Aktualisiert: 03.02.2021 - 17:01

Reaktion auf Bhakdi-Video "Brandgefährlich": So entlarvt Prof. Streeck Corona-Lügen

Mit Prof. Bhakdi hat sich wieder einer der prominentesten Pandemieleugner gemeldet. Virologe Prof. Hendrik Streeck räumt im Faktencheck mit dessen unhaltbaren Thesen rund um das Coronavirus auf.

Foto: Getty Images/Radoslav Zilinsky;Andreas Rentz / Staff, Canva.com [M]

Mit Prof. Bhakdi hat sich wieder einer der prominentesten Pandemieleugner gemeldet. Virologe Prof. Hendrik Streeck räumt im Faktencheck mit dessen unhaltbaren Thesen rund um das Coronavirus auf.

Prof. Bhakdi ist derzeit einer der berühmtesten Corona-Leugner – regelmäßig postet der im Ruhestand befindliche Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie Videos, in denen er die Pandemie für beendet erklärt. So richtig verstehen kann das keiner der Fachleute, die heute noch tätig sind. Auch der Virologe Prof. Streeck, der selbst am Coronavirus forscht, hält Bhakdis Thesen für unhaltbar und "brandgefährlich". Vier davon entlarvt er im Gespräch mit RTL.

"Wir leben in einer Plandemie, nicht in einer Pandemie." Das ist die Aussage, die der mittlerweile als Anti-Corona-Aktivist bekannte Arzt Sucharit Bhakdi immer wieder tätigt – kürzlich auch wieder in einem seiner Videos. Faktenchecks gibt es zu seinen Thesen mittlerweile viele. Wenn ein bekannter Virologe, der selbst am Coronavirus forscht, diese Thesen aber überprüft, dann hat das möglicherweise noch etwas mehr Kraft. Genau das hat der Virologe Prof. Hendrik Streeck jetzt getan: Er bewertet Prof. Bhakdis Thesen auf ihren wissenschaftlichen Hintergrund – und entlarvt sie im Gespräch mit RTL als Corona-Lügen.

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"Bhakdi verbreitet Corona-Lügen": Prof. Streeck im Faktencheck

Die Gefährlichkeit des Coronavirus Sars-CoV-2 spielt Bhakdi seit Anfang an herunter, vergleicht das Virus noch immer mit einer "harmlosen Grippe". Stattdessen stellt er die Impfung als gefährlich dar, die Pandemie nennt er "Plandemie". Vieren solcher Thesen hat sich Prof. Streeck, Direktor des Institutes für Virologie und HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn nun gestellt. Er selbst gilt als Kritiker mancher Entwicklungen, kennt sich mit dem Virus und dessen Auswirkungen aber aus. Und das beweist er einmal mehr in einem Faktencheck, diesmal via RTL. Wir möchten diesen wichtigen Artikel gerne aufgreifen.

These 1: Die Pandemie sei im Januar beendet worden

Die Pandemie sei am 20. Januar inoffiziell beendet worden, propagiert Bhakdi in seinem Video. Sie laufe nur noch offiziell weiter und sei eine "Plandemie".

"Das ist falsch", sagt Streeck im RTL-Gespräch. "Als Pandemie bezeichnet man, dass ein Krankheitserreger weltweit auf verschiedenen Kontinenten gleichzeitig eine Infektionserkrankung auslöst mit zum Teil schweren Verläufen", führt er aus. Das sei gegeben. Die Corona-Pandemie sei eine von vielen in den vergangenen Jahren, als Beispiele nennt er den Ebola-Ausbruch 2019 und den Zika-Ausbruch 2016. Besonders relevant sei es, wenn eine "gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite" seitens Weltgesundheitsorganisation WHO ausgerufen wird. "Das geschah für COVID-19 am 30.01.2020 und war auch richtig. Es bedeutet, dass international schwere Auswirkungen auf das Gesundheitssystem zu befürchten sind und, dass Gefahren drohen." Auch das sei hier gegeben. Und er stellt klar: "Auch eine Grippe kann eine Pandemie mit gesundheitlicher Notlage internationaler Tragweite hervorrufen."

These 2: Laut WHO sei der PCR-Test nutzlos

Die WHO hatte eine Mitteilung an Ärzte, Kliniken und medizinisches Fachpersonal herausgegeben, in der es um die Interpretation von Schwellenwerten eines positiven PCR-Test geht. Diese Mitteilung hat Bhakdi in seinem Video aus dem Kontext gerissen und für seine Zwecke passend uminterpretiert. Die WHO habe darauf hingewiesen, dass "die Diagnose Covid-19 nicht gemacht werden kann, wenn jemand keine passenden Symptome hat." Es gebe daher keine gesunden Positiven. Er schließt: "Wenn Sie gesund sind, sind Sie nicht gefährlich."

Streeck berichtigt: Wer sich gesund fühlt, kann trotzdem infiziert sein und auch später noch Symptome entwickeln. Das nennt man präsymptomatisch. Er erklärt die Mitteilung der WHO: "Das heißt: Wir haben in den letzten Monaten viel über den CT-Wert geredet. Es gibt da verschiedene Bereiche, wo unklar ist, ob da wirklich noch eine bedeutende Infektion vorliegt. Je höher der CT-Wert ist, desto niedriger ist die Viruslast im Rachen." In der Interpretation der Werte sei es daher wichtig, die Krankheitssymptome mit einzubeziehen. Da die CT-Werte aber von Labor zu Labor unterschiedlich seien, müssten dies Fachleute unterscheiden. "Und bei einem niedrigen CT-Wert kann ein Mensch ohne Symptome wahrscheinlich trotzdem das Virus übertragen, vor allem wenn er präsymptomatisch ist."

These 3: Das Coronavirus übertrage sich nicht ohne Symptome

Aufbauend auf den PCR-Tests behauptet Bhakdi weiter, es gebe keine asymptomatische Übertragung bei Covid-19 – Menschen seien demnach erst ansteckend, wenn sie Symptome entwickeln.

Streeck widerlegt diese These mit Studien: "Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe an Studien, die zeigen, dass Menschen, die keine Symptome haben – was im Übrigen wenige sind – trotzdem auch genug Viren im Rachen haben können und auch das Virus weitergeben können. Zu sagen, dass asymptomatische Menschen generell das Virus nicht übertragen können, ist falsch."

Stattdessen müsse man unterschieden, wie hoch die Viruslast im Rachen sei und auch, ob es sich um präsymptomatische Menschen handele, die später Symptome entwickeln oder etwa Leute, bei denen die Symptome gerade abklingen. Er zieht den CT-Wert wieder heran. Dieser Wert sei nicht statisch, "sondern etwas, was sich über die Zeit während der Infektion verändert", bei einem niedrigen CT-Wert sei man infektiös, bei einem hohen Wert "wahrscheinlich gar nicht oder wenig infektiös".

These 4: Nicht das Virus sei gefährlich, sondern die Impfung

Und wie soll es anders sein, wendet sich Bhakdi auch gegen die Corona-Imfpungen. Er behauptet, es seien Menschen zu Tode gekommen durch die Impfung, auch junge Menschen. Das ließe sich sogar wissenschaftlich begründen.

Streeck stellt klar: Wissenschaftlich begründen lässt sich vielmehr, dass die Impfungen Leben retten – auch die Leben junger Leute. "Nicht die Impfung ist brandgefährlich. Die These von Herrn Bhakdi ist brandgefährlich."

Er erklärt im Anschluss, wie die Impfungen wirken und nennt dabei das Beispiel der mRNA-Impfungen von Biontech/Pfizer und Moderna: "Man muss sich das so vorstellen: Das Virus kann sich durch sein genetisches Material, die RNA in der fremden Zelle vermehren. Die Biontech/Pfizer- und Moderna-Impfstoffe nehmen nur einen kleinen Schnipsel der RNA des Virus. Also beim Impfen wird nicht die ganze RNA des Virus reingebracht, sondern ein kleiner Bestandteil der RNA, die das Spike-Protein codiert." Wie eine Luftschlange könne man sich die RNA vorstellen. Aus dieser wird aber nur ein Teil herausgenommen, der in den Körper eingebracht wird. Dieser Teil gibt unserem Körper einen Bauplan für Proteine, die dem Spike-Protein des Coronavirus gleichen. Und auf diese alleine harmlosen Proteine reagiert unser Körper mit der Bildung einer Immunabwehr gegen diese Proteine. Steckt man sich dann tatsächlich mit dem Virus an, erkennen diese Antikörper die Spike-Proteine am Virus und greifen das ganze Virus an, machen es unschädlich.

Er erklärt aber weiter, warum die Impfung unserem Genom wiederum nichts anhaben kann: Denn unser Genom besteht aus DNA, die im Zellkern sitzt. Die RNA aber hat gar nicht die Möglichkeit, bis dahin vorzudringen und kommt entsprechend mit der DNA gar nicht in Kontakt.

Es gebe außerdem bisher "unter den Zig-Millionen Geimpften weltweit sehr wenige ernstzunehmende Nebenwirkungen und sehr wenige allergische Reaktionen. Langzeit-Nebenwirkungen sind überhaupt nicht beschrieben", schließt Streeck seinen Bkahdi-Faktencheck bei RTL.

Dass ein Impfstoff gewisse Reaktionen auslöst, etwa Schmerzen im Arm, aber durchaus auch Schwächegefühl, Kopf- und Gliederschmerzen und Fieber, ist übrigens normal – so funktionieren Impfstoffe. Eine solche Reaktion ist ein Zeichen dafür, dass der Körper arbeitet. Diese Nebenwirkungen sind allerdings von kurzer Dauer und ziehen keine Langzeitfolgen mit sich. "Es ist halt ein bisschen unangenehm. Ganz ohne geht es nicht", sagt etwa Stefan Kaufmann, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in einem weiteren Faktencheck zu Bhakdis Thesen bei SWR3.

Das Fazit: Bhakdi verbreitet weiter Corona-Lügen – und es ist verdammt wichtig, hier wissenschaftlich fundiert aufzuklären.

Streeck und ein paar seiner Kolleg*innen vom Fach haben das übrigens schon mehrmals getan und mit Expertise mit Corona-Mythen aufgeräumt.

Einen sehr hörenswerten Faktencheck-Podcast von Quarks Science Corps gibt es übrigens hier: "Die Akte Bhakdi: So tricksen Corona-Verharmloser".

Mehr zu den angeblichen und tatsächlichen Nebenwirkungen von mRNA-Impfstoffen gibt's hier. Das Paul-Ehrlich-Institut informiert darüber hinaus in regelmäßigen Abständen über die bisher aufgetretenen unerwünschten Reaktionen im Zusammenhang mit den Impfungen in Deutschland. Sie sind skeptisch bei der Impfung? Müssen Sie nicht. Vielmehr sollten wir uns noch einmal anschauen, wie erfolgreich und nützlich Impfungen sind und wie weit sie uns schon gebracht haben.

Mehr zum Coronavirus gibt's auf unserer Themenseite.

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