Aktualisiert: 01.02.2021 - 18:57

Schwere allergische Reaktion Anaphylaxie: Was tun bei allergischem Schock?

Ein anaphylaktischer Schock ist immer ein Notfall. Die heftige allergische Reaktion tritt kurze Zeit nach Kontakt mit dem auslösenden Stoff auf.

Foto: Getty Images/Arne Trautmann / EyeEm

Ein anaphylaktischer Schock ist immer ein Notfall. Die heftige allergische Reaktion tritt kurze Zeit nach Kontakt mit dem auslösenden Stoff auf.

Allergische Schocks sind glücklicherweise selten. Mit den neuen Coronavirus-Impfstoffen sind Anaphylaxien aber in den Fokus gerückt – vereinzelt gab es Fälle. Doch was steckt dahinter? Vor den Impfungen jedenfalls müssen die meisten Menschen dennoch keine Angst haben.

Ein anaphylaktischer Schock – davon hat man bisher höchstens einmal etwas gehört, wenn man selbst Allergiker ist oder sich ein wenig mit allergieauslösenden Stoffen beschäftigt hat. Jetzt sind im Zusammenhang mit den Corona-Impfstoffen vereinzelte Berichte über Anaphylaxien aufgetaucht. Über die muss natürlich berichtet werden, jedoch sollen sie niemanden verunsichern. Was genau steckt dahinter und wie werden allergische Schockreaktionen behandelt – und welche Maßnahmen werden nun beim Impfen getroffen?

Anaphylaxie: Wenn ein harmloser Stoff eine heftige Reaktion auslöst

Anaphylaxie ist die medizinische Bezeichnung für eine starke, akute und potenziell lebensgefährliche allergische Reaktion, die einen Schockzustand auslöst. In der S2-Leitlinie "Anaphylaxie, Akuttherapie und Management" heißt es dazu: Eine Anaphylaxie ist "eine akute systemische Reaktion mit Symptomen einer allergischen Sofortreaktion, die den ganzen Organismus erfassen kann und potenziell lebensbedrohlich ist."

Auslöser einer solchen heftigen Reaktion sind dabei Substanzen, die für die meisten Personen harmlos sind – etwa Erdnüsse oder gar Milch oder Naturlatex. Auch Insektengift kann bei Personen, die allergisch darauf reagieren, eine Anaphylaxie auslösen, ebenso wie manches Medikament, insbesondere Antibiotika oder Analgetika. Und auch Bestandteile von Impfstoffen können allergische Reaktionen auslösen – das zeigten etwa Berichte aus den USA, Großbritannien und auch Deutschland im Zusammenhang mit dem Biontech-Impfstoff Comirnaty. So wurden dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bislang 20 Anaphylaxien in zeitlichem Zusammenhang mit der Gabe dieses Impfstoffes gemeldet: Corona-Imfpungen: Das sind die bisher erfassten Nebenwirkungen.

Auslöser hier könnte nach bisherigen Erkenntnissen das enthaltene Polyethylenglykol (PEG) sein, das in den Lipidnanopartikeln steckt und als Hilfsstoff in vielen Produkten, etwa Kosmetika, vorkommt. Es wird als "verstecktes Allergen" bezeichnet, da es bei manchen Personen die Bildung eines Immunglobulins (IgE) freisetzt und den Körper sensibilisiert. Kommt man dann später wieder in Kontakt mit dem Stoff, kann das eine heftige Reaktion auslösen.

Anaphylaktischer Schock: Das sind die Symptome

Eine Reaktion auf etwas tritt immer kurz nach Kontakt mit dem Allergen auf, in der Regel nach wenigen Minuten, in seltenen Fällen bis zu eine Stunde später. Der Zustand der betroffenen Person verschlechtert sich dabei rapide. Daher ist eine Anaphylaxie immer ein Fall für den Notarzt.

Bei einer allergischen Reaktion auf einen Stoff, auf den der Körper bereits senisbilisiert ist, wird im Körper Histamin ausgeschüttet, ein Botenstoff. Bei einem anaphylaktischen Schock geschieht dies in großen Mengen. Die Folgen davon: Die Blutgefäße werden schlagartig erweitert, die Muskulatur zieht sich zusammen. Das kann zu einem drastischen Abfall des Blutdrucks führen, was wiederum den Kreislauf zusammenbrechen lässt. So können Organe nicht mehr gut genug mit Blut versorgt werden, wird nicht schnell behandelt.

Bei einer Anaphylaxie treten demnach ähnliche Symptome auf wie bei einer normalen allergischen Reaktion – nur ungleich heftiger und oft gebündelt:

  • Augen, Nase, Mund und Rachen: Juckreiz, Kribbeln, Brennen, Niesen, Fließschnupfen oder verstopfte Nase, starke Schleimhaut-Schwellungen, Enge-Gefühl im Hals bis hinzu Atemnot durch Schwellungen im Rachen
  • Atemwege: Husten, Heiserkeit, pfeifende Atmung, Atemnot
  • Haut: Rötung, Juckreiz, Nesselausschlag, Quaddeln, Schwellungen
  • Magen und Darm: Krämpfe, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Kreislauf: Schwindel, Benommenheit, Bewusstseinseintrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit.

Eine heftige allergische Reaktion kann dabei zu Atemstillstand (bei betroffenen Atemwegen) und/oder auch zu Blutdruckabfall bis hin zum Herzstillstand führen, wenn das Herz-Kreislauf-System betroffen ist.

Manchmal werden allergische Reaktionen durch andere Faktoren, etwa Angst oder Stress oder körperliche Aktivität, verstärkt und können so zum Schockzustand führen.

Anaphylaxie durch Impfungen: Impfzentren sind vorbereitet

Ein allergischer Schock ist also durchaus lebensgefährlich, wird die betroffene Person nicht direkt behandelt. Genau das ist aber nach den Impfungen direkt möglich. Zwar waren die Meldungen im Vergleich zum Gros der Impfungen selten, doch sie kommen vor. Die meisten Menschen, die allergisch vorbelastet sind, wissen das und können sich etwa mit Notfallkits wappnen.

Doch zur Vorsicht wird jeder Geimpfte nach dem Pieks gebeten, noch für mindestens eine halbe Stunde im Impfzentrum zu verbleiben, um bei eventuellen Reaktionen sofort reagieren zu können. Denn ein allergischer Schock passiert schnell nach Kontakt mit dem auslösenden Stoff – im Falle des Biontech-Impfstoffes sind die Reaktionen fast alle im Zeitraum von 15 bis 30 Minuten aufgetreten.

So wird ein allergischer Schock behandelt

Die Allergiepatienten, die von ihrer Allergie wissen, handeln in der Regel vorbeugend: Es wird versucht, auf Kontakt mit dem Allergen zu verzichten. Ein Kontakt kann aber nie zu 100 Prozent ausgeschlossen werden. Daher gibt es auch eine Notfallbehandlung.

Wer weiß, dass Allergien bestehen, die durchaus heftig ausfallen können, hat meist ein Notfallset, etwa gegen Insektengiftallergie. Diese bestehen aus einem Adrenalin-Injektor, einem Antihistaminikum und einem Kortisonpräparat. Leiden Patienten unter Asthma, ist zusätzlich ein bronchienerweiterndes Asthmaspray dabei.

Es ist allerdings auch für die Umwelt wichtig, sich mit den Symptomen auszukennen, um in einer solchen Situation schnell eingreifen zu können. Die Seite allergiecheck.de fasst die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Anaphylaxie in neun Punkten zusammen:

  1. Auslöser entfernen, wenn möglich (z. B. den Bienenstachel)
  2. Notfall-Medikamente anwenden (z. B. Adrenalin-Autoinjektor, das Antihistaminikum und/oder das Kortisonpräparat aus dem Notfallset)
  3. Notarzt rufen
  4. Enge Kleidungsstücke entfernen
  5. Besteht Atemnot? Dann hilft eine sitzende Haltung
  6. Bei Schocksymptomen für eine Schocklage sorgen (Hochlagerung der Beine, etwa 30 Grad)
  7. Bei Bewusstlosigkeit für eine stabile Seitenlage sorgen
  8. Lebenszeichen (Puls/Atem) kontrollieren
  9. Bei fehlenden Lebenszeichen Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten

In den Impfzentren sind Ärztinnen und Ärzte anwesend, die sich mit solchen akuten Allergiereaktionen auskennen und schnell handeln können. Sollten Sie unter Allergien leiden, sprechen Sie diese vor der Impfung auf jeden Fall an. So kann im Einzelfall entschieden werden. Wer unter Allergien leidet, kann durchaus auch länger zur Beobachtung bleiben.

Mehr dazu: Allergien: Was im Körper passiert, was Betroffene tun können.

Quellen: allergiecheck.de, pharmazeutische-zeitung.de (hier gibt es weitergehende medizinische Erklärungen zur Entwicklung einer Anaphylaxie), Techniker Krankenkasse, Dhami S., Worm M. et al. Management of anaphylaxis: a systematic review. Allergy 2014; 69(2): 168-175.

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