Aktualisiert: 10.03.2021 - 21:07

Risiko im Auge behalten Alkohol und Vorhofflimmern: So gut kann Abstinenz tun

Lieber einmal mehr ablehnen: Alkoholabstinenz kann das Risiko für Vorhofflimmern senken – ganz gleich, ob man bereits betroffen ist oder nicht.

Foto: Getty Images/itakdalee

Lieber einmal mehr ablehnen: Alkoholabstinenz kann das Risiko für Vorhofflimmern senken – ganz gleich, ob man bereits betroffen ist oder nicht.

Sie leiden unter Vorhofflimmern? Dann ist regelmäßiger Alkoholkonsum keine allzu gute Idee. Und auch für noch nicht Erkrankte gibt es da "schlechte" Nachrichten. Ist das Gläschen Wein am Abend etwa doch schädlich? Nun...

Da scheiden sich die Geister: Während man immer wieder liest, ein kleines Glas Wein am Abend halte die Gefäße und damit das Herz geschmeidig, heißt es woanders, dass schon geringe, aber regelmäßig aufgenommene Mengen Alkohol das Herz angreifen. Gerade bei einer Problematik kann das regelmäßige Tröpfchen offenbar Probleme verursachen. Alkohol und Vorhofflimmern passen nicht gut zusammen.

Dabei ist es gleich, ob man bereits erkrankt ist oder nicht: Wer unter Vorhofflimmern leidet, sollte Alkohol auch in geringen Mengen vom Speiseplan streichen. Doch offenbar erhöhen auch Gesunde mit regelmäßigem Alkoholkonsum ihr Risiko, an Vorhofflimmern zu erkranken.

Vorhofflimmern: Was ist das überhaupt?

Alkohol ist bei Vorhofflimmern keine gute Idee

Wer bereits an Vorhofflimmern, der häufigsten Herzrhythmusstörung, erkrankt ist und auch davon weiß, tut gut daran, seinen Alkoholkonsum einzuschränken. So zeigt etwa eine Studie aus Australien, dass Patienten, die nach ihrer Diagnose nur noch sehr wenig bis gar keinen Alkohol mehr trinken, eher von wiederkehrenden Symptomen verschont bleiben, als Patienten, die weiter regelmäßig Alkohol konsumieren.

Dafür hatten die Forschenden 140 Erwachsene beobachtet, die wöchentlich mindestens zehn alkoholische Getränke konsumierten und unter vorübergehendem und dauerhaftem Vorhofflimmern litten. Rund 70 der Probanden sollten nach einer Voruntersuchung ein halbes Jahr so weit es ging auf Alkohol verzichten. Das gelang 60 Prozent dieser Probanden. Die Kontrollgruppe durfte weiter wie gewohnt Alkohol trinken.

Anhand regelmäßiger Rhythmusaufzeichnungen zeigte sich aber: In den sechs Monaten zeigten drei Viertel der Kontrollgruppe erneute Vorhofflimmern-Symptome, während es in der Abstinenzgruppe nur die Hälfte waren. Bei Letzteren hörten die Symptome zudem weit früher wieder auf.

Den Studienautoren zufolge sei Alkohol daher ein wichtiger veränderbarer Faktor in der Therapie von Vorhofflimmern.

Studie: Risiko für Vorhofflimmern steigt mit täglichem Alkoholkonsum

Doch auch wer noch nicht unter Vorhofflimmern leidet, sollte sich gut überlegen, ob der tägliche Tropfen denn sein muss. Das legt nun eine Studie mit mehr als 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus verschiedenen Ländern nahe. Keiner der Teilnehmer litt zuvor an einem ärztlich diagnostizierten Vorhofflimmern. Nach einer medizinischen Untersuchung und einer Befragung zu Trinkgewohnheiten, Risikofaktoren und Lebensstil wurden sie unter Einbeziehung von Klinikdaten über 14 Jahre beobachtet.

Knapp 6000 Personen entwickelten in dieser Zeit Vorhofflimmern – und das Risiko zeigte sich mit höherem regelmäßigen Alkoholkonsum höher: Ein alkoholisches Getränk (definiert auf 12 Gramm Alkohol) täglich erhöhte das Risiko gegenüber Abstinenten um 16 Prozent, zwei bis drei Getränke pro Tag sogar um 28 Prozent. Bei mehr als vier täglichen Getränken lag das Risiko für Vorhofflimmern um 47 Prozent höher als bei der nicht trinkenden Vergleichsgruppe.

Demnach kann also schon ein tägliches kleines Glas eines alkoholischen Getränks – genauer ein kleines Bier (330 ml) oder ein Achtel Wein (120 ml) das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen.

Jedoch hat die Studie ihre Grenzen: Es handelt sich lediglich um eine Beobachtungsstudie. Die Antworten zum Alkoholkonsum der Teilnehmer beruhen zudem auf Eigenangaben.

Abstinenz ist kein Garant – aber sie senkt das Risiko

Vorherige Studien zeichnen derzeit das Bild, dass hoher Alkoholkonsum das Risiko für Herzerkrankungen steigert, geringe Mengen gegen gewisse Herzerkrankungen aber durchaus schützende Effekte haben könnten. Bisherige Untersuchungen zu Vorhofflimmern zeigten jedoch widersprüchliche Ergebnisse. Die vorliegenden sollten da nun mit einbezogen werden.

Deshalb plädieren die Studienautoren für ein Anpassen der Empfehlungen zum täglichen Alkoholkonsum: "Die Ergebnisse sind insofern wichtig, als regelmäßiger Alkoholkonsum, das 'Gläschen Wein am Tag, um das Herz zu schützen', wie es mitunter in der Publikumspresse empfohlen wird, möglicherweise nicht länger vorgeschlagen werden sollte, ohne das Risiko und den Nutzen für alle kardiovaskulären Erkrankungen abzuwägen, einschließlich Vorhofflimmern."

Regelmäßiges Trinken scheint dabei übrigens ähnlich problematisch zu sein wie gelegentliche Saufgelage. Und zumindest was das Vorhofflimmern betrifft, scheint regelmäßiger Konsum sogar schlimmer zu sein. Das bestätigt etwa eine koreanische Studie. Damit zeigt sich abschließend: Viel Alkohol ist schlecht. Regelmäßig viel Alkohol ist noch schlechter. Regelmäßig moderat Alkohol ist zwar besser, aber immer noch schlecht. Kaum oder gar kein Alkohol ist, zumindest im Hinblick auf Vorhofflimmern und seine Symptome, wohl die beste Option.

Natürlich ist vollständige Abstinenz dennoch keine Garantie, niemals an Vorhofflimmern oder anderen Krankheiten zu erkranken, deren Risiko mit erhöhtem Alkoholkonsum steigt. Denn auch die genetische Veranlagung spielt eine Rolle. Auch erkrankt natürlich nicht jeder, der dem Alkohol oder anderen Genussmitteln nicht abgeneigt ist. Das Risiko wird mit gesunder Lebensweise dennoch stark gesenkt.

Und gerade Menschen, in deren Familie bereits ähnliche Fälle von Vorhofflimmern und Co aufgetreten sind, können damit ihr Risiko senken. Das abendliche Gläschen Wein darf durchaus mal sein – aber vielleicht doch lieber nicht täglich.

Sie brauchen noch mehr Gründe? Alkoholverzicht repariert den Körper – schon nach 5 Tagen.

Mehr Infos und interessante Artikel, etwa ob man mit Vorhofflimmern Sport machen kann oder gar sollte oder welche Symptome bei Herzrhythmusstörungen auftreten, finden Sie auf unserer Themenseite Herz-Kreislauf.

Voskoboinik, Nalliah et al. (The New England Journal of Medicine, 2020): "Alcohol Abstinence in Drinkers with Atrial Fibrillation"

Gillis (The New England Journal of Medicine, 2020, Editorial): "A Sober Reality? Alcohol, Abstinence, and Atrial Fibrillation"

Csengeri, Schnabel et al. (European Heart Journal, 2021): "Alcohol consumption, cardiac biomarkers, and risk of atrial fibrillation and adverse outcomes"

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe