Aktualisiert: 02.03.2021 - 08:54

Weitere beruhigende Nachrichten zu Biontech Dieser Corona-Impfstoff könnte uns die Herdenimmunität bringen

Geimpfte können sich nicht mehr anstecken – und sind damit auch nicht mehr ansteckend? Das könnte mit dem Biontech-Impfstoff tatsächlich möglich sein.

Foto: Getty Images/oxinoxi

Geimpfte können sich nicht mehr anstecken – und sind damit auch nicht mehr ansteckend? Das könnte mit dem Biontech-Impfstoff tatsächlich möglich sein.

Die Zeichen verdichten sich: Offenbar schützt Comirnaty, der Covid-Impfstoff von Biontech, nicht nur vor schweren Krankheitsverläufen, sondern senkt auch die Zahl asymptomatischer Erkrankungen – schon nach einer Dosis. Das würde bedeuten, dass eine Herdenimmunität durch Impfungen in greifbare Nähe rücken könnte. Auch andere Vakzine zeigen gute Daten.

Bislang war nur klar, dass die Coronavirus-Impfstoffe, die auf dem Markt sind, zu einem großen Teil vor schweren Verläufen der Krankheit Covid-19 schützen. Unklarheit bestand, wie es um die Virusweitergabe steht: Können sich Geimpfte noch infizieren und das Virus damit weitergeben? Im Falle eines weiteren der Impfstoffe scheint sich nun abzuzeichnen, dass der Schutz umfassender ist als zuerst gedacht: Der Impfstoff von Biontech schützt auch vor asymptomatischen Verläufen. Die Zahl derer, die sich nach der Impfung infizieren, sinkt laut britischen Daten bereits nach der ersten Dosis. Das würde bedeuten, dass Geimpfte sich seltener anstecken und das Virus damit auch nicht weitergeben können.

Zudem gibt es neue Daten aus Israel. Dort nehmen die Infektionen, Erkrankungen, Hospitalisierungen und schweren Verläufe trotz starker Ausbreitung der Mutante B.1.1.7 derzeit schnell ab.

Zuvor berichteten wir bereits von einer großen britischen Studie sowie von positiven Erkenntnissen aus der großen israelischen Impfstudie. Experten warnten vor vorzeitiger Euphorie. Jetzt wurde diese Hoffnung machende These aber von den neuen Daten aus Großbritannien weiter untermauert.

Biontech-Impfstoff: Schon erste Dosis senkt Gefahr für asymptomatisches Covid-19

Update vom 02. März 2021: Und die nächsten vielversprechenden Ergebnisse aus Großbritannien rund um den mRNA-Impfstoff BNT162b2 ("Comirnaty") von Biontech und Pfizer: Unter Angestellten im Gesundheitswesen konnte das Vakzin bereits nach der ersten Dosis die Zahl der asymptomatischen Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 senken – und zwar ebenso stark wie die der symptomatischen Covid-19-Erkrankungen. Die Ergebnisse des Teams vom Cambridge Institute for Medical Research sind noch nicht geprüft, wurden aber vorab auf "Authorea" veröffentlicht.

Damit eine Aussage über Infektionsverhinderung getroffen werden kann, müssen Geimpfte über einen bestimmten Zeitraum immer wieder getestet werden. Da das mit der Gesamtbevölkerung nur schwer geht, beschränkt man sich in Großbritannien hier auf Mitarbeitende im Gesundheitswesen, die sowieso regelmäßig getestet werden. Und die Daten der Kliniken der Universität Cambridge in England allein sind vielversprechend. Demnach sank die Zahl der nach der Impfung ohne Symptome positiv Getesteten innerhalb von zwei Wochen um das Vierfache im Vergleich zu vor der Impfung.

Neue Daten aus Israel: Zahl der Infektionen und Erkrankungen sinkt trotz Mutante

Währenddessen läuft die große Impfstudie in Israel weiter. Dort hat mittlerweile der Großteil der Bevölkerung schon beide Impfdosen bekommen. Und die Versicherungen sammeln weiter Daten. Die neuesten davon bestätigen die Ergebnisse der Phase-3-Studie weitestgehend. In Israel kommt man demnach auf eine Impfstoff-Wirksamkeit von 94 Prozent. Die Zahl der Hospitalisierungen ging um 87 Prozent zurück, die der schweren Erkrankungen um 92 Prozent. Und auch die Zahl der dokumentierten Infektionen sank um 92 Prozent.

Israel geht davon aus, dass die schnellen Impfungen ihren Beitrag zum Abflauen der dritten Welle beitragen konnten. Bei anhaltender Impfwirkung – und wenn nun keine weiteren Varianten auftreten, auf die der Impfschutz nicht anspringt – dürfte sich so eine vierte Welle vermeiden lassen.

Auch wenn dies nicht berechnet wurde, konnte der Impfschutz auch die Auswirkungen der Variante B.1.1.7 abbremsen. Zuletzt war diese Mutante nämlich für 80 Prozent der Infektionen in Israel verantwortlich. B.1.351, das den Impfschutz laut ersten Ergebnissen durchaus etwas zurücksetzt, trat nur in Einzelfällen auf, daher gibt es hierzu keine Daten aus Israel.

Biontech-Impfstoff: Risiko für Infektion sinkt laut britischer Studie

Update vom 24. Februar 2021: Offenbar kann das Vakzin von Biontech und Pfizer bereits die Ansteckung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 zu großen Teilen verhindern. Das sind die Ergebnisse der "Siren"-Studie aus Großbritannien, bei der eine Gruppe von 40.000 Mitarbeitern aus dem Gesundheitsbereich regelmäßig Fragebögen zu Symptomen, Abstriche und Blutserumproben abgibt, die dann analysiert werden.

Demnach sinke das Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus nach der ersten Impfdosis bereits um 70 Prozent. Die zweite Impfdosis schraube den Infektionsschutz dann auf 85 Prozent hoch. "Das deutet darauf hin, dass das Vakzin auch dabei helfen könnte, die Übertragung des Virus zu unter­brechen, weil man das Virus nicht weitergeben kann, wenn man nicht infiziert ist“, zitiert das Ärzteblatt eine Mitteilung der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England, die sich auf die Studie beruft. Die Daten wurden allerdings noch nicht von unabhängigen Experten geprüft.

Am vergangenen Wochenende wurde in Israel bereits ein Bericht zu einer Untersuchung seitens Hersteller veröffentlicht. Auch diese Daten seien noch mit Vorsicht zu genießen. Darauf weisen auch die Studienersteller hin. Wie genau diese Ergebnisse aussehen, lesen Sie im Folgenden:

­Corona-Impfstoff von Biontech: "Klare" Hinweise auf Schutz vor Ansteckung

Original vom 21. Februar 2021: In Israel wird ausschließlich mit Comirnaty geimpft, dem Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und dem US-Pharmariesen Pfizer. Denn in dem kleinen Land läuft gleichzeitig noch eine groß angelegte Impfstudie, die auf den zur Zulassung notwendigen Studien aufbaut. Was man bis zur Zulassung wusste, war: Der Impfstoff ist sicher und er schützt vor schweren Verläufen der Erkrankung. Sogar zu rund 95 Prozent.

Was bisher aber unklar war: Kann das Vakzin auch vor einer Ansteckung schützen? Sprich: Wird das Virus in Geimpften daran gehindert, sich zu replizieren? Jetzt liefern erste klare Erkenntnisse eine mögliche Antwort: Ja, so wie es derzeit aussieht, kann sich das Virus im Körper von mit dem Biontech-Impfstoff Geimpften nicht oder zumindest weniger vervielfältigen. Das bedeutet gleichzeitig: Geimpfte sind auch nicht mehr oder weniger ansteckend.

Hohe Effektivität bei vollem Impfschutz

Die Daten stammen aus einem Dokument, das Biontech und Pfizer zusammen mit dem Gesundheitsministerium Israels erstellen, um unter anderem zu untersuchen, wie gut der Impfstoff a) vor Erkrankungen und b) vor Infektionen schützt.

Im Bericht schreiben die Studienautoren von einer Effektivität von insgesamt 89,4 Prozent – das resultiert auf dem Ergebnis, dass bei wesentlich weniger Geimpften als Ungeimpften ein Coronatest positiv ausfiel. Entsprechend könnte man nun schließen, dass die Impfung eben auch vor Ansteckung schützt und damit vor Virusweitergabe.

Israel hatte diese Daten anhand der landesweiten Impfaktion erhoben – auf Basis von 1,7 Millionen Geimpften. Das Land ist das mit den bisher mit Abstand meisten Impfungen.

Aber: Manuskript ist noch nicht bestätigt

Allerdings handelt es sich noch nicht um eine veröffentlichte oder geprüfte Studie, sondern lediglich ein Manuskript, das einem Journalisten des israelischen Portals "ynet" zugespielt worden war und der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Die Hersteller und das israelische Gesundheitsamt wollten sich allerdings bisher noch nicht dazu äußern.

Immerhin geben die Autoren im Manuskript bereits zu bedenken, dass ihre Herangehensweise den Effekt der Impfung beeinflusst hat. Geimpfte werden in Israel seltener getestet als Ungeimpfte. Damit sinkt natürlich generell die Zahl der positiven Tests bei Geimpften. "Im Gesundheitsministerium wurde klargestellt, dass die Daten zur Wirksamkeit gegen Infektionen im Vergleich zu den anderen Daten am wenigsten gewiss seien", schreibt das Nachrichtenportal "ynet".

Weg in Richtung Herdenimmunität trotzdem möglich?

Gegenüber der dpa äußerte sich nun Sebastian Ulbert vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI). Er tue sich schwer mit einer Einschätzung, halte den Wert von 89,4 Prozent aber für wenig belastbar, insbesondere weil es eben keine geregelten Testgruppen von Geimpften und Ungeimpften gegeben habe. Man habe hier auch auf freiwillige Tests zurückgegriffen. Er hofft aber auch auf positive Bestätigungen im weiteren wissenschaftlichen Begutachtungsverlauf.

Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte und sehr vertraut mit dem Thema Covid, sieht diese Nachricht über die Ergebnisse der Studie des israelischen Gesundheitsministeriums zusammen mit Pfizer mit Freude: "Diese Auswertungen sind von großer Bedeutung. Sie sind der erste klare Hinweis darauf, dass man sich nach der Impfung nicht ansteckt und auch nicht ansteckend ist", äußert er sich gegenüber der "Bild am Sonntag".

Er sagt es ganz klar: Die Impfung könnte, wenn das alles zutrifft, eine Herdenimmunität ermöglichen – und damit auch "die Rückkehr zum normalen Leben möglich machen". Die Studie ist bisher aber noch nicht veröffentlicht – dies soll aber bald passieren, bestätigt das israelische Gesundheitsministerium.

Mehr dazu: Coronavirus: Bringt die Impfung endlich die Herdenimmunität?

Wann gibt es denn nun Klarheit?

Wie gesagt, haben sich Hersteller und Gesundheitsministerium noch nicht zu den geleakten Daten geäußert. Es war aber bereits im Vorfeld laut t-online.de erwartet worden, dass das Papier bald offiziell veröffentlicht würde. Der Corona-Beauftragte Israels, Nachman Asch, sprach gegenüber dem Armeesender nur vorsichtig von den Ergebnissen. Ob eine Ansteckung anderer mit dem Impfstoff verhindert werden könne, sei noch immer unklar. Er hoffe aber auf mehr Informationen in den kommenden Wochen. Die neuen Daten aus Großbritannien sind da ein toller erster Schritt.

Und immerhin: Die enorm hohe Wirksamkeit des Impfstoffes konnte durch die bereits geleakten Daten noch einmal mehr bestätigt werden. Sie kann schwere Erkrankungen und Todesfälle verhindern. Auch solche der Mutante B.1.1.7.

Derweil impft Israel weiter – hat allerdings noch ein Problem mit vielen streng Gläubigen, die sich dem Impfen verweigern wollen. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu ging um den 20. Februar trotzdem davon aus, dass in etwa zwei Wochen 95 Prozent der über 50-Jährigen geimpft sein werden. Israel hat seit 21. Februar wieder Schulen und diverse Geschäfte geöffnet.

Geringere Impfstoff-Wirksamkeit – na und?!
Geringere Impfstoff-Wirksamkeit – na und?!

Auch andere Impfstoffe zeigen Schutz vor Virusweitergabe

Währenddessen haben in Deutschland weiter Ältere Vorrang, was den Biontech-Impfstoff betrifft. Ähnliche Werte zeigt aber auch das Vakzin von Moderna. Die Akzeptanz des erst kritisierten AstraZeneca-Vakzins ist zuletzt wieder gestiegen. Hier stehen noch einige Dosen bereit. Auch dieser Impfstoff senkt die Zahl schwerer Verläufe besser als erst gedacht – vor allem, wenn mit der zweiten Dosis länger gewartet wird. Und auch vor der Virusweitergabe scheint der AstraZeneca-Impfstoff zu schützen. Neue Daten zeigen zudem, dass AstraZeneca durchaus bei Älteren sehr wirksam ist.

Damit ist das Vakzin von AstraZeneca definitiv kein "Impfstoff zweiter Klasse". Bedenken wir: Eine geringere Impfstoff-Wirksamkeit ist nicht schlimm, solange ein Vakzin vor dem Tod schützen kann – und jedes Prozent Wirksamkeit ist besser als gar nichts – und weitaus besser als eine Infektion mit dem Coronavirus.

Britische Studie:

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