Aktualisiert: 22.02.2021 - 18:33

Diskussion über "Booster" Impfung nach Covid-19: Sinnvoll oder nicht?

Auch während geimpft wird, gibt es immer neue Erkenntnisse zu den Impfstoffen – etwa dazu, ob bereits einmal Erkrankte und jetzt Genesene eine Impfung brauchen – und wenn ja, in welcher Dosis.

Foto: Getty Images/Coolpicture

Auch während geimpft wird, gibt es immer neue Erkenntnisse zu den Impfstoffen – etwa dazu, ob bereits einmal Erkrankte und jetzt Genesene eine Impfung brauchen – und wenn ja, in welcher Dosis.

"Ich hatte bereits Corona – sollte ich mich trotzdem nochmal impfen lassen?" Diese Frage taucht derzeit immer wieder auf – und mit steigenden Infektionszahlen, aber auch besser verfügbarem Impfstoff muss sie geklärt werden.

Wer mit den Corona-Impfstoffen geimpft wird, entwickelt Antikörper gegen das Coronavirus und damit einen recht starken Schutz gegen eine Infektion. Antikörper verbleiben in den meisten Fällen auch zumindest über einige Monate im Körper, nachdem jemand eine Covid-19-Erkrankung ausgestanden hat. Müssen die, die bereits Covid-19 hatten, noch geimpft werden? Oder ist das vielleicht sogar gefährlich? Diese Fragen gehen derzeit in den Köpfen Genesener umher. Die Antwort ist gar nicht so einfach. Neue Studienergebnisse zeigen aber nun eine Tendenz.

Impfung nach Covid-19?
Impfung nach Covid-19?

Nach Covid-19 impfen lassen? Noch nicht, aber bald

Stand jetzt lautet die Angabe des Paul Ehrlich Instituts (PEI): "Nach überwiegender Expertenmeinung sollten Personen mit laborbestätigter Sars-CoV-2-Infektion zunächst nicht geimpft werden." So drückte es jedenfalls Prof. Dr. Klaus Cichutek, der Präsident des Instituts bei einem Kongress Mitte Februar aus. Die Ständige Impfkommission (Stiko) bestätigt dies in der derzeitigen Version der Impfempfehlung: Da derzeit noch wenig Impfstoff vorhanden ist, sollen diese Personen vorerst nicht geimpft werden.

Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) schreibt in seinen FAQs rund um das Coronavirus, dass davon auszugehen sei, dass genesene Personen "zumindest vorübergehend über einen gewissen Schutz vor einer Erkrankung verfügen". Und weiter: "Aufgrund dieser anzunehmenden Immunität nach durchgemachter Infektion, zur Vermeidung überschießender Nebenwirkungen und in Anbetracht des bestehenden Impfstoffmangels sollten ehemals an Covid-19 erkrankte Personen nach Ansicht der Stiko unter Berücksichtigung der Priorisierung im Regelfall etwa 6 Monate nach Genesung geimpft werden."

Kann eine Impfung nach der Erkrankung oder Infektion gefährlich werden?

Man schließt damit also nicht aus, bereits Genesene zukünftig auch zu impfen. Und hier schließt die zweite Frage an: Kann das gefährlich werden? Denn klar ist: Es gibt auch einen Anteil von etwa 30 Prozent der Infizierten, die ihre Infektion gar nicht bemerken und sich entsprechend auch nicht testen lassen. Der derzeitige Konsens lautet: nein. "Es gibt bisher keinen Hinweis darauf, dass die Impfung nach bereits unbemerkt durchgemachter Sars-CoV-2-Infektion eine Gefährdung darstellt", betonte Cichutek in der Konferenz.

Sprich: Wer von einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 weiß, kann erst einmal abwarten. Ist die Infektion bereits mehr als sechs Monate her, dann ist über einen Impftermin nachzudenken. Dies sollten Sie aber immer vorher ärztlich absprechen.

Ähnliches gilt übrigens auch, wenn Symptome nach der ersten Impfdosis auftreten. Denn es kann durchaus sein, dass man sich rund um dem Impftermin angesteckt hat, während der Impfschutz noch nicht aufgebaut ist. Denn eine Impfung macht nicht sofort nach Gabe der Spritze immun. In diesem Fall soll mit der Gabe der zweiten Dosis Stand jetzt auch sechs Monate gewartet werden, so das RKI.

Nachgefragt - Wie funktionieren eigentlich Impfungen?
Nachgefragt - Wie funktionieren eigentlich Impfungen?

Wer eine stärkere Reaktion befürchtet, wird vom RKI auf die Studien vor Freigabe der Impfstoffe verwiesen: "In den Zulassungsstudien der beiden mRNA-Impfstoffe sind auch TeilnehmerInnen eingeschlossen gewesen, die bereits im Vorfeld eine Sars-CoV-2-Infektion durchgemacht hatten. Die Impfung wurde von diesen Personen nicht schlechter vertragen als von primär seronegativen StudienteilnehmerInnen." Daher bestehe keine Notwendigkeit, vor der Impfung einen PCR- oder Schnelltest auf eine asymptomatische vorliegende Infektion oder einen Antikörper-Test auf eine zurückliegende Infektion zu machen.

Darum sollten Infizierte später doch auf die Impfung zurückgreifen

Bisherige Erkenntnisse zeigen, dass Personen, die Covid-19 bereits überstanden haben, mindestens acht Monate immun sein können – zumindest gegen die bisherigen Varianten. Doch nun beunruhigen die neuen Coronavirus-Mutanten, hierzulande insbesondere B.1.1.7 aus Großbritannien und B.1.351 aus Südafrika. Gegen B.1.1.7. scheinen körpereigene Antikörper ganz gut zu schützen. Anders sieht es offenbar bei B.1.351 aus. Und sicherlich sind dies nicht die letzten Mutanten, die uns begegnen werden, während Sars-CoV-2 seine Bahnen um die Welt zieht.

Der Stiko zufolge sei es daher vorstellbar, die Empfehlungen entsprechend anzupassen und Genesene nach einer gewissen Zeit zu impfen, sobald genügend Impfstoff da ist. Das könnte auch so aussehen, dass zuvor Infizierte lediglich eine Impfung benötigen, um einen ausreichenden Schutz zu erhalten – sozusagen als Auffrischung der vorhandenen Antikörper. Hier brauche es aber noch weitere Daten.

Neue Studiendaten: Möglicherweise reicht dann eine Impfdosis

Einige liefert jetzt eine neue Studie aus den USA, die derzeit im Preprint vorliegt. Forscher um Viviana Simon von der New Yorker Icahn School of Medicine konnten zeigen, dass das Immunsystem vormals Infizierter auf die erste Dosis ähnlich stark reagiere wie es bei noch nicht Infizierten auf die zweite Dosis der Fall war – teils war die Immunreaktion nach einer solchen "ersten Booster-Impfung" bei Genesenen sogar stärker und schneller als nach der Zweitimpfung bei denen, die noch keinen Kontakt mit Sars-CoV-2 hatten. Laut Autoren ein Hinweis, dass den Genesenen eine Impfdosis ausreichen könne.

Dennoch weisen die Forschenden darauf hin, dass man bei bereits Genesenen abwägen sollte, ob und wann diese Booster-Impfung gegeben werde. Zwar würden sich die Beschwerden nach der Impfung nicht grundsätzlich von den üblichen unterscheiden. Man verzeichnete aber öfter Reaktionen wie Fieber, Erschöpfung, Schmerzen in Gelenken und Muskeln und im Kopf sowie ein Frösteln.

Es scheint also kein schlechter Weg zu sein, den die Stiko sich da überlegt: Nach ausgestandener Infektion mit Symptomen erst einmal sechs Monate warten bis zur Impfung. Auf Abstand, Hygiene und Schutz durch Masken müssen wir sowieso erst einmal noch alle achten – und in ein paar Monaten sind sicherlich weitere Erkenntnisse rund um die Impfungen und das Coronavirus da.

Quellen:

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