Aktualisiert: 29.03.2021 - 17:43

Antikörper neutralisieren alle Varianten Covid-Impfstoffe: Am besten an die Südafrika-Mutante anpassen

Die Antikörper, die unser Immunsystem gegen die Coronavirus-Variante B.1.351 bildet, sind offenbar enorm stark. Gute Nachrichten für die Impfstoff-Entwicklung!

Foto: Getty Images/KATERYNA KON/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Die Antikörper, die unser Immunsystem gegen die Coronavirus-Variante B.1.351 bildet, sind offenbar enorm stark. Gute Nachrichten für die Impfstoff-Entwicklung!

Untersuchungen zeigen: Die Antikörper, die an der südafrikanischen Coronavirus-Variante erkrankte Menschen bilden, schützen auch gegen die anderen Varianten. An diese Variante angepasste Impfstoffe dürften daher hochwirksam gegen alle kursierenden Mutanten sein.

Was ist nun eigentlich mit den Impfstoffen gegen das Coronavirus, jetzt wo die Mutanten kursieren? Gegen die britische Variante B.1.1.7 zeigen alle Impfstoffe eine sehr gute Wirkung. Anders sieht's bei der südafrikanischen Variante B.1.351 und auch bei der brasilianischen P.1 aus. Doch es gibt gute Nachrichten aus der Forschung: Die Antikörper gegen die südafrikanische Variante neutralisieren auch die anderen Varianten. Sie wirken so umfänglich, dass sie auch P.1 ausbremsen – und möglicherweise auch Mutanten, die noch kommen könnten. Denn Forscher haben da so eine Idee...

Antikörper gegen B.1.351 neutralisieren alle Corona-Varianten

Die Mikrobiologin Penny Moore und ihr Team haben in Südafrika Menschen untersucht, die sich mit der dort erstmals aufgetauchten Coronavirus-Variante B.1.351 angesteckt hatten. Ihr Blick galt den Antikörpern – und die konnten offenbar sowohl diese Mutante komplett neutralisieren als auch die anderen Varianten, die derzeit im Umlauf sind, allen voran die mit Unbehagen beäugte Variante P.1, die sich in Brasilien ausbreitet.

Das sind beruhigende Nachrichten. Das Problem beider Varianten ist nämlich, dass sie der Immunantwort, die auf das Ursprungsvirus Sars-CoV-2, den sogenannten Wildtyp, gebildet wurde, ausweichen können. Aufgefallen war das in Südafrika, weil plötzlich viele Menschen, die schon eine Infektion durchgemacht hatten, viel zu schnell wieder an Covid-19 erkrankt waren. Ähnliches wird aus Brasilien berichtet.

Die bisher verfügbaren Impfstoffe verlieren dadurch ein wenig an Wirkung. Bei den mRNA-Impfstoffen Comirnaty (Biontech/Pfizer) und Moderna ist die Veränderung nicht sehr groß, weshalb sie immer noch sehr gut gegen die neuen Varianten wirken. Einschränkungen gibt es aber bei den Vektor-Impfstoffen, etwa dem von AstraZeneca. Der schützt zwar ebenfalls noch vor schweren Verläufen, jedoch können Geimpfte trotzdem erkranken – wie in Südafrika geschehen.

Die Antikörper, die nicht mehr richtig greifen, sind übrigens nicht alles, was unser Körper dem Coronavirus entgegenzusetzen hat. Daher werden die Impfstoffe nicht völlig wirkungslos:

Geringere Impfstoff-Wirksamkeit – na und?!
Geringere Impfstoff-Wirksamkeit – na und?!

Kommen jetzt regelmäßig angepasste Impfstoffe?

Die Antikörper gegen B.1.351 haben die Forschenden an verschiedenen Varianten getestet. Sie wirken also auch gegen P.1, aber auch gegen den Wildtyp und dürften damit auch vor der in Großbritannien erstmals identifizierten Variante B.1.1.7 schützen. Und das sind großartige Neuigkeiten für die Impfstoffe. Denn das könnte bedeuten, dass sie erst einmal nur einmal angepasst werden müssten, um gegen alle Varianten zu schützen.

