Aktualisiert: 03.04.2021 - 21:20

Bei Fersenschmerz und Nierenstein Was bringt eigentlich... Stoßwellentherapie?

Bei Fersensporn kann die Stoßwellentherapie helfen. Was genau das ist und was sie noch alles kann, lesen Sie hier.

Foto: Getty Images/Jan-Otto

Bei Fersensporn kann die Stoßwellentherapie helfen. Was genau das ist und was sie noch alles kann, lesen Sie hier.

Hatten Sie schon einmal einen Fersensporn oder eine Kalkschulter? Eine mittlerweile anerkannte Art der Therapie funktioniert mit Stoßwellen. Sogar bei Muskelverspannung kann eine Art dieser Druckwellen helfen.

Es klingt erst einmal befremdlich: Stoßwellentherapie, kurz ESWT, funktioniert mit Schallwellen, die einen Druck auf eine bestimmte Stelle im Körper ausüben – und damit diverse Probleme lösen können. Wie das ganze funktioniert, bei was es hilft und wie viel die Behandlung kostet, lesen Sie hier.

Stoßwellentherapie: Wie soll das denn gehen?

Haben Sie schon einmal einen großen Lautsprecher genauer beobachtet, wenn Musik läuft? Vor allem bei starken Bässen bewegt sich da nicht nur die Membran, Sie spüren auch einen Luftstoß, wenn Sie direkt davor stehen (natürlich nur mit Gehörschutz!). So ähnlich funktioniert die Stoßwellentherapie, nur ungleich energiereicher und leiser, denn es wird mit Ultraschall gearbeitet.

Der Schall wird außerhalb des Körpers produziert, daher auch der Name ESWT, für Extrakorporale Stoßwellentherapie. Die genauen physikalischen Hintergründe ersparen wir Ihnen hier, doch die Funktionsweise ist dennoch spannend: Außerhalb des Körpers wird mithilfe eines Gerätes mit Quarzkristallen und Strom ein Druckimpuls erzeugt. Diese Druckwellen breiten sich in wasserhaltigen Umgebungen aus, also auch im Körper. Wird das Gerät also an eine Körperwelle angehalten, wird diese Druckwelle weiter in den Körper geleitet – und kann dort wirken. Denn trifft sie auf einen festeren Gegenstand, also etwa einen Kalkstein, wird die Druckwelle zurückgeworfen. Der Stein aber speichert Energie – und zerbricht durch Einwirkung physikalischer Kräfte anschließend.

Das klingt erst einmal etwas gruselig, doch Haut, Fettgewebe und Muskeln werden dabei nicht beschädigt, und Knochen brechen damit auch nicht, keine Sorge – die Therapieform kann sogar gebrochene Knochen bei der Heilung unterstützen. Vielmehr wird die Energie im Inneren da freigesetzt, wo sie ankommen soll.

Zwei Arten der Stoßwellentherapie gibt es

Dabei lässt sich die Intensität der Druckwellen bzw. der ankommenden Energie durchaus einstellen. In ihrer leichtesten Form lässt sich so etwa die Durchblutung anregen und eher massierend wirken, während stärkere Einstellungen durchaus in der Lage sind, Nierensteine zu zertrümmern.

Dabei kommt es ganz auf die Art der Stoßwellen an – es gibt nämlich zwei davon: Radiale und fokussierte Stoßwellen. Letztere setzen fokussierter an und sind auch kürzer, dafür intensiver und zielgenauer, während erstere die freigesetzte Energie weiter verteilen, wodurch sie sich abschwächt, dafür aber flächig wirken kann.

Fokussierte Stoßwellentherapie bei Nierensteinen oder Fersenschmerz

Im Krankenhaus hat sich die Stoßwellentherapie als eine Behandlungsform bei Nierensteinen einen Namen gemacht. Nierensteine bestehen aus Kalk, und Kalk ist recht spröde und vor allem bröselig. Aus diesem Grund lässt sich ein solcher Stein mithilfe fokussierter, also punktgenauer und kurzer Stoßwelle ganz einfach zerbröseln – ohne umliegendes Gewebe zu zerstören, denn das ist stabiler als man denkt. Die feinen Kalkbrösel lassen sich dann viel leichter ausscheiden.

Vor allem aber kommt die fokussierte Stoßwellentherapie in der Orthopädie zum Einsatz. Wissenschaftlich erwiesen ist ihr Nutzen dabei vor allem bei Fersenschmerzen, die durch entzündete Sehnen ausgelöst werden, aber auch beim Fersensporn. "Tendenziell positiv" schätzt der "IGeL-Monitor", eine Art Testkommittee, das individuelle Gesundheitsleistungen, kurz IGeL, prüft, diese Therapie ein. Die Kosten werden mittlerweile sogar von Krankenkassen übernommen.

Positiv wirkt die Therapieform auch bei von der "Kalkschulter" verursachten Schulterschmerzen – zumindest bei einigen Patienten. Laut "IGeL-Monitor" ist der Nutzen hier eher unklar. Bei tatsächlichen Verkalkungen in der Schulter kann die Stoßwellentherapie aber, ähnlich wie bei Nierensteinen, durchaus helfen.

Genutzt wird diese Form auch gerne für den "Tennisarm", also für die Behandlung schmerzhafter, überlasteter Sehnen im Ellenbogen. Allerdings sind die Erfolge hier bisher eher individuell.

Nebenwirkungen bei der fokussierten Stoßwellentherapie gibt es aber leider auch, sie sind aber vernachlässigbar: Sie kann während und auch nach der Behandlung durchaus weh tun, auch Schwellungen und Blutergüsse kommen, je nach Intensität, vor.

Beim Zerstören von Harn- und Nierensteinen kann es beim Ausscheiden der Bruchstücke allerdings zu Koliken der Harnwege kommen. Sind die Schmerzen unerträglich, oder wird der Harnfluss gestoppt, sollte das ärztlich behandelt werden. Solche Nebenwirkungen kommen aber sehr selten vor. Die richtige Ernährung kann das Ausscheiden der Nierensteine erleichtern.

Radiale Stoßwellentherapie für Verspannungen und Co

Die energieärmeren Stoßwellen hingegen werden vor allem in der Physiotherapie angewandt. Sie können nämlich dabei helfen, Muskelverspannungen zu lösen. Dabei regen die Druckwellen die Muskulatur an und fördern die Durchblutung. Gerade bei besonders harten Verspannungen mit Rückenschmerzen im oberen Rücken, denen mit Massagen kaum noch beizukommen ist, kann das helfen.

Auch hier sind durchaus Schmerzen möglich. Nach der Behandlung stellt sich oft eine Art Muskelkater ein, möglicherweise kommt es zu leichten blauen Flecken, die jedoch in der Regel harmlos sind.

Jedoch sollten Patienten mit Muskelproblemen beachten: Zur radialen Stoßwellentherapie gibt es bislang kaum wissenschaftliche Untersuchungen. Ob sie wirksam sind oder nicht, ließ sich bisher also noch nicht belegen.

Was tun gegen Rückenschmerzen
Was tun gegen Rückenschmerzen

Wer darf keine Stoßwellentherapie nutzen?

Da die Druckwellen durchaus zu kleinen Blutungen führen können, die blaue Flecke zur Folge haben, sollte die Stoßwellentherapie nicht angewendet werden, wenn Sie an einer Gerinnungsstörung leiden. Auch jegliche Venenleiden sollten Sie besser zuvor erwähnen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann dann entscheiden, ob die Anwendung ungefährlich ist oder lieber andere Therapien genutzt werden sollten.

Bei Schwangeren kommt es dagegen immer auf die Position der Therapie an. Die Schallwellen dürfen auf keinen Fall in die Nähe oder direkt auf den Fötus auftreffen. Fersenschmerzen hingegen können auch bei Schwangeren durchaus mit Stoßwellen behandelt werden, solange keine andere Kontraindikation vorliegt.

Das sind die Kosten der Stoßwellentherapie

Die Stoßwellentherapie ist leider nicht immer eine Kassenleistung. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen seit 2019 die Behandlung bei Fuß- und Fersenschmerzen und bei Fersensporn. Bedingung dafür ist allerdings, dass die Schmerzen bereits seit mehr als sechs Monaten bestehen und den Alltag einschränken, Schmerzmedikamente nicht mehr helfen oder nicht auf so lange Dauer eingenommen werden sollen und auch Einlagen und Dehnübungen nicht den erwünschten Erfolg gebracht haben.

Wer ansonsten orthopädisch mit Stoßwellen behandelt wird, muss aber selbst zahlen, die Therapie ist damit eine IGeL. Pro Sitzung zahlen Patienten dann zwischen 80 und knapp 200 Euro.

Bei Muskelerkrankungen wird die ESWT auch erst dann im Rahmen der Therapie genutzt, wenn Krankengymnastik und Co gar nicht mehr helfen.

Quellen:

IGeL-Monitor; Apotheken-Umschau zu ESWT im Allgemeinen und wem die ESWT etwas bringt; Bundesausschuss-Beschluss zur ESWT bei Fersenschmerz

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe