Aktualisiert: 11.03.2021 - 18:56

Krebs vorbeugen HPV-Impfung rettet Leben von Jugendlichen – doch das wissen zu wenige

Die HPV-Impfung wird derzeit für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 empfohlen. Aber auch Erwachsene können sich durchaus noch impfen lassen. Warum die Impfung gegen Humane Papillomviren so sinnvoll ist.

Foto: Getty Images/Pornpak Khunatorn; Canva.com [M]

Die HPV-Impfung wird derzeit für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 empfohlen. Aber auch Erwachsene können sich durchaus noch impfen lassen. Warum die Impfung gegen Humane Papillomviren so sinnvoll ist.

Wer derzeit von Impfungen redet, denkt gleich an das Coronavirus. Doch es gibt noch mehr Vakzine, die gegen schwere Krankheiten schützen. Eines davon wird leider noch immer viel zu wenig beachtet, dabei könnte es unseren Kindern viel Leid ersparen: die HPV-Impfung.

Es gibt eine Impfung gegen Krebs – nämlich dann, wenn der Krebs aus einer Infektion heraus entsteht. Doch diese Impfung wird viel zu wenig genutzt. Dabei muss sie im besten Fall schon im Jugendalter erfolgen. Zu wenige aber wissen um diese Schutzmöglichkeit.

Haben Sie schon einmal von HPV gehört? Das Humane Papillomavirus ist ein Virus, vielmehr eine Virengruppe. Und ein solches Virus wird mitunter schon beim ersten Geschlechtsverkehr übertragen. Es löst unter anderem eine Krankheit auslöst, die sich eigentlich in vielen Fällen verhindern lassen könnte: Gebärmutterhalskrebs. Mit der HPV-Impfung würde dem Virus jedoch ein Riegel vorgeschoben werden können und die Zahl der Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen könnte drastisch sinken. Doch obwohl es seit ein paar Jahren eine Impfkampagne gibt, sind noch immer über die Hälfte aller Jugendlichen in Deutschland nicht gegen HPV geimpft und damit einem Risiko ausgesetzt.

Nachgefragt - Wie funktionieren eigentlich Impfungen?
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Was ist die HPV-Impfung überhaupt und wovor schützt sie?

Das Problem an der Sache ist nämlich dieses: Humane Papillomviren sind weiter verbreitet als die meisten von uns denken. Doch Infektion selbst bemerken wir oft gar nicht, das Virus kann aber bösartige Zellveränderungen verursachen. Damit kann es neben Gebärmutterhalskrebs noch weitere Krebserkrankungen, etwa im Mund und Rachenraum, Analkarzinome oder Peniskarzinome auslösen. Sprich: Dieses Virus ist nicht "nur" für die weibliche Bevölkerung gefährlich.

Über 200 bekannte Papillomviren gibt es, zwölf dieser HPV-Typen werden derzeit von der Weltgesundheitsorganisation WHO als krebserregend eingestuft. Und jährlich werden laut Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) und Deutscher Krebshilfe in Deutschland etwa 7.700 Krebserkrankungen gemeldet, die auf eine HPV-Infektion zurückzuführen sind.

Dabei könnte es so einfach sein: Es gibt einen Impfstoff, der gegen dieses Virus schützt. Damit er aber erfolgreich eine Infektion vermeiden kann, muss er schon in jungen Jahren verimpft werden – vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Denn wie erwähnt: Das Virus kann zwar vom Immunsystem bekämpft werden, aber durchaus langfristige gefährliche Zellveränderungen auslösen, die dann erst Jahrzehnte nach der Ansteckung Krebs auslösen.

Ein Problem, das viele nicht kennen: HPV kann sich auch trotz Schutz mit Kondomen übertragen. Denn anders als etwa bei HI-Viren der Fall, können Humane Papillomviren durchaus auch in Hautzellen oder anderen nicht durch das Kondom abgedeckten Intimbereichen sitzen. Und auch beim Überstreifen des Kondoms können Viren auf die Außenseite und dann in den Intimbereich der Frau gelangen. Konsequente Kondombenutzung verhindert eine HPV-Übertragung daher um 50 Prozent. Die Impfung würde sie fast komplett verhindern.

Warum wird so wenig geimpft?

Vielen ist die Gefahr durch HPV nicht bewusst – insbesondere, weil sie nicht unmittelbar ist. Die meisten Infektionen werden wir wieder los, ohne sie zu bemerken, die gefährlichen HP-Viren hingegen lösen ihre Erkrankungen erst Jahre später aus. Darüber hinaus wird die Impfung erst seit 2007 für Mädchen empfohlen, seit 2018 erst für alle Geschlechter. Eltern haben damit in ihrer Kindheit entsprechend keinen Kontakt gehabt und wissen oft gar nicht von der Möglichkeit.

Und sicherlich spielt auch eine gewisse kritische Haltung dem Impfen gegenüber bei manchen Eltern eine Rolle. Hier zeigt sich auch wieder, dass eben keine unmittelbare Gefahr besteht. Warum dann das Kind "mit einem unbekannten Stoff belasten"? Der Pieks hat leider noch immer einen viel zu schlechten Ruf, obwohl Impfungen uns so viel Leid erspart haben. Doch Prävention sieht man eben nicht.

