Aktualisiert: 23.03.2021 - 17:52

Blick auf ansteckendere Mutanten und Co Corona und die Saisonalität: Wie wird unser Sommer?

Unbeschwert den Sommer genießen – ob das in diesem Jahr so gut klappt wie im vorherigen, ist noch offen, denn das saisonale Verhalten des Coronavirus wird durch andere Faktoren auf die Probe gestellt. Auf was wir uns einstellen müssen.

Unbeschwert den Sommer genießen – ob das in diesem Jahr so gut klappt wie im vorherigen, ist noch offen, denn das saisonale Verhalten des Coronavirus wird durch andere Faktoren auf die Probe gestellt. Auf was wir uns einstellen müssen.

Der Frühling kommt – und Corona geht? So einfach wird das leider in diesem Jahr nicht sein. Und das liegt zum großen Teil an den Virus-Mutanten. Was können wir tun, um trotzdem einen halbwegs entspannten Sommer zu erleben?

Bei respiratorischen Viren ist das ja immer so eine Sache: Erkältungs- und Grippezeit ist vor allem im Winter, wenn es nass-kalt ist. Im Sommer sind solche Erkrankungen selten. Die Viren haben es an frischer, trockener Luft einfach schwerer, sich zu verbreiten. Zumindest teilweise greift das auch für das Coronavirus Sars-CoV-2 – nur leider nicht ganz. Saisonale Effekte spielen beim Coronavirus zwar eine Rolle, aber leider reichen die voraussichtlich nicht. Einen weitgehend unbeschwerten Sommer können wir daher wohl nur anders erreichen.

Der saisonale Effekt beim Coronavirus ist vorhanden...

Was vergangenes Jahr noch ganz gut funktioniert hat, wird in diesem Jahr vermutlich schwieriger zu erreichen sein. Zwar verbreitet sich das Coronavirus Sars-CoV-2 an frischer Luft längst nicht so gut, da es schneller "weggeweht" werden kann. Mit genügend Abstand hat es also im Freien durchaus schlechtere Karten. Die Experten vom Robert-Koch-Institut (RKI) gehen davon aus, dass sich das Coronavirus im Sommer tendenziell weniger verbreitet als im Winter.

Das bestätigen auch diverse Untersuchungen. Luft, Wärme und Wind wirken auf Tröpfchen und Aerosole. Studien zufolge haben Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchte und auch UV-Strahlung einen Einfluss sowohl auf die Verbreitung als auch die Beschaffenheit dieser potentiellen Übertragungsflüssigkeiten. "Alle diese Faktoren verbessern sich im Sommer", erklärt Prof. Dr. Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie des Uniklinikums Essen, gegenüber der Deutschen PresseAgentur (dpa).

"Wir wissen von Coronaviren, dass der R-Wert, also die Reproduktionsrate des Virus, aufgrund dieser Faktoren im Frühjahr und Sommer deutlich sinkt. Also mindestens um den Faktor 0,5, vielleicht sogar noch mehr. Und das ist schon relativ viel", sagt Dittmer.

Doch man habe auch schon im vergangenen Jahr gesehen, dass auch diese Effekte das Virus nicht ganz verschwinden lassen. So hatte es in Spanien nach Lockdown-Ende trotz sommerlichen Wetters vergangenes Jahr wieder einen Anstieg der Fallzahlen gegeben.

...aber er ist vielleicht nicht stark genug

Laut aktuellen Erkenntnissen lässt sich dieses Virus, anders als die harmlosen anderen Erkältungs-Coronaviren, also nicht gänzlich von gutem Wetter "vertreiben". Und das liegt diesmal an zwei Gründen:

  1. Wir haben weit mehr Infektionsgeschehen bunt gemischt durch die Bevölkerung. Vergangenes Jahr gab es vor allem Infektionscluster, die sich leicht zurückverfolgen ließen. Aufgrund der Beschränkungen vergangenes Frühjahr ließ sich das Infektionsgeschehen damit soweit eindämmen, dass über den Sommer wenig Gefahr bestand, sich im Freien anzustecken. Das betont auch Prof. Dr. Christian Drosten, Virenexperte an der Charité gegenüber dem "Spiegel": "Dass wir 2020 einen so entspannten Sommer hatten, hatte wahrscheinlich damit zu tun, dass unsere Fallzahlen im Frühjahr unter einer kritischen Schwelle geblieben sind." Diesmal ist die Lage anders: Die Infektionsketten sind undurchschaubar, das Virus ist in der breiten Bevölkerung und in allen Altersschichten angekommen. Das macht die Verfolgung nahezu unmöglich.
  2. Ansteckendere Virus-Varianten mit höherem R-Wert machen die Runde: Derzeit liegt die Ausbreitung der britischen Variante bei rund 75 Prozent. Über drei Viertel der Infizierten tragen also diese ansteckendere und offenbar auch tödlichere Variante B.1.1.7 im Körper. Die senkt die Expositionsdauer, also die Zeit, die es braucht, sich bei jemandem anzustecken, nach bisherigen Erkenntnissen auf wenige Minuten. Es braucht im Grunde weniger Virus, um sich anzustecken. Umso mehr steigt die Infektionsgefahr vor allem in Innenräumen, aber eben sogar draußen. Damit das Infektionsgeschehen aber abflauen kann, müsste der R-Wert unter 1, besser noch niedriger fallen. Das könnte mit ansteckenderen Varianten nicht mehr so einfach möglich sein.

Diesen Einfluss hat Sommerwetter auf das Coronavirus

"Die Saisonalität von Viren, die über die Atemwege verbreitet werden, ist ungeheuer komplex und lässt sich nicht an einzelnen Faktoren festmachen", sagt Dittmer. Er und andere Experten erklären der dpa, wie sie sich im Falle des Coronavirus zusammensetzt:

  • Bei etwa 10 °C ist die Virushülle des Coronavirus im Freien besonders stabil. Wird es wärmer, verändern sich die Fettmoleküle in der Hülle, die dadurch platzen und das Virus unschädlich machen kann. "Je wärmer es wird, desto mehr nimmt die Stabilität ab", so Dittmer.
  • UV-Strahlung schädigt die genetische Information des Virus, sie kann es damit quasi inaktivieren. Wird die Erbinformation zerstört, kann sich ein Virus nicht mehr verbreiten.
  • Die Luftfeuchtigkeit spielt vor allem in Innenräumen eine Rolle. Dabei gilt tatsächlich: Ist die Luftfeuchtigkeit hoch, sinkt die Infektiosität. Denn bei höherer Luftfeuchte sinken potentiell ansteckende Tröpfchen aufgrund ihres Gewichts schneller zu Boden. Zudem hält hohe Luftfeuchte die Nasenschleimhäute geschmeidig. Trockene Schleimhäute sind dagegen anfälliger für Infektionen. Im Freien hingegen kommen andere Faktoren hinzu, sagt der Aerosolforscher Ajit Ahlawat aus Leipzig, nämlich die Verdünnung von Aerosolen durch frische Luft und Wind sowie UV-Strahlung.

Größter Risikofaktor: das Verhalten der Mutanten

Ob der Sommer also entspannter wird als der Winter und der Frühlingsstart, hängt von einem recht komplexen Gefüge ab, einerseits vom saisonalen Verhalten der Viren, andererseits vor allem vom Verhalten der Mutanten, aber auch von Faktoren, die wir mehr oder weniger selbst beeinflussen können: der Impfgeschwindigkeit und unserem eigenen Verhalten.

Vor allem das Verhalten der Mutanten bereitet Forschenden derzeit Sorgen. So kommen Wissenschaftler:innen aus Berlin in einer Simulationsstudie, die auf dem Corona-Gipfel vorgestellt werden sollte, auf recht schlechte Aussichten: "Unsere Simulationen zeigen, dass selbst mit den Restriktionen vom Januar die dritte Welle höhere Inzidenzen aufweisen wird als die zweite." Und das würde bedeuten, dass lediglich Impfen und Sommerwetter nicht ausreichen würden. "Wenn vermieden werden soll, dass die dritte Welle höher als die zweite wird, dann muss eine Gesamtstrategie gefunden werden, die besser wirkt als die vom Januar", warnen die Forschenden rund um Prof. Kai Nagel und Prof. Christof Schütte gegenüber dem "Business Insider".

Ein Zusammenspiel muss her

Klar ist: Je mehr Menschen bis Sommer einen Impfschutz erhalten haben, desto weniger kann sich das Virus verbreiten. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, der nicht so schnell funktionieren wird, wie nötig wäre. Dennoch hält die Bundesregierung am Plan fest, bis Sommer allen Deutschen ein Impfangebot zu machen – aber eben erst bis Sommer-Ende.

Was wir jedoch alle beeinflussen können, ist unser Verhalten: "Wenn sich das ganze Leben verstärkt draußen an der frischen Luft abspielt oder Räume durchgehend gut gelüftet werden, ist das Übertragungsrisiko natürlich geringer", erörtert die Virologin Dr. Stephanie Pfänder von der Ruhr-Universität Bochum. Das kennen wir bereits vom vergangenen Jahr. Diesmal spielt allerdings die Mutanten-Gefahr mit hinein. Bei ansteckenderen Varianten bedeutet das auch an der frischen Luft eher: Abstand wahren, am besten sogar Masken tragen, vorher am besten noch testen.

Es liegt also nicht nur in unserer Hand, wie der Sommer mit dem Coronavirus wird – aber eben auch. Klar dürfte aber angesichts der Fallzahlen sein: Der Frühling wird nochmal hart. Wir sollten jetzt alles nutzen, was wir haben, um die dritte Welle doch noch abzuflachen. Und dazu gehören nun auch die Beschlüsse des neuen Corona-Gipfels zu Ostern.

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