Aktualisiert: 27.01.2021 - 19:59

Covid-19 bleibt – die Frage ist nur, wie sehr Wir müssen wohl mit dem Coronavirus leben lernen – aber wie?

Ja, das Coronavirus Sars-CoV-2 bleibt sicherlich – das heißt aber nicht, dass wir uns für immer in dieser Pandemiesituation befinden. Die wird enden. Wie schnell, liegt zumindest teilweise auch an uns.

Foto: Getty Images/alvarez

Ja, das Coronavirus Sars-CoV-2 bleibt sicherlich – das heißt aber nicht, dass wir uns für immer in dieser Pandemiesituation befinden. Die wird enden. Wie schnell, liegt zumindest teilweise auch an uns.

Mittlerweile dürfte allen klar sein, dass das Coronavirus Sars-CoV-2 so gänzlich nicht mehr verschwinden wird. Ganz sicher aber wird es mit der Zeit seine Bedrohlichkeit verlieren. Wir können lernen, mit dem Virus umzugehen – und daraus vielleicht sogar Lehren für kommende Pandemien ziehen.

Bei der Spanischen Grippe war es damals ähnlich: Das Virus, das zwischen 1918 und 1920 weltweit grassierte, hat insbesondere während der sehr heftigen zweiten Welle unzählige Todesopfer gefordert. Und dann – ja, dann verschwand es plötzlich. Oder? Nun, verschwunden ist dieses Grippevirus nie. Wir kennen es nur heute als eine Art Schweinegrippe. Es hat sich verändert – und das tut es immer wieder. Damit hat es die Bedrohlichkeit der damaligen Pandemie verloren, ist aber noch immer aktiv und macht von Zeit zu Zeit Probleme. Ähnliches wird sicherlich auch irgendwann mit Sars-CoV-2 passieren. Verschwinden wird dieses Coronavirus nicht. Wir können aber die Pandemiephase mit Zusammenhalt beenden – und lernen, mit Covid-19 zu leben und damit umzugehen. Und dafür ist jede und jeder Einzelne auf seine Art gefragt.

Leben mit Covid-19: Warum ist die Krankheit gerade so bedrohlich?

Was muss erst einmal geschehen?

Covid-19, bzw. umgangssprachlich "Corona" hat derzeit zwei bedrohliche Aspekte:

  1. Die Krankheit ist noch immer recht rätselhaft: Manche Personen sind gefährdeter als andere – je nach Alter oder Vorerkrankung –, doch die Krankheit kann auch durchaus jungen Menschen arge Probleme bereiten – und zwar entweder während der akuten Infektion oder im Nachgang als sogenanntes "Long Covid", über dessen Auswirkungen wir aufgrund der kurzen Zeit noch nicht allzu viel wissen.
  2. Die Krankheit bricht weltweit aus: Wir leben derzeit in einer Pandemiesituation. Das heißt: Es stecken sich weltweit enorm viele Menschen damit an. Je mehr sich anstecken, desto mehr kämpfen auch mit einem schweren Verlauf oder sterben sogar. Das bringt Gesundheitssysteme weltweit zum Schwanken oder gar zum Einstürzen. Zudem erhöht jede Infektion auch das Risiko einer Mutation: Je mehr Menschen infiziert sind, desto mehr Möglichkeiten hat das Virus, sich zu verändern. Denn das kann es nur, indem es sich vervielfältigt – und das kann es wiederum nur in einem Wirt.

Doch jede Pandemie nimmt irgendwann ein Ende. Irgendwann wird das Virus in weiten Teilen der Welt endemisch. Das heißt, es ist zwar noch da und zirkuliert auch noch in der Bevölkerung. Doch es verliert seine Bedrohung, da weniger Menschen schwer erkranken. Möglicherweise wird es auch, wie seine vier harmlosen, Erkältungen auslösenden Coronavirus-Geschwister, irgendwann zu einer harmlosen Kinderkrankheit – so hat es kürzlich eine US-amerikanische Forscherin beschrieben.

Sobald das Coronavirus Sars-CoV-2 nämlich den Pandemiestatus verliert, lässt es sich auch besser damit leben. Auch, wenn Covid-19 zukünftig weiterhin auftreten wird – dank Schutz durch Impfungen und wirksame Medikamente wird Menschen wieder schneller geholfen werden können. Das lenkt den Fokus dann auch wieder mehr auf all die anderen Krankheiten und Verletzungen, die uns heimsuchen können.

"Es ist nichts, das sich einfach in Luft auflösen wird"

Die zentrale Frage ist nur: Wie schaffen wir es, da hinzukommen? Wie schaffen wir es, die Pandemie so schnell wie möglich zu beenden, ohne weitere Menschenleben zu opfern? Und genau das ist die Krux: Je schneller der Pandemiestatus verschwindet, desto schneller kann das Leben wieder normal ablaufen. Das zu erreichen aber ist eine Mammutaufgabe, denn es gibt unglaublich viel zu bedenken.

Experten nennen drei Hauptfaktoren, von denen der Übergang von einem pandemischen zu einem endemischen Virus abhängt:

  1. Wie lange bleiben Menschen immun?
  2. Wie schnell entwickelt sich das Virus weiter?
  3. Wie schnell und wie weiträumig lässt sich eine Immunität in der Bevölkerung, insbesondere aber bei älteren Personen schon während der Pandemie herstellen?

"Die Leute müssen begreifen, dass dieses Virus nicht verschwinden wird", wird Roy Anderson, Epidemiologe für Infektionskrankheiten am Imperial College London, in einem Artikel von National Geographic zitiert. "Dank moderner Medizin und Impfstoffen werden wir in der Lage sein, es in den Griff zu bekommen. Aber es ist nichts, das sich einfach in Luft auflösen wird."

Es gibt drei große Faktoren – und mindestens zwei davon kann ein jeder beeinflussen

Bis wir es gänzlich in den Griff bekommen, wird sicherlich noch einige Zeit ins Land streichen. Wie viel Zeit genau, ist einerseits abhängig von den Faktoren, die wir nicht oder nur teilweise beeinflussen können: die Dauer der Immunität und die Wandlungsfreude des Virus. Warum teilweise? Wenn wir gemeinschaftlich dafür sorgen, dass sich das Virus nicht unkontrolliert ausbreitet, können wir zumindest mitbeeinflussen, wie sehr es mutiert. Denn je stärker es kursiert und in je mehr Körpern es sein Unheil anrichten kann, desto mehr Möglichkeiten hat es, sich anzupassen – entweder versehentlich über Kopierfehler oder als sogenannte "Escape-Mutation". Letztere bilden sich etwa, wenn das Immunsystem eines Infizierten über sehr lange Zeit mit dem Virus ringt.

Die Zeit ist aber auch abhängig von Faktoren, die Forschende und Regierungen beeinflussen können: Wie schnell können sichere Impfstoffe und hilfreiche, antivirale Medikamente entwickelt werden – und wie schnell und vor allem flächendeckend lassen sich diese verteilen? Hier muss die ganze Welt zusammenarbeiten.

Und sie ist aus diesen Faktoren resultierend auch abhängig von uns "ganz normalen" Menschen: Denn jede und jeder von uns kann beeinflussen, wie stark sich Sars-CoV-2 in welcher Zeit ausbreiten kann. Und zwar, indem wir aufeinander achtgeben, die Lage ernst nehmen, uns aber gegenseitig dabei unterstützen, indem wir durch physische Kontakteinschänkungen unkontrollierte Infektionsketten verhindern, indem wir vor allem auf die Schwächeren unter uns aufpassen und indem wir Impfungen annehmen als das, was sie sind: Eine Hilfe im Kampf gegen einen winzig kleinen, aber tödlichen Feind. Kleiner Exkurs dazu: So weit haben Impfungen uns schon gebracht.

Immun ist nicht gleich immun

Dafür müssen wir aber auch verstehen, wie so ein Immunschutz überhaupt funktioniert. Denn man ist nicht plötzlich immun, auch nicht durch eine Impfung. Ein Impfschutz baut sich erst auf – und er ist nie vollständig vorhanden und kann – je nach Mutationsfreude eines Virus und auch abhängig von der verstrichenen Zeit – auch wieder schwächer werden. Unser Immunsystem kann durch Kontakt mit einem Virus bereits eine gewisse Immunität aufbauen. Ein Beispiel sind die vier harmlosen Coronaviren, mit denen wir uns alle als Kinder sicherlich mehrfach angesteckt haben. Sie lösen bei Kindern Erkältungen aus. Der Kinderkörper lernt, schnell zu reagieren und baut eine gewisse Immunität auf, die uns dann später als Erwachsene noch schützt. Eine natürliche Immunität hat aber auch immer Grenzen, da ihre Stärke ganz grob gesagt unter anderem davon abhängt, wie sehr unser Immunsystem auf einen Erreger reagieren musste. Sie kann also auch mal schwächer ausfallen.

Die Immunität durch eine Erkrankung ist noch so eine Sache. Bisher wissen wir, dass eine Immunität gegen Sars-CoV-2 nach überstandener Infektion bis zu acht Monate anhalten kann – so lange beobachtet man den Immunschutz bisher schon. In einer Studie vom 6. Januar aus dem Fachmagazin "Science" heißt es, dass 95 Prozent der Probanden auch fünf bis acht Monate nach ihrer Infektion noch ein messbares Maß an Immunität zeigten. Aber insbesondere nach milden Verläufen ist die Zahl der Antikörper auch durchaus geringer. Die Immunität lässt zwar nach, aber gänzlich verschwindet sie nicht.

Eine stärkere, oft längere Immunität ohne die "Nebenwirkungen" einer Erkrankung gibt eine Impfung. Aber es liegt in der Natur der Sache, dass auch die nicht immer lebenslänglich wirkt – insbesondere wenn Viren mutieren. Was Impfungen aber vor allem können: Sie können schwere Erkrankungen verhindern. Dabei müssen sie nicht zwingend die Infektion und auch nicht die Übertragung verhindern. Je mehr Menschen aber vor schweren Erkrankungen geschützt sind, desto besser kann man sich in der Medizin auf die konzentrieren, die diesen Schutz nicht haben. Eine Impfung ist also auch ohne Übertragungsschutz immer eine solidarische Entscheidung.

Je mehr das Virus mutieren kann, desto mehr muss sich der Immunschutz anpassen

Einen Strich durch diese Rechnung können dabei Mutanten machen, die die Immunität zwar auch nur bei wirklich starken Mutationen gänzlich ausschalten, bei leichten Variationen aber weiter abschwächen können.

Wichtig ist daher, dass Impfstoffe immer weiterentwickelt werden, damit der dadurch induzierte Immunschutz auch noch auf Mutanten anspringt. Denn verändern wird sich das Coronavirus sicher in den kommenden Monaten bis Jahren. Das Gute: Gerade Vakzine wie die mRNA-Impfstoffe lassen sich sehr leicht und schnell an neue Virenvarianten anpassen. Die Hürde, die dabei bleibt, ist dann die Zulassung, denn auch angepasste Impfstoffe müssen erneut erst getestet werden.

Für ein Ende der Pandemie brauchen wir Immunität

Experten sind sich recht einig, dass das Abklingen der Pandemie davon abhängt, wie weit und schnell sich eine Immunität verbreiten lässt – vor allem bei älteren und besonders anfälligen Bevölkerungsgruppen. Kinder hingegen könnten, wie bei den harmlosen Coronaviren auch, später recht problemlos durch die lebenslange Exposition eine Immunität gegen Sars-CoV-2 aufbauen. Diesen Luxus haben wir, die jetzt im Erwachsenenalter sind, nicht. Unser Immunsystem ist noch unerfahren und damit anfällig gegenüber diesem Coronavirus.

Wann können wir denn nun damit rechnen, dass die Pandemie endet? Einen Zeitpunkt nennen kann man da nicht. Aber bisher deutet alles darauf hin, dass mindestens 60 bis 70 Prozent der Menschheit, wir sprechen hier von weltweit, eine Immunität aufbauen müssen, damit das Coronavirus wirklich gar nicht mehr gefährlich werden kann. So eine Immunität lässt sich durch unkontrollierte Infektionen zwar durchaus aufbauen. Doch auf diesem Weg würden Millionen Menschen schwer erkranken, viele davon sterben, wenn nicht direkt an der Erkrankung, dann an den Langzeitfolgen. Diesen Weg der unkontrollierten Herdenimmunität hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO bereits im Sommer als "unethisch"und damit für unbeschreitbar erklärt. Zwar hatte es zwischendurch immer wieder Vorstöße gegeben, doch auch Coronavirus-Experten lehnen die Herdenimmunitäts-"Strategie entschieden ab".

Für ein Pandemieende muss die ganze Welt zusammenarbeiten

Ohne Verluste von vielen, vielen Menschenleben lässt sich eine Corona-Herdenimmunität also nur durch flächendeckende Impfungen erzielen.

Wichtig dafür ist aber dann auch: Die Impfstoffe müssen fair weltweit verteilt werden. Was bringen uns einzelne Länder mit einem Großteil immunisierter Menschen, wenn das Virus anderswo weiter grassieren und sich so verändern kann, dass auch diese Immunität nicht mehr reicht? Wie schnell sich neue Virusvarianten verbreiten können, sehen wir derzeit – und wir leben in einer Zeit mit stark eingeschränktem weltweiten Reiseverkehr.

Bis zum 18. Januar wurden laut einer Schätzung der WHO weltweit rund 40 Millionen Impfstoffdosen verabreicht – der Großteil davon in reichen Ländern. Im Vergleich: In Afrika wird derzeit nur in zwei Ländern geimpft: In Guinea und auf den Seychellen. Genauer: Bis zum 18. Januar hatten laut dieser Überschrift nur 25 Menschen in Guinea eine Dosis erhalten.

Ohne gerechte Verteilung ist es also noch ein langer Weg.

Zero Covid: Worum geht es bei der Strategie?
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Der Weg ist lang – doch irgendwann wird das Ziel sichtbar sein

Übrigens kann es auch durchaus sein, dass sich Sars-CoV-2 so verändert, dass es ungefährlicher wird. Je mehr verschiedene Varianten aber kursieren, desto geringer ist diese Hoffnung. Daher heißt es für uns: Alles tun, um die Ausbreitung einzudämmen. Ein Ansatz dafür ist "Zero Covid" oder auch "No Covid". Anders als oft angenommen zielen die Initiatoren nicht darauf ab, das Virus in kürzester Zeit auszurotten. Dass das nicht möglich ist, ist bekannt. Doch wenn man die aktuellen Infektionszahlen auf Null oder zumindest fast Null senkt, gewinnt man jede Menge Zeit: Zeit, in der sich das Virus nicht so unkontrolliert verändern kann und Zeit, in der wir einzelne Ausbrüche – die es sicherlich immer wieder geben wird – schneller unter Kontrolle bringen können. Der Vorteil dabei: Mit Beibehalten gewisser Schutzmaßnahmen – und dazu zählen sicherlich auch Masken und Abstände – lässt sich so zumindest dort, wo gerade kein Infektionsgeschehen herrscht, nahezu normal leben.

Ein Hilfsmittel dazu können Schnelltests sein. Auch die werden immer besser und zuverlässiger. Zusammen mit kontrollierten Tests, Impfungen und Solidarität untereinander können wir das schaffen – und zwar schneller und vor allem mit viel weniger Opfern, als wenn wir das Virus weiter außer Kontrolle weiterlaufen lassen. Je mehr wir es unter Kontrolle haben, desto eher werden wir auch unsere Lieben wieder in die Arme schließen können. Und wenn das alles gut klappt, woran derzeit gearbeitet wird, dann wird das auch weit vor dem "offiziellen Pandemieende" der Fall sein.

Halten wir also jetzt zusammen, um uns nach und nach, aber so schnell wie möglich und mit so wenig Verlusten wie möglich unser Leben zurückzuholen. Wir stehen zwar noch immer vor einem dichten Nebel, doch je mehr Zeit wir haben, zu lernen, desto besser wird sich dieser Nebel lichten. Eines sollten wir uns dabei merken: Der Zusammenhalt ist essentiell.

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Wer noch einmal nachlesen will, wie das damals so bei der bisher schlimmsten verzeichneten Pandemie der Neuzeit war: Die Spanische Grippe ist eigentlich noch gar nicht zu Ende.

Weitere News und Infos rund um die Coronavirus-Pandemie wiederum gibt's auf unserer Themenseite.

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