Aktualisiert: 03.03.2021 - 19:22

Welche haben wir, welche kommen noch? Corona-Impfstoffe im Vergleich: Das leisten die einzelnen Vakzine

Was kann eigentlich welches Corona-Vakzin? Kleiner Spoiler: Alle schützen vor schweren Covid-19-Verläufen, manche senken sogar die Virusweitergabe.

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Was kann eigentlich welches Corona-Vakzin? Kleiner Spoiler: Alle schützen vor schweren Covid-19-Verläufen, manche senken sogar die Virusweitergabe.

Vier verschiedene Covid-Impfstoffe sind bisher in der Europäischen Union zugelassen, drei davon werden bereits in Deutschland verimpft. Weitere sind auf dem Weg – und alle funktionieren sie mitunter etwas anders. Was leisten die einzelnen Impfstoffe und für wen eignen sie sich? Eine Übersicht.

Stand jetzt können wir uns den Impfstoff, der uns gegen das Coronavirus schützen soll, nicht aussuchen. Der Impfstoff ist noch knapp, die Vergabe muss priorisiert verlaufen. Gleichzeitig befinden sich hunderte weitere Vakzine in der Entwicklung, von denen einige durchaus vielversprechende erste Daten zeigen. Währenddessen treten bei weiterer Verbreitung des Coronavirus Mutanten auf, die mittel- bis langfristig Impfstoff-Anpassungen notwendig machen. Dennoch schützen die bisherigen Impfstoffe – und das, was wir haben, bringt uns mit jedem Tag dem Ende der Pandemie näher. Wir diskutieren dabei über die Qualität von etwas, von dem wir vor einem Jahr noch nicht einmal wussten, dass wir es jetzt haben würden.

Zeit für einen Corona-Impfstoff-Vergleich, der ein wenig Licht ins Dunkel bringt und vielleicht auch die Angst nehmen kann. Die Verwirrung ist alleine durch die Flut an Informationen – ob nun gesichert und geprüft oder auf Vermutungen basierend und teilweise schlichtweg falsch – gigantisch. Daher wollen wir an dieser Stelle auflisten, was wir bisher über den Nutzen und die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe wissen. Beginnen wir mit dem, was wir haben.

Vektor, Totimpfung, mRNA? Diese Impfstoff-Arten gibt es
Vektor, Totimpfung, mRNA? Diese Impfstoff-Arten gibt es

Der Impfstoff-Vergleich: Welches Vakzin kann was?

Alle der vier bisher hier zugelassenen erreichen das gleiche Ziel: Sie schützen vor schweren Infektionen. Langsam zeigen Daten, dass sie unter Umständen sogar vor der reinen Infektion schützen können. Und doch ist der eine beliebter als der andere, weil unvollständige Daten für Verwirrung gesorgt hatten.

Die mRNA-Impfstoffe: Biontech und Moderna

Die beiden hier zuerst zugelassenen Impfstoffe sind beide sogenannte mRNA-Impfstoffe. Das heißt, sie bestehen aus Kopien der sogenannten Messenger-RNA des Coronavirus Sars-CoV-2. mRNA ist ein Teil des Erbgutes, der in diesem Fall für die Produktion eines bestimmten Proteins zuständig ist – eine Art Bauplan, der mithilfe von kleinen Fetttröpfchen, sogenannten Nanopartikeln, in Zellen rund um die Einstichstelle eingeschleust wird. Die mRNA gelangt dabei nicht in den Zellkern. Die Zelle liest diesen Bauplan und baut eigenhändig daraus das Protein – in diesem Fall eines, das dem Spike-Protein des Coronavirus gleicht. Also dem Protein, mit dem sich das Virus in Zellen einschleust.