Ähnliche Gedanken dazu hatte kürzlich auch Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin in seinem Podcast zum Coronavirus, den er zusammen mit seiner Kollegin Sandra Ciesek und dem NDR veröffentlicht. Dort bemerkte er, dass es auffällig ist, dass das Coronavirus Sars-CoV-2 bisher immer an den gleichen Stellen am Spike-Protein mutiert.

Er merkte an, dass immer dieselben Escape-Mutationen auftreten, egal wo eine Variante zuerst auftaucht. "Das lässt vermuten und hoffen, dass der Freiraum, den dieses Virus hat, sich weiterzuentwickeln, erst mal relativ gering ist", sagt Drosten im Podcast. "Es ist offenbar ein relativ gleichförmiger Immundruck, der weltweit durch die Menschen auf das Virus ausgelöst wird. Und das Virus reagiert immer auf die gleiche Art und Weise dagegen."

Und dann müssten die Impfstoffe später immer nur einem Update unterzogen werden, das die schützt, die eine besondere Immunität brauchen. Der Großteil der Bevölkerung sei dann aber durch die Erstimpfung bzw. durch die an die Varianten angepasste (Zweit-)Impfung oder überstandene Krankheit schon grundimmunisiert.

Erste Impfstoff-Anpassungen werden bereits getestet

Die Impfstoffhersteller sind in Sachen Anpassung übrigens schon an der Arbeit: So hat Moderna bereits mit klinischen Tests einer angepassten Version seines mRNA-Impfstoffes begonnen. Damit könnte es dann auch schnell gehen. Denn verschiedene Zulassungsbehörden haben bereits angekündigt, das Zulassungsverfahren bei diesen angepassten Impfstoffen zu beschleunigen, so auch das für Deutschland zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI). So ähnlich wird es auch bei den Grippeimpfstoffen gehandhabt, die jedes Jahr angepasst werden müssen. Man rechnet daher bereits mit Auslieferungen angepasster Impfstoffe in den Sommermonaten.

Mehr dazu: Wegen Mutanten: Corona-Impfstoffe lassen sich schnell anpassen.

Noch mehr gute Nachrichten: Antikörper können "ausreifen"

Die Fachzeitschrift "Nature" berichtet in einem Artikel über die Studie von Moore und Kolleg:innen, die sich bislang noch im Preprint befindet, also noch unabhängig geprüft werden muss. Im selben Text gibt es aber noch weitere gute Nachrichten: Offenbar reift bei einigen Genesenen die Immunantwort sogar noch nach. Das passiert wohl, wenn Spike-Proteine über Monate stabil im Körper erhalten bleiben. Dann scheint das Immunsystem noch lange nach der Infektion immer bessere Antikörper entwickeln zu können. In Laborversuchen in Studien konnten solche ausgereiften Antikörper auch Virusvarianten vollständig neutralisieren, die sehr weit entfernt vom Wildtyp waren.

Dieser Effekt scheint sich zu verstärken, wenn Genesene einige Monate nach ihrer Erkrankung eine Impfung gegen Sars-CoV-2 erhalten. Auch dies sind mögliche Hinweise darauf, dass später höchstens Auffrischimpfungen notwendig sein könnten. Sprich: Sogar in geringerem Umfang als es bei der Grippeimpfung der Fall ist.

Derweil rennen wir im Kampf gegen das Coronavirus gegen die Zeit an. Auch Kinder erkranken immer häufiger und zeigen mitunter Long-Covid-Folgen, die dem Phänomen PIMS bzw. MIS-C ähneln. Um auch kleine Patienten zu schützen, testen Biontech und Pfizer ihren Impfstoff Comirnaty nun auch an Kindern. Andere Hersteller forschen derzeit an einer Schluckimpfung gegen Covid-19.

Mehr über die Coronavirus-Varianten im Vergleich lesen Sie hier.

________

Quellen und Studien:

Moore et al. (bioRxiv Preprint, 2021): "SARS-CoV-2 501Y.V2 (B.1.351) elicits cross-reactive neutralizing antibodies"

Nature-News: "Rare COVID reactions might hold key to variant-proof vaccines"

NDR-Info: Podcast "Coronavirus-Update" Folge 80 mit Christian Drosten, hier einmal zum Nachhören und einmal zum Nachlesen.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU
Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe