Aktualisiert: 07.04.2021 - 16:58

Magen-Darm-Probleme? Diese Symptome können einen Hinweis auf einen schweren Covid-19-Verlauf geben

Bei Übelkeit, Erbrechen und Durchfall bitte wachsam sein: Diese Symptome können auf Covid-19 hindeuten und stehen offenbar mit einem schweren Verlauf im Zusammenhang.

Foto: Getty Images/AJ_Watt

Bei Übelkeit, Erbrechen und Durchfall bitte wachsam sein: Diese Symptome können auf Covid-19 hindeuten und stehen offenbar mit einem schweren Verlauf im Zusammenhang.

Mittlerweile ist klar: Das Coronavirus Sars-CoV-2 befällt nicht nur die Atemwege. Daher können auch die Symptome ganz unterschiedlich ausfallen. Auch Magen-Darm-Beschwerden gehören dazu. Und die könnten sogar einen Hinweis auf einen drohenden schweren Verlauf geben.

Trockener Husten und Fieber – diese beiden Symptome galten vor einem Jahr noch als Hauptsymptome für eine Covid-19-Erkrankung. Heute wissen wir, dass das Coronavirus Sars-CoV-2 noch viele andere Körperbereiche befallen kann und entsprechende Symptome auslöst. Häufiger als anfangs gedacht kommen dabei Magen-Darm-Beschwerden vor – und die können ein Anzeichen für einen schweren Verlauf von Covid-19 sein. Das haben deutsche und iranische Forschende nun in Erfahrung bringen können.

Anzeichen für schweren Covid-Verlauf: Magen-Darm-Probleme ernst nehmen

Die Zahl an möglichen Symptomen einer Corona-Infektion, also einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2, füllt mittlerweile ganze Seiten. Zwar sind Husten und Fieber noch immer häufig, dazu gesellen sich Atemnot, Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns, Kopfschmerzen und Schwäche, Fatigue und eben auch Magen- und Darmbeschwerden wie Bauchschmerzen oder Durchfall. Magen-Darm-Beschwerden können auch als alleinige Covid-Symptome auftreten und kommen sogar recht häufig vor: In einer Studie vom vergangenen Jahr konnten Forschende zeigen, dass bei 16 Prozent der Corona-Fälle lediglich Magen-Darm-Beschwerden auftraten. Auch war die Viruslast in den Stuhlproben dieser Patienten enorm hoch.

Einer der Gründe für Magen-Darm-Beschwerden ist mittlerweile klar: Das Coronavirus kann auch den Darmtrakt angreifen und diesen sichtbar verändern, etwa zu Entzündungen führen. Mehr dazu: Leber, Verdauung und Co: In diesen Organen verursacht Corona Entzündungen.

Jetzt zeigen weitere Studien: Bestimmte Magen-Darm-Beschwerden könnten auch ein Hinweis auf einen drohenden schweren Verlauf sein. Das konnten nun etwa Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Shahid Beheshti University of Medical Sciences in Teheran zeigen – damit sind sie aber nicht die ersten.

Studie zeigt: Durchfall und Erbrechen als Warnsignale wahrnehmen

Für ihre Studie haben die iranischen Forschenden 20 internationale Studien mit insgesamt 4.265 Patienten ausgewertet. Von diesen Patienten hatten 1.817 einen schweren Verlauf erlitten, die restlichen 2.448 Patienten hatten einen milden Krankheitsverlauf.

Die Forschenden haben sich anschließend angesehen, welche Symptome in welcher Gruppe aufgetreten waren. Ihr Ergebnis: Wer Durchfall, Übelkeit und Erbrechen zeigte, war später häufiger in der Gruppe der Schwererkrankten zu finden. Keinen Zusammenhang mit der Schwere der Erkrankung fanden die Forscherinnen und Forscher aber bei Bauchschmerzen und Appetitlosigkeit.

Ihre Schlussfolgerung: Durchfall, Übelkeit und Erbrechen gehen mit einem höheren Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 einher.

Und noch eine Erkenntnis konnten sie untermauern: Magen-Darm-Beschwerden traten bei Männern häufiger auf als bei Frauen.

Coronavirus dockt an mehreren Stellen im Darm an

Mit ihren Erkenntnissen ist die iranische Forschungsgruppe aber nicht alleine. Auch in Deutschland wird untersucht: In Ulm konnten Forschende bereits Ende 2020 mithilfe von "Minidärmen" aus Stammzellen zeigen, wie das Coronavirus den Verdauungstrakt beeinflussen kann und dass das Virus dort mehrere Stellen zum Andocken und Vermehren findet.

Sie haben nebst Minidärmen auch Patienten beobachtet und konnten dort feststellen, dass etwa die Hälfte davon Symptome am Magen-Darm-Trakt zeigten. Unter ihnen befanden sich mehr Schwererkrankte als in der Gruppe ohne diese Symptome.

Was tun bei Magen-Darm?

Die Erkenntnisse zeigen: Wer Magen-Darm-Symptome verspürt, sollte zumindest wachsam sein und den Körper beobachten. Beachten Sie aber: Verdauungsprobleme können viele verschiedene Ursachen haben. Auch schlechtes Essen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten sowie Stress können auf den Darm schlagen. Möglicherweise liegt auch eine andere Magen-Darm-Grippe auslösende Viruserkrankung wie das Norovirus zugrunde. Auch dann gilt allerdings das, was beim Coronavirus Sars-CoV-2 gilt: Abstand von anderen halten, Hygiene beachten.

Videos zu Magen-Darm-Erkrankungen
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Sollten Sie unter ausgeprägten Magen-Darm-Beschwerden, insbesondere Übelkeit, Durchfall und Erbrechen, leiden, die sich nicht auf Ihre Ernährung oder auf Stress zurückzuführen lassen, melden Sie sich ruhig bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, am besten erst einmal telefonisch.

Übrigens: Bei Kindern zeigt sich Covid-19 häufiger durch Magen-Darm-Symptome. Die müssen nicht mit einem schweren Verlauf einhergehen. Wachsam bleiben sollte man dennoch immer.

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Studien:

Arjmand, Ghorbani et al. (PMC, 2020): "Gastrointestinal symptoms in patients with mild and severe COVID-19: a scoping review and meta-analysis"

Krüger, Kleger et al. (CMGH Journal, 2020): "Drug Inhibition of SARS-CoV-2 Replication in Human Pluripotent Stem Cell–Derived Intestinal Organoids"

Pressemeldung der Uni Ulm: "Wie SARS-CoV-2 auf den Magen-Darmtrakt schlägt"

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