Aktualisiert: 26.01.2021 - 16:49

Weg mit dem Würgereflex Gurgeln statt Abstrich: Wie zuverlässig ist der angenehmere Corona-Test?

Statt Abstrich: So funktioniert der Corona-Gurgeltest

Statt Abstrich: So funktioniert der Corona-Gurgeltest

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In dieser Sache sind sich wohl alle, die bereits einen Corona-Test über sich ergehen lassen mussten, einig: Egal ob im Rachen oder der Nase – der Abstrich ist höchst unangenehm. In Wien und mittlerweile auch seit einiger Zeit in Köln werden stattdessen Gurgeltests eingesetzt – insbesondere bei Kindern. Aber sind die genauso zuverlässig? Mediziner waren schon vor Monaten skeptisch. Was hat sich getan?

Ein gemeiner Schmerz in der Nase, ein Würgereflex im Rachen: Corona-Tests sind sicherlich kein Zuckerschlecken. Doch das tiefe Eindringen mit dem Tupfer ist wichtig, um das eventuell vorhandene Virus aufzunehmen. Angenehmer gestaltet sich da eine Alternative, die in diversen Teststationen und bei Hausärzten, insbesondere rund um Köln, angeboten wird: der Corona-Gurgeltest. Was die Zuverlässigkeit angeht, scheiden sich aber die Geister.

Der Corona-Gurgeltest: So funktioniert die angenehmere Alternative

Beim Gurgeltest wird mit einer Flüssigkeit gegurgelt: Wer getestet wird, bekommt diese Flüssigkeit in einem kleinen Becher, nimmt sie in den Mund, legt den Kopf leicht in den Nacken, gurgelt einige Sekunden – und spuckt die Lösung dann wieder in den Becher. Ausgewertet wird dann nach dem gängigen PCR-Verfahren, das auch beim regulären Abstrich-Test angewandt wird. Die Probe wird also in ein Labor geschickt, und nach rund ein paar Tagen bekommen Getestete das Ergebnis.

Schneller ist so ein Gurgeltest also – bisher – nicht. Dafür angenehmer. Zudem wird kein geschultes Fachpersonal benötigt, das die Probe entnehmen muss. Theoretisch lassen sich solche Tests sogar zu Hause anwenden, mithilfe einer guten Anleitung. Dann muss die Probe nur zum Labor geschickt oder dem Hausarzt vorbeigebracht werden. Ein Verfahren also, das doch irgendwie schneller geht – schließlich entfällt das Anstehen am Testzentrum. Damit sinkt auch die Ansteckungsgefahr, der man in der Schlange ausgesetzt sein könnte. Ein Verfahren, das Ressourcen spart – schließlich braucht es keine Schutzkleidung für zusätzliches Personal. Und ein Verfahren, das insbesondere für Kinder und ältere Menschen – und wenn wir ganz ehrlich sind, irgendwie auch für uns alle angenehmer ist.

Zuverlässigkeit – laut Studienlage hoch genug, aber...?

Ein großes Aber bleibt aber: Ist der Gurgeltest genauso zuverlässig wie der normale PCR-Test via Rachen-/Nasenabstrich?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt den Gurgeltest bereits in der Leitlinie zur Diagnostik von Sars-CoV-2. In Österreich kommt er regelmäßig zum Einsatz. Und in Deutschland ist Köln Vorreiter. Bei Probenvergleichen sei kein Unterschied zu Abstrich-Tests festgestellt worden.

Dennoch nennt das Robert-Koch-Institut (RKI) die Gurgelprobe noch mit Vorsicht. Auf der RKI-Website heißt es, dass wenige Veröffentlichung auf eine mit Nasen-Rachen-Abstrichen vergleichbare Sensitivität der PCR hindeuten würden. Doch einen Punkt geben sie zu bedenken: Es könne je nach Spülvolumen und Spültechnik zu Verdünnungseffekten kommen.

Viren finden sich definitiv im Rachenspülwasser, bestätigt Medizinerin

Mariam Klouche, Präsidiumsmitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, benennt genau dies dem Spiegel gegenüber als das große Problem bei der bisherigen Studienlage. "Man kann die Studien teilweise nicht miteinander vergleichen, da die Probenentnahme oft sehr unterschiedlich durchgeführt wurde", sagt sie. Denn da gebe es durchaus Unterschiede, etwa ließen einige Studieninitiatoren die Teilnehmer mit Kochsalzlösung gurgeln, andere wiederum mit speziellen Wasserlösungen, wieder andere mit Mundwasser – oder es würde gar nur eine Speichelprobe herangezogen. Dabei variiere auch die Menge – zwischen zwei und 40 Millilitern.

Trotzdem hält die Medizinerin die Gurgeltest-Variante für durchaus vielversprechend, denn trotz der Unterschiede konnten in der Probenentnahme signifikante Mengen an Coronaviren im Rachenspülwasser entdeckt werden, "da sie sich besonders auch in den Speicheldrüsen und der Mundschleimhaut anreichern", erklärt sie. "Einige zeigen sogar, dass die Ergebnisse zu 100 Prozent mit denen aus Rachenabstrichen übereinstimmen." Zudem könne man so sogar Antikörper gegen Sars-CoV-2 nachweisen. "Man kann damit also per PCR untersuchen, ob jemand aktuell infiziert ist – und in der gleichen Probe nachschauen, ob jemand Antikörper hat und somit in jüngerer Vergangenheit mit dem Virus in Kontakt gekommen ist", so Klouche.

Problem Verdünnungseffekt?

Dass es bei unterschiedlichen Mengen an Gurgellösung zu Verdünnungseffekten kommen kann, schließt auch PD Dr. Andreas Ambrosch, der Teil einer Arbeitsgruppe zur Coronavirus-Diagnostik der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin e.V. (DGKL) ist, nicht aus. "Aber die Verdünnung ist in der Regel nicht so stark, dass ein positiver Test negativ wird", erklärt er der Apotheken-Umschau. "Dennoch gibt es natürlich Menschen, die eine SARS-CoV-2-Infektion haben und bei denen nur so wenig Virus im Rachen ist, dass der Test wegen der zusätzlichen Verdünnung durch die Gurgellösung nicht mehr anschlägt. Aber wir gehen davon aus, dass diese Menschen dann so wenig ansteckend sind, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass sie andere infizieren." Bei Grippe oder anderen Infektionskrankheiten seien Gurgeltests in Kliniken durchaus schon etabliert.

Labore müssen neue Tests erst selbst validieren

In Deutschland müssen medizinische Labore die Gurgeltests allerdings erst validieren, also mit Abstrich-Tests vergleichen, bevor sie sie analysieren können. Dazu müssen von Testpersonen sowohl Gurgellösung als auch ein Abstrich eingereicht und diese dann verglichen werden. Das muss aber jedes Labor selbst durchführen. Und das ist wohl der Knackpunkt: Die Labors in Deutschland sind so ausgelastet, dass wohl kaum Zeit bleibt, Neues auszutesten – zumal in diesem Fall das Verfahren nicht einmal vom RKI empfohlen ist. Hinzu käme ein neuer, zusätzlicher Arbeitsablauf. Verglichen dazu ist der Ablauf beim Auswerten von Abstrich-Proben in den Labors bereits etabliert.

Hausärzte können Gurgelproben über Krankenkassen abrechnen

Für Hausarztpraxen sei das Ganze aber durchaus jetzt schon eine Möglichkeit, stellt der Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen (GKV) klar: Zwar seien für den breiteren Einsatz weitere Studien nötig, doch auch ohne Standardverfahren zu sein, könnten Arztpraxen die Probenentnahme per Spülung abrechnen. Nur braucht es eben ein Labor, das die Probe dann auch testet.

Kürzlich brachte Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, Gurgeltests sogar als mögliche neue Schnelltests auf das Coronavirus ins Gespräch – zusammen mit Speicheltests. Inwiefern das funktionieren wird, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Bald Schnelltests im Handel – aber wie funktionieren die eigentlich?. Möglich wäre aber auch eine Kombination: Ein Speicheltest als Schnelltest und, falls dieser positiv ist, ein Gurgeltest zum Einschicken für die PCR-Auswertung.

Bis dahin heißt es erst einmal wohl noch: Corona-Test: Damit müssen Sie beim Nasenabstrich rechnen

Hier finden Sie die aktuellen Hinweise zur Testung von Patienten auf Infektion mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 vom RKI.

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