Aktualisiert: 13.01.2021 - 06:20

Inhaltsstoff neutralisiert Viren Lakritze gegen Corona: Darum sollten wir jetzt dennoch nicht tonnenweise Süßkram essen

Mit Lakritz gegen Corona? Ein Inhaltsstoff aus der Süßholzwurzel kann im Laborversuch Coronaviren neutralisieren. Mit dem Verzehr sollten Sie es dennoch nicht übertreiben.

Foto: Getty Images/KYNA STUDIO / 500px

Mit Lakritz gegen Corona? Ein Inhaltsstoff aus der Süßholzwurzel kann im Laborversuch Coronaviren neutralisieren. Mit dem Verzehr sollten Sie es dennoch nicht übertreiben.

Forscher aus Essen haben herausgefunden, dass ein Stoff aus der Süßholzwurzel Coronaviren neutralisieren kann. Sogar die in Süßholzwurzel-Tee enthaltene Menge könnte ausreichen. Jetzt also los und Lakritze kaufen? Davon raten die Forscher ab – denn das kann aus ganz anderen Gründen ungesund werden.

Es könnte so schön sein, wenn eine so einfache und (zumindest für manche unserer Gaumen) leckere Sache die Lösung aller Probleme wäre: Forschende der Universität Essen konnten in einer Studie nachweisen, dass ein in der Süßholzwurzel vorkommender Stoff antiviral wirkt: Lakritz neutralisiert das Coronavirus. Zu schön, um wahr zu sein – oder? Vom exzessiven Lakritzkonsum raten die Studienautoren nämlich ab.

Dieser Lakritz-Stoff wirkt gegen Corona

Genauer handelt es sich um Glycyrrhizin, einen Stoff, der in der Süßholzwurzel vorkommt. Und die, wissen wir alle, wird zu Lakritzen verarbeitet. Dass Süßholzwurzel bei Halsbeschwerden hilft, dürfte dem ein oder anderen schon bekannt sein. Jetzt konnten die Forschenden nachweisen: Glycyrrhizin kann Coronaviren neutralisieren – zumindest im Laborversuch.

Mit Lakritz haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht gearbeitet, aber eben mit einem Tee aus getrockneter Süßholzwurzel – doch der Stoff spielt auch bei der Lakritzherstellung eine große Rolle. "Glycyrrhizin hemmt ein für die Virusvermehrung essenzielles Enzym, die virale Hauptprotease", erklärt der Leiter der Studie, Adalbert Krawczyk in einer Mitteilung der Universität Essen. Feststellen konnten die Forschenden das an Viren in Zellkultur im Labor. Ob das beim Menschen ebenso gut klappt, muss aber noch herausgefunden werden. Zudem liegt die Studie bisher nur im Preprint vor und muss noch von unabhängigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geprüft werden.

Vorsicht: Darum ist zu viel Glycyrrhizin ungesund

Schon die Konzentration an Glycyrrhizin, die in normalen Süßholzwurzeltee vorkommt, hatte im Labor ausgereicht, um die Viren zu neutralisieren. Endlich eine leckere Variante, um sich vor dem Coronavirus und Covid-19 zu schützen und jetzt einfach massenhaft Tee trinken und Lakritze futtern? Davon rät Krawczyk ab: "Übertreiben sollte man es sicher nicht: Die maximale Tagesdosis von Glycyrrhizin liegt bei 100 Milligram, das entspricht je nach Sorte etwa 50 Gramm Lakritz." Und das ist wahrlich nicht viel. An zu viel Lakritz kann man sogar sterben, wie der Tod eines Mannes beweist, der durch mehrere Packungen Lakritzsüßigkeiten am Tag einen Herzstillstand erlitten hatte. Denn zu viel des Stoffes kann den Nährstoffhaushalt stark aus dem Gleichgewicht bringen und dafür sorgen, dass zu viel Natrium im Körper angereichert, dafür aber zu viel Kalium ausgeschieden wird. Und ein Kaliummangel etwa kann zu Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand führen.

Vorsichtig sollten zudem Menschen mit sowieso schon hohem Blutdruck sein, denn Glycyrrhizin erhöht die Produktion von Cortisol, und das wiederum treibt den Blutdruck weiter in die Höhe.

In Maßen ist die Süßholzwurzel allerdings gesund, wirkt schleimlösend und stärkt das Immunsystem. "Möglicherweise könnte der Konsum von Lakritz oder des Süßholzwurzelextrakts als Tee den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen", überlegt der Forscher aber. Dennoch reicht allein das – schon gar nicht ohne weitere Erkenntnisse auf die Wirkung beim Menschen – lange nicht aus. Daher appelliert er: Bitte dennoch weiterhin Abstand halten, Hygieneregeln beachten und sich, sobald es denn möglich sei, gegen das Coronavirus impfen lassen.

Darum schützt die AHA+L+C-Formel
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Studie: Krawczyk et al. (Preprint auf Biorxiv, 2020): "Glycyrrhizin effectively neutralizes SARS-CoV-2 in vitro by inhibiting the viral main protease"

Pressemeldung der Universität Essen: Glycyrrhizin wirkt in Zellkultur antiviral: Forscher der Universität Duisburg-Essen entdecken potentiellen Wirkstoffkandidaten gegen SARS-CoV-2

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