Aktualisiert: 12.01.2021 - 20:06

Rechtzeitig handeln Prädiabetes: 6 frühe Stadien warnen vor Typ 2

Diabetes - Was versteckt sich hinter der Zuckerkrankheit?

Diabetes - Was versteckt sich hinter der Zuckerkrankheit?

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Bevor jemand an Diabetes Typ 2 erkrankt, warnt der Körper bereits mit Prädiabetes. Und davon gibt es offenbar sechs verschiedene Stadien. Wer die kennt, kann eine Diabetes-Erkrankung möglicherweise noch abwenden.

Haben Sie schon einmal von Prädiabetes gehört? Diabetes Typ 2, die Form von Diabetes mellitus, mit der sich die meisten Patienten mit steigendem Alter herumschlagen, wird oft als eine Art "Wohlstandskrankheit" bezeichnet. Sie entsteht schleichend – und in vielen Fällen kann die Diagnose sogar noch abgewendet werden. Forschende aus Tübingen haben nun sechs klar abgrenzbare Formen der Prädiabetes identifiziert. Mit diesem Wissen könnte sich zukünftig so manche Diabetes-Erkrankung verhindern lassen. Gezieltere Prävention ist hier das Stichwort.

Prädiabetes-Formen: Prävention einfacher gestalten

Wir leben in Pandemie-Zeiten – ausnahmsweise ist hier einmal nicht das Coronavirus gemeint, sondern eine viel schleichendere Krankheit, deren Auswirkungen wir in der Zukunft hart zu spüren bekommen, lenken wir nicht dagegen: Diabetes. Das Risiko für die Zuckerkrankheit steigt allein aufgrund unserer Ernährungsgewohnheiten seit vielen Jahren. Und Experten vom Deutschen Diabetes Zentrum (DDZ) und vom Robert-Koch-Institut (RKI) prognostizieren: In 20 Jahren könnten bis zu 12 Millionen Menschen in Deutschland an Typ-2-Diabetes erkrankt sein. Nebst steigendem Alter der Bevölkerung nennen sie als Risikofaktoren: Fehlernährung, körperliche Inaktivität und Adipositas.

Doch Diabetes Typ 2 entwickelt sich schleichend. Die Zahl derer, die bisher unter Formen von Prädiabetes leiden, oder darauf zugehen, kann nur geschätzt werden. Ein Problem: Bisher sei es bei Menschen mit Prädiabetes unmöglich gewesen, vorauszusagen, "ob sie einen Diabetes entwickeln und Risiken zu schweren Folgeerkrankungen wie Nierenversagen haben oder nur eine harmlose Form von leicht höheren Blutzuckerwerten ohne bedeutsames Risiko aufweisen", erklärt der Initiator der Tübinger Studie, Hans-Ulrich Häring. Er hatte die Forschungsarbeit vor 25 Jahren ins Leben gerufen. Mit den Ergebnissen könnte es diesem Problem nun also an den Kragen gehen.

Das sind die sechs Prädiabetes-Cluster

Mithilfe einer Clusteranalyse konnten die Forschenden sechs unterschiedliche Prädiabetes-Subtypen identifizieren, jede mit einem anderen Risikopotential für eine tatsächliche Diabeteserkrankung. Drei der Subtypen weisen demnach ein geringes Diabetes-Risiko auf, bei den anderen drei ist das Risiko dagegen erhöht. Zudem bestehen laut Studienergebnissen Unterschiede in der Entstehung der Krankheit sowie der Entwicklung von Folgeerkrankungen.

899 Personen mit erhöhtem Diabetes-Risiko aus der sogenannten Tübinger Familienstudie und der Studie des Tübinger Lebensstilprogramms (TUEF/TULIP) wurden in die Studie einbezogen. Über Jahre hinweg wurde der Stoffwechsel der Teilnehmern detailliert untersucht und Parameter wie Blutzuckerwerte, Leberfett, Körperfettverteilung, Blutfettspiegel und genetisches Risiko notiert. Darauf aufbauend ließen sich die sechs Prädiabetes-Subtypen dann identifizieren. Und das sind die Cluster:

  • Cluster 1: niedriges Diabetes-Risiko; übergewichtig
  • Cluster 2: niedriges Diabetes-Risiko; normalgewichtig
  • Cluster 3: Hochrisiko – niedrige Insulinsekretion und hohes genetisches Risiko; nebst hohem Diabetesrisiko auch hohes kardiovaskuläres Risiko und Nephropathierisiko, übergewichtig
  • Cluster 4: niedriges Diabetes-Risiko; Körperfett aber vor allem im sogenannten subkutanen Bereich (Unterhautfett); adipös
  • Cluster 5: Hochrisko – hohes Leberfett, Insulinresistenz, nebst hohem Diabetesrisiko auch hohes kardiovaskuläres Risiko, höhere Mortalität und hohes Nephropathierisiko; fettleibig
  • Cluster 6: Hochrisiko – hohes viszerales Fett (Fett um die Organe herum), hohes renales Sinusfett, zwar relativ niedriges Diabetesrisiko, dafür hohes Nephropathierisiko und höhere Mortalität; adipös

Die sechs Untertypen konnten die Forschenden mit den Daten der sogenannten Londoner "Whitehall-II-Studie" mit insgesamt 6810 Probanden bestätigen.

Prädiabetes-Therapie auf Patienten zugeschnitten

Anhand der Klassifizierung könne man nun Therapien weiterentwickeln, die auf die sechs Subtypen zugeschnitten sind. So könnten Personen aus Cluster 5 etwa mithilfe einer extremen Ernährungs- und Lebensstilumstellung mit Ziel Gewichtsverlust und Leberfettreduktion ihr Diabetes- und Mortalitätsrisiko senken, schlagen die Wissenschaftler vor. Und wer zu Cluster 3 gehört, könnte möglicherweise mithilfe von aerobem Training und Kalorienzählen ihr Bauchfett reduzieren und so ihr Diabetesrisiko senken.

Die Studienautoren weisen aber darauf hin, dass Personen nun nicht klinisch lediglich einem Subtypen zugeteilt werden können. Vielmehr sollen die Subtypen das "metabolisch heterogene klinische Erscheinungsbild des Prädiabetes" charakterisieren.

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Studien:

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