Aktualisiert: 04.03.2021 - 09:51

Endlich zugelassen Corona-Schnelltests im Handel – aber wie funktionieren die eigentlich?

Die Antigen-Schnelltests für zu Hause kommen. Wie aber funktioniert so ein Selbsttest, wann lohnt er sich und vor allem: Was ist im Positiv-Fall zu tun und zu beachten?

Foto: Getty Images/Jackyenjoyphotography

Die Antigen-Schnelltests für zu Hause kommen. Wie aber funktioniert so ein Selbsttest, wann lohnt er sich und vor allem: Was ist im Positiv-Fall zu tun und zu beachten?

Corona-Schnelltests dürfen jetzt auch für zu Hause erworben werden – und kommen in Apotheken, Drogerien und demnächst sogar Discountern in den Handel. Sie sind leichter handzuhaben als klassische Schnelltests, doch es gibt ein paar Dinge zu beachten. Wie sie funktionieren und was danach wichtig ist.

Eine neue Corona-Teststrategie rollt an. Neben den sehr genauen PCR-Tests gibt es auch Corona-Schnelltests, sogenannte Antigen-Tests. Die sind nicht ganz so genau, liefern aber schon nach wenigen Minuten ein Ergebnis, auf dem dann das weitere Verhalten aufbaut, d.h. es kann zum Beispiel das zuständige Gesundheitsamt kontaktiert und ein PCR-Test gemacht werden. Jetzt kommen sogar Schnelltests für zu Hause in den Handel, die Privatpersonen die Möglichkeit geben, sich etwa vor Treffen mit vulnerablen Personen ein wenig mehr Sicherheit zu verschaffen. Damit soll die nun kommende Corona-Teststrategie ergänzt werden.

Die Corona-Selbsttests funktionieren etwas anders als die bisherigen Schnelltests und PCR-Tests, die von Profis durchgeführt werden sollten. Beide müssen eigentlich tief in die Nase oder den Rachen eingeführt werden. Das wird bei den Tests für zu Hause glücklicherweise vereinfacht. Und doch gibt es ein paar Dinge zu beachten.

Corona-Selbsttest anwenden: So geht’s!
Corona-Selbsttest anwenden: So geht’s!

Antigen-Schnelltests für Privatpersonen: So funktionieren Corona-Selbsttests

Die neuen Schnelltests, die in Apotheken, Drogerien und sogar Supermärkten und Discountern erhältlich sein sollen, sind in der Anwendung viel einfacher. So können Anwendungsfehler und damit falsche Ergebnisse eher vermieden werden.

Diese ersten erhältlichen Tests sind Abstrich-Tests, die aber mit einem Abstrich im vorderen Nasenbereich funktionieren. Das heißt, das Teststäbchen muss nicht wie beim PCR-Test tief in die Nase geschoben werden. Man nennt sie daher auch "Nasenbohrer-Tests". Alle basieren auf dem Antigen-Schema. Sie weisen also nicht das Virus selbst nach, sondern Proteine, die auf dessen Oberfläche sitzen, die Antigene.

"Nasenbohrer-Test": So funktioniert's

Jeder Test kommt in Kombination mit einem sterilen Tupfer, einem Röhrchen mit einer Testflüssigkeit und einem Teststreifen. Und so gehen Sie vor:

  1. Hände gründlich waschen und auf eine saubere Umgebung achten.
  2. Tupfer aus der Packung nehmen und etwa 2-4 cm tief in die Nase stecken. Dort etwa 15 Sekunden lang an der Nasenwand entlangkreisen lassen.
  3. Dieselbe Prozedur im anderen Nasenloch wiederholen.
  4. Flüssigkeitsröhrchen öffnen und Tupfer mit dem Abstrich in die Flüssigkeit geben. Mehrere Sekunden rühren und an Boden und Röhrchenwand entlangstreifen. Tupfer entnehmen und Röhrchen mit der Tropfkappe verschließen.
  5. Nun ein paar Tropfen der Probe auf den beiliegenden Teststreifen tröpfeln.
  6. Nach 10-15 Sekunden wird das Ergebnis angezeigt:
    1 Strich bei "C" = negativ
    2 Striche bei "C" und "T" = positiv
    1 Strich bei "T" = Testergebnis ungültig – bitte wiederholen.