Die körpereigen hergestellten Spike-Proteine sind für sich gesehen harmlos und können uns nichts anhaben. Jedoch erkennt unser Immunsystem sie als Fremdkörper und bildet entsprechende Angreifer aus, um sie zu zerstören. Diese Antikörper und Immunzellen bleiben als Immungedächtnis bestehen und können dann bei Kontakt mit dem Coronavirus direkt reagieren. Unser Körper muss das Coronavirus bzw. dessen gut erkennbaren Bestandteil, das Spike-Protein, nicht erst noch kennenlernen. Die Immunreaktion auf das Virus kann damit viel schneller geschehen. Im besten Fall wird es so schnell bekämpft, dass es sich gar nicht erst im Körper vervielfältigen und uns krank machen kann.

Comirnaty – oder BNT162b2: Impfstoff von Biontech und Pfizer

Der hierzulande mittlerweile sehr beliebte Impfstoff Comirnaty, der auch auf den Namen Tozinameran hört, ist einer dieser mRNA-Impfstoffe. Bisherigen Studien zufolge bewahrt das Vakzin Erkrankte zu 95 Prozent vor einer symptomatischen Covid-Infektion. Wer sich dennoch infiziert, erkrankt kaum noch schwer. Aktuelle Studiendaten aus Israel und England etwa zeigen, dass es seit Beginn der Impfungen unter den mit dem Biontech-Vakzin Geimpften mit vollumfänglichen Schutz keine Todesfälle mehr gab. Zudem lassen neueste Daten sogar vermuten, dass Geimpfte weniger Virus ausscheiden als Ungeimpfte – und damit auch die Virusweitergabe verhindern könnten.

Die bisher erfassten "Nebenwirkungen" beziehen sich auf Impfreaktionen, die im erwarteten Rahmen liegen. Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit oder Fieber treten bei mindestens jedem Zehnten auf. In sehr seltenen Fällen hatten Geimpfte kurz nach der Impfung einen Allergieschub, der auf die Inhaltsstoffe zurückzuführen ist. Wer an einer Allergie leidet, soll zuvor abklären, ob die mit den Inhaltsstoffen zusammenhängen könnte.

Der Impfstoff ist in der EU seit 21. September 2020 bedingt zugelassen für Menschen über 16 Jahren, da bei Jüngeren, Schwangeren und immungeschwächten Personen noch Daten fehlen. Derzeit bekommen vor allem Menschen in Pflege- und Seniorenheimen, sehr alte Menschen und medizinisches Personal diesen Impfstoff. Die Impfstoffvergabe läuft in zwei Dosen im Abstand von rund drei Wochen.

mRNA-1273: Impfstoff von Moderna

Der weltweit erstmals im Rahmen einer klinischen Studie an einem Menschen getestete Impfstoff, das "Moderna COVID-19 Vaccine" von Moderna/NIAID, ist seit Dezember 2020 verfügbar. Die zuvor angegebene Wirksamkeit von 94 Prozent musste das Unternehmen zuletzt auf 90 Prozent herunterschrauben – was immer noch ein grandioser Wert ist. Schwere Krankheitsverläufe traten unter Geimpften bis jetzt nicht auf. Noch ungeklärt ist aber, ob das Vakzin auch die Weitergabe des Virus hemmen kann. Hier fehlt es noch an Daten. Solche Informationen können erst erhoben werden, wenn Geimpfte anschließend immer wieder getestet werden. Da dies aber nicht im Rahmen der Zulassungsstudien durchgeführt werden konnte, wird es nun bei allen Impfstoffen ergänzt.

Die Impfreaktionen decken sich im Grunde mit denen von Comirnaty. Zu den sehr seltenen Reaktionen zählten ebenfalls allergische Reaktionen sowie eine sogenannte "Bell-Parese". Dabei tritt eine akute Gesichtslähmung auf, die auch im Rahmen von Virusinfektionen auftreten kann, sich aber meist wieder zurückbildet. Laut Daten trat sie bisher bei einem von 1.000 bis 10.000 Geimpften auf. Bei Moderna gab es während der Studie drei Fälle, bei Comirnaty vier. Jedoch ist der Zusammenhang mit der Impfung nicht vollständig geklärt, denn eine Bell-Parese kann auch ohne Impfung plötzlich auftreten.

In der EU ist der Moderna-Impfstoff seit 6. Januar 2021 bedingt zugelassen für Menschen über 18 Jahren, weil für jüngere Menschen, Schwangere und Menschen mit Immunschwäche noch keine Daten vorhanden sind. Eine Studie mit Jugendlichen ist geplant. Er wird ebenfalls älteren Menschen sowie medizinischem Personal verabreicht. Auch hier verläuft die Gabe mit zwei Dosen im Abstand von rund drei bis vier Wochen.

Die Vektor-Impfstoffe: AstraZeneca sowie Johnson & Johnson

Vektor-Impfstoffe funktionieren etwas anders – nämlich statt mit Nanopartikeln mit sogenannten Vektorviren als Transportmittel: Das sind harmlose Viren, meist Adenoviren, die sich nicht vervielfältigen und damit auch keine Krankheiten auslösen können. In ihnen wird ein Teil des Erbgutes von Sars-CoV-2 verbaut, der ebenfalls die Bildung des Spike-Proteins im Körper veranlasst. Wie alle anderen Viren laden solche Vektorviren ihr enthaltenes Erbgut durchaus auch im Zellkern ab. Da sie sich aber nicht vervielfältigen können, stellt das kein Problem dar. Darüber hinaus kommen Adenoviren in der Umwelt häufig vor. Rund 75 davon können bei Menschen Krankheiten wie eine harmlose Erkältung auslösen. Für unser Erbgut sind sie keine Gefahr.

Zuletzt gab es aber vereinzelte Meldungen von sogenannten Hirnvenenthrombosen, die im zeitlichen Zusammenhang mit den Impfstoffen von AstraZeneca und auch Johnson & Johnson auftraten. Diese Reaktionen sind sehr selten, werden aber ernstgenommen, weshalb es zuletzt zu Änderungen in der Impfreihenfolge gekommen war.

Vaxzevria: Der Impfstoff von AstraZeneca

Auch bekannt unter dem komplizierten Namen "ChAdOx1 nCoV-19" oder dem einprägsameren Namen "Oxford-Vazin", ist nun die offizielle Namenszulassung durch: Vaxzevria ist das derzeit wohl meistdiskutierte Vakzin auf dem Markt. Es stammt vom schwedisch-britischen Pharmahersteller AstraZeneca in Zusammenarbeit mit der Oxford-Universität. Aufgrund unvollständiger Daten und einer Menge Verwirrung darum entstand in den vergangenen Wochen der Eindruck, es handele sich hier um einen "Impfstoff zweiter Klasse", der schlechter sei als die anderen beiden. Das Fazit: Impftermine wurden teilweise nicht wahrgenommen, Impfstoff blieb liegen.

Zugelassen war das Vakzin in Deutschland zwischenzeitlich nur für Menschen zwischen 18 und 65 – weil die Datenlage für ältere Personen nicht ausreichend genug war, um die Sicherheit zu bestätigen, begründete die Ständige Impfkommission ihre Entscheidung. Zwischenzeitlich wurden Daten nachgereicht, bevor es zu einem Impfstopp kam. Grund waren die oben genannten Hirnvenenthrombosen bei vor allem jüngeren Frauen. Mittlerweile wird das Vakzin in Deutschland nur noch an über 60-Jährige verimpft.

Der AstraZeneca-Impfstoff ist durchaus bei Älteren wirksam – und zwar ähnlich gut wie die mRNA-Impfstoffe. Offenbar erhöht sich die Wirksamkeit außerdem, wenn mit der zweiten Dosis zwölf Wochen oder länger gewartet wird.

Vor schwerem Covid-19-Verlauf und damit auch vor dem Tod schützt Vaxzevria sehr effektiv, die bisherigen Daten beziehen sich lediglich darauf, dass etwas mehr symptomatische, aber leichte Infektionen auftreten. Laut anderer Daten aus Schottland kann der Impfstoff von AstraZeneca sogar dafür sorgen, dass Geimpfte das Virus seltener weitergeben – ähnlich wie Comirnaty.

Ad26COVS1: Der Impfstoff von Johnson & Johnson

Ebenfalls zu den Vektor-Impfstoffen gehört das Vakzin von Johnson & Johnson bzw. deren Tochterfirma Jansen, das auch auf den Namen "JNJ-78436735" hört. Es basiert ebenfalls auf einem Adenovirus und kommt sogar mit einer Einzeldosis aus. Zugelassen ist der Impfstoff in der EU mittlerweile, er soll vor allem da verimpft werden, wo Zweitimpfungen schwer durchführbar sind. Mehr dazu: Nur eine Spritze nötig: Nächster Corona-Impfstoff ist zugelassen

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Doch es gibt noch viele weitere Impfstoffe, die derzeit entwickelt werden oder sogar schon fertig sind und in anderen Ländern bereits verimpft werden. Auch die, die hierzulande möglicherweise bald zugelassen werden, möchten wir kurz vorstellen:

Sputnik V: Der Impfstoff vom Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie

Das russische Vakzin Sputnik V, ebenfalls vektorbasiert, hat bereits im Sommer Schlagzeilen gemacht, als der russische Präsident Vladimir Putin es verteilen ließ, ohne auf gesicherte Studienergebnisse zu warten. Die sind nun da – und als durchaus positiv zu bewerten. Seit August ist das Vakzin in Russland in zwei Dosen im Abstand von drei Wochen im Einsatz.

Die Wirksamkeit wird laut einer ausgewerteten Studie mit knapp 92 Prozent angegeben. Ein Vorteil: Nach bisherigen Erkenntnissen soll der Impfstoff in allen Altersgruppen schützen und gut verträglich sein. An Impfreaktionen werden typische Reaktionen wie Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit angegeben. Jedoch wird noch auf ausführlichere und insbesondere unabhängig geprüfte Daten gewartet.

Curevac: Nächstes Vakzin aus deutscher Hand

Sehnlich erwartet wird der aus Tübingen stammende Impfstoff von Curevac, dessen Zulassung in den Startlöchern steht. Hierbei handelt es sich wieder um einen mRNA-Impfstoff.

Aufgrund der Lieferschwierigkeiten mit Johnson & Johnson forderte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zuletzt eine Notfallzulassung für das Vakzin, das in den bisherigen Studiendaten gute Ergebnisse zeigt. Lauterbach erwartet eine ähnlich gute Wirkung wie bei Comirnaty und Moderna. Allerdings läuft die Phase-III-Studie mit 35.000 Teilnehmenden derzeit noch. Zwischenergebnisse sollen in den kommenden Wochen vorliegen.

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Darüber hinaus gibt es übrigens noch chinesische Impfstoffe, die bereits in anderen Ländern verimpft werden. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Bedenken Sie bis dahin: Kein Impfstoff kann Krankheiten zu 100 Prozent verhindern. Doch jede Schutzwirkung ist hilfreich. Und damit ist jeder der bereits zugelassenen Impfstoffe besser als nichts gegen das Coronavirus. Das gilt auch für die Mutanten. Auch wenn die Impfwirkung etwas heruntergesetzt sein sollte, so ist sie doch da. Angepasst werden müssen die Impfstoffe mit der Zeit voraussichtlich sowieso.

Die Auswirkungen einer Covid-19-Infektion können zigfach schlimmer sein – und vor allem bleiben. Die Impfreaktionen, die vorkommen können, sind hingegen schnell vergänglich und vor allem ein Zeichen für eine funktionierende Immunreaktion. Bei den im Verhältnis wenigen schweren Komplikationen weiß man mittlerweile, wie sie behandelt werden können.

Das Fazit also: Alle Impfstoffe sind gut – und wirken besser als gar kein Impfstoff. Wenn ein Impfstoff für bestimmte Personengruppen noch nicht zugelassen ist, dann liegt das einfach an fehlenden Daten – man möchte eben auf Nummer sicher gehen.

Mehr Infos zu Impfungen gibt's hier:

Corona-Impfungen: Das sind die bisher erfassten Nebenwirkungen

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