Aktualisiert: 27.01.2021 - 16:51

Wir lernen immer mehr Forscher finden Schwachstelle am Coronavirus

Auch, wenn wir vieles über Coronaviren noch nicht wissen: Diese Entdeckung könnte bahnbrechend für neue Medikamente gegen Covid-19, Sars, Mers und Co sein: Forscher haben eine Schwachstelle an Coronaviren entdeckt.

Foto: Getty Images/Andrew Brookes

Auch, wenn wir vieles über Coronaviren noch nicht wissen: Diese Entdeckung könnte bahnbrechend für neue Medikamente gegen Covid-19, Sars, Mers und Co sein: Forscher haben eine Schwachstelle an Coronaviren entdeckt.

Das Coronavirus ist immer noch in vielen Bereichen ein Rätsel. Zumindest in Sachen Virusaufbau aber konnten Forschende nun mehr Licht ins Dunkel bringen – und ihr Fund könnte endlich den Weg für helfende Medikamente ebnen.

Damit sich Coronaviren vermehren können, brauchen sie einen ganz bestimmten Enzymbaustein – das haben Forschende der Universität Gießen nun herausgefunden. Und damit haben sie eine Schwachstelle von Coronaviren erkannt, denn dieser Enzymbestandteil kann gezielt angegriffen werden. Bedeutet: Medikamente könnten gezielt auf dieses Enzym hin entwickelt werden.

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Schwachstelle entdeckt: Diesen Enzymbestandteil braucht jedes Coronavirus

Damit sich Viren vermehren können, brauchen sie einen Wirt, in dessen Zellen sie eindringen. Diese Zellen bauen die Viren zu kleinen "Virenproduktionsstätten" um, mit denen sie dann ihr Erbgut vervielfältigen können. Dazu ist ein ganz bestimmtes Enzym notwendig, die RNA-Polymerase. Und die hat bei allen Coronaviren – also neben Sars-CoV-2 auch bei Sars und Mers sowie den vier bekannten harmlosen Coronaviren, die Menschen infizieren können – einen zusätzlichen Proteinbestandteil, der "NiRAN" genannt wird. Diesen Bestandteil haben die Gießener Wissenschaftler*innen haben zusammen mit Kollegen aus Marburg, den Niederlanden und Russland entdeckt und so als Schwachstelle identifziert.

Denn dieser Bestandteil ist laut der Forschergruppe essentiell für die Vervielfältigung von Coronaviren. Kann "NiRAN" blockiert werden, etwa mit Medikamenten, die genau auf diesen Baustein zielen, dann könnte das Virus theoretisch auch keine Kopien mehr von sich erstellen.

Fund ebnet Weg zu antiviralen Medikamenten

Laut dem Gießener Virologen John Ziebuhr wäre es nun möglich, neue antivirale Medikamente zu entwickeln, die eben genau auf "NiRAN" zielen. Damit könnten in Zukunft endlich wirksame Mittel entwickelt werden, die die Virusausbreitung im Körper sozusagen im Keim ersticken. Bisher sind nur Behandlungen möglich, die, mehr oder weniger gut, gegen die Symptome zielen. Bekämpft werden kann ein Coronavirus bisher nur durch den eigenen Körper. Und der kann zwar durch Impfstoffe und zumindest in gewissem Maße durch bereits überstandene Covid-19-Erkrankung Antikörper bilden. Jedoch besteht dabei immer die Gefahr, dass das Virus mutiert und körpereigene Antikörper nicht mehr oder nicht mehr gut genug greifen. Befürchtet wird das derzeit etwa bei den aus Südafrika und Brasilien bekannten Mutationen, die auch bereits Genesene offenbar wieder infizieren können. Mehr dazu: Neue Coronavirus-Varianten: Die Impfstoffe wirken – zumindest großteils.

Ein Impfschutz ist in der Regel umfassender – doch auch der könnte theoretisch bei zu vielen Mutationen irgendwann versagen, das Vakzin müsste neu angepasst werden. Und: Bei einer Impfung muss sich der Immunschutz erst aufbauen

Ein Medikament dagegen, das an einer für das Virus essentiellen Stelle angreift und diese blockiert, könnte weitere Therapieoptionen bieten und infizierte Menschen vor einem Ausbruch einer durch ein Coronavirus ausgelösten Krankheit schützen. So ein Mittel wäre zudem im besten Falle sofort wirksam..

Bis das soweit ist, wird aber noch viel Forschungsarbeit notwendig sein. Als Wegebnende Erkenntnis können wir die Entdeckung der Gießener Forschergruppe aber sicherlich sehen.

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Studie:

Slanina, Ziebuhr, et al: (PNAS, 2021): Coronavirus replication–transcription complex: Vital and selective NMPylation of a conserved site in nsp9 by the NiRAN-RdRp subunit

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