Aktualisiert: 24.01.2021 - 21:28

Bei Symptomen bitte Notarzt kontaktieren! Schlaganfälle: Sterberate höher als sonst – wegen Corona-Angst

Vorsicht, Zeit läuft! Schlaganfall schnell erkennen

Vorsicht, Zeit läuft! Schlaganfall schnell erkennen

Bei einem Schlaganfall zählt jede Sekunde. Auf welche Anzeichen man achten sollte und was im Verdachtsfall genau zu tun ist, im Video!

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Bei Verdacht auf Schlaganfall zählt jede Minute: Frühzeitig behandelt, besteht Chance auf Heilung. Doch während der ersten Corona-Welle im Frühjahr sind deutlich mehr Menschen an Schlaganfällen verstorben als sonst – weil zu spät oder gar nicht der Notarzt gerufen worden ist. Mediziner appellieren daher: Bei Verdacht keine Angst – und Notruf wählen!

Wird ein Schlaganfall früh behandelt, lässt sich oft Schlimmeres verhindern. Dabei geht es aber um wertvolle Minuten. Diese Minuten sind offenbar während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 nicht immer genutzt worden: Im Vergleich zu Vorjahreszeiträumen sind laut einer bundesweiten Erhebung zur Schlaganfallversorgung mehr Menschen an Schlaganfällen gestorben als sonst. Denn aus Angst vor einer Infektion mit Covid-19 ist oft zu spät oder sogar gar nicht erst der Notarzt gerufen worden.

Kein Notarzt aus Corona-Angst: Mehr Menschen an Schlaganfall verstorben

Laut der Analyse, die kürzlich in der Fachzeitschrift "Stroke" veröffentlicht wurde, sind zwischen 16. März und 15. Mai 2020 weniger Menschen mit Zeichen eines akuten ischämischen Schlaganfalls aufgenommen worden – ein Rückgang von 18,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Schon bevor die Pandemie voll in Gang gekommen ist, das Coronavirus aber bereits bekannt war, sei ein Rückgang um 17,4 Prozent zu verzeichnen gewesen – genauer zwischen 16. Januar und 15. März 2020. Rückgänge der Krankenhausaufnahmen entdeckten die Autoren der Erhebung zudem bei Vorboten von Schlaganfällen sowie Hirnblutungen.

Die Sterblichkeit von Patienten mit ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfällen sei in den Krankenhäusern zeitgleich deutlich gestiegen. Der Grund: Viele Patienten seien zu spät eingeliefert worden, um noch medikamentös behandelt werden zu können. Es habe mehr Patienten mit schweren Symptomen und damit auch mit schlechterer Prognose gegeben. Dabei sei die Akutversorgung ebenso gut gewesen wie vor der Pandemiezeit.

Das Zeitfenster bei Schlaganfall ist kurz

"Offensichtlich war das Zeitfenster für die medikamentöse Lysetherapie in vielen Fällen abgelaufen, sodass nur noch der interventionelle Eingriff als Therapieoption blieb", erklärt Professor Dr. Christos Krogias in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) zur Analyse. Er ist Co-Autor der Studie.

Eine Akutversorgung sei in Deutschland während der ersten Pandemiephase ohne jegliche Einbußen möglich gewesen, betont der Neurologe. "Allerdings können wir nur helfen, wenn Patienten mit Schlaganfallsymptomen nicht zögern, sondern umgehend den Notruf 112 anrufen."

Appell an Bevölkerung: Bei Notfall Notarzt kontaktieren!

Auch der DGN-Generalsekretär Prof. Dr. Peter Berlit appelliert erneut an die Bevölkerung: Zögern Sie bei Schlaganfallsymptomen nicht und kontaktieren Sie umgehend den Notarzt! Frühe Symptome zu ignorieren könne fatale Folgen haben. "Aus Sorge vor einer möglichen Ansteckung mit Corona davon abzusehen, kann womöglich das Leben kosten", warnt er.

Auch der Vorsitzende der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft (DSG), Prof. Dr. Helmuth Steinmetz macht in einer Pressemitteilung nun erneut deutlich: "Ein Schlaganfall ist immer – auch in Corona-Hochphasen und während eines Lockdowns – ein medizinischer Notfall, der der sofortigen Behandlung bedarf."

Notruf! So reagiert man richtig
Notruf! So reagiert man richtig

Ähnliche Appelle gab es bereits in der ersten Welle der Pandemie – auch bei Herzinfarkt-Symptomen: Trotz Corona-Angst: Bei Herzinfarkt und Co ins Krankenhaus!

Diese Symptome weisen auf Schlaganfall hin – und erfordern schnellste Reaktion!

Erkennen Sie bei sich oder bei Ihrem Gegenüber Symptome wie Seh-, Sprach, Gefühls- oder Gleichgewichtsstörungen, plötzliche halbseitige Lähmungen oder pelzige und kribbelige Taubheitsgefühle in den Gliedmaßen oder im Gesicht, seien Sie wachsam. Insbesondere einseitig herabhängende Mundwinkel sind ein Alarmsignal. Der sogenannte FAST-Test hilft, zu erkennen, ob es sich um Schlaganfall-Anzeichen und damit einen Notfall handelt.

FAST steht für:

  1. Face: Bitten Sie die Person um ein Lächeln. Hängt ein Mundwinkel nach unten, liegt Gesichtslähmung vor.
  2. Arms: Bitten Sie die Person, beide Arme nach vorne zu strecken, Handflächen nach oben. Liegt eine Lähmung, meist einseitig, vor, geht das nicht richtig.
  3. Speech: Die Person soll einen einfachen Satz nachsprechen. Spricht die Person ungewohnt undeutlich und hat Probleme, den Satz zu wiederholen, deutet das auf eine Sprachstörung durch Schlaganfall hin.
  4. Time: Machen diese drei Aufgaben Probleme? Keine Zeit verlieren und den Notarzt kontaktieren!

Aufmerksam darauf macht übrigens auch der Comiczeichner Ralph Ruthe mit einem wirklich guten Comicvideo, dessen Aussage Ihnen sicher im Gedächtnis bleibt: Ruthe: Lächeln Sprechen Arme Hoch (Link zum Youtube-Video) – und offenbar wirkt's und kann Leben retten. So finden sich unter dem Video zahlreiche positive Kommentare und Danksagungen: "Danke! Ich hab’s gestern noch gebraucht, als ein Mann vor mir auf dem Gehweg lag." Wir sagen: Arme hoch – und Daumen hoch!

Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie ein Herzinfarkt sowie Schlaganfälle sind IMMER lebensbedrohliche Notfälle. Auch während der Coronavirus-Pandemie werden Plätze im Krankenhaus für solche Notfälle bereitgehalten und die bestmögliche Behandlung garantiert – wenn sie schnell genug erfolgen kann!

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Studie:

Richter, Krogias et al. (Stroke, 2020): "Analysis of Nationwide Stroke Patient Care in Times of COVID-19 Pandemic in Germany"

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