Aktualisiert: 30.03.2021 - 17:09

Andere Krankheiten neben Covid Tuberkulose auf dem Vormarsch: Wir dürfen die anderen Seuchen nicht vergessen

Hierzulande hört man selten etwas von ihr, doch weltweit ist sie wieder auf dem Vormarsch: die Tuberkulose. Die Lungenkrankheit ist damit nicht die einzige, die aufgrund der Coronavirus-Pandemie aus dem Fokus fällt. Dabei steigen die Zahlen...

Foto: Getty Images/Barcroft Media / Kontributor

Hierzulande hört man selten etwas von ihr, doch weltweit ist sie wieder auf dem Vormarsch: die Tuberkulose. Die Lungenkrankheit ist damit nicht die einzige, die aufgrund der Coronavirus-Pandemie aus dem Fokus fällt. Dabei steigen die Zahlen...

Alles dreht sich um das Coronavirus Sars-CoV-2 und um Covid-19. Das ist richtig, schließlich hat dieses Virus die derzeitige Pandemie ausgelöst. Andere schwere Krankheiten verschwinden dadurch aber nicht. Vor allem rund um die Tuberkulose gibt es derzeit beunruhigende Entwicklungen.

Sie gilt als eine der ansteckendsten Krankheiten der Welt, ja, als tödlichste Seuche, und ist trotz verfügbarem Impfstoff noch immer nicht ausgerottet: Nein, wir sprechen nicht von Covid-19, sondern von einer Krankheit, die gerade etwas vergessen wird. Dabei legt sie in Teilen der Welt gerade wieder enorm zu: Die Tuberkulosefälle nehmen weltweit zu. Das lenkt den Blick auf ein großes Problem: Krankheitsbekämpfung weltweit.

Wieder mehr Tuberkulose-Fälle

Das Gute ist: Es gibt mittlerweile sowohl eine wirksame Therapie gegen die Tuberkulose als auch sogar einen Impfstoff. Hierzulande ist die Krankheit aufgrund der guten Hygiene kein großes Problem mehr, jährlich erkranken Menschen im unteren vierstelligen Bereich, behandelt werden kann gut. Geimpft wird nur noch nach Bedarf, etwa wenn man in ein Land mit hoher Tuberkulose-Inzidenz reist. Doch genau da liegt der Punkt: Es gibt sie noch immer, die Länder, in denen die Schwindsucht, so wird die Krankheit auch genannt, wüten kann. Und dort ist die Behandlung nicht immer so gut möglich. Schon gar nicht in Zeiten einer Pandemie einer anderen sehr infektiösen und tödlichen Krankheit.

Diese Zahlen kennen wir in unserem recht tuberkulosesicheren Deutschland kaum: Jährlich sterben weltweit noch mehr als eine Million Menschen an der Lungenkrankheit. Denn unbehandelt führt die Erkrankung oft zum Tod.

Auch hierzulande kann die Krankheit durchaus wieder ausbrechen. So verhindern Sie eine Ansteckung mit Tuberkulose.

Weltweit rückläufige Zahlen trügen

Wer sich derzeit auf der Welt umsieht und einen Blick auf die Tuberkulose-Zahlen wirft, wird Wirres feststellen: Im ersten Halbjahr 2020 sanken die Fallzahlen in den meisten der sonst stark von der Tuberkulose getroffenen Länder rapide: Zwischen 60 und 75 Prozent weniger Neuinfektionen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 vermeldeten etwa Indien, die Philippinen, Indonesien und Südafrika, wie Stefan E. Kaufmann in einem Gastbeitrag beim Tagesspiegel etwa aufzählt. Und auch fürs ganze Jahr 2020 scheint es einen Rückgang von etwa einem Drittel zum Vorjahr gegeben zu haben. Für Deutschland und andere reiche Länder mag das stimmen. Wir berichteten: Diese Infektionskrankheiten verdrängt Corona gerade.

Doch wer genauer hineinschaut, merkt: Diese weltweiten Zahlen trügen. Denn aufgrund der Corona-Pandemie hat das Meldesystem für Tuberkulose weltweit stark gelitten. In den Laboren wird verstärkt auf Covid-19 getestet. Tests auf andere Krankheiten bleiben da mancherorts auch mal liegen. Manche Erkrankte meiden möglicherweise auch das Krankenhaus aus Angst vor einer Covid-Ansteckung. Und allem voran: Die, die sich normalerweise um Tuberkulose-Fälle kümmern, werden nun im Kampf gegen Covid-19 eingesetzt. Denn nicht nur bei uns ist das Krankenhauspersonal knapp.

Im Kampf gegen Krankheiten: Die Welt muss zusammenarbeiten

Das Problem vor allem im globalen Süden ist auch: Viele müssen für ihre medizinische Versorgung längere Wege zurücklegen. Oft zusammen mit vielen anderen. Einschränkungen wie hierzulande sind in vielen anderen Ländern aufgrund fehlender Versorgung nicht möglich. Für Infektionskrankheiten ist das gefundenes Fressen. Das gilt neben der Tuberkulose auch für Krankheiten wie Malaria.

Dass ein Fokus auf der Pandemiebekämpfung bzw. nun auf dem Kampf gegen Covid-19 liegt, und zwar weltweit, ist klar. Doch genau hier schließt ein weiteres Problem an: Auch hier sind viele Länder insbesondere im globalen Süden die Leidtragenden. Denn wo wir in Europa, den USA und Co darauf hinarbeiten, noch in diesem Jahr so schnell wie möglich alle gegen Covid-19 impfen zu lassen, wird das in anderen Ländern wahrscheinlich noch dauern – mindestens bis 2022, wenn nicht sogar länger. Mehr dazu: Trotz Impfstoff-Hoffnung: Die Pandemie wird nicht schlagartig zu Ende sein.

Sprich: Die Bekämpfung all der anderen Krankheiten wird so lange weiter auf Halde stehen, bis die eine Krankheit, die gerade die ganze Welt bedroht, auch dort eingedämmt ist. Und wenn die Welt nicht im Verbund handelt, kann das dauern. Das wiederum schlägt sich dann auch bei uns nieder: Solange Covid-19 noch irgendwo ausbrechen kann, kann es sich auch weiter verbreiten – und möglicherweise weiter mutieren zu Varianten, die dann weltweit wieder zum Problem werden könnten. Und auch die anderen Krankheiten, die Tuberkulose, Malaria und Co, rücken weiter heran.

Immerhin: Wir haben an der Coronavirus-Pandemie gesehen, dass man in kurzer Zeit unheimlich viel Geld in Forschung stecken kann. Auch an Tuberkulose und Co wird geforscht. Es muss allerdings investiert werden.

Und es braucht so schnell wie möglich Covid-Impfstoff für alle, um sich auch Tuberkulose und Co wieder richtig widmen zu können. "Ich zuerst" nutzt in einer weltweiten Pandemie niemandem. In einer globalisierten Welt lassen sich Bedrohungen wie Krankheiten nur gemeinsam bekämpfen.

Mehr zur Tuberkulose erklärt der Experte Sebastian Dietrich im Interview zum Welt-Tuberkulose-Tag: "Ohne Behandlung stirbt jeder dritte Betroffene".

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