusion zu spät", so Seybold. Die schweren Fälle werden stationär versorgt. Damit kommen lediglich Erwachsene mit frischen, milden bis moderaten Symptomen in Betracht.

Für das Angebot der Covid-Antikörper-Ambulanz der Charité kommen Menschen mit Vorerkrankungen wie chronischen Nierenerkrankungen, starkem Übergewicht mit BMI über 35, Lungenfibrose oder der chronischen Lungenkrankheit COPD in Betracht. Auch wer eine immunsupprimierende Therapie wie Chemotherapie erhält oder am Down-Syndrom leidet, kann sich behandeln lassen.

Einschränkungen könnte es geben, wenn ein Behandlungswilliger schon einmal einen schweren allergischen Schock hatte. Dann bestehe die Gefahr, dass auch auf die Antikörper allergisch reagiert wird. Hier werde im Einzelfall bestimmt, ob die Behandlung erfolgen kann. Jede Behandlung finde außerdem unter medizinischer Aufsicht statt, heißt es seitens der Klinik. Die Infusion selbst dauere eine Stunde, danach folge eine weitere Stunde Nachbeobachtung. Anschließend dürfen die Patient:innen wieder nach Hause, wenn keine Probleme aufgetreten sind.

Als mögliche Therapie in den ersten Tagen nach Symptombeginn werden auch weitere Covid-Medikamente gehandelt. So ist etwa das Asthmaspray Budesonid kürzlich in die Schlagzeilen geraten. Welche Medikamente einen schweren Verlauf von Covid-19 verhindern können, wird gerade in einer großen Studie getestet. Das Kortisonspray ist eines davon.

Ärzte entscheiden über Behandlung

Wichtig: Ob die Therapie angeboten wird, entscheiden nicht die Patient:innen, sondern ihre behandelnden Haus- oder Fachärzte, die einen entsprechenden Termin mit der Charité vereinbaren. Für die ambulante Behandlung wird dann für kurze Zeit die häusliche Quarantäne unterbrochen. Patienten werden von der Charité dazu angehalten, sich mit einem Privatauto oder einem Krankentransport zur Klinik bringen zu lassen. Öffentliche Verkehrsmittel sollen nicht genutzt werden, um andere Mitfahrende nicht mit dem Coronavirus zu gefährden.

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