Aktualisiert: 22.01.2021 - 19:31

Prognose von US-Forschern Corona bald nur noch Kinderkrankheit? Wenn wir es JETZT richtig machen!

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Ermutigende Studie: Corona bald nur noch harmlose Erkältung?

Ermutigende Studie: Corona bald nur noch harmlose Erkältung?

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Eine neue US-Studie gibt Grund zur Hoffnung: Corona könnte in wenigen Jahren nur noch den Status einer harmlosen Kinderkrankheit haben.

Endlich einmal gute Corona-News! Wir müssen zwar dauerhaft mit dem neuartigen Coronavirus leben, aber bald könnte Covid-19 eine typische Kinderkrankheit sein, nicht schlimmer als eine Erkältung. Denn wenn erst einmal die meisten Menschen gegen das neuartige Coronavirus immun sind, bricht die Krankheit, wenn überhaupt, nur noch bei kleinen Kindern aus, die aber so gut wie nie ernsthaft erkranken.

Das ist das Fazit einer weltweit vielbeachteten Studie, die Forscher von der Emory University in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) nun im Fachmagazin Science veröffentlicht haben. Anders ausgedrückt, das neuartige Coronavirus würde "endemisch". So nennt man es, wenn Krankheitserreger auf niedrigem Niveau zirkulieren und nur selten schwere Krankheitsverläufe verursachen. Aus der Pandemie würde eine Endemie.

Corona bald nur noch Erkältung? Wie kommen die Forscher zur positiven Prognose?

Die Wissenschaftler sahen sich neben dem neuartigen Coronavirus, das gerade die Pandemie verursacht, die sechs weiteren, schon bekannten Arten von Coronaviren an, die bei Menschen vorkommen. In der täglichen Berichterstattung und Umgangssprache ist meist nur von "Corona" die Rede, wenn wir von der Art Coronavirus reden, die gerade für die Pandemie verantwortlich ist. Ganz genau heißt es aber neuartiges Coronavirus (wissenschaftlich: Sars-CoV-2), denn Coronaviren an sich sind schon lange bekannt. Das nutzten die Forscher für ihre Prognose, indem sie sich Daten über die anderen Arten von Coronaviren ansahen. Vier der sechs lösen normale Erkältungen / grippale Infekte aus, die zwei anderen sind das Sars- und das Mers-Virus. Wie sich Infektionsketten mit diesen Viren in der Vergangenheit entwickelt haben, soll die mögliche Entwicklung der aktuellen Pandemie vorhersagen:

  • Die vier bekannten Corona-Erkältungsviren sind endemisch und verursachen nur milde Symptome
  • Sars, das zum ersten Mal 2003 und Mers, das zum ersten Mal 2012 auftauchte, machten Menschen ernsthaft krank. Aber: Sie verbreiteten sich nicht flächendeckend.
  • Alle untersuchten Coronaviren lösten ähnliche Immunreaktionen aus. Am ähnlichsten ist das neuartige Coronavirus den harmloseren Erkältungs-Coronaviren, so die Hypothese der Wissenschaftler.

Mit den Erkältungs-Coronaviren infizieren sich Menschen normalerweise zum ersten Mal in der Kindheit, meist im Alter zwischen drei und fünf. Danach kommt es wahrscheinlich im Laufe des Lebens immer wieder zur Ansteckung mit Erkältungs-Coronaviren – die Immunität baut sich immer weiter auf. Die Menschen werden also nicht mehr krank, geben die Erkältungs-Coronaviren aber trotzdem weiter, die Erreger sind endemisch.

Hintergrund: Wie unser Immunsystem erwachsen wird

Der Grund für die mögliche nachlassende Virus-Gefahr für die Zukunft: Das neuartige Coronavirus ist im Moment so bedrohlich, weil es ein noch unbekannter Erreger für Erwachsene ist. Auf so etwas ist unser erwachsenes Immunsystem nicht vorbereitet, in der Regel haben wir uns seit unserer Kindheit mit allen möglichen zirkulierenden Viren schon mehrmals infiziert. Bei jedem Mal hat unser Immunsystem besser gelernt, wie es die Keime am besten bekämpfen kann. Dem neuartigen Coronavirus war aber bis vor einem guten Jahr kein Mensch auf der Welt ausgesetzt. Es trifft uns also unvorbereitet. Kinder zwar auch, aber ihr Immunsystem ist noch darauf ausgerichtet, ständig neuartige Erreger zu bekämpfen, schließlich infizieren sie sich ab der Geburt irgendwann mit allem zum ersten Mal.