Bitte beachten Sie: Ist das Testergebnis positiv, müssen Sie es auf jeden Fall durch einen PCR-Test bestätigen lassen. Isolieren Sie sich bitte nach dem positiven Selbsttest und vereinbaren Sie telefonisch oder über das Internet einen PCR-Testtermin bei einem Arzt oder in einem Testzentrum. Informieren Sie außerdem alle Ihre Ihnen bekannten Kontakte der vergangenen Tage.

Hier muss jede*r Bürger*in eigenverantwortlich handeln. Denn positive Testergebnisse werden erst dem Gesundheitsamt gemeldet, wenn ein positiver PCR-Test vorliegt. Jede*r sollte hier aber im Kopf behalten, dass mit Nichtmelden weitere Infektionsketten auftreten können. Corona-Selbsttests sind dafür gedacht, solche Infektionsketten schneller zu unterbrechen und im Alltag mehr Sicherheit zu bieten.

Vorsicht: Corona-Schnelltests sind nur eine Momentaufnahme!

Damit das funktioniert, muss aber auch jedem bewusst sein, dass ein Antigen-Schnelltest 1. nie hundertprozentig ausschließen kann, dass jemand ansteckend ist und 2. es sich immer nur um eine Aufnahme des Moments handelt. Es kann durchaus sein, dass Getestete bereits infiziert sind, aber noch nicht viel Viruslast in der Nase haben, so dass der Test anschlägt. Das heißt: Für den Moment sind sie zwar wahrscheinlich nicht ansteckend, können es aber ein, zwei Tage später durchaus sein.

Daher sollten solche Selbsttests insbesondere kurz vor Treffen etwa mit vulnerablen Personen zum Einsatz kommen. Wer etwa die Großeltern besuchen will, sollte kurz vorher einen Test machen und nur hinfahren, wenn dieser negativ ist. Außerdem sollte beim Treffen selbst trotzdem auf Hygienemaßnahmen wie Maske, genügend Abstand und Lüften von Räumen sowie Händewaschen gelegt werden.

Das Robert-Koch-Institut betont: Auch ein negativer Test dürfe nicht als eine Art Freifahrtschein angesehen werden, die geltenden Abstands- und Hygieneregeln zu missachten. Trotz Antigen-Schnelltests müssen alle anderen Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung weiter beibehalten werden!

Daran wird gearbeitet: Tests mit Speichel – oder zum Gurgeln?

Es befinden sich auch weitere Tests in der Entwickung, die einfacher angewendet werden können. Zukünftig sollen etwa Tests verfügbar sein, für die nur etwas Speichel notwendig ist. Auch Gurgeltests, die bisher eher in der PCR-Testung verwendet werden, könnten bald kommen. So soll das Handling noch einfacher sein.

Spucktests: Einfach in ein Röhrchen spucken

Spucktests könnten schon bald die "Nasenbohrer-Tests" ergänzen. Auch sie sind einfacher in der Handhabung. Hier wird in ein Röhrchen mit einer Flüssigkeit gespuckt, die dann ebenfalls auf einen Teststreifen aufgeträufelt wird. Das Ablesen des Teststreifens funktioniert dann wie oben beschrieben – und das weitere Vorgehen bei positivem Testergebnis selbstverständlich ebenso.

So funktionieren die Speicheltests

Corona-Speicheltests sind derzeit in der Entwicklung. Aus Frankreich wird über den Speicheltest "EasyCov" berichtet, der innerhalb einer Dreiviertelstunde ein Ergebnis liefern soll und von der Entwicklerfirma "Firalis" bereits produziert wird. So geht's:

  • Ein Röhrchen wird für 45 Minuten unter der Zunge platziert. Dieses entnimmt dabei Speichel.
  • Nach rund 45 Minuten kann man dann das Ergebnis ablesen: Gelb steht für Corona-positiv, orange steht für Corona-negativ.

Gurgeltests: In Wien als PCR-Version bereits im Einsatz

Währenddessen werden in Wien bereits Gurgeltests verwendet, die bisher aber nicht als Schnelltest funktionieren. Es wird aber an solchen Schnelltests gearbeitet. So geht's:

  • Man gurgelt etwa eine Minute lang mit einer speziellen Lösung. Dabei werden – wenn infiziert – Viren und infizierte menschliche Zellen von der Rachenwand getrennt. Wichtig dabei: Es sollte sich keine andere Person im Raum befinden, da beim Gurgeln vermehrt Aerosole in der Umgebung landen können.
  • Die Lösung wird dann in ein Röhrchen gespuckt, dessen Inhalt wiederum auf einem Teststreifen landet.

Problem falsche Testergebnisse: Was ist mit der Fehlerquote?

Ein Problem bei Antigen-Schnelltests war bisher immer die Ungenauigkeit. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und das Robert-Koch-Institut (RKI) haben daher Mindestkriterien für Schnelltests festgelegt. Antigentests müssen mindestens eine Sensitivität von 80 Prozent oder mehr und eine Spezifizität von über 97 Prozent aufweisen.

Sensitivität: Hat ein Test eine Sensitivität von 80 Prozent, so werden von 100 Corona-positiven Menschen 20 nicht erkannt. Das ist ein Problem, denn sie glauben dann, nicht infiziert und damit auch nicht ansteckend zu sein. Je höher also die Sensitivität ist, desto besser, und auch via Schnelltest negativ getestete Menschen müssen weiterhin auf Abstand, Maske und Co achten. Schließlich können sie sich ja auch direkt im Anschluss infizieren.

Spezifität: Die Spezifität wiederum gibt an, wie viele nicht infizierte Menschen auch wirklich vom Test als nicht infiziert erkannt werden.

Zum Abschluss: Schnelltests können PCR-Tests nicht ersetzen – aber ergänzen

Die Antigen-Schnelltests, insbesondere die für zu Hause bieten also eine Momentaufnahme über die eigene, aktuelle Infektiösität. Damit sind sie nie gänzlich genau, da Getestete durchaus infiziert sein können, aufgrund noch geringer Viruslast aber im Testmoment noch nicht ansteckend sind. Sie bieten damit lediglich eine gute Unterstützung zur Pandemieeindämmung, wenn sie kurz vor dem Kontakt mit anderen Menschen gemacht werden. Auf andere Maßnahmen wie Maske, Abstand, Lüften und Händewaschen ist trotzdem zu achten!

Außerdem gilt: Anwendungsbeschreibung genauestens lesen! Auch, wenn die Tests einfacher durchzuführen sind, sind sie doch anfällig für Fehlerquellen.

Und bei positivem Ergebnis bitte isolieren und Termin zum PCR-Test machen.

Denken Sie daran: Sie machen solche Tests, um andere zu schützen.

Mehr Hintergrundinfos gibt's hier: So funktionieren Antigen-Schnelltests. Die Schnelltests wird es wie erwähnt neben Apotheken auch in Discountern und Drogerien geben – zu günstigen Preisen. Doch es sollen auch vergünstigte Schnelltests verteilt werden. Für die Teststrategie mit Tests vor Geschäften etwa sollen voraussichtlich kostenlose Schnelltests bereitgestellt werden.

Vorsichtig sein sollten Sie bei illegal in den Handel geratenen Corona-Schneltests – zwei davon machten kurz vor Weihnachten Schlagzeilen. Bei den im Handel verfügbaren Schnelltests sollten Sie auf die CE-Kennung achten. Nur so können Sie sicher sein, dass die Tests in Deutschland geprüft und zugelassen worden sind.

Mehr Infos rund um das Coronavirus, etwa wie die Immunreaktion gegen Sars-CoV-2 im Körper aussieht, lesen Sie auf unserer Themenseite.

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