Aktualisiert: 18.01.2021 - 21:30

Metformin als Hoffnungsträger? Dieses Diabetes-Medikament reduziert das Covid-19-Sterberisiko

Metformin ist eigentlich ein Medikament für die Therapie von Diabetes Typ 2. Anscheinend schützt es Diabetes-Patienten, die es einnehmen, aber auch vor schwerem Covid-19 mit Todesfolge.

Foto: Getty Images/BakiBG

Metformin ist eigentlich ein Medikament für die Therapie von Diabetes Typ 2. Anscheinend schützt es Diabetes-Patienten, die es einnehmen, aber auch vor schwerem Covid-19 mit Todesfolge.

Diabetiker könnten besser vor schweren Corona-Verläufen mit Todesfolge geschützt sein – das legen die Ergebnisse einer aktuellen Studie nahe. Es gibt dabei nur ein Problem...

Nebst Neuentwicklungen von Medikamenten gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 werden auch bestehende Medikamente auf ihre Wirkung gegen das Virus und somit als schnelle Option in der Behandlung von Covid-19 getestet. Und manchmal entdecken Medizinerinnen und Mediziner diese Wirkung auch zufällig bei der Untersuchung vieler Patienten. Ein Beispiel ist das Antidiabetikum Metformin, das das Covid-19-Sterberisiko deutlich zu reduzieren scheint – dazu muss es allerdings schon vor der Diagnose eingenommen worden sein. Für Diabetiker, die das Mittel einnehmen, dennoch gute Nachrichten, denn sie zählen zu den Corona-Risikogruppen.

Metformin: Diabetes-Arznei senkt Covid-Sterberisiko

Die elektronischen Gesundheitsdaten von insgesamt 25.326 Covid-19 Patienten aus den USA haben sie auf die Spur geführt: In einer Analyse dieser Daten konnten Wissenschaftler*innen der University of Alabama feststellen, dass die Sterblichkeit bei denen, die aufgrund einer Diabetes-Erkrankung das Mittel Metformin einnahmen, geringer ausfiel. Genutzt wurden Daten von Patienten, die zwischen dem 25. Februar und dem 22. Juni 2020 in einer Klinik positiv auf das Coronavirus getestet worden waren.

Ziel des Ganzen war es, die Sterblichkeit bei Covid-19-positiven Patienten aufgrund bestimmter Patientencharakteristika und Begleiterkrankungen zu definieren. Dass die Forschenden dabei auf Metformin stießen, war nur eine Erkenntnis aus der Studienarbeit. Zusätzlich fanden sie heraus, dass Afroamerikaner sowie Patienten mit Adipositas, Hypertonie und Diabetes einem deutlich höheren Risiko eines schweren Covid-Verlaufes ausgesetzt waren. Insbesondere Diabetes erhöhte die Sterblichkeit enorm: 67 Prozent der im Zusammenhang mit der Krankheit Covid-19 Verstorbenen litten an der Zuckerkrankheit.

Und in diesem Zusammenhang fanden die Studienautor*innen heraus: Bei Diabetes-Patienten, die schon vor Infektion mit Metformin therapiert wurden, war die Sterblichkeit durch Covid-19 um 23 Prozent geringer als bei solchen, die andere Therapien nutzten, etwa Insulin. Wichtig dabei: Selbst wenn der Diabetes bei Patienten mit Insulin-Therapie gut eingestellt war, war deren Covid-19-Sterblichkeit höher als bei Metformin-Patienten.

Wem Metformin helfen könnte: Weitere Studien notwendig

Für Diabetes-Patienten, die bereits mit Metformin therapiert werden, ist das eine gute Nachricht. Allerdings betonen die Forschenden, dass diese Erkenntnis einen breiten Einsatz von Metformin auch bei bisher noch nicht damit behandelten Patienten nun noch nicht rechtfertigt. Hierzu muss es weitere Untersuchungen geben, denn Metformin bringt wie jedes Medikament Nebenwirkungen mit sich und nicht für jeden Diabetes-Erkrankten ist es geeignet.

Außerdem ist noch nicht hundertprozentig ausgeschlossen, dass nicht andere Eigenschaften ausschlaggebend für die geringere Sterberate war, etwa bessere Versorgung oder die Tatsache, dass sich die Patienten erst im Frühstadium der Diabetes-Erkrankung befanden. Denn auch starkes Übergewicht bis hin zu schwerer Adipositas ist eine Diabetes-Ursache und auch Begleiterkrankung, ebenso sowie ein metabolisches Syndrom oder hoher Blutdruck – alles auch schwere Risikofaktoren bei Covid-19. Möglich wäre daher auch, dass diese Risikofaktoren bei den mit Metformin behandelten Patienten nicht so ausgeprägt waren.

Metformin wird als orales Antidiabetikum bei Diabetes Typ 2 insbesondere in frühen Stadien eingesetzt, wenn sich der Blutzuckerspiegel durch Ernährungsumstellung und körperliche Betätigung nicht ausreichend senken lässt.

Dennoch: Auch französische Diabetologen sind in einer weiteren Studie zu ähnlichen Ergebnissen gekommen: In der "Coronado"-Studie zeigte sich ein um 41 Prozent geringeres Sterberisiko bei Diabetikern, die zuvor mit Metformin behandelt worden waren. Und auch eine Studie aus China, erschienen in der "Diabetologica" zeigt vergleichbare Ergebnisse. Zumindest bei Menschen mit noch nicht allzu weit fortgeschrittener Diabetes-Erkrankung und ohne weitere Begleiterscheinungen wie starker Adipositas können möglicherweise von einer Metformin-Gabe profitieren. Wie gesagt: Weitere Untersuchungen sind hier dringend notwendig.

Daher der Hinweis: Sollten Sie oder jemand in Ihrem Haushalt an Diabetes Typ 2 erkrankt sein und Metformin nutzen, erhöhen Sie bitte unter keinen Umständen einfach so die Dosis! Auch sollten Sie ohne explizite Verschreibung niemals einfach so Metformin oder andere Medikamente einnehmen. Metformin ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, dessen Einnahme immer ärztlich kontrolliert erfolgen muss!

Währenddessen sind übrigens noch andere Medikamente in den Fokus von Wissenschaftler*innen gerückt – etwa ein Antidepressivum, das vor schwerem Corona-Verlauf schützen soll. Aber es wird auch Neues entwickelt. AstraZeneca etwa arbeitet nebst Impfstoff auch an einem Sofort-Medikament gegen das Coronavirus. Andere Medikamente sollen die Übertragung verindern können

Mehr Neuigkeiten rund um das Coronavirus sowie zur Krankheit Diabetes finden Sie auf unseren Themenseiten.

_________

Studien:

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe