Aktualisiert: 19.04.2021 - 18:55

Infektionsrisiko im Freien Covid-19: Wie schnell kann man sich draußen anstecken?

Draußen mit Abstand auf der Parkbank – und Masken runter? Das dürfte laut einer neuen Studie eher kein Problem sein. Demnach ist die Ansteckungsgefahr im Freien sehr gering, wenn auf zwei Sachen geachtet wird.

Foto: Getty Images/Westend61

Draußen mit Abstand auf der Parkbank – und Masken runter? Das dürfte laut einer neuen Studie eher kein Problem sein. Demnach ist die Ansteckungsgefahr im Freien sehr gering, wenn auf zwei Sachen geachtet wird.

Kürzlich machte ein offener Brief von Aerosolforschern die Runde. Quintessenz: Die Ansteckungsgefahr im Freien sei niedriger als in Innenräumen. Jetzt gibt es hierzu neue Daten aus der Forschung. Können wir an der frischen Luft wirklich auf Masken und Abstand verzichten? Nicht ganz...

Muss man draußen wirklich Maske tragen? Und wie sinnvoll sind Ausgangssperren wirklich? Diese beiden Fragen gehören wohl zu den Corona-Maßnahmen, die am umstrittensten sind. Jetzt gibt es neue Daten aus der Infektionsforschung aus Irland. Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus an der frischen Luft?

Ansteckungsgefahr im Freien: Fliegen Coronaviren einfach weg?

Warum die Ansteckungsgefahr in Innenräumen höher ist, ist eigentlich naheliegend, wenn man sich die Erkenntnisse von Aerosolforschern ansieht: Der Großteil der wissenschaftlichen Gemeinde ist sich sicher, dass das Coronavirus Sars-CoV-2 neben Spucktröpfchen auch über kleinste Tröpfchen, sogenannte Aerosole, übertragen wird – und diese feinen Flüssigkeitströpfchen lange in der Luft schweben und sich dort anreichern können – wenn nicht gelüftet wird. Diese kleinen Flüssgkeitspartikel werden beim Atmen, vor allem beim Sprechen, aber auch beim Husten oder Niesen, zusätzlich zu größeren Tröpfchen ausgestoßen und können Träger von Viren sein.

Weht nämlich ein Wind bzw. ist viel Bewegung in der Luft, wird diese also regelmäßig ausgetauscht, verdünnen sich die Aerosole entsprechend. Und ist eine infizierte Person in der Nähe, wird eine Ansteckung unwahrscheinlicher.

Studie zeigt: Ansteckungen im Freien äußerst selten, wenn...

Bestätigt wird der allgemeine Konsens nun durch eine weitere Studie aus Irland, bei der die Forschenden der Ursache von insgesamt über 200.000 Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 nachgegangen sind. Dabei seien nur 0,1 Prozent der Ansteckungen auf eine Begegnung im Freien zurückzuführen gewesen. Der Großteil, also 99,9 Prozent der Infektionen habe demnach in Innenräumen stattgefunden.

Darum schützt die AHA+L+C-Formel
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...genügend Abstand gegeben ist

Unmöglich ist eine Ansteckung im Freien damit aber nicht. Das bestätigt t-online.de gegenüber auch der Aerosolforscher Prof. Martin Kriegel: "Wir atmen ja Aerosole und eventuell Viren aus – draußen in einem riesigen Luftraum im Vergleich zu einem Innenraum." Durch diesen großen Raum und die dazu noch viel größere Luftbewegung an der frischen Luft können sich Aerosole viel schneller verteilen – und vor allem nicht anreichern. So argumentieren auch die Aerosolforscher in ihrem offenen Brief: Die Gefahr des Coronavirus lauere in den Innenräumen.

Dennoch kann es an der frischen Luft zu Übertragungen kommen – insbesondere, wenn Menschen nah zusammenstehen, miteinander sprechen oder laut rufen. Denn auch Tröpfcheninfektion ist eine Gefahr – und je lauter jemand spricht, je öfter er hustet oder niest, desto mehr Tröpfchen stößt derjenige auch aus. Je näher jemand anderes steht, desto mehr dieser Tröpfchen bekommt dieser dann ab. Ist Person 1 infiziert, steigt damit auch die Gefahr, dass Person 2 sich ansteckt. Mehr dazu: Ansteckung über die Luft: Sind Aerosole infektiös oder nicht?

Das Robert Koch-Institut (RKI) schreibt daher in seinen Leitlinien: "Bei gleichzeitiger Wahrung des Mindestabstandes ist die Übertragungswahrscheinlichkeit im Freien aufgrund der Luftbewegung sehr gering." Dennoch bedeutet "gering" nicht "nicht vorhanden". Abstand ist daher auch an der frischen Luft wichtig, insbesondere, wenn viel gesprochen, gerufen oder gesungen wird. Kann der Abstand nicht garantiert werden oder sind viele Menschen mit Singen/Rufen/laut Sprechen beschäftigt, können auch Masken an der frischen Luft ein guter Schutz sein.

Was bringen denn nun die kritisierten Maßnahmen?

Wer allein auf weiter Flur aber durch den Wald geht oder unterwegs niemandem begegnet, läuft sehr wenig Gefahr, sich irgendwo anzustecken – auch nicht beim Joggen, man ist schließlich in Bewegung an der frischen Luft. Solche Maßnahmen wie Maske beim Joggen bezeichnen die Aerosolforscher übrigens aus diesem Grund als Symbolmaßnahmen.

Die Ausgangssperren wiederum beziehen sich nicht auf die Zeit, in der man sich tatsächlich draußen befindet, sondern sollen eher dafür sorgen, dass Treffen in Innenräumen vermieden werden. Ob das so gut zieht und wie groß die Akzeptanz dafür ist, ist eine andere Frage.

Diesen Fehler machen wir wahrscheinlich alle

Brenzlig wird es eben immer dann, wenn Menschen eng zusammenkommen und das Coronavirus schnell in ausreichender Konzentration auf andere treffen kann. Für Innenräume gilt daher weiter: Sich möglichst nicht mit anderen außerhalb der eigenen Familie treffen, und wenn, dann mit Masken, viel Abstand und vor allem so viel lüften wie möglich! Seien wir ehrlich, das machen wahrscheinlich die wenigsten von uns, wenn wir mit anderen in einem Raum sitzen. Maske tragen beim Besuch der besten Freundin? Im Innenraum ist das auch trotz Schnelltests leider immer noch ein wichtiger, zusätzlicher Schutz. Wer auf Nummer sicher gehen will, sich aber drinnen trifft, sollte daher Maske tragen, Abstand halten und gut durchlüften. Noch besser – und dank Frühlingswetter auch bald wieder gut möglich: Lieber gleich im Freien treffen, irgendwo da, wo wenig andere Menschen verweilen. Zwar mit Abstand – aber dafür eben ruhig ohne Maske.

Dazu auch interessant: So verbreitet sich das Coronavirus mit und ohne Maßnahmen. Es gibt sogar einen Online-Rechner, mit dem sich das eigene Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus ausrechnen lässt.

Quellen: The Irish Times, t-online.de, dpa, RKI

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