Aktualisiert: 21.04.2021 - 15:45

Große Studie angelaufen Schweren Covid-Verlauf verhindern? Diese Medikamente werden jetzt getestet

Mit ersten Covid-19-Symptomen zum Hausarzt und dort direkt ein wirksames Medikament zum Schutz vor einem schweren Verlauf bekommen? Könnte bald möglich sein. In einer großen Studie werden erfolgversprechende Arzneimittel derzeit getestet.

Foto: Getty Images/Geber86

Mit ersten Covid-19-Symptomen zum Hausarzt und dort direkt ein wirksames Medikament zum Schutz vor einem schweren Verlauf bekommen? Könnte bald möglich sein. In einer großen Studie werden erfolgversprechende Arzneimittel derzeit getestet.

Für die Behandlung schwerer Covid-Verläufe gibt es bereits diverse Medikamente, die helfen können. Doch wie lassen sich solche Verläufe von Anfang an verhindern? In einer großen Studie werden nun mehrere Mittel gegen leichte bis moderate Covid-19-Verläufe getestet.

Haben Sie kürzlich von Budesonid gehört? Das Asthma-Mittel wird bereits seit Monaten von vereinzelten Ärztinnen und Ärzten erfolgreich im Kampf gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 eingesetzt und gilt als "Game Changer" und Hoffnungsträger. Bevor bereits vorhandene Medikamente aber als Mittel auch gegen Covid-19 offiziell angewandt werden dürfen, muss es weitreichende Tests geben. Eine solche Studie startet jetzt: Bis zu sieben Medikamente sollen auf ihre Wirksamkeit in leichten bis moderaten Corona-Fällen getestet werden.

Tests starten: Medikamente gegen leichtes Covid als "Game Changer"

Es gibt nicht nur Impfstoffe. Und es gibt nicht nur Medikamente, die neu entwickelt werden müssen. Gegen Covid-19 können mitunter auch bereits in anderen Indikationen zugelassene Arzneimittel helfen. Viele machten bereits die Runde, viele wurden wieder verworfen, da der Nutzen nicht groß genug war, um die teils starken Nebenwirkungen zu übertreffen.

Manche Medikamente, etwa das antivirale Remdesivir oder das entzündungshemmende Dexamethason, werden in Krankenhäusern mittlerweile zur Behandlung schwerer Covid-19-Fälle genutzt.

Doch was wäre, wenn wir genügend Medikamente hätten, die solche schweren Verläufe direkt verhindern? Welche der Hoffnungsträger, die es da gibt, wirken wirklich und sind dabei auch noch möglichst nebenwirkungsarm? Genau das soll nun in einer großen US-Studie mit bis zu 13.500 Teilnehmern herausgefunden werden.

Nach Tests auf kleiner Ebene muss jetzt der Großtest folgen

Dass so manches bereits vorhandene Medikament im Reagenzglas gegen das Coronavirus wirkt, konnte auf Laborebene bereits gezeigt werden. Doch in der Praxis sieht das Ganze leider oft anders aus. Denn so individuell Menschen an Covid-19 erkranken, so individuell reagieren sie auch auf Medikamente. Und dann ist da noch die Frage nach den Nebenwirkungen, die mitunter stark sein können und damit nicht immer vertretbar sind. Wie wirken die Mittel? Das wird nun in der ACTIV-6-Studie, kurz für "Accelerating Covid-19 Therapeutic Interventions and Vaccines", geprüft.

"Während wir bei der Behandlung von Krankenhauspatienten mit einer schweren Covid-19-Erkrankung bereits gute Arbeit leisten, verfügen wir derzeit nicht über ein zugelassenes Medikament, das selbst verabreicht werden kann, um die Symptome von Menschen mit leichten Erkrankungen zu Hause zu lindern und das die Wahrscheinlichkeit für einen Krankenhausaufenthalt verringert", zitiert eine Pressemeldung Dr. Francis S. Collins, Direktor der US National Institutes of Health (NIH). Die Institute führen die Studie durch. Man will damit bewerten, "ob bestimmte Medikamente, die in kleinen Studien vielversprechend sind, die Strenge einer größeren Studie bestehen können", so Collins.

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Auch Einfluss auf Long Covid wird geprüft

Für die Studie werden Probanden ab 30 Jahren herangezogen, die positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden sind und über höchstens sieben Tage zwei oder mehr milde bis moderate Symptome zeigen. Noch während der Erkrankung wird dann entweder einer der Arzneimittel-Kandidaten gegeben oder ein Placebo. Anschließend wird der Krankheitsverlauf über 14 Tage weiter beobachtet. Kommt es zu Krankenhauseinweisungen, wird der Beobachtungszeitraum auf 28 Tage ausgeweitet.

Auch auf den Einfluss der getesteten Medikamente auf Long Covid soll die Studie eingehen: Es soll geprüft werden, ob 90 Tage nach Therapiebeginn Langzeit-Symptome auftreten.

Diese Medikamente könnten geprüft werden

Noch ist laut Pressemeldung des NIH nicht endgültig klar, welche Medikamente in die Studie mit einbezogen werden. Die Sicherheit soll aber eine große Rolle spielen, sie soll bei allen bereits gut belegt werden können. Zudem sollen bereits Daten aus vorherigen kleineren Studien vorliegen, die auf eine Wirksamkeit gegen Covid-19 hinweisen.

Gute Karten dabei dürfte das anfangs genannte Budesonid haben, ein steroidhaltiges Asthmaspray, das sich gegen die kleinen Entzündungen in der Lunge richtet und in den ersten Tagen nach Symptombeginn bereits erfolgreich eingesetzt werden konnte, dabei aber wenig Nebenwirkungen bei solch kurzen Einsatzzeiten mitbringt.

Ebenfalls könnten laut "Washington Post" auch die bereits öfter in Zusammenhang mit dem Coronavirus genannten Mittel Ivermectin, ein antiparasitäres Medikament, sowie das Antidepressivum Fluvoxamin und der Säureblocker Famotidin Teil der Studie sein.

Mehr dazu: Medikamente gegen Covid-19: Das wird alles eingesetzt

Medikamente werden "Off Label" genutzt, aber...

"Off Label" – also ohne Zulassung auf diese Krankheit, sondern unter "nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch" – wurden diese Medikamente bereits zuvor eingesetzt, mit Erfolgen. Probleme bei einer Nutzung ohne offizielle Zulassung sind aber fehlende Kostenübernahme sowie auch eingeschränkte Haftung für eventuelle Nebenwirkungen. Ärztinnen und Ärzte müssen darüber aufklären, wenn sie ein Arzneimittel außerhalb seiner eigentlichen Bestimmung einsetzen.

Getan hatte das unter anderem die österreichische Allgemeinmedizinerin Dr. Lisa Kellermayr, die bereits seit Monaten Patientinnen und Patienten mit leichten Symptomen mit Budesonid behandelt, wie sie selbst sagt. "Relativ rasch zeigte sich, dass Patienten von der Substanz Budenosid deutlich profitieren. Patienten, die wir recht frühzeitig damit behandelt haben, wurden rasch besser, riefen nur selten in den nächsten Tagen noch mal an und wurden kaum spitalspflichtig", schreibt die junge Ärztin in einem Twitter-Beitrag. (Mit Klick auf die Twitter-Einbindung gelangen Sie zum gesamten, langen Thread.)

Sie hatte den erfolgreichen Einsatz bereits im Oktober eigenen Angaben zufolge in einer Fortbildung vorgestellt – aber mit ausbleibender Reaktion. Vielmehr sei ihr von der Empfehlung abgeraten worden, bis es eine offizielle Zulassung gebe. Hoffen wir, dass sich mit der Großstudie daran schnell etwas ändert. Denn die Zeit drängt. Das Coronavirus wartet nicht.

Pressemeldung zur Studie: "Large clinical trial to study repurposed drugs to treat COVID-19 symptoms"

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