Wenn Babys auf die Welt kommen, ist erst ein Teil ihres Immunsystems ausgebildet, auch angeborene Immunabwehr genannt. Sie bekämpft generell erst einmal alle Keime, die in den Körper eindringen. Erst nach und nach, Infektion für Infektion, baut sich die spezifische Immunabwehr auf. Das Immunsystem merkt sich, mit welchen Eindringlingen es schon einmal zu tun hatte, indem es spezifische Antikörper bildet, die die Viren bei der nächsten Infektion sofort erkennen. So können sie viel schneller unschädlich gemacht werden und Immunität entsteht.

Dementsprechend gehen die Wissenschaftler auch nicht davon aus, dass wir uns nach einer Impfung gar nicht mehr mit Corona infizieren oder andere anstecken können. Aber die gebildeten Antikörper könnten das Virus unschädlich machen, bevor es uns krank macht. Dann, so die Best Case Prognose der Forscher, könnte das Virus bald nur noch eine reguläre Kinderkrankheit sein, die vor allem die Kleinen betrifft, die noch keine spezifischen Corona-Antikörper ausbilden konnten. Sollte man sich irgendwann dazu entschließen auch schon Babys und Kinder gegen Corona zu impfen, könnte Covid-19 theoretisch sogar den Weg der eigentlich sehr gefährlichen Masern gehen – die Krankheit würde nur noch selten überhaupt ausbrechen.

Warum nur Impfungen uns sicher zur Corona-Endemie bringen

"Wie schnell man endemischen Status erreicht, hängt davon ab, wie schnell die Krankheit sich verbreitet und wie schnell Impfungen durchgeführt werden", sagte Studienleiterin Dr. Jennie Lavine von der Emory University in Atlanta der New York Times. "Es ist also wirklich entscheidend, dass jetzt jeder so schnell wie möglich die Impfung bekommt", betont sie.

Corona-Impfung - Mythen und Fake News
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Auf natürlichem Weg bräuchte es nach ihrer Einschätzung ein paar Jahre bis das neuartige Coronavirus endemisch würde. Der natürliche Weg zum endemischen Status ohne Impfung wäre allerdings auch der schlimmste. Krankheit und Tod von vielen Millionen Menschen wären der Preis für Herden-Immunität – eine sehr unethische Vorstellung. Die Möglichkeit, zu impfen, ändert diese düstere Gleichung völlig. Je schneller ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist, desto eher ist ein endemischer Status erreicht – mit einer sehr effektiven Impfkampagne könnte man, laut Dr. Lavine, sogar in sechs bis zwölf Monaten das große Ziel erreichen.

Dauerhafter, aber harmloser Begleiter

Allerdings sei es unwahrscheinlich, dass Impfungen das neuartige Coronavirus komplett ausrotten können. Die Forscherin geht davon aus, dass der Erreger ein dauerhafter, wenn auch harmloserer, Mitbewohner unserer Umwelt wird. Natürlich gibt es auch Stimmen aus der Wissenschaft, die diese Prognose anzweifeln. Beispielsweise können die aktuellen neuen Coronavirus-Varianten noch nicht genau eingeschätzt werden und es kann (noch) nicht endgültig feststehen, ob Erkältungs-Coronaviren und das neuartige Coronavirus wirklich so ähnlich sind, wie für die Studie angenommen. Grund zur Hoffnung und noch einen weiteren für die Impfung gibt sie aber auf jeden Fall.

Mehr zum Impfen:

Eine Möglichkeit, alles schnell in den Griff zu bekommen, wäre es, die Fallzahlen auf Null zu drücken – in wenigen Wochen: So funktioniert "Zero Covid".

Alle Corona-News und -Hintergründe finden Sie immer aktuell auf unserer Themenseite Coronavirus.

Studie:

Lavine et al. (Science, 2021): "Immunological characteristics govern the transition of COVID-19 to endemicity"

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