Aktualisiert: 31.03.2021 - 17:21

Asymptomatische Menschen ansteckend? Coronavirus infiziert Speicheldrüsen: Was das für die Übertragung heißt

Reicht uns bald ein einfacher Speicheltest? Das Coronavirus infiziert offenbar auch Speicheldrüsen und Mundschleimhautzellen. Damit könnten aber auch Menschen ohne Symptome ansteckender sein als gedacht.

Foto: Getty Images/Peter Dazeley

Reicht uns bald ein einfacher Speicheltest? Das Coronavirus infiziert offenbar auch Speicheldrüsen und Mundschleimhautzellen. Damit könnten aber auch Menschen ohne Symptome ansteckender sein als gedacht.

Forschende konnten das Coronavirus Sars-CoV-2 bei Infizierten in der Mundschleimhaut und im Speichel nachweisen – weil Speicheldrüsen infiziert waren. Das weist einmal mehr darauf hin, dass auch asymptomatisch Infizierte das Virus übertragen können. Der Fund könnte aber auch Tests weiter vereinfachen und erklären, warum manche Erkrankte nichts mehr schmecken.

Erst wussten wir: Das Coronavirus Sars-CoV-2 siedelt sich im Rachen an. Dann konnte es auch in der Nase, insbesondere weit hinten nachgewiesen werden. Daher werden Tests auf das Virus auch vor allem im Rachen und tief in der Nase genommen. Doch es wird kontinuierlich weitergeforscht. Denn auch im Speichel konnte das Virus bereits nachgewiesen werden – entsprechende Spuck- und Gurgeltests gibt's mittlerweile. Doch wie kommt es dahin? Das konnte nun eine Gruppe von Wissenschaftlern feststellen: Das Coronavirus infiziert die Speicheldrüsen.

Speicheldrüsen infiziert: Das Coronavirus greift vieles an

Warum lässt sich das Coronavirus so gut im Speichel nachweisen? Der Frage sind Foschende des US-National Institute of Dental and Craniofacial Research nun nachgegangen. Ihre Erkenntnis: Sie fanden mRNA von Antikörper-Enzymen, IgG-Antikörper und sogar Genbestandteile des Virus selbst sowohl in den Speicheldrüsen als auch in den sogenannten Mukosazellen der Mundschleimhaut. Sprich: Das Virus war "vor Ort" und es hatte sogar eine lokale Immunreaktion gegeben.

Besonders betroffen waren demnach die kleineren Speicheldrüsen – der Mensch besitzt nämlich drei Paar große Speicheldrüsen und mehrere kleine. In diesen kleinen Drüsen hatte das Virus Entzündungen hervorrufen können.

So lange könnten asymptomatisch Infizierte ansteckend sein

Besonders auffällig dabei ist, dass diese Funde nicht nur bei klar infizierten Personen gemacht wurden, sondern auch bei solchen, die entweder noch keine Symptome zeigten oder gar keine entwickelt hatten. Und das wiederum ist ein Hinweis darauf, dass auch infizierte Menschen ohne Symptome ansteckend sein und Sars-CoV-2 an andere weitergeben können.

Bei asymptomatischen Personen konnten die Forschenden die Viren und Bestandteile zwischen einer halben und dreieinhalb Wochen nachweisen. Bisher ging man davon aus, dass asymptomatische Menschen kürzere Zeit ansteckend sind.

Der Speicheltest zeigte sich bei manchen asymptomatisch Infizierten sogar länger positiv als der Rachentest. Das könnte bedeuten, dass entsprechende Tests mit Speichel sogar sinnvoller sind im Kampf gegen die Pandemie. Nichtsdestotrotz sind auch Antigentests im Rachen sehr zuverlässig und aufgrund der geltenden Maßnahmen wie Maske und Abstand wird der Unterschied wohl nicht allzu groß sein.

Gurgeltests gibt es derzeit nur als PCR-Test, jedoch sind Speichel-Schnelltests in Arbeit und könnten bald breit verfügbar sein: Corona-Schnelltests im Handel – aber wie funktionieren die eigentlich?

Mund trocken? Das könnte an Covid-19 liegen

Der Fund der Forschenden aber könnte auch eine weitere Erklärung dafür sein, warum manche Infizierte ihren Geschmackssinn verlieren, unter starker Mundtrockenheit leiden oder über Entzündungen der Mundschleimhäute klagen.

Bisher ging man davon aus, dass der Verlust des Geschmackssinns lediglich mit dem Verlust des Geruchssinns einhergeht und auf eine Infektion des Riechepithels zurückzuführen ist. Das Virus scheint nämlich diese Schleimhaut im obersten Bereich der Nasenhöhle anzugreifen und zu schädigen. Das hat auch Einfluss auf unseren Geschmackssinn: Ohne Geruch bleibt vom Geschmack nämlich auch nicht mehr viel übrig.

Riechen lässt sich nach der Covid-19-Erkrankung übrigens in vielen Fällen wieder erlernen, sollte der Geruchssinn nicht selbstständig zurückkommen. Und auch der Geschmackssinn kehrt meist schnell zurück. Mundschleimhautzellen regenerieren sich in der Regel alle 14 Tage.

Mehr Neues zum Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite.

Studie:

Pérez, Byrd et al. (Nature Medicine, 2021): "SARS-CoV-2 infection of the oral cavity and saliva"

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