Außerdem dürfte die Gefahr Gebärmutterhalskrebs vor allem Eltern von Töchtern aufhorchen lassen. Dass sich aber auch Jungs bzw. Männer infizieren und damit Viren weitergeben können, wissen viele nicht. Und noch weniger bekannt ist, dass HPV auch bei männlichen Personen Krebs auslösen kann.

Warum sollten sich auch Jungen impfen lassen?

Denn die Rede ist oft vom Gebärmutterhalskrebs. Wer keine Gebärmutter hat, ist also sicher? Leider nicht. Denn wie erwähnt lösen HP-Viren auch andere Krebserkrankungen aus. Die sind zwar seltener, aber nicht ungefährlicher.

Feigwarzen sind übrigens ein Hinweis auf eine HPV-Infektion. Denn auch sie werden durch HP-Viren ausgelöst. Manche Typen lösen lediglich die unangenehmen Warzen aus, andere aber erhöhen gleichzeitig das Gebärmutterhalskrebs-Risiko, wenn ein Mann mit Feigwarzen Sex mit einer Frau hat.

Was viele nicht wissen: Fast jeder von uns infiziert sich im Laufe des Lebens mit einem oder mehreren HPV-Arten. Da nicht alle davon als krebserregend gelten und eine Erkrankung wie gesagt meist viele Jahre nach der Infektion auftritt, wird nun nicht jeder von uns an einer durch eine Infektion hervorgerufenen Krebsart erkranken. Doch das Risiko ist da, und es steigt mit jedem neuen Sexualkontakt.

Eine HPV-Impfung schützt also gegen verschiedene Krebsarten. Mehr Infos gibt es hier: Gebärmutterhalskrebs: Wie die HPV-Impfung schützt.

Wer kann sich überhaupt impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die HPV-Impfung mittlerweile für alle Kinder und Jugendlichen zwischen neun und 14 Jahren. Doch auch bis zum 17. Lebensjahr sind Impfungen noch möglich. Sie sollten nur eben möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen. Der HPV-Impfstoff gilt als sehr gut verträglich und wird von RKI und WHO als "sehr sicher" bewertet.

Eine Impfung im Erwachsenenalter ist dennoch möglich und wird vor allem Menschen geraten, die sexuell sehr aktiv sind. Auch wer bereits eine Infektion mit einem HP-Virus durchgemacht hat, sollte über eine Impfung nachdenken. Doch es gibt da ein Problem, erklärt Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte: Denn nur manche Krankenkassen bezahlen die Impfung auch bis zum 26. Lebensjahr oder manchmal im Falle eines bereits überstandenen virusinduzierten Krebses darüber hinaus, etwa die Techniker Krankenkasse oder ein paar regionale Krankenversicherer.

"Die Mitglieder dieser Krankenkassen sollten das Angebot unbedingt annehmen", sagt Albring. "Denn wir wissen heute, dass von 1000 Mädchen und Frauen, die nicht geimpft sind, im Lauf ihres Lebens zehn an einem Krebs des Gebärmutterhalses und ebenso viele an einem Krebs der Schamlippen erkranken werden." Und jede dritte davon, so sagt er es klar, wird daran sterben. "Mit der Impfung können wir etwa 70 Prozent bis 85 Prozent der Erkrankungen verhindern, nämlich diejenigen, die durch die HPV-Typen 16 und 18 hervorgerufen werden."

Wer älter als 26 ist, kann sich dennoch bei Gynäkologen oder Hausärzten über die HPV-Impfung informieren. Auch mit Zuzahlung ist sie möglicherweise überlegenswert. Sowieso ist ein regelmäßiger Check enorm wichtig. Denn Früherkennung ist für die Heilung von Gebärmutterhalskrebs enorm wichtig. Wie das mit der Vorsorge abläuft? Gebärmutterhalskrebs: Das ändert sich für Frauen ab 35 Jahre.

Warum kann es keine Herdenimmunität durch Infektionen geben?

Damit Humane Papillomviren keine so große Gefahr mehr darstellen und sich effektiv infektionsinduzierte Krebserkrankungen vermeiden lassen, braucht es eine Durchimpfungsrate – und die liegt bei mindestens 70 Prozent.

Die Krux: Eine Herdenimmunität durch Infektion kann es bei Humanen Papillomviren nur unzureichend geben, denn unser Körper kann erstens nicht alle davon bekämpfen. Manche kann er zwar im Zaum halten, aber nicht gänzlich loswerden. Die Infektion beschränkt sich außerdem oft nur auf ein kleines Areal. Zudem macht es die schiere Masse an HPV-Typen schwierig.

Für eine Herdenimmunität müssten wir uns daher mit allen der gefährlichen Typen anstecken, insbesondere mit den beiden Hochrisikotypen, vor denen die Impfung besonders schützt. Und dass das gefährlich ist, kann man sich zusammenreimen. Daher ist die Impfung die beste Möglichkeit, den Viren gar nicht erst die Chance zu geben, es sich in unserem Körper gemütlich zu machen.

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