Aktualisiert: 19.03.2021 - 17:03

Endlich keine Symptome mehr? Long Covid: Die Impfung könnte helfen!

Von der Redaktion

Endlich wieder richtig leben: So geht es derzeit offenbar einigen Long-Covid-Patienten nach der Corona-Impfung.

Foto: Getty Images/Westend61

Endlich wieder richtig leben: So geht es derzeit offenbar einigen Long-Covid-Patienten nach der Corona-Impfung.

Viele einst an Covid-19 Erkrankte leiden noch Monate später unter den Auswirkungen von Long Covid. Doch einigen davon scheint die Corona-Impfung zu helfen. Was steckt dahinter?

Nicht nur der Tod ist so gefährlich an Covid-19. Rund jeder Dritte der Erkrankten, darunter auch solche mit nur mildem Verlauf, spüren noch viele Monate später starke Einschränkungen: Erschöpfung nach geringster Anstrengung, Schlafstörungen, Depression – starke Einschränkungen im Alltag. Das sind die Hauptprobleme, die "Long Covid" mit sich bringt. Wie sehr Betroffene leiden, zeigt sich neben Studien vor allem in den sozialen Medien, in Selbsthilfegruppen. Von dort aber gibt es nun auch hoffnunggebende Berichte: Denn ein Teil der seit Monaten Leidenden ist nun geimpft worden und berichtet: Die Impfung scheint die Long-Covid-Symptome zu lindern.

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Long Covid: Nach der Impfung werden die Symptome schwächer?

Zumindest machen derzeit weltweit Menschen wohl diese Erfahrung. Die Washington Post berichtet über den Fall einer 34-Jährigen, die kurz nach ihrer zweiten Impfung keine Long-Covid-Symptome mehr plagten. Die Frau soll nun seit einem Monat beschwerdefrei sein. Ähnliches berichtet eine Redakteurin der New York Times, die sich selbst besser fühlt. "Viele fühlen sich nach einer Impfung besser, ich eingeschlossen. Faszinierend", schreibt Mara Gay.

Auch in Deutschland berichten erste Geimpfte von diesem Phänomen, so etwa der Twitter-Nutzer Rafael Osswald. Am 17. März schrieb er auf Twitter, nun schon neun Tage nach der Impfung frei von allen Long-Covid-Symptomen zu sein. Er beendet den Post mit dem Hashtag #BackToLive:

Und eine andere Twitter-Userin mit dem Namen Dailymama berichtet von einer Bekannten, als Apothekerin kürzlich geimpft, die ihre nach Covid-19 verlorenen Geruchs- und Geschmackssinne nach vielen Monaten endlich zurückerlangte:

Weitere Untersuchungen nötig

Das klingt fantastisch – lässt sich bisher aber noch nicht wissenschaftlich bestätigen. Bislang gibt es nämlich lediglich persönliche Eindrücke von Geimpften. die Besserungen könnten auch zufällig auf den Zeitraum nach der Impfung gefallen sein. Denn zumindest die meisten Symptome von Long Covid scheinen sich durchaus zurückbilden zu können.

Auffällig ist es dennoch. In den USA etwa sind bereits viele Millionen Menschen geimpft – und gerade dort häufen sich solche Meldungen derzeit.

Auch in Großbritannien gab es bereits ähnliche Fälle – und die Frage, ob Long-Covid-Patienten die Impfung überhaupt vertragen. Forschende aus Bristol haben daher eine kleine Studie gestartet, die tatsächlich einen positiven Effekt der Impfung auf die Symptome zeigt. Die Studie ist allerdings noch nicht von unabhängigen Experten begutachtet, die Probandengruppe war zudem sehr klein und nur rund fünf Prozent davon konnten von Besserungen berichten.

Hier sollen nun größere Studien folgen. So hat etwa die Gruppe "LongCovidSOS" einen englischsprachigen Fragebogen ins Leben gerufen, in dem geimpfte Long-Covid-Patienten ihre Erfahrungen festhalten können.

Was steckt überhaupt hinter diesen Langzeitfolgen? Long Covid: Bis zu ein Drittel aller Covid-Patienten leidet an Spätfolgen.

Warum lassen die Symptome nach? Erklärungsversuche

Warum dieses Phänomen – eine Impfung, die eigentlich vor der Erkrankung schützt, gegen langanhaltende Symptome aber fast wie ein Medikament wirken kann – auftritt, stellt Forscher bisher vor Rätsel. Doch es gibt Vermutungen. So äußert sich etwa der Infektiologe und Virologe Daniel Griffin auf Twitter mit der Vermutung, dass rund 40 Prozent der Betroffenen eine Linderung ihrer Long-Covid-Symptome durch die Impfung verspüren könnten.

Eine mögliche Erklärung äußert die Immunologin Akiko Iwasaki, die an der Yale University forscht. Sie hat sich mit Kolleg:innen schon länger mit der Entstehung von Long Covid beschäftigt und vermutet, dass die Symptome ausgelöst werden könnten, weil das Virus oder kleine Teile davon im Körper verbleiben, etwa in Nervenzellen, und unser Wohlbefinden damit beeinflussen.

Die Impfung wiederum kurbelt unser Immunsystem an und lässt es Antikörper und Co bilden, die sich gegen das Virus richten. Diese Antikörper könnten nun diese verbliebenen Virusteile im Körper finden und unschädlich machen – und die Symptome damit verschwinden lassen.

Eine zweite ihrer Ideen ist, dass es sich bei Long Covid um eine Art Autoimmunerkrankung handelt, die durch die Infektion hervorgerufen wurde. Dabei wendet sich das Immunsystem gegen körpereigene Zellen und greift sie an. Wird nun jemand geimpft, bekommt das Immunsystem eine andere Aufgabe und lässt die eigenen Zellen in Ruhe.

Möglich könnte es auch einfach sein, dass die Geimpften nach der Impfung weniger Stress und Angst vor erneuter Infektion verspüren, sich erleichterter fühlen und das zu einer Verbesserung der Symptome beiträgt.

Mehr dazu: Das Coronavirus kann das Nervensystem angreifen: Die 5 häufigsten Long-Covid-Folgen

Weitgehend ungeklärt ist indes, ob Geimpfte, die sich doch mit dem Coronavirus infizieren und einen leichten Verlauf erleiden, später Long-Covid-Symptome entwickeln oder ebenfalls davor geschützt sind. Die bisherigen Erkenntnisse jedenfalls deuten in eine beruhigende Richtung.

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