Aktualisiert: 26.03.2021 - 15:15

Sicherheitsbericht des PEI Corona-Impfungen: Das sind die bisher erfassten Nebenwirkungen

Eine gewisse Zahl unerwünschter Reaktionen bringen Impfstoffe immer mit. Im Falle der Covid-Impfstoffe sind sie im Vergleich äußerst selten. Dennoch ist es wichtig, sie zu beobachten.

Foto: Getty Images/Tetra Images

Eine gewisse Zahl unerwünschter Reaktionen bringen Impfstoffe immer mit. Im Falle der Covid-Impfstoffe sind sie im Vergleich äußerst selten. Dennoch ist es wichtig, sie zu beobachten.

Im April erwartet Deutschland rund 15 Millionen Impfstoff-Dosen – mehr als bisher verimpft wurden. Langsam kommt also Fahrt auf, immer mehr Menschen lassen sich pieksen. Damit steigen aber auch Bedenken, was Nebenwirkungen angeht. Hilfreich ist da der neue Bericht des Paul-Ehrlich-Instituts über gemeldete Verdachtsfälle unerwünschter Reaktionen nach der Impfung gegen Covid-19 – mit Daten zu allen drei bisher zugelassenen Impfstoffen.

Seit dem 27. Dezember 2020 wird in Deutschland offiziell gegen das Coronavirus geimpft. Gestartet hat alles mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer, mittlerweile haben sich das Vakzin von Moderna sowie der Impfstoff von AstraZeneca hinzugesellt. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) stellt seit Impfbeginn regelmäßig Corona-Impfberichte online. So erhalten wir einen Überblick über alle verzeichneten Verdachtsfälle von Nebenwirkungen der Corona-Impfungen.

Nachgefragt - Wie funktionieren eigentlich Impfungen?
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Nebenwirkungen der Corona-Impfstoffe: PEI sammelt Hinweise

Bis einschließlich 12. März sind in Deutschland mehr als 8,8 Millionen Impfungen gegen Covid-19 durchgeführt worden. Noch immer ist der am häufigsten verabreichte Impfstoff Comirnaty von Biontech und Pfizer: 7.093.082 Impfungen gab es damit bis zum Stichtag. AstraZeneca hat mit 1.471.400 Impfungen mittlerweile Moderna mit 298.788 Impfungen überholt.

Das PEI hat in diesem Zeitraum insgesamt 19.194 Verdachtsfälle über Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen erhalten. Diese Komplikationen stehen alle in zeitlichem Zusammenhang mit den Impfungen. Insgesamt sind dabei 88,9 Prozent der unerwünschten Reaktionen als nicht schwerwiegend eingestuft worden. Dabei unterscheiden sich die Reaktionen zwischen den Impfstoffen durchaus.

Weiterhin vor allem leichte Reaktionen

Es seien insbesondere "vorübergehende Lokalreaktionen und Allgemeinreaktionen" aufgetreten, "die auch in den klinischen Prüfungen vor der Zulassung berichtet wurden", so der Bericht.

Die zehn häufigsten verzeichneten Impfstoff-Nebenwirkungen sind demnach:

  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Schüttelfrost
  • Müdigkeit
  • Grippeähnliche Symptome
  • Muskelschmerzen
  • Schmerzen an der Einstichstelle
  • Schwindel
  • Schwäche
  • Übelkeit

Fieber wird bei allen drei Impfstoffen als häufigste Nebenwirkung angegeben. Bei Biontech/Pfizer werden danach vor allem Kopfschmerzen gemeldet, bei Moderna dagegen Schmerzen an der Einstichstelle. Bei AstraZeneca treten vor allem grippeähnliche Symptome auf.

Auch geschwollene Lymphknoten unter den Armen wurden als Reaktion angegeben. Die treten meist wenige Tage nach der Impfung auf. Mediziner geben aber Entwarnung: Genau wie Schmerzen an der Einstichstelle seien Lymphknotenschwellungen generell häufige Nebenwirkungen von Impfungen aller Art. Damit zeige sich sogar, dass der Körper den Impfstoff gut aufgenommen und mit der Bildung von Antikörpern begonnen hat. Sprich: das Immunsystem reagiert – und genau das soll es ja.

Dennoch der Hinweis: Stellen Sie nach einer Impfung oder auch ohne Auslöser geschwollene Lymphknoten bei sich fest, die länger als eine Woche geschwollen bleiben, holen Sie sich besser ärztlichen Rat ein.

Häufigste Nebenwirkungsmeldungen von AstraZeneca – schwerwiegende werden seltener

Die prozentual häufigsten Meldungen zu Impfreaktionen erhält das PEI derzeit von Geimpften, die AstraZeneca erhalten haben. Insgesamt gab es pro 1000 Impfungen 5,2 gemeldete Fälle, während dies bei Biontech/Pfizer nur 1,5 waren und bei Moderna 2,5. Schwerwiegende Fälle gab es bei AstraZeneca 0,2 auf 1000 Geimpfte, ebenso wie bei Biontech/Pfizer. Bei Moderna sind 0,4 schwerwiegende Fälle pro 1000 Geimpfte verzeichnet worden. Letzteres stehe laut PEI aber unter Vorbehalt, da die Zahl aufgrund der wenigen Impfungen mit diesem Impfstoff nicht aussagekräftig genug seien im Vergleich zu den beiden anderen.

Die Symptome äußern sich bei AstraZeneca dem Bericht zufolge neben Fieber und grippeähnlichen Symptomen häufiger durch Schüttelfrost.

Jedoch weist das PEI auch darauf hin, dass dies nicht bedeutet, das Vakzin würde schlechter vertragen. Die höhere Melderate könne durchaus auch mit der erhöhten medialen Aufmerksamkeit zusammenhängen, vor allem aber mit den unterschiedlichen Altersgruppen der Geimpften. Denn Impfreaktionen treten bei Jüngeren weit eher auf als bei Älteren. Das liegt an der Beschaffenheit des Immunsystems. Man könnte sagen: Das Immunsystem reagiert bei jüngeren Menschen eher und damit heftiger. AstraZeneca wird bisher vor allem an Jüngere verimpft. Erst kürzlich wurde das Oxford-Vakzin für Ältere freigegeben.

Vor allem aufgrund der bisher in Deutschland verzeichneten 16 Hirnvenenthrombose-Fälle in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung war das Vakzin zuletzt wieder ins negative Licht gerückt. Die sehr geringe Zahl an schweren Reaktionen, die sich mit dem beliebteren Impfstoff von Biontech deckt, zeigt aber einmal mehr die Seltenheit solcher Fälle auf. Eine Thrombozytopenie, die zusammen mit der Sinusvenenthrombose auftritt, zeigte sich bis 19. März auch in 17 Fällen nach der Impfung mit Cominarty (Biontech/Pfizer). Und auch nach Moderna-Impfung gab es zwei Fälle einer Sinusvenenthrombose. Insgesamt übersteigt die beobachtete Zahl an Thrombozytopenien nicht die erwartete Anzahl, die sowieso in einem solchen Zeitraum auch ohne Impfung vorkommt. Mittlerweile weiß man zudem, wie darauf zu reagieren ist, so dass schnell gehandelt werden kann, sollte tatsächlich ein Ernstfall auftreten.

Schwere Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen sehr selten

Meldungen zu schweren Nebenwirkungen gab es zu allen drei Impfstoffen. So wurden etwa schwere allergische Reaktionen nach Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer verzeichnet.

127 Meldungen zu akuten allergischen Reaktionen, sogenannten Anaphylaxien, wurden im Zusammenhang mit allen drei Impfstoffen gemacht, davon waren jedoch nur 99 in ihren Angaben vollständig. Dabei waren 13 auf AstraZeneca entfallen, zwei auf Moderna und 84 auf Comirnaty. Bei den meisten der Anaphylaxie-Fälle habe es sich vor allem um jüngere Frauen gehandelt. Meist traten die Symptome dabei in den ersten 30 Minuten nach der Impfung ein, weshalb Allergiker:innen vor der Impfung angeben sollen, dass sie allergisch reagieren könnten. Sie werden dann verstärkt beobachtet.

PEG als Auslöser für allergische Reaktionen

Das PEI und weitere Experten vermuten hinter den Reaktionen die enthaltenen Lipidnanopartikel – kleinste Fettmoleküle, die die mRNA umhüllen –, vor allem das enthaltene Polyethylenglykol, heißt es.

Polyethylenglykol, kurz PEG, ist ein flüssiges oder festes, wasserlösliches und nichttoxisches Polymer, das in der Pharmazie auch als "Macrogol" bezeichnet wird. Es wird in großem Umfang etwa als Bindemittel bei der Herstellung von Gelatine-Kapseln oder Tabletten genutzt, kommt in Salben und Zahnpasta sowie in Kosmetik (als Emulgator) vor und findet Anwendung als Mittel zum Lösen von Verstopfungen.

Bei den Betroffenen könnte es bereits eine Sensibilisierung gegen PEG gegeben haben, durch Kosmetika oder Medikamente. PEG wird laut PEI auch als "verstecktes Allergen" bezeichnet.

PEG ist wie erwähnt in den mRNA-Impfstoffen enthalten. Die vektorbasierten Vakzine von AstraZeneca und Johnson & Johnson – letzterer steht in Deutschland kurz vor der Zulassung – enthalten diesen Stoff nicht und könnten daher für Allergiker die besser verträgliche Wahl sein.

Darum ist Transparenz zu Impf-Nebenwirkungen so wichtig

Vereinzelte Fälle von Problemen nach einer Impfung sind immer zu erwarten, die bisherigen Zahlen stehen laut PEI im Einklang mit den Informationen, die man anhand der Studien gesammelt habe. Eine transparente Berichterstattung über solche Fälle ist wichtig, denn nur so kann die Bevölkerung Vertrauen in die Impfstoffe fassen. Im Vergleich zu den Problemen, die bei einer Covid-19-Erkrankung oder im Nachgang auftreten, dem sogenannten "Long Covid", sind die bisher erfassten unerwünschten Reaktionen auf die Impfstoffe minimal.

Wichtig: Impfstoffe verbleiben nicht im Körper. Haben sie ihren Zweck erfüllt, werden sie abgebaut. Reaktionen können daher lediglich in einem kurzen Zeitraum nach der Impfung auftreten.

Dass über unerwünschte Reaktionen berichtet wird, ist nur richtig. Genauso wichtig ist es aber, zu verstehen, wie häufig und in welchem medizinischen Zusammenhang sie auftreten – und wie hoch im Vergleich das Risiko der Erkrankung ist. Und die bisherigen Daten sind bemerkenswert positiv.

Corona-Impfung - Mythen und Fake News
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Sie sind skeptisch bei der Impfung? Müssen Sie nicht – aus diesen Gründen. Insbesondere Herz-Patient*innen wird die Impfung seitens der Herzstiftung nahegelegt.

Dennoch gilt: Man ist nicht sofort nach einer Impfung immun, sondern muss den Impfschutz erst aufbauen. Im Falle der Imfpungen von Biontech und Moderna sind zwei Impfdosen dafür notwendig. Wie das funktioniert, lesen Sie im Artikel.

Schauen wir außerdem einmal darauf, wohin Impfungen uns bereits gebracht haben.

Mehr Infos rund um die Pandemie und das Coronavirus sowie zu Impfungen im Allgemeinen können Sie auf unseren Themenseiten nachlesen.

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Hier finden Sie den aktuellen Sicherheitsbericht des PEI zu den Impfstoffen gegen Covid-19: Sicherheit von Covid-19-Impfstoffen. Dort lesen Sie auch mehr über die sehr seltenen Reaktionen, die in Einzelfällen aufgetreten sind und bei denen der Zusammenhang mit den Impfstoffen nicht direkt geklärt werden kann.

Melden können Geimpfte unerwünschte Reaktionen, die nach der Impfung auftreten, über ein Web-Meldeportal oder eine App. Zudem können Ärztinnen und Ärzte im Impfzentrum oder Hausärztinnen und -ärzte solche Reaktionen melden. Hier finden Sie Meldeformulare zur Online-Meldung von Nebenwirkungen. Und hier gibt es ein allgemeines Formular zur Meldung von Nebenwirkungen, das für Impfungen, aber auch für Medikamente genutzt werden kann.

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