Aktualisiert: 12.03.2021 - 13:48

Corona-Spätfolgen zeichnen sich ab MIS-C: Long Covid gibt es auch bei Kindern

Von der Redaktion

Wenn Kinder einfach nicht gesund werden: Auch Covid-19 zeigt Langzeitfolgen, die vor Kindern und Jugendlichen nicht Halt machen.

Foto: Getty Images/Huntstock

Wenn Kinder einfach nicht gesund werden: Auch Covid-19 zeigt Langzeitfolgen, die vor Kindern und Jugendlichen nicht Halt machen.

Monatelang leiden manche Betroffene unter den Spätfolgen ihrer Covid-19-Erkrankung. Betroffene, das sind nicht nur Erwachsene. Immer mehr zeichnet sich ab: Auch Kinder können von Long Covid betroffen sein. Das zeigt sich derzeit deutlich in Großbritannien.

Über die Spätfolgen von Covid-19 lässt sich auch jetzt, rund ein Jahr nach Auftreten des Virus und Beginn der Pandemie, noch nichts Abschließendes sagen. Doch es zeichnen sich Tendenzen ab: Die Langzeitfolgen sind mitunter gravierend und bleiben über Wochen, bei manchen Betroffenen über Monate. Und es sind längst nicht nur Erwachsene betroffen oder Menschen, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. Auch bei Kindern und Jugendlichen kommt es vermehrt zu Long Covid.

Auffällig oft stellen Ärzt:innen bei eigentlich von Covid genesenen Kindern das sogenannte Multisystemische Inflammatorische Syndrom, kurz MIS-C, fest. Es ist auch als Pädiatrisches Inflammatorisches Multisystem-Syndrom, kurz PIMS, bekannt. Das Syndrom ist schon lange bekannt, bereits als Folge anderer Viruserkrankungen. Doch die Zahl der nach Covid-19 betroffenen Kinder weckt Sorgen.

Corona-Langzeitfolgen: Das wissen wir über “Long Covid”
Corona-Langzeitfolgen: Das wissen wir über “Long Covid”

Long Covid macht auch vor Kindern nicht Halt

Dass die Spätfolgen, Long Covid genannt, auch nach eher milderen Covid-19-Verläufen auftreten können, ist mittlerweile bekannt. Viele, die die Infektion als solche zwar wahrgenommen haben, aber sie zu Hause auskurieren konnten, leiden noch Wochen später unter Symptomen wie Fatigue, Atembeschwerden oder Geruchs- und Geschmacksverlust – teilweise sogar Monate später. Rund ein Drittel aller Erkrankten könnte betroffen sein, schätzen Expert:innen. Jetzt wird immer deutlicher: Ja, auch Kinder und Jugendliche sind betroffen.

Das macht etwa eine Initiative in Großbritannien deutlich. Diese Initiative, "Long Covid Kids", ist auch in den sozialen Medien zu finden. Die Mitglieder melden: Etwa 15 Prozent der an Covid-19 erkrankten britischen Kinder sollen demnach noch fünf Wochen nach der akuten Infektion an Symptomen leiden. Eine britische Studie ergänzt: 35 Prozent der untersuchten Kinder leiden vier bis zwölf Wochen lang an Post-Covid-Beschwerden, 27 Prozent drei bis sechs Monate und 18 Prozent sechs bis neun Monate.

Die Geschichte der Carelesses: Junge sitzt derzeit im Rollstuhl

Solche Zahlen sind immer schwierig zu greifen. Der britische Nachrichtensender "BBC" berichtet aus dem Leben – und zwar aus dem von der Britin Nichola Careless und ihren beiden Kindern.

Tochter Eleni ist elf Jahre alt und war im vergangenen Jahr positiv auf das Coronavirus getestet worden. Erst sei der Verlauf mild gewesen, erzählt die Mutter, doch die Symptome seien zunehmend schlimmer geworden. Noch heute leide Eleni unter Atemnot sowie Magen- und Gelenkschmerzen und immer wiederkehrendem Schwindeln.

Angesteckt hat sich aber auch der zwölfjährige Sohn Immanuel, genannt Mani, ein einst sportbegeisterter Junge. Er sei im Herbst erst negativ getestet worden, als die Mutter positiv war, habe dann aber eine Erkältung entwickelt, die sich wochenlang zu starkem Husten gesteigert habe. Derzeit sitze der Junge im Rollstuhl.

BBC Radio Newcastle gegenüber erzählt Careless, wie schwer beide Kinder erkrankt waren: "Sie hatten Ausschlag in ihrem Gesicht, schlimme Bauchschmerzen, Herz-Rhythmus-Störungen, Atemnot und waren verwirrt. Sie wussten nicht mehr, wo sie waren, und die Haut schälte sich von ihren Füßen. Es war ein Albtraum für mich, das mit ansehen zu müssen."

Immanuels Gelenkschmerzen hätten dann letztendlich zu einer Lähmung vom Hals abwärts geführt. Er musste im Krankenhaus behandelt werden. Erst dort habe man das Coronavirus nachgewiesen. Seitdem bleibt die Erschöpfung, sagt sie: "Er war immer so aktiv, spielte Fußball und Rugby. Aber jetzt kann er höchstens ein paar Schritte im Haus tun, in aller Regel nutzt er den Rollstuhl."

Vermehrte MIS-C-Fälle in Großbritannien

Bei Kindern verläuft Covid-19 glücklicherweise seltener schlimm. Dass sie gar nicht oder nicht schwer erkranken können und auch kein Long Covid entwickeln können, ist laut Wissenschaftlern aber ein Trugschluss. Mittlerweile ziehen sich die Infektionen und auch die Hospitalisierungen durch alle Altersgruppen.

Mit den steigenden Fallzahlen in Großbritannien steigen auch die Fälle von hospitalisierten Kindern, berichtet der "Guardian". Derzeit sollen demnach wöchentlich bis zu 100 Kinder ins Krankenhaus kommen – weil sie an MIS-C erkrankt sind, das in dem Fall auch als "Post Covid Disease", also "Nach-Covid-Erkrankung" bezeichnet wird. Die meisten davon hätten keine Vorerkrankungen gehabt. Die Symptome sind die, die auch Nichola Careless und viele andere Eltern aus der Initiative "Long Covid Kids" schildern. Solche Beschwerden treten in der Regel etwa zwei bis vier Wochen nach der akuten Infektion auf.

PIMS bzw. MIS-C ist schon zu Beginn der Pandemie aufgefallen, allerdings vermuteten Mediziner damals dahinter das "Kawasaki-Syndrom", das ähnliche Symptome zeigt. Doch beim Kawasaki-Syndrom sind nicht so viele Organe betroffen, sondern hauptsächlich das Herz. MIS-C hingegen geht vor allem auf die Nieren, die Lunge und die Leber, zeigt sich außerdem im Blut durch erhöhte Entzündungswerte.

Je mehr Kinder erkranken, desto mehr Fälle gibt es nun auch im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Ein Glück: Die meisten Kinder genesen von MIS-C. Dennoch möchte wohl kein Elternteil seine Kinder derartig leiden sehen. Und was die Dauer solcher Spätfolgen betrifft: Darüber gibt es einfach aufgrund der fehlenden Zeit wohl noch lange keine Antwort. Das Risiko für bleibende Schäden kann gering ausfallen – aber es besteht.

Dem britischen "Mirror" sagt Anthony Costello, Kinderarzt und ehemaliger Direktor der WHO, es gebe "viel zu befürchten", wenn Kinder nicht auch geimpft würden. In Großbritannien gebe es 19 Millionen Kinder. "Wenn wir sie ungeimpft lassen und die Hälfte infiziert wird, sind das neuneinhalb Millionen. Wenn 15 Prozent anhaltende Symptome bekommen, könnte dies 1,3 bis 1,5 Millionen bedeuten."

Long Covid: Es ist noch ein langer Weg

An Long Covid muss derweil weitergeforscht werden. Die Corona-Langzeitfolgen würden "dramatisch unterschätzt", zitiert der Tagesspiegel Karl Lauterbauch. Der Gesundheitsexperte stellt klar: "Es stellt sich immer stärker heraus, dass Covid-19 eine Erkrankung des gesamten Gefäß- und Immunsystems ist." Das Resultat des geschwächten Körpers: anhaltende Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Atemnot, Herzprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten.

In Deutschland gibt es mittlerweile eine wachsende Zahl an "Post-Covid-Ambulanzen", an die sich Betroffene als erste Anlaufstelle wenden können.

Mehr dazu:

Mehr News rund um das Coronavirus gibt's auf unserer Themenseite.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe