Aktualisiert: 25.02.2021 - 09:18

Endlich zugelassen Corona-Schnelltests im Handel – aber wie funktionieren die eigentlich?

Bisher dürfen Antigen-Schnelltests, die innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis anzeigen, nur von geschultem Personal durchgeführt werden. Das soll sich bald ändern – auch mit neuartigen Schnelltests, die über Speichel funktionieren oder bei denen gegurgelt wird.

Foto: Getty Images/Jackyenjoyphotography

Bisher dürfen Antigen-Schnelltests, die innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis anzeigen, nur von geschultem Personal durchgeführt werden. Das soll sich bald ändern – auch mit neuartigen Schnelltests, die über Speichel funktionieren oder bei denen gegurgelt wird.

Anfang Februar ist eine neue Corona-Verordnung in Kraft getreten: Corona-Schnelltests dürfen jetzt auch für zu Hause erworben werden. Es haperte nur noch an der Zulassung, die jetzt erfolgt ist. Welche das genau sind, wie sie funktionieren, ab wann man sie kaufen kann – und ob sie uns überhaupt auf dem Weg aus der Pandemie unterstützen können:

Neben den genauen PCR-Tests gibt es mittlerweile an vielen Orten Corona-Schnelltests, sogenannte Antigen-Tests. Die sind nicht ganz so genau, liefern aber schon nach wenigen Minuten ein Ergebnis, auf dem dann das weitere Verhalten aufbaut, d.h. es kann zum Beispiel das zuständige Gesundheitsamt kontaktiert und ein PCR-Test gemacht werden.

Die meisten dieser Corona-Schnelltests funktionieren, wie PCR-Tests auch, mit Abstrichen via Tupfer. Diesen Abstrich sollten bisher nur geschultes Personal im Testzentrum, Ärzte oder auch Apotheker vornehmen. Jetzt hat das Bundesgesundheitsministerium die Medizinprodukte-Abgabeverordnung angepasst: Corona-Schnelltests dürfen nun auch für den Selbsttest zu Hause erworben werden. Und jetzt sind auch endlich erste Zulassungen da. Hersteller haben nun also die Genehmigung, ihre Tests auch im Handel verkaufen zu dürfen. Drei Stück kommen nun in Deutschland auf den Markt.

Antigen-Schnelltests für Privatpersonen: Abgabebeschränkung gelockert

Die Antigen-Schnelltests, die sich bislang auf dem Markt befanden, eignen sich in ihrer eigentlichen Form nicht zur Abgabe an Privatbürger. Erstens werden sie in der Regel in Großpackungen vom Hersteller angeboten. Zweitens, und das ist der Hauptgrund, muss die Durchführung eigentlich durch geschultes Personal stattfinden, damit der Test so aussagekräftig wie möglich ist. Bei Anwendungsfehlern können nämlich sehr leicht falsche Ergebnisse auftreten – insbesondere besteht hier das Risiko, dass der Abstrich zu weit vorne in Nase oder Rachen gemacht und entsprechend nicht genug Virusmaterial aufgenommen wird. Eine vorhandene Infektion wird dann möglicherweise nicht erkannt.

Doch jetzt gibt es Neuigkeiten. Nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schon Anfang Februar die bisherige Abgabebeschränkung aufgehoben hat, mangelte es noch an der Zulassung von Tests, die problemlos von Laien durchgeführt werden können. "Tests zur Eigenanwendung durch Laien werden perspektivisch eine entscheidende Rolle bei der Eindämmung der Pandemie spielen. Darüber hinaus erscheinen Tests zur Eigenanwendung dort sinnvoll, wo eben kein professioneller Anwender vorhanden ist", so die Begründung des Ministeriums im Vorfeld. Man brauche mehr epidemiologisches Testen, nicht nur diagnostisches, sagte im Zuge dessen auch der Apothekerverband Rheinland gegenüber RP-Online. Auch andere gesellten sich in diesen Ruf nach Schnelltests mit ein, etwa Karl Lauterbach, der sie als einen großen Teil der weiteren Strategie sieht und vehement Schnelltests für Schulen fordert.

Neuartige Tests sind leichter anzuwenden: Nasenabstrich weiter vorne

Die ersten drei Tests, die nun voraussichtlich in den kommenden Tagen in Drogerien und Supermärkten zu finden sein werden, sind Abstrich-Tests, die aber mit einem Abstrich im vorderen Nasenbereich funktionieren. Das heißt, das Teststäbchen muss nicht wie beim PCR-Test tief in die Nase geschoben werden. Alle basieren auf dem Antigen-Schema. Sie weisen also nicht das Virus selbst nach, sondern Proteine, die auf dessen Oberfläche sitzen, die Antigene.

Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, sieht ebenfalls Tests bei Laien. Studien würden belegen, dass auch Laien gute Testergebnisse erzielen, erklärte er im Vorfeld. Er weist damit etwa auf eine Studie der Charité hin, bei der Laien mit einem Selbsttest 29 von 39 Infizierten erkennen konnten, während Fachpersonal 31 von 39 Infizierten entdeckt hat. Getestet wurde mit einem solchen Test, wie er nun in den Handeln kommen soll. Hierbei wird der Tupfer im vorderen Nasenbereich für 15 Sekunden lang kreisend über die Naseninnenwände gestrichen – nur etwa zwei bis drei Zentimeter tief in der Nase.

Das weitere Vorgehen nach positivem Antigen-Schnelltest solle dabei bestehen bleiben: "Bei einem positiven Test wird man das Ergebnis per PCR-Test bestätigen", so Preis. Denn PCR-Tests seien noch immer die treffsichersten bei der Diagnose.

Und das ist wichtig: Sollten Sie einen Antigen-Schnelltests machen und dieser zeigt sich positiv, schränken Sie bitte Ihre Kontakte ein und lassen Sie sich einen Termin für einen PCR-Test in einem Testzentrum oder einer Tests anbietenden Arztpraxis geben!

Ebenso dringlich mahnt das RKI, dass "ein negatives Testergebnis (...) eine Sars-CoV-2-Infektion nicht" ausschließe. Weil die Aussagekraft des Tests zeitlich sehr begrenzt ist, sei es "durchaus möglich, dass eine infizierte Person, die ein negatives Antigentestergebnis erhält, bereits am darauffolgenden Tag (bei gestiegener Viruslast im Nasen-Rachenraum) ein positives Ergebnis bekommt". Auch ein negativer Test dürfe daher nicht als eine Art Freifahrtschein angesehen werden, die geltenden Abstands- und Hygieneregeln zu missachten. Trotz Antigen-Schnelltests müssen alle anderen Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung weiter beibehalten werden!

Daran wird gearbeitet: Tests mit Speichel – oder zum Gurgeln?

Es befinden sich auch neuartige Tests in der Entwickung, die einfacher angewendet werden können. Zukünftig sollen etwa Tests verfügbar sein, für die nur etwas Speichel notwendig ist. Auch Gurgeltests, die bisher eher in der PCR-Testung verwendet werden, könnten bald kommen. Damit sei das Handling laut Preis noch einfacher.

Spucktests: So funktionieren die Speicheltests

Corona-Speicheltests sind derzeit in der Entwicklung. Aus Frankreich wird über den Speicheltest "EasyCov" berichtet, der innerhalb einer Dreiviertelstunde ein Ergebnis liefern soll und von der Entwicklerfirma "Firalis" bereits produziert wird. So geht's:

  • Ein Röhrchen wird für 45 Minuten unter der Zunge platziert. Dieses entnimmt dabei Speichel.
  • Nach rund 45 Minuten kann man dann das Ergebnis ablesen: Gelb steht für Corona-positiv, orange steht für Corona-negativ.

Gurgeltests: In Wien bereits im Einsatz

Währenddessen werden in Wien bereits Gurgeltests verwendet, die bisher aber nicht als Schnelltest funktionieren. So geht's:

  • Man gurgelt etwa eine Minute lang mit einer speziellen Lösung. Dabei werden – wenn infiziert – Viren und infizierte menschliche Zellen von der Rachenwand getrennt.
  • Die Lösung wird dann in ein Röhrchen gespuckt.

Der Nachteil dabei: Die Auswertung erfolgt wie bei einem üblichen PCR-Test. Es dauert also einige Tage, bis das Testergebnis da ist. Es wird aber auch an Gurgel-Schnelltests gearbeitet.

Problem falsche Testergebnisse: Was ist mit der Fehlerquote?

Ein Problem bei der ganzen Sache war bisher immer die Ungenauigkeit. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und das Robert-Koch-Institut (RKI) haben daher Mindestkriterien für Schnelltests festgelegt. Antigentests müssen mindestens eine Sensitivität von 80 Prozent oder mehr und eine Spezifizität von über 97 Prozent aufweisen.

Sensitivität: Hat ein Test eine Sensitivität von 80 Prozent, so werden von 100 Corona-positiven Menschen 20 nicht erkannt. Das ist ein Problem, denn sie glauben dann, nicht infiziert und damit auch nicht ansteckend zu sein. Je höher also die Sensitivität ist, desto besser, und auch via Schnelltest negativ getestete Menschen müssen weiterhin auf Abstand, Maske und Co achten. Schließlich können sie sich ja auch direkt im Anschluss infizieren.

Spezifität: Die Spezifität wiederum gibt an, wie viele nicht infizierte Menschen auch wirklich vom Test als nicht infiziert erkannt werden.

Schnelltests : Ab wann sind sie denn nun im Handel?

Einfach handzuhabende Tests können dem Apothekerverband zufolge die Maßnahmen sinnvoll unterstützen und insbesondere auch vulnerable Gruppen schützen sowie die Pandemiesituation entspannen. "Damit können auch Privatverbraucher sich regelmäßig testen und etwa ihre älteren Angehörigen besser schützen. Auch in Unternehmen und Schulen ist der Einsatz denkbar. So stärken wir die Eigenverantwortung und können schneller aus dem Lockdown kommen."

Spahn sieht das in seinem Verordnungsentwurf ähnlich: "Neue, hoch-qualitative Antigen-Tests für den Nachweis einer Infektion mit dem Coronavirus können eine wichtige Ergänzung der diagnostischen Optionen bieten, um frühzeitig Infektionsausbrüche zu erkennen und einzudämmen." Sinnvoll wäre dies etwa auch innerhalb der kritischen Infrastruktur, also bei Unternehmen, die für die Grundversorgung zuständig sind oder in Einrichtungen. So ließen sich Infektionsausbrüche frühzeitig erkennen und eine Verbreitung verhindern.

Und jetzt sind die ersten drei Tests endlich via Sonderzulassung zugelassen. Wichtig ist dafür das CE-Label, das erst nach unabhängiger Prüfung vergeben wird und den Qualitätsstandard sichert. Sie sollen in den nächsten Tagen in den Handel kommen. Verkauft werden sie dann zuerst in Apotheken, später möglicherweise auch in Supermärkten oder Drogerien. Entsprechende Verhandlungen gibt es bereits.

Und was ist mit dem Preis?

Unterschiedliche Tests verschiedener Hersteller bringen natürlich auch eine ganz individuelle Preisgestaltung mit. Je nach Qualität wird es da sicher Unterschiede geben. Es ist aber davon auszugehen, dass die Schnelltests für zu Hause günstiger sind als die, die man derzeit in offiziellen Teststellen machen kann. Denn hier wird das Personal noch mitbezahlt.

Jens Spahn konnte zuletzt noch keine Angaben über die genaue Preisgestaltung machen. Es wird davon ausgegangen, dass ein Test für den Privathaushalt fünf bis zehn Euro kosten soll. Spahn plant aber, dass Verbraucher am Ende nur einen Euro zahlen sollen. Den Rest solle der Bund übernehmen. Wie hoch die Bezuschussung tatsächlich ausfalle, sei allerding davon abhängig, wie teuer die Tests am Ende seien. Unklar ist bisher, ob es solche 1-Euro-Schnelltests dann nur in der Apotheke geben wird.

Zu beachten: Negativer Schnelltest ist keine Garantie

Dennoch, wie oben bereits erwähnt: Auch nach dieser Freigabe bedürfen Antigen-Schnelltests einer genauen Erklärung und dienen nicht für eine finale Aussage. Das mahnt auch Preis an. Nur eine richtige Anwendung führe zu richtigen Testergebnissen. "Die Apotheken-Teams werden da wertvolle Aufklärungsarbeiten leisten." Wenn aber Tests später auch im Supermarktregal stehen, ist da niemand, der aufklären kann. Daher heißt es: Anwendungsbeschreibung genauestens lesen! Auch, wenn die Tests einfacher durchzuführen sind, sind sie doch anfällig für Fehlerquellen. Denken Sie daran: Sie machen solche Tests, um andere zu schützen.

Abstriche in Arztpraxen und auch Apotheken oder Testzentren soll es aber weiterhin geben. Man gehe auch davon aus, dass sich Menschen weiter beim Hausarzt oder in der Apotheke testen lassen werden. Denn von geschultem Personal durchgeführt, ist so ein Test mit höherer Wahrscheinlichkeit genau. Und das wiederum lässt uns dann auch unsere Angehörigen mit besserem Gewissen besuchen. Aber, und darauf weist die Bundesregierung ebenfalls hin: Ein negativer Antigen-Schnelltest ist keine Garantie dafür, dass der Proband nicht ansteckend ist.

Mehr Hintergrundinfos gibt's hier: So funktionieren Antigen-Schnelltests.

Vorsichtig sein sollten Sie bei illegal in den Handel geratenen Corona-Schneltests – zwei davon machten kurz vor Weihnachten Schlagzeilen. Sobald Schnelltests für Privatpersonen verfügbar sind, sollten Sie auf die CE-Kennung achten.

Mehr Infos rund um das Coronavirus, etwa wie die Immunreaktion gegen Sars-CoV-2 im Körper aussieht, lesen Sie auf unserer Themenseite.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe