Aktualisiert: 10.05.2021 - 18:10

Frei für alle Nur eine Spritze nötig – aber erst ab 60: Was Sie über Johnson & Johnson wissen sollten

Der vierte Impfstoff hat die EU-Zulassung und wird verimpft: Das Vakzin von Janssen, einem Unternehmen, das zu Johnson & Johnson gehört, braucht nur eine Dosis.

Foto: Getty Images/SOPA Images / Kontributor; Canva.com [M]

Der vierte Impfstoff hat die EU-Zulassung und wird verimpft: Das Vakzin von Janssen, einem Unternehmen, das zu Johnson & Johnson gehört, braucht nur eine Dosis.

Sein großer Vorteil: Eine Dosis reicht aus. Der Impfstoff von Johnson & Johnson ist in Deutschland angekommen und soll vor allem in Brennpunkten verimpft werden. Die Stiko gibt zwar wie bei AstraZeneca eine Empfehlung ab 60, wer möchte, darf aber ab 18 schon. Für wen eignet er sich und wie schneidet er ab im Vergleich zu den anderen Vakzinen?

Impfstoff Nummer 4 gegen das Coronavirus wird seit April verimpft: Nach anfänglichen Lieferschwierigkeiten ist das Vakzin Janssen von Johnson & Johnson in Deutschland angekommen und wird auch verimpft – allerdings nicht ohne ein wenig Chaos im Vorfeld. Nachdem erst Hausarztpraxen davon profitieren sollten, hieß es dann doch: erstmal nicht. Stattdessen wird das Vakzin erstmal vor allem mobil verimpft.

Nachdem in den USA wenige Fälle von Sinusvenenthrombosen aufgetaucht waren, die in Deutschland schon im Zusammenhang mit Vaxzevria von AstraZeneca bekannt sind, gab es weitere Irritationen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt den Impfstoff, wie Vaxzevria auch, nun für Personen über 60 Jahre. Dennoch hat die Bundesregierung beschlossen: Wer früher möchte, darf jetzt schon – nach aufklärendem Gespräch mit den Impfärzten. Die Priorisierung ist also ausgesetzt. Was muss man über den Ein-Dosis-Impfstoff von Johnson & Johnson wissen?

Impfstoff von Johnson & Johnson: Empfohlen ab 60, frei für alle

Der Impfstoff von Johnson & Johnson hört eigentlich auf die Namen Ad26.COV2.S oder JNJ-78436735 und wurde vom belgischen Unternehmen Janssen entwickelt, das dem Großkonzern angehört. Und er baut seinen Schutz bereits nach einer Impfdosis auf und muss auch nicht großartig kompliziert gelagert werden. Dieser Vorteil kann die Impfungen rapide beschleunigen – wenn denn genug Impfstoff geliefert wird. Aber wie gut ist das Vakzin?

Vektor, Totimpfung, mRNA? Diese Impfstoff-Arten gibt es
Vektor, Totimpfung, mRNA? Diese Impfstoff-Arten gibt es

Was für ein Impfstoff ist das Vakzin von Johnson & Johnson?

Es handelt sich um einen Vektor-Impfstoff – bereits bekannt von Vaxzevria von AstraZeneca oder auch dem russischen Impfstoff Sputnik V. Das heißt, man bekommt sogenannte Vektorviren gespritzt, die mit einem Teil des Erbgutes des Coronavirus Sars-CoV-2 ausgestattet sind. Diese Viren – in diesem Fall Adenoviren, harmlose Erkältungsviren – sind ungefährlich für uns Menschen und können sich auch nicht vervielfältigen. Sie schleusen lediglich den Erbgutbestandteil in ein paar unserer Zellen ein, die daraufhin einen Corona-Virusteil nachbilden, in der Regel ein Protein von der Virusoberfläche, etwa das Spike-Protein. Unser Körper erkennt dieses dann als Fremdkörper und beginnt, Antikörper zu produzieren.

Wirksamkeit nach einer Dosis: So gut wirkt der Impfstoff von Johnson & Johnson

Die Daten aus der Phase-III-Studie sind gut: Der Impfstoff senkt laut EMA das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, im Schnitt um 67 Prozent – die Daten schwanken zwischen 57 Prozent in Südamerika, 66 Prozent in Lateinamerika und 72 Prozent in den USA. Die Schwankungen führen Experten vor allem auf die Verbreitung von Mutanten zurück: In Südafrika und Lateinamerika wüten mit B.1.351 und P2 vor allem zwei Mutanten, die auch Genesene erneut anstecken können und damit den Immunschutz eher umgehen. Dafür sind die Werte dennoch beruhigend hoch.

Vor einem schweren Verlauf mit Todesfolge schützt das Mittel wie auch seine Vorgänger nahezu vollständig – trotz Mutanten. So lag das Risiko einer schweren Infektion in allen Studienregionen 28 Tage nach der Injektion um 85 Prozent niedriger als in der Placebogruppe. 50 Tage nach der Impfung ist dann kein einziger schwerer Covid-19-Fall mehr aufgetreten.

28 Tage – so lange dauert es auch, bis der Impfstoff seine volle Wirkung entfaltet hat.

Mehr dazu: Vorsicht: Darum ist man nicht sofort nach einer Impfung immun

Wirkt der Impfstoff also auch gegen Virusvarianten?

Da während der Studiendauer bereits Mutanten in zwei der Studiengebiete aufgetreten sind, lassen sich dazu sogar Aussagen treffen. Wie erwähnt ist die Wirksamkeit gegen diese zwei Mutanten zwar etwas abgeschwächt, aber immer noch hoch. Vor schweren Verläufen zeigten sich alle Probanden geschützt, ob Mutante oder nicht.

Warum reicht eine Dosis aus?

Das liegt an der Form der Wirksamkeitsstudien: Johnson & Johnson hat sofort auf Einzeldosis getestet und konnte sich so eine schnellere Zulassung sichern. Es wurde wahrscheinlich festgestellt, dass die zweite Impfdosis keine signifikante Erhöhung der Schutzwirkung erzielen konnte, also kann man sie auch erst einmal weglassen.

Genauso kann sich übrigens noch herausstellen, dass auch die anderen Impfstoffe, insbesondere die Vektorimpfstoffe, mit nur einer Dosis ausreichend sind. Die anderen Hersteller haben direkt mit zwei Impfdosen getestet. Es wird aber bei allen überprüft, ob eine Dosis erst einmal reicht und wann eine Booster-Impfung notwendig sein könnte, und bisher machen sich die Daten gut. Auch für Johnson & Johnson wird eine spätere Booster-Impfung nicht ausgeschlossen.

Mehr dazu: Corona-Impfstoffe im Vergleich: Das leisten die einzelnen Vakzine

Ist der Impfstoff sicher?

Schon kurz vor dem Impfstart in Deutschland machte das Vakzin Schlagzeilen: Unter 6,8 Millionen Geimpften hatte es in den USA sechs Fälle von seltenen Sinusvenenthrombosen gegeben. Wir erinnern uns: Diese Hirnvenenthrombosen waren auch bei uns in einigen wenigen Fällen nach der Impfung mit Vaxzevria, dem Impfstoff von AstraZeneca aufgetreten – ebenfalls ein Vektorimpfstoff. Es könnte entsprechend sein, dass die Hirnvenenthrombosen von der Impfstoff-Art ausgelöst werden. Den Grund dafür weiß man aber noch nicht.

Die US-Behörden hatten die Impfungen daher vorerst pausiert, um den Fällen nachzugehen. Hirnvenenthrombosen kommen auch ohne Impfstoff vor, jedoch muss geprüft werden, ob sich die Zahlen von denen unterscheiden, die normalerweise auch ohne die Impfung auftreten würden. Eine Vorsichtsmaßnahme, um zu überprüfen, woher diese Nebenwirkung genau kommt und wer davon betroffen sein könnte. Bisher weiß man immerhin bereits, was im Körper passiert und auf welche Symptome bei einer Sinusvenenthrombose zu achten ist. Wird die seltene Komplikation schnell erkannt, kann sie nämlich behandelt werden.

Gibt es sonstige Impfreaktionen?

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat am 20. April ein neues Gutachten vorgelegt. Die Behörde sei nach wie vor überzeugt, dass die Vorteile des Impfstoffes die Risiken überwiegen, heißt es dort.

Die sonstigen "Nebenwirkungen", oder eher Impfreaktionen bewegen sich im Rahmen dessen, was zu erwarten war. Das Statement dazu: "Die Nebenwirkungen des Covid-19-Impfstoffs von Janssen waren in der Regel leicht oder mäßig und klangen innerhalb weniger Tage nach der Impfung ab." Die häufigsten Nebenwirkungen waren:

  • Schmerzen an der Einstichstelle
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Müdigkeit

Wie bei den anderen Impfstoffen waren Jüngere von den Nebenwirkungen häufiger betroffen als Personen über 60.

Mehr dazu: Wann ist eine neue Impfung wirklich sicher und wirksam? Und: Corona-Impfungen: Das sind die bisher erfassten Nebenwirkungen

Wer kann mit Johnson & Johnson geimpft werden?

Zugelassen ist das Vakzin vorerst für Personen über 18 Jahre – wiederum aus dem Grund, weil es an Kindern und Jugendlichen noch nicht getestet worden ist. Auch fehlt aus fehlenden Testdaten noch die Zulassung für Schwangere und Personen mit Krankheiten wie Immunschwäche. Eine Impfung von Schwangeren schließt die EMA allerdings nicht aus.

Solche fehlenden Daten müssen die Impfstoff-Hersteller übrigens nachreichen – daran ist die bisher bei allen erteilte bedingte Zulassung geknüpft. Mit mehr Daten kann die Zulassung dann auch ausgeweitet werden – so geschehen bei AstraZeneca.

Jetzt gilt erst einmal: Bevorzugt Menschen ab 60, aber wenn vorhanden, durchaus auch schon ab 18.

Wie viele Impfdosen stehen zur Verfügung?

Mehr als 60 Prozent der Deutschen über 60 Jahren – in manchen Bundesländern mehr als 70 Prozent – sind laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bisher mindestens einmal geimpft worden. Wenn man nun annehme, dass die Impfbereitschaft in dieser Altersgruppe bei 80 bis 90 Prozent liege, dann müssten etwa noch fünf bis sechs Millionen impfwillige Menschen über 60 die Spritze verabreicht bekommen. Das werde voraussichtlich bis Ende Mai oder Anfang Juni erreicht. Die größten Mengen an Johnson & Johnson werden allerdings für Juni und Juli erwartet. Dann sollen über zehn Millionen Dosen geliefert werden.

Je nach Bundesland: So kommen Sie an Ihren Impftermin

Mit den Impfungen gegen das Coronavirus geht es immerhin nun viel zügiger voran, seit auch Hausärzte impfen. Ab Juni soll die Corona-Impfung dann auch bei Betriebsärzten möglich sein. Dennoch: Die nächsten Monate werden noch einmal herausfordernd. Doch zum Sommer hin sollte es durchaus Erleichterung geben.

Nutzen vs. Risiken: Bei wem der Nutzen von AstraZeneca überwiegt

Hier finden Sie die Zulassungserklärung der EMA: "EMA recommends COVID-19 Vaccine Janssen for authorisation in the EU"

